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Die Batman-Reihe von Telltale hatte im vergangenen Jahr durchschlagenden Erfolg und hat auch eingefleischte Fans mit teilweise sehr interessanten und düsteren Abweichungen vom Ausgangsmaterial in Ihren Bang ziehen können. Aus diesem Grund bekam Batman nun auch eine zweite Staffel beschert, obwohl sich Telltale so langsam von der klassischen Nummerierung zu verabschieden scheint, denn schon wie die aktuellste Staffel von „The Walking Dead“ hat auch diese Telltale-Reihe keine Nummerierung, sondern stattdessen mit „The Enemy within“ einen Untertitel bekommen.

Das suggeriert zwar, dass die Geschichte komplett losgelöst von der anderen Reihe ist, was aber nicht der Fall ist. Es gibt viele Anspielungen an die vergangene Staffel und in Gesprächen wird Bezug auf die dort getroffenen Entscheidungen genommen. Aus diesem Grund ist es auch wieder möglich wahlweise das Savegame aus der vorigen Staffel beim Spielstart zu importieren, die Entscheidungen per Fragebogen neu zu setzen oder automatisch generieren zu lassen. Auch wenn die Unterschiede eher marginal zu sein scheinen, ist es immerhin schön zu wissen, dass die Entscheidungen der Spieler zumindest in der Theorie auch für diese Staffel eine gewisse Tragweite zu haben scheinen, um diese Feature hervorzurufen.

Bevor wir richtig loslegen eine Warnung vorweg: Die Rezension enthält Spoiler zum Anfang der Episode, was notwendig ist um die Motivation und Problematik innerhalb der Handlung zu verdeutlichen. Wo es geht wird auf Spoiler verzichtet und natürlich wird auch das Ende der Episode nicht verraten, da dieses meist mit einem Cliffhanger zur nächsten Episode überleitet.

Die Handlung setzt knapp ein Jahr nach den Ereignissen der ersten Staffel ein. Bruce Wayne hat es geschafft, dass sowohl sein persönliches Ansehen, wie auch das Ansehen seiner Firma in den Augen der Bevölkerung wieder steigt. Sowohl der Pinguin, wie auch Two-Face sind eingesperrt und insgesamt ist die Kriminalität stark zurückgegangen, was allerdings kein Grund für Bruce ist das Cape dauerhaft an den Nagel zu hängen. Er befindet sich zum Spielstart auf einer Erkundungsmission in einem Casino, als der zwielichtige Waffenhändler, den Bruce observiert plötzlich von einer vermummten Gestalt und einer ganzen Armee an Handlangern, zusammen mit dem Rest des Casinos als Geiseln genommen wird.

Bei der mysteriösen Figur handelt es sich um den Riddler, den Telltale als diabolischer denn je darstellt, da er nicht der als der lustige Rätzelonkel in grünem Spandex, sondern als ruchloser Killer mit einem Faible für Fallen à la SAW, ist. Auch wenn es Batman schafft die Geiseln zu befreien, geschieht dies nicht ohne Kollateralschäden und obendrauf schafft es der Riddler zu entkommen. Diese Aktien ruft zusätzlich neue Akteure, in Form der Agency, die dem Riddler bereits auf den Fersen war, in Gotham auf den Plan. Die Agency und besonders deren Chefin Amanda Waller ist Batman gegenüber weniger Kooperativ als Commissioner Gordon und das GCPD, was die zukünftige Arbeit von Batman sicher erschweren wird.

Lediglich ein Versäumnis muss man der Episode an diesem Punkt wirklich vorwerfen, denn es wird leider in keiner Weise erklärt wer die Agency und deren Chefin, Amanda Waller, eigentlich ist, was das Handeln und die Motive der zwielichtigen Organisation doch etwas verständlicher machen. Für diejenigen, die es nicht wissen: Die Agency, bzw. Amanda Waller steht in den bisherigen Comics, wie auch dem Kinofilm aus dem letzten Jahr hinter dem Suicide Squad. Das mag zwar wahrscheinlich daran liegen, dass es sich dabei im Rahmen der Geschichte noch um Zukunftsmusik handelt, aber lasst die Handlungen teilweise in einem anderen Licht erscheinen.

Unabhängig davon, wie man mit der Agency kooperiert gelangt Batman in den Besitz eines Paketes, dessen Inhalt er zusammen mit seinem langjährigen Vertrauten Lucius Fox versucht zu entschlüsseln. Doch leider entpuppt sich dieses Paket als Falle, die zum Ableben von Lucius führt, womit Telltale es wieder schafft von bekannten Pfaden der Vorlage abzuweichen und gleichzeitig einen überaus starken Motivator für Bruce schafft, der danach nur noch nach Rache und Gerechtigkeit für seinen Freund sinnt. Als wäre das nicht genug, lässt der tragische Todesfall auch einen anderen alten Bekannten wieder in Bruce’s Leben treten, denn John Doe, der zukünftige Joker, wurde aus Arkham entlassen und sucht seinen, nach eigenen Aussagen „engsten Freund“ auf, um einen Gefallen einzufordern.

Bruce und somit Batman hat damit alle Hände voll zu tun und muss dabei einige schwerwiegende Entscheidungen treffen, denn Telltale hat mit der aktuellen Staffel ein neues Feature implementiert. Gab es in der Vergangenheit teilweise sehr kryptische Einblendungen à la „XY wird sich daran erinnern“, deren Aussagekraft doch sehr zu wünschen übrig blieb, sind die Einblendungen hier genauer geworden. Wir bekommen an Schlüsselszenen, wenn wir uns zwischen unterschiedlichen Alternativen entscheiden können, im Nachhinein angezeigt zu welchem Charakter sich dadurch die Beziehung verändert hat. Zusätzlich wird uns am Ende einer jeden Episode der aktuelle Status eines Charakters neben den „normalen“ Entscheidungen angezeigt. Somit hat man mehr Indikatoren, die das Verhalten von Charakteren zu uns und eventuelle Entscheidungsmöglichkeiten erklären.

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Im weiteren Verlauf der Geschichte und der Jagd nach dem Ridder muss Bruce also nicht nur mit seiner eigenen Wut, sondern auch mit dem Einfluss der Agency und John Doe und den Wechselwirkungen durch seine Entscheidungen klarkommen…

Die erste Episode setzt dabei einen guten Grundstein und ermöglicht auch Leuten, die die erste Staffel nicht gespielt haben, einen guten Einstieg. Das Spielprinzip ist, bis auf die beschriebene Neuerung, nicht abweichend von anderen Telltale-Spielen. Wir treffen meist Entscheidungen in Gesprächen oder als Quick-Time-Events, die den weiteren Verlauf der Geschichte bestimmen. Aufgelockert wird das durch Adventure-typische Passagen, in denen wir bestimmte Areale frei erkunden können, um (kleinere) Rätzel zu lösen, was besonders durch die Reduzierung des Spieltempos auch eine willkommene Abwechslung darstellt. Die Episode ist die erste von insgesamt fünf Episoden, die jeweils im Abstand von 1-2 Monaten veröffentlicht werden sollen. Die Spieldauer beträgt für die erste Episode etwas über 2 Stunden wartet mit einem wirklich guten Cliffhanger zur nächsten Episode auf, den ich natürlich jetzt nicht spoilern werde.

Wer den bisherigen Telltale-Spielen und deren Spielprinzip nicht abgeneigt und eine spannende Geschichte im Batman-Universum erleben möchte kann bedenkenlos zugreifen. Wer im Umkehrschluss die vergangenen Spiele schon nicht mochte, wird hiermit auch nicht glücklich werden, denn auch wenn es eine Neuerung gibt bleibt das übergreifende Spielprinzip natürlich unverändert. Ich persönlich mag die Spiele und freue mich bereits zu sehen, wie Telltale die Geschichte weiterführt, denn wie uns die erste Staffel schon gelehrt hat, darf man auch dramatische Abweichungen von der Vorlage erwarten…

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NB@11.10.2017