Mit „Bluey’s Quest for the Gold Pen“ wagt sich die beliebte australische Kinderserie erneut in die Welt der Videospiele. Anders als der unterhaltsame, aber in Sachen Umfang sehr überschaubare Vorgänger, „Bluey: Das Videospiel“ setzt die neue Produktion auf eine deutlich größere Spielwelt, mehr Erkundung und eine eigenständige Geschichte aus der Feder von Joe Brumm, dem Schöpfer der Serie selbst. Die Frage liegt dabei schnell auf der Hand: Kann ein Spiel, das sich in erster Linie an Kinder und Familien richtet, auch spielerisch überzeugen und sich von typischen Lizenzproduktionen abheben?

Die Geschichte beginnt mit einem denkbar einfachen Ausgangspunkt. Bluey möchte ihre Zeichnung fertigstellen, doch ihr Vater Bandit schnappt sich kurzerhand den titelgebenden Gold Pen. Was als familiäres Spiel beginnt, entwickelt sich schnell zu einer fantasievollen Reise durch verschiedene gezeichnete Welten, die den Vorstellungen der Heeler-Familie entspringen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Bingo, in Form einer geflügelten „Bingogans“, macht sich Bluey auf die Suche nach dem verlorenen Stift und durchquert dabei zahlreiche fantasievolle Regionen voller kleiner Rätsel, Geheimnisse und skurriler Begegnungen.

Dabei gelingt dem Spiel etwas, das Fans der Serie sofort erkennen werden: Es fängt den besonderen Charme der Vorlage erstaunlich gut ein. Die Figuren verhalten sich genauso, wie man sie aus den Episoden kennt und alltägliche Situationen werden mit Hilfe von viel Fantasie zu einem unvergesslichen Abenteuer. Die Dialoge wirken natürlich und humorvoll, während die familiären Themen stets präsent bleiben, ohne jemals belehrend zu wirken. Wer selbst Kinder hat oder die Serie gemeinsam mit ihnen schaut, wird viele der kleinen Momente wiedererkennen, die die Serie zu einem weltweiten Erfolg gemacht haben.

Gleichzeitig erinnert die Reise durch die unterschiedlichen Fantasiewelten immer wieder an klassische Abenteuerfilme und Kindergeschichten. Die Handlung bleibt bewusst leicht zugänglich, schafft es aber dennoch, Neugier zu wecken und die Motivation zum Erkunden aufrechtzuerhalten. Gerade jüngere Spieler dürften sich schnell mit den Figuren identifizieren und gerne durch die verschiedenen Umgebungen ziehen.

Spielerisch zeigt sich die offensichtlichste Inspiration bereits nach wenigen Minuten. Das Abenteuer erinnert in seinem Aufbau überraschend stark an die frühen „Paper Mario“-Spiele. Natürlich erreicht die Produktion weder deren Komplexität noch deren Umfang, doch die Mischung aus Erkundung, kleinen Rätseln, charmanten Charakteren und einer papierartigen Bilderbuch-Ästhetik weckt unweigerlich Erinnerungen an Nintendos Rollenspielklassiker.

Statt auf Kämpfe setzt das Spiel allerdings nahezu vollständig auf Erkundung und Rätsel. Die verschiedenen Areale sind angenehm überschaubar gestaltet und laden dazu ein, versteckte Gegenstände zu entdecken oder optionale Geheimnisse aufzuspüren. Dabei sammelt man Hinweise, löst kleinere Aufgaben und interagiert mit zahlreichen Figuren. Das Gameplay bleibt bewusst einfach gehalten, ohne dabei langweilig zu werden.

Zusätzlich schwingt immer wieder ein Hauch von „The Legend of Zelda“ mit. Natürlich handelt es sich nicht um ein vollwertiges Action-Adventure, doch die Struktur vieler Abschnitte erinnert an eine stark vereinfachte Version der berühmten Reihe. Neue Bereiche werden durch das Lösen kleiner Aufgaben erschlossen, Gegenstände helfen beim Vorankommen und die Spielwelt belohnt Neugier mit kleinen Entdeckungen. Man könnte die Reise durchaus als eine Art „Zelda Light“ für jüngere Spieler bezeichnen.

Die Steuerung auf der Nintendo Switch 2 funktioniert dabei angenehm unkompliziert. Bluey reagiert präzise auf Eingaben, die Interaktionen sind intuitiv und die Benutzeroberfläche bleibt jederzeit übersichtlich. Gerade für Kinder ist dies ein wichtiger Aspekt, denn die Mechaniken werden verständlich erklärt und überfordern die Zielgruppe nie.

Daraus ergibt sich allerdings auch der größte spielerische Kritikpunkt. Der Schwierigkeitsgrad fällt über weite Strecken sehr niedrig aus. Rätsel lassen sich meist schnell durchschauen und ernsthafte Herausforderungen sind selten. Erwachsene Spieler werden viele Aufgaben ohne großes Nachdenken lösen können und die meisten Hindernisse stellen kaum eine echte Hürde dar.

Allerdings sollte man diesen Umstand fair einordnen. Die Produktion richtet sich in erster Linie an Kinder und Familien. Für diese Zielgruppe funktioniert die Balance mutmaßlich hervorragend. Frustmomente bleiben praktisch aus und jüngere Spieler können das Abenteuer eigenständig erleben. Wer hingegen komplexe Rätsel oder anspruchsvolle Herausforderungen erwartet, gehört schlicht nicht zur Kernzielgruppe.

Besonders gelungen ist die Präsentation. Die handgezeichneten Welten sehen aus, als wären sie direkt einer Episode der Fernsehserie entsprungen. Jeder Abschnitt besitzt einen eigenen visuellen Charakter und vermittelt das Gefühl, tatsächlich durch die Fantasie der Figuren zu reisen. Von sonnigen Stränden über märchenhafte Landschaften bis hin zu kreativen Traumwelten entsteht eine angenehm abwechslungsreiche Reise.

Technisch hinterließ die getestete Version auf der Nintendo Switch 2 einen sehr stabilen Eindruck. Die Bildrate bleibt konstant, Ladezeiten fallen kurz aus und auch die Auflösung wirkt sauber und scharf. Die bewusst einfache grafische Gestaltung kommt der Hardware dabei natürlich entgegen, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass der Stil zeitlos wirkt.

Auch musikalisch trifft das Spiel den Ton der Vorlage hervorragend. Die Musik begleitet das Geschehen unaufdringlich und unterstützt die entspannte Atmosphäre. Bekannte Motive und neue Kompositionen fügen sich nahtlos zusammen und sorgen dafür, dass sich die Welt von Bluey jederzeit authentisch anfühlt.

Den einzigen wirklich relevanten Kritikpunkt findet man ausgerechnet bei der Lokalisierung. Obwohl das Abenteuer mit Untertiteln ausgestattet ist, fehlt eine deutsche Synchronisation vollständig. Stattdessen sind ausschließlich die englischen Originalstimmen zu hören. Für Erwachsene stellt dies zwar kaum ein Problem dar, zumal die Sprecher einen hervorragenden Job leisten und viel zum Charme beitragen, aber jüngere Spieler, die zweifelsfrei die Hauptzielgruppe sind, bleiben dabei nicht nur in Sachen Humor größtenteils auf der Stecke, sondern werden auch bei Quests mit unnötigen Hürden konfrontiert, wenn man die Anweisungen auf Grund der Sprachbarriere nicht versteht.

Die Untertitel helfen zwar, setzen aber Lesekenntnisse voraus, was sich allerdings auch etwas mit der Zielgruppe beißt, da die Serie sich eher an Vorschulkinder richtet. Eine deutsche Vertonung hätte das Gesamtpaket daher noch einmal deutlich aufgewertet und die Zugänglichkeit verbessert. Dieser Punkt fällt umso stärker ins Gewicht, weil ansonsten nahezu alle Bestandteile konsequent auf Familienfreundlichkeit ausgelegt sind. Es wäre schön, wenn in dieser Beziehung vielleicht noch ein Update nachgereicht wird.

Hinter dem Projekt steht mit Halfbrick Studios ein Entwickler, der vielen Spielern vor allem durch „Fruit Ninja“ und „Jetpack Joyride“ bekannt sein dürfte. Das australische Studio zählt seit Jahren zu den bekanntesten Namen im Mobile-Gaming und konnte bereits in der Vergangenheit seine Fähigkeit unter Beweis stellen, zugängliche und familienfreundliche Spielerfahrungen zu entwickeln. Für dieses Abenteuer arbeitete das Team eng mit Serienschöpfer Joe Brumm zusammen, wodurch Geschichte und Figuren spürbar näher an der eigentlichen Serie bleiben als bei früheren Videospielumsetzungen. Zudem handelt es sich um das erste größere Spiel der Marke, das direkt unter Beteiligung des Serienerfinders entstanden ist.

Am Ende hinterlässt das Abenteuer einen ausgesprochen positiven Eindruck. Die Mischung aus Erkundung, Rätseln, liebevoller Präsentation und sympathischen Figuren erinnert stellenweise an eine familienfreundliche Kombination aus „Paper Mario“ und einem stark vereinfachten „The Legend of Zelda“, ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren.

Wer nach einer komplexen Herausforderung sucht, wird hier vermutlich nicht fündig. Familien, Fans der Serie und jüngere Spieler erhalten hingegen ein charmantes Abenteuer, das den Geist der Vorlage authentisch einfängt und dabei deutlich mehr bietet als die meisten typischen Lizenzspiele. Die fehlende deutsche Synchronisation bleibt ein bedauerlicher Makel, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein liebevoll gestaltetes Familienabenteuer entstanden ist, das insbesondere Fans von Bluey und entspannter Erkundung ansprechen dürfte.
Entwickler: Halfbrick Studios
Publisher: PM Studios
Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2, Mobile-Plattformen
Getestet auf: Switch 2
NB@10.06.2026
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Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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