„Nitroplus Blasterz: Heroines Infinite Duel“ – Ein etwas – nein, eher verdammt sperriger Titel. Wenn man den ausspricht braucht man danach auch ein Glas Wasser, um die Kehle wieder anzufeuchten. Doch dahinter verbirgt sich ein ganz schickes Prügelspiel, dass konsequent auf den Online-Zwang anderer moderner Vertreter des Genres, wie zum Beispiel „Street Fighter 5“ oder auch „Mortal Kombat X“, zu Gunsten von Singleplayer und Couch-Co-op, verzichtet. – Das soll natürlich nicht heißen, dass man das Spiel nicht online spielen kann. Das geht sogar zwischen verschiedenen Konsolengenerationen, denn das Spiel ist sowohl auf PS4, aber auch auf PS3 erhältlich und online kann man zwischen Übergreifend mit bis zu 4 Spielern spielen. Entgegen der bereits genannten Spiele gibt es in „Nitroplus Blasterz: Heroines Infinite Duel“  aber auch einen Story-Modus, der aus einer Reihe von Arcade-Matches mit sehr Text-lastigen Überleitungen im Visual Novel-Style besteht und auch die Möglichkeit an einer Konsole gegeneinander im Duell zu spielen, was leider immer mehr auszusterben scheint.

Das Raster des Prüglers besteht aus insgesamt 14 unterschiedlichen Charakteren, die alle aus der Welt der Visual Novels der Firma Nitro+ stammen. Ich muss zugeben, dass mir die Firma überhaupt nichts gesagt hat und auch bis auf zwei Ausnahmen keinen der Charaktere kannte. Und die Charaktere die ich kenne, kenne ich nicht aus die Visual Novels, sondern aus anderen Spielen, wo diese Charaktere verwendet wurden. Dabei handelt es sich um „Homura“ aus der Senran Kagura-Reihe und „Aino“ aus Acana Heart, die als eine Art Gastkämpfer im Spiel freischaltbar sind.

Haben wir eine der Kämperfinnen ausgewählt, so kann es auch schon losgehen. Die Charaktere sind dabei ziemlich unterschiedlich und man braucht auf jeden Fall etwas eingewöhnungszeit zum Ausprobieren, denn Stats und Hintergrundinfos zum Charakter, Kampfsytle, Stärke, etc. sucht man vergebens. Ich habe daher meine Auswahl rein zufällig nach der optischen Präferenz getroffen. Zusätzlich zu unserem Charakter wählen wir danach aus einer anderen Liste mit insgesamt 20 Charakteren noch zwei weitere Charaktere als Partner aus, die wir für Spezialattacken und für Asists heranziehen können, ähnlich wie es in der Marvel vs. Capcom-Reihe der Fall ist.

Das Prügeln funktioniert wirklich gut und lässt sich sehr intuitiv steuern. Entgegen frühen Prüglern, wo die Tasten in Intensität und Körperteil (z.B. leichter Schlag oder leichter Tritt) eingeteilt wurden, gibt es hier nur unterschiedlich-starke Angriffe. Zusätzlich entscheidet die Kombination von verschiedenen Tasten über Alternativangriffe, Komboketten oder sogar Spezialangriffe. Wie man es von einigen japanischen Prüglern, wie unter anderem wieder bei der Marvel vs. Capcom-Reihe, kennt so werden Attacken immer mit jeder Menge an Blitzen, Explosionen und sonstigem optischem Beiwerk untermalt und auch wenn man nur ein paar Tasten aneinandergereit hat, fühlt man sich wie der Prügelgott. Wer dafür sogar noch einen Draufsetzen will, kann auch alle verfügbaren Moves im Pause-Menü einsehen und sich daran versuchen noch abgedrehtere Attacken durchzuführen. Das klappt für den größten Teil wirklich gut und ist nicht so verschachtelt, wie bei manch anderen Prügelspielen. Ich finde es auch gut, dass einem die Move-Liste im Spiel präsentiert wird, so muss man also nicht mehr in irgendwelchen Lösungsbüchern (oder heutzutage im Internet) recherchieren, um die besten Moves zu kennen.

Technisch läuft das Spiel flüssig und die Animationen sehen wirklich schön aus. Im Gegensatz zu manch anderen Japano-Prüglern ist das Spielgeschehen zwar etwas gemächlicher, was mir aber ganz Recht ist. „Marvel vs. Capcom: Infinite“ ist mir wirklich teilweise zu hektisch, sodass man sich nicht mehr wirklich auf die Bewegungen konzentrieren kann. Das ist hier kein Problem.

Im Gegensatz zu anderen Spielen ist die Arena in diesem Spiel allerdings noch nicht interaktiv, sondern ein statischer Hintergrund, was etwas schade ist, denn die Maps sehen an sich alle interessant aus und würden alle potentielle Interaktionspunkte bieten. Selbst die ersten Mortal Kombat-Ableger boten schon das Feature einen Gegner aus der Stage in die Stacheln oder in ein Säurebad zu werfen, daher ist es unverständlich, warum man 20 noch mit statische Hintergründen arbeitet.

Dennoch kann ich dem Spiel nicht wirklich böse sein. Auch wenn ich die meisten Charaktere nicht kenne ist die Story, auch wenn diese am Anfang sehr konfus beginnt, am Ende doch gut. Das lässt sich dann klassisch im Stil von Visual Novels durch einen zweiten Story Modus, „Another Story“, den man im Anschluss freischaltet, vertiefen und so lassen sich einige Verständnislücken schließen. So macht das Spiel, auch wenn man die Vorlage nicht kennt, einiges an Spaß und bietet mal etwas anderes als andere Prügler. Klar ist das Spiel in erster Linie Fanservice für Manga, Anime und Visual Novel-Freunde, aber auch spielerisch kann es sich mit anderen Spielen der Gattung messen. Wer sich von der Optik nicht abschrecken lässt und Prüglern nicht per se abgeneigt ist, sollte auf jeden Fall zugreifen. Zudem ist das Spiel meist zum angemessenen Preis unter 15€ als Retailversion erhältlich und verfügt auch noch über eine recht einfache Trophäenliste, was man sonst von Kampfspielen nicht so kennt.

NB@12.10.2018