PS4 Review „Potata: Fairy Flower“ #Potata

Sometimes You ist neben Ratalaika Games ein anderer Publisher, der sich auf die Portierung von Games auf Konsolen spezialisiert hat. Im Gegenzug scheint dabei aber nicht das schnelle Geld mit einer überaus leichten Trophäenliste der einzige Fokus zu sein, denn die Spiele versuchen auch von Seiten der Inszenierung und des Gameplays zu überzeugen, wie es auch das mir vorliegende „Potata: Fairy Flower“ tut. Dabei ist das Spiel ursprünglich bereits Ende des letzten Jahres auf dem PC erschienen und feiert nun am 12.05.2020 sein Debüt auf Xbox One und PS4. Sometimes You hat mir freundlicherweise eine Vorabversion der Veröffentlichung auf der PS4 zur Verfügung gestellt, um darüber berichten zu können, was aber selbstverständlich keine Auswirkung auf mein Review hat.

Rein optisch erinnert das Spiel eine liebevolle Mischung aus den Sidescroller-Leveln von „Lost Words: Beyond the Page“ und den Rayman-Spielen. Sehr bunte handgezeichnete Grafiken bieten das Setting für eine überraschend tiefgängige Phantasiegeschichte, im Zentrum welcher die Titelgebende Potata steht. Diese ist eine junge Hexe, die mehr durch Zufall in ein großes Abenteuer stolpert. Denn, auch wenn sie sich durch ihr behütetes Elternhaus öfters eingeengt und zurückgehalten fühlt, kommt der Start in das Abenteuer recht unverhofft. Eigentlich wurde sie von ihrer Mutter nur aus dem Haus geschickt um 2 Blätter, die als Ingredienz für eine Medizin für Potata’s Haustier, einen kleinen Fuchs, gebraucht werden, als sich ein Portal vor ihr auftut und sie einsaugt.

Von dort an muss sie feststellen, dass der Wald, in dem sie lebt und seine Bewohner ihn nicht alle wohlgesonnen sind und sie noch viel zu lernen hat, wenn sie das Abenteuer überleben möchte. Auch wenn das erst einmal etwas unspektakulär klingt kann man leider nicht mehr sagen, ohne einige interessante Wendungen der Geschichte zu spoilern, die man als Spieler auf jeden Fall selbst erleben sollte. Denn auch wenn „Potata: Fairy Flower“ auf den ersten Blick sehr kindlich aussieht, ist die smarte Coming-of-Age-Geschichte mitreißend, gut geschrieben und besonders in Gesprächen mit anderen Charakteren, die als Multiple-Choice-Dialoge in bester Adventure-Manier sogar ziemlich sarkastisch.

Das Hauptgameplay lässt sich dabei auf vier Grundmechaniken herunterbrechen: Sidescroller, Gespräche, Interaktionen und Rätsel, wobei die Mechaniken allerdings alle Hand in Hand gehen. Das vorherrschende Hauptelement ist dabei die Sidescroller-Mechanik. Dabei steuern wir Potata durch die bunten Levels, die sich sowohl horizontal, wie auch vertikal erstrecken, nicht unbedingt linear ablaufen, sondern auch zum Erkunden einladen. Da Steuerung ist dabei recht simpel, aber zweckmäßig. Potata wird über die Richtungstasten gesteuert, kann per Tastendruck springen, wobei wir durch Festhalten der Sprungtaste die Intensität des Sprungs festlegen können, können auf Knopfdruck unser Inventar öffnen und haben weiter eine Taste zum Interagieren. Im späteren Spielverlauf bekommen wir dann noch Angriffsmöglichkeiten dazu, die nach und nach in das Spiel eingeführt werden.

In der Spielwelt sammeln wir sowohl blaue Bubbles ein, die das Äquivalent zu Münzen oder Ringen in diesem Spiel darstellen und als Währung fungieren, und sowohl weitere Items, wie Früchte und Edelsteine ein, wovon die letzteren in unserem Inventar verstaut werden. Das kommt sowohl bei Interaktionen in der Spielwelt, Gesprächen mit Charakteren und einigen Rätseln zum Tragen. So können wir um Hilfen für Rätsel zu bekommen, Geld oder Items als „Bestechung“ verwenden oder brauchen an manchen Stellen ein gewisses Item, um weiter zu kommen. So versperrt uns ein riesiger Pilz den Weg, der von uns unbedingt eine Karotte möchte, die wir ihm bringen müssen oder wir brauchen um eine Brücke herunterzulassen ein fehlendes Zahnrad. Das ist zwar alles nicht besonders schwierig, lockert das Spielprinzip aber auf und gibt der Erkundung der Spielwelt sogar noch einen Sinn, abseits von Punkten oder Sammelobjekten.

Hier muss man dem Spiel allerdings etwas ankreiden, dass es nicht immer klar ist, was wir gerade brauchen. Das Zahnrad und die Forderungen von Charakteren sind „Selbstgänger“, aber an anderen Stellen bin ich unzählige Male von einem Monstern getötet worden, bis ich alle meine Items per Trial & Error ausprobiert hatte und eine unscheinbare Beere sich als des Rätsels-Lösung erwiesen hat, die Potata dem Monster darauf in den Mund warf, was das Monstern einschläferte. Ähnlich sieht es auch mit den Rätseln aus, auf die wir regelmäßig in der Spielwelt stoßen und die bewältigt werden müssen, um weiter zu kommen.

Hier wird auch nur sehr rudimentär erklärt, was eigentlich zu tun ist, was man sich zwar relativ schnell erschließen kann, doch dann kommt noch ein zweites Problem: der Schwierigkeitsgrad der Rätsel. Denn dieser ist selbst in der Anfangswelt schon ziemlich happig, was mich gelinde gesagt ziemlich überrascht hat und nach etwas Recherche im Internet einige Spieler zur Weißglut gebracht hat. Und da man zwar gegen Bezahlung Hilfen für die Rätsel bekommt, aber diese nicht überspringen kann, macht das Ganze nicht unbedingt einfacher. Ich bin zwar auch niemand der gleich nach einem Guide schreit, aber wenn der Schwierigkeitsgrad so anspruchsvoll ist, besteht die Gefahr, dass man Spieler bereits an solch frühen Stellen im Spiel zur Aufgabe bringt.

Die Gespräche sind interessant geschrieben und bieten durch ihre unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten und die teils sehr sarkastischen Kommentare sehr unterhaltsam. Ich muss allerdings darauf hinweisen, dass die Gespräche leider nicht vertont sind, sondern nur gelesen werden können. Das ist zwar kein großer Kritikpunkt, besonders wenn man berücksichtigt, dass es sich um eine eher kleine Veröffentlichung handelt und eine professionelle Vertonung ein nicht unerheblicher Kostenfaktor ist. Hingehen hat man sich aber für die musikalische Untermalung wieder mehr ins Zeug gelegt, denn diese ist überaus vielschichtig, verspielt hat mich gleich zu Beginn direkt in seinen Bann gezogen. Gerade viele der kleineren Spiele benutzen Musik als simple Untermalung und diese läuft dann unabhängig vom Spielgeschehen, was bei „Potata: Fairy Flower“ aber anders ist, denn hier ändert sich die Musik entsprechend dem Geschehen auf die Bildschirm.

Insgesamt hatte ich mit dem Spiel eine Menge Spaß. Es bietet inhaltlich sogar mehr, als ich vorher erwartet hätte, da es auf den ersten Blick doch recht simpel aussieht. Die Spielwelt bietet viel Platz für Erkundungen und ist gerade im Vergleich zum ähnlich-gelagerten „Lost Words: Beyond the Page“ nicht so linear und stellenweise steril. Allerdings ist der Schwierigkeitsgrad, besonders bei den Rätseln, meiner Meinung nach zu hoch, was durchaus den Spielspass mindern, wenn nicht gar komplett stoppen kann. Es ist zwar klar, dass die Entwickler eine Menge Zeit in die Logik des Spiels gepackt haben, aber sie nicht immer transportieren können. Hier wäre die ein oder andere Hilfe oder insgesamt Heruntersetzung der Schwierigkeit durchaus angebracht gewesen. Zwar sind die Rücksetspunkte im Spiel häufig und fair gesetzt, doch das hilft eben nicht bei den Rätseln, für die es immer genau eine richtige Lösung zu geben scheint und wenn man auf die nicht kommt, kommt man zwangsläufig einfach nicht weiter. Doch wenn man diese Herausforderung nicht scheut entlohnt das Spiel mit einer reichhaltigen und spannenden Geschichte, die mehr als gut unterhält.

Entwickler: Potata Company

Publisher: Sometimes You

Erhältlich auf: PS4, Xbox One

NB@08.05.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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