Siege und Niederlagen. Knock-outs und Submissions. Genau diese spektakulären Momente landen auf den Titelseiten und sorgen für die großen Schlagzeilen im MMA-Sport. Doch sie erzählen nur einen kleinen Teil der eigentlichen Geschichte. Die unzähligen Stunden im Gym, gebrochene Nasen, aufgeschlagene Augenbrauen, schmerzende Gelenke und der ständige Kampf gegen die eigenen Grenzen bleiben meist im Hintergrund. Genau dort setzt EA Sports UFC 6 an. Statt sich ausschließlich auf die Kämpfe selbst zu konzentrieren, möchte das Spiel die Geschichten hinter den Kämpfern erzählen. Und das gelingt EA Vancouver erstaunlich gut.

Nach vielen Stunden auf der PS5 hinterlässt UFC 6 einen starken Eindruck. Trotz einiger fragwürdiger Designentscheidungen liefert die neueste MMA-Simulation die bislang umfangreichste und emotionalste UFC-Erfahrung der Reihe. Vor allem die neuen Story-Inhalte und die Inszenierung der Karrieren großer Legenden machen das Spiel zu deutlich mehr als nur einem weiteren jährlichen Sporttitel. Das Herzstück bleibt natürlich der Kampf selbst. Bereits UFC 5 überzeugte mit seinem brutalen Schadenssystem und den realistischen Animationen. UFC 6 baut darauf auf und verfeinert viele Details. Schläge wirken noch wuchtiger, Treffer fühlen sich härter an und die Darstellung der Verletzungen gehört weiterhin zum Besten, was Sportspiele aktuell bieten. Blutige Schnitte, geschwollene Gesichter und sichtbar nachlassende Ausdauer vermitteln jederzeit das Gefühl eines echten MMA-Kampfes.

Besonders positiv fällt auf, dass viele der merkwürdigen Animationen aus dem Vorgänger deutlich reduziert wurden. Zwar kommt es immer noch gelegentlich zu etwas seltsamen Verrenkungen von Armen oder Beinen, doch insgesamt wirken die Bewegungsabläufe natürlicher und glaubwürdiger. Gerade auf der PS5 sorgt die Frostbite-Engine erneut für eine beeindruckende Präsentation, die sowohl in Nahaufnahmen als auch während der Kämpfe überzeugt. Die größte Gameplay-Neuerung hört auf den Namen Flow State. Dieses System soll den Moment darstellen, in dem ein Kämpfer vollkommen im Kampf aufgeht und seine Fähigkeiten auf ein neues Niveau hebt. Aktiviert man den Flow State, werden Angriffe effektiver, Reaktionen schneller und bestimmte Spezialfähigkeiten freigeschaltet.

In der Theorie klingt das interessant. In der Praxis wirkt das System jedoch oft fehl am Platz. MMA lebt von Authentizität, Strategie und dem ständigen Ringen um Kontrolle. Flow State fühlt sich dagegen eher wie eine Mechanik aus einem Arcade-Prügler an. Gerade in Online-Kämpfen entwickelt sich dadurch häufig ein Wettlauf darum, wer seine Anzeige zuerst füllt und den Bonus aktivieren kann. Zwar gibt es einzelne Situationen, in denen das Feature durchaus funktioniert, doch insgesamt wirkt es wie ein unnötiger Fremdkörper innerhalb der ansonsten sehr realistischen Kampfsimulation. Während eines intensiven Kampfes konzentrierte ich mich meist auf Distanzmanagement, Takedown-Verteidigung und Kombinationen, nicht auf eine zusätzliche Spezialanzeige. Zum Glück ist das eigentliche Kampfsystem stark genug, um diese Schwäche aufzufangen. Sobald man sich an die überarbeiteten Steuerungen gewöhnt hat, entfaltet UFC 6 seine volle Stärke. Das Zusammenspiel aus Stand-Up, Clinch und Bodenkampf bleibt komplex, aber fair. Jeder Sieg fühlt sich verdient an und jede Niederlage hat meist einen klar erkennbaren Grund.

Besonders beeindruckend ist erneut die Vielfalt der Kämpfer. Vom technisch perfekten Islam Makhachev über den explosiven Alex Pereira bis hin zu Max Holloway und Zhang Weili besitzt jeder Athlet seinen eigenen Stil. Das sorgt dafür, dass sich Kämpfe ständig unterschiedlich anfühlen und man immer wieder neue Strategien ausprobieren möchte. Die größte Überraschung des Spiels ist jedoch Hall of Legends. Dieser neue Modus widmet sich den Karrieren ausgewählter UFC-Legenden und gehört ohne Zweifel zu den besten Einzelspieler-Inhalten, die die Reihe bislang hervorgebracht hat. Anhand von Max Holloway, Alex Pereira und Zhang Weili werden einige der bedeutendsten Momente ihrer Karrieren nacherzählt. Dabei beschränkt sich UFC 6 nicht auf einfache Kampfrekonstruktionen. Stattdessen erhält man Hintergrundinformationen, Interviews, Videomaterial und interaktive Herausforderungen, die die jeweiligen Geschichten lebendig werden lassen.

Gerade als MMA-Fan entwickelt dieser Modus eine enorme Sogwirkung. Die berühmten Kämpfe nachzuspielen, ikonische Momente nachzustellen und die Hintergründe dieser Karrieren zu erleben, sorgt für eine emotionale Verbindung, die man in Sportspielen nur selten findet. Ein besonderer Höhepunkt ist die Nachstellung von Holloways legendärem BMF-Titelkampf gegen Justin Gaethje. Als Holloway im Flow State sogar seine berühmte Geste nachstellt und auf die Mitte des Oktagons zeigt, bevor die letzten Sekunden beginnen, entsteht ein echter Gänsehautmoment. Solche Details zeigen, wie viel Liebe zum Sport in Hall of Legends steckt. Fast genauso gelungen präsentiert sich der neue Karriere-Modus The Legacy. Anders als die klassische UFC-Karriere erzählt dieser Modus eine eigene Geschichte rund um den Nachwuchskämpfer Chris Carter. Ohne zu viel zu verraten: The Legacy setzt auf Rivalitäten, Rückschläge und persönliche Entwicklung. Die Geschichte erinnert teilweise an klassische Underdog-Filme wie Rocky, funktioniert aber genau deshalb so gut. Man entwickelt schnell eine Verbindung zum eigenen Kämpfer und möchte wissen, wie sich dessen Karriere entwickelt.

Gleichzeitig sorgt die größere Anzahl an Events außerhalb der Kämpfe dafür, dass die Karriere deutlich abwechslungsreicher wirkt als noch in UFC 5. Pressekonferenzen, Rivalitäten und Story-Ereignisse lockern den Ablauf spürbar auf. Wer lieber direkt als etablierter UFC-Star starten möchte, kann weiterhin die klassische Karriere spielen. Diese wurde ebenfalls verbessert und profitiert von der deutlich größeren Kämpferauswahl. Besonders erfreulich ist die Aufnahme von Legenden wie Randy Couture und Ken Shamrock, die viele Fans seit Jahren gefordert haben. Weniger gelungen ist dagegen der neue Modus The Gym. Hier sammelt man Kämpfer, trainiert sie und schaltet dadurch kosmetische Belohnungen frei. Das Problem dabei: Die Belohnungen beschränken sich fast ausschließlich auf Outfits, Hintergründe, Gürtel und Profilbilder. Während die Idee eines langfristigen Sammelmodus durchaus Potenzial besitzt, fehlt aktuell der spielerische Mehrwert. Das Training wirkt eher wie eine Beschäftigungstherapie für zusätzliche Freischaltungen und fügt dem eigentlichen MMA-Erlebnis kaum etwas hinzu. Technisch präsentiert sich UFC 6 auf der PS5 von seiner besten Seite. Die Ladezeiten sind kurz, die Kämpfe laufen flüssig und die Präsentation erreicht ein Niveau, das nur wenige Sportspiele aktuell bieten. Die detaillierten Kämpfermodelle, die beeindruckenden Schadenseffekte und die authentische Atmosphäre während der Events sorgen dafür, dass sich jede Veranstaltung wie eine echte UFC Fight Night anfühlt.

Auch akustisch überzeugt das Gesamtpaket. Die Kommentatoren reagieren dynamischer auf das Geschehen, die Zuschauer sorgen für Stimmung und die Soundkulisse innerhalb des Oktagons vermittelt die rohe Brutalität der Kämpfe eindrucksvoll.
EA Sports UFC 6 ist nicht perfekt. Flow State wirkt unnötig verspielt und The Gym bleibt weit hinter seinem Potenzial zurück. Gleichzeitig gelingt EA Vancouver jedoch etwas viel Wichtigeres: Das Studio versteht die Menschen hinter den Kämpfern besser denn je. Mit Hall of Legends und The Legacy liefert UFC 6 zwei hervorragende Einzelspieler-Modi, die den Fokus auf die Geschichten, Opfer und Karrieren der Athleten legen. Kombiniert mit dem weiterhin exzellenten Kampfsystem, der starken Präsentation und dem umfangreichen Kader entsteht die bislang kompletteste UFC-Erfahrung. Für MMA-Fans führt an UFC 6 kaum ein Weg vorbei. Trotz kleiner Schwächen erzählt das Spiel die Geschichte dieses Sports mit Leidenschaft, Respekt und einer Authentizität, die man nur selten in Sportspielen findet.
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Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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