Auf der letztjährigen Gamescom ist mir ein Spiel besonders im Gedächtnis geblieben: „John Carpenter’s Toxic Commando“, ein kooperativer Shooter von Saber Interaktive, der mich durch sein schnelles Gameplay und überzogene Gewaltdarstellung in der Anspielsession ziemlich begeistert hat. Das Spiel kombiniert klassische Horde Shooter-Mechaniken mit einem deutlichen B-Movie-Charme, der stark an das filmische Erbe von Altmeister John Carpenter erinnert. Als First-Person-Shooter mit klarem Fokus auf Vier-Spieler-Koop richtet sich der Titel vor allem an Gruppen, die gemeinsam gegen gewaltige Gegnerwellen antreten möchten. Doch bleibt die Frage: Kann sich dieses Projekt mit seinem bewusst überdrehten Stil und der prominenten Beteiligung eines Horrorfilm-Veteranen tatsächlich von anderen Koop-Shootern abheben – oder bleibt es letztlich nur eine weitere Variante eines bekannten Konzepts, die schnell in der Vergessenheit verschwinden wird?

Die Handlung spielt in einer nahen Zukunft, in der ein wissenschaftliches Experiment zur Nutzung der Energie des Erdkerns katastrophal schiefgeht. Das Resultat ist eine bizarre ökologische und biologische Katastrophe: Der Boden selbst verwandelt sich in eine toxische Masse, während Menschen in monströse Kreaturen mutieren. Hinter diesem Desaster steht eine Entität, die im Spiel als Sludge God bezeichnet wird und deren Einfluss sich rasch über ganze Regionen ausbreitet. Um die Situation zu retten, engagiert der verantwortliche Wissenschaftler Leon Dorsey eine Gruppe Söldner. Allerdings handelt es sich nicht um die Eliteeinheit, die man vielleicht erwarten würde – stattdessen besteht das Team aus den vergleichsweise günstigen, aber nicht unbedingt hochprofessionellen „Toxic Commandos“.

(c) Saber Interactive, Focus Entertainment

Zu den spielbaren Figuren zählen unter anderem Walter Irons, Cato Arman, Ruby Pelicano und Astrid Xu. Sie bilden das Kernteam der Missionen und repräsentieren unterschiedliche Klassen und Spielstile. Charakterlich bleiben diese Figuren allerdings eher skizzenhaft. Ihre Persönlichkeiten werden hauptsächlich über kurze Dialoge und humorvolle Zwischensequenzen angedeutet, ohne jemals wirklich in die Tiefe zu gehen. Das wirkt zunächst etwas enttäuschend, zumal das Spiel mit seinem Buddy-Movie-Ton eigentlich viel Raum für charismatische Figuren bieten würde. Gleichzeitig gelingt es der Inszenierung dennoch, eine gewisse Dynamik aufzubauen: Die Dialoge sind bewusst überzeichnet, die Situationen oft absurd, und der gesamte Tonfall erinnert an die ironische Übertreibung klassischer Horror- und Actionfilme der 1980er Jahre.

(c) Saber Interactive, Focus Entertainment

Diese Atmosphäre wird zusätzlich durch die Beteiligung von John Carpenter gestützt. Der legendäre Regisseur ist hier nicht nur als Namensgeber präsent, sondern auch musikalisch beteiligt. Sein charakteristischer Synth-Sound prägt weite Teile des Soundtracks und sorgt dafür, dass die Stimmung häufig an seine Filmklassiker erinnert. Das Spiel versucht bewusst, den Geist dieser Ära einzufangen – nicht als direkte Hommage an ein bestimmtes Werk, sondern eher als stilistische Orientierung.

(c) Saber Interactive, Focus Entertainment

Im Zentrum des Spielerlebnisses steht jedoch das Gameplay, und hier wird schnell klar, dass das Spiel in erster Linie als Multiplayer-Erfahrung gedacht ist, was Solo Spieler stören wird. Es ist zwar grundsätzlich möglich allein mit Bots zu spielen, wird aber um einiges schwerer, besonders wenn gleichzeitig mehrere Aufgaben erledigt werden müssen. Das Missionsdesign ist stark auf Kooperation ausgelegt. Viele Situationen verlangen, dass sich das Team aufteilt, Verteidigungspositionen aufbaut oder bestimmte Fähigkeiten kombiniert. Sonst folgt der Titel dem Konzept klassischen eines kooperativen Horde-Shooters, wie „Left 4 Dead“, bei dem Teams aus bis zu vier Spielern gemeinsam Missionen absolvieren. Diese führen durch halb offene Gebiete, in denen Objectives erfüllt, Ressourcen gesammelt und immer neue Gegnerwellen abgewehrt werden müssen.

(c) Saber Interactive, Focus Entertainment

Die Perspektive ist klassisch aus der Ego-Sicht gehalten, und das grundlegende Gunplay fühlt sich solide und direkt an. Verschiedene Waffen, Spezialfähigkeiten und explosive Gadgets sorgen für ausreichend taktische Optionen. Ergänzt wird das Arsenal durch Fahrzeuge, die eine überraschend wichtige Rolle spielen. Manche Missionen erfordern es, mit gepanzerten Trucks oder Offroad-Fahrzeugen durch verseuchte Landschaften zu fahren, während riesige Gegnerhorden versuchen, den Konvoi aufzuhalten.

(c) Saber Interactive, Focus Entertainment

Die Gegner selbst treten häufig in großen Schwärmen auf, was durch die sogenannte Swarm Engine ermöglicht wird – eine Technologie, die Entwickler Saber Interactive bereits in früheren Projekten, wie „World War Z“ oder auch „Warhammer 40k Space Marine 2“ eingesetzt hat. Wenn Dutzende oder sogar Hunderte Kreaturen gleichzeitig über ein Gelände strömen, entsteht ein beeindruckendes Chaos, das den Kern der Spielmechanik ausmacht. Diese Massengefechte gehören zweifellos zu den spektakulärsten Momenten des Spiels.

(c) Saber Interactive, Focus Entertainment

Grafisch setzt das Spiel auf eine Mischung aus realistischer Umgebungsgestaltung und bewusst überzeichneten Effekten. Die Spielwelt zeigt verlassene Industriegebiete, zerstörte Vororte und schlammige Landschaften, die von der toxischen Katastrophe gezeichnet sind. Dabei fällt auf, dass das Spiel trotz seines Endzeit-Settings erstaunlich farbenfroh bleibt. Die toxischen Substanzen leuchten in grellen Grün- und Gelbtönen, während Explosionen und Spezialeffekte die Gefechte visuell dominieren. Die Framerate bleibt auch in intensiven Gefechten meist konstant, selbst wenn größere Gegnerhorden auftreten. Kleinere Unsauberkeiten bei Animationen oder Kollisionsabfragen fallen nur gelegentlich auf, bleiben jedoch selten störend. Insgesamt hinterlässt die Technik einen soliden Eindruck, ohne sich als grafischer Maßstab des Genres zu positionieren.

(c) Saber Interactive, Focus Entertainment

Der Sound spielt bei einem Spiel mit „John Carpenter“ im Titel selbstverständlich eine entscheidende Rolle für die Atmosphäre. Doch auch neben dem bereits erwähnten Synth-Score, teilweise von John Carpenter, teilweise von Gunship, sorgt auch das Sounddesign der Waffen und Explosionen für eine angenehm druckvolle Kulisse. Besonders in hektischen Gefechten entsteht ein Klangbild, das das Chaos der Schlacht überzeugend vermittelt. Gleichzeitig unterstreichen humorvolle Dialoge und bewusst übertriebene Funksprüche den ironischen Ton des Spiels.

(c) Saber Interactive, Focus Entertainment

Am Ende hinterlässt „John Carpenter’s Toxic Commando“, wenn man es mehr als 15 Minuten im Rahmen einer Anspielsession spielt, einen gemischten, aber unter bestimmten Bedingungen interessanten Eindruck. Das Spiel lebt weniger von einer tiefgehenden Story oder komplexen Charakteren, sondern vielmehr von seiner Atmosphäre und dem kooperativen Chaos seiner Gefechte. Die Figuren bleiben blass, und auch die Missionen folgen häufig vertrauten Mustern des Genres. Gleichzeitig gelingt es der Inszenierung, diese Schwächen teilweise auszugleichen. Dennoch ist es schade, dass das Spiel in dieser Beziehung keineswegs die Klasse der Filme von John Carpenter erreicht. Ebenso muss man festhalten, dass der Spaß beim Solo Gameplay absolut auf der Strecke bleibt und im Grunde ausschließlich im Team gespielt werden sollte.

(c) Saber Interactive, Focus Entertainment

Wer das berücksichtigt und sich auf das Spiel einlässt, erlebt einen Shooter, der seine größten Stärken im Zusammenspiel mehrerer Spieler entfaltet und gerade durch diese Komponente glänzt. In einer eingespielten Gruppe entsteht ein rhythmisches Wechselspiel aus Planung, Improvisation und spektakulären Gefechten gegen überwältigende Gegnerwellen. Genau in diesen Momenten wird deutlich, welches Erlebnis das Spiel eigentlich vermitteln möchte. Für Spieler, die kooperative Action mögen und sich von der bewusst überdrehten Horror-Ästhetik angesprochen fühlen, dürfte „John Carpenter’s Toxic Commando“ daher durchaus einen Blick wert sein. Es ist kein perfektes Spiel, aber eines, das seinen eigenen Ton gefunden hat – und das besonders dann funktioniert, wenn man sich gemeinsam mit Freunden in das toxische Chaos stürzt.

Entwickler: Saber Interactive

Publisher: Focus Entertainment

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S

Getestet auf: PS5

NB@09.04.2026

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Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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