Xbox One Review: „Carrion“ #Carrion #Metroidvania

Wer sich auch schon einmal gefragt hat, wie ein Monsterfilm, wie „Das Ding aus einer anderen Welt“, oder „Der Blob“, aus der Sicht des Monsters aussehen könnte, der bekommt nun endlich die Antwort in Form eines Videospiels namens „Carrion“. Das von Phobia Game Studio entwickelte und von Devolver Digital herausgebrachte Spiel ist zwar gerade erst erschienen, kann jedoch bereits jetzt schon auf der Xbox One für Game Pass-Mitglieder ohne zusätzliche Kosten  heruntergeladen werden. Ich habe mich daher für euch in die Schuhe des Monsters gewagt, um herauszufinden, ob sich der Kauf oder Download lohnt.

Vordergründig gibt es erst einmal nicht besonders viel Story: Wir erwachen als kleiner Schleimklumpen in einem Laborkomplex und beginnen uns den Weg heraus zu Bahnen. So schaffen wir es durch die Absorbierung organischer Materie unsere Form zu vergrößern und sogar Tentakel zu bilden, die wir natürlich einsetzen, um Verwüstung in unserem Weg zu sähen und uns Stück für Stück näher Richtung Freiheit vor zu kämpfen. Erst in Laufe des weiteren Verlaufs bekommen wir etwas mehr Hintergrund und erleben einige Flashback-Sequenzen, in denen wir in die Haut eines Wissenschaftlers schlüpfen, der allem Anschein eine gewichtige Rolle darin spielt, wie es uns in Gefangenschaft verschlagen hat.

So „glibbern“ wir uns in bester „The Blob“-Manier durch unterschiedliche Bereiche der Forschungseinrichtung, die wir ein großes Labyrinth angelegt ist und aus vielen unterschiedlichen Bereichen besteht, die wir erst nach und nach offenlegen. Wer bei dieser Umschreibung an ein Metroidvania denkt, liegt absolut richtig, denn wir gelangen immer wieder an Bereiche, die besondere Fähigkeiten erfordern, die wir erst im Laufe der Geschichte freischalten und die als temporäre Begrenzungen fungieren. Und wer glaubt, dass man als Schleim in seinen Fähigkeiten dazu zu limitiert wäre, der muss sich eines Besseren belehren lassen, denn die Entwickler waren dabei sehr kreativ und im Kontext des Spiels scheint es dennoch alles Sinn zu machen, was oft ein Manko von Metroidvanias ist, wenn die Fähigkeiten nur aufgesetzt wirken. Besonders spannend ist dabei aber, dass wir dafür immer wieder unsere Form ändern müssen und uns damit zwar die benötigte Fähigkeit zur Verfügung steht, aber mitunter andere nicht, was somit ein taktisches Vorgehen erfordert, zumal unsere Form gleichzeitig als Energie fungiert.

So limitiert uns das Spiel an einigen Stellen bewusst und hat während meinem Durchspielen für die ein oder andere Nervenaufreibende Situation gesorgt hat. Inhaltlich erinnert das dabei stark an das erste „Metroid“, wo wir von einigen Upgrades immer nur eins mitführen konnten. Hatten wir das falsche ausgerüstet, gab es einige Abschnitte, die damit künstlich erschwert, oder gar unmöglich wurden. Ganz so restriktiv ist es zwar nicht in „Carrion“, doch anscheinend wollten die Entwickler, dass es keinesfalls zu leicht wird, denn auch wenn das Spiel mit einem recht moderaten Schwierigkeitsgrad startet, zieht dieser besonders in der zweiten Spielhälfte enorm an und ein paar Abschnitte erforderten einige Wiederholungen, bis sie endlich überwunden waren. Immerhin sind die Speicherpunkte fair gesetzt, sodass unnötig lange Laufwege die Ausnahme bleiben.

Besonders erwähnenswert ist die interessante Art der Fortbewegung und die allgemeine Steuerung, denn da wir einen schwabbelnden Parasit Steuern, klettern wir gekonnt an Wänden und Decken entlang, was echt schickt animiert ist und wirklich ein Gefühl des klebrigen „waberns“ imitierten. Mit dem rechten Stick steuern wir die Tentakel und greifen mit dem rechten Trigger, mit dem wir gekonnt Türen einreißen, die Einrichtung demolieren, oder auch Feinde zerfetzten, was besonders eklig animiert wird. Mit den Upgrades bekommen wir unter anderem die Fähigkeit dazu uns kurzzeitig unsichtbar zu machen, Stacheln auszuführen, oder auch unsere feste Form unter Wasser in eine Schwarm-ähnliche Gestalt zu wechseln, um selbst durch kleinste Durchgänge schwimmen zu können. Die Steuerung ist trotz vieler unterschiedlicher Fähigkeiten aber nicht überladen, zumal es auch mit jeder neuen Fähigkeit auch kleine Tutorials gibt.

Einziger Wermutstropfen ist, dass es leider mal wieder keine Karte, oder sonstige Wegweiser im Spiel gibt und man entweder das Gedächtnis eines Elefanten braucht, oder versuchen muss mit den Hinweisschildern in den Levels klarzukommen, um irgendwann an dem Ort anzukommen, wo es weitergeht. Dabei versteht sich von selbst, dass es nur zu einfach ist sich dabei zu verlaufen. Und selbst wenn mein auf der richtigen Spur zu sein, kann es sein, dass man lediglich eine eher nutzlose Abkürzung zu einem bereits abgeschlossenen Gebiet freischaltet. Hier wäre eine Karte, oder zumindest ein grobe Richtungsangabe wirklich schön, damit man nicht unnötige Spielstunden damit verbringt systematisch die alten Gebiete abzugehen, um per Zufall die Stelle zu finden, wo uns das Spiel weiter lässt.

Insgesamt hatte ich trotz der Kritik allerdings, besonders auf Grund der frischen Perspektive und der abgefahrenen Ideen, eine Menge Spaß mit dem Spiel, die jedoch durch unklares Missionsdesign und einige frustrierende Passagen getrübt wurde. Und gerade das unklare Missionsdesign ist ein Knackpunkt bei vielen Metroidvanias, denn wenn man ziellos umher irrt, bleibt auch meist der Spielspass auf der Strecke. Ich wollte das Spiel wirklich mögen, was ich dennoch auch tue, hätte es aber gerne mehr gemocht. Dabei wäre das im Grunde gar nicht schwer gewesen. Etwas mehr Balancing, die Implementierung einer Karte, oder einfach ein paar Missionsmarker, hätten schon wahre Wunder vollbracht. Doch so, wie es ist, werden viele Spiele wahrscheinlich schnell das Interesse am Titel wieder verlieren. Dafür gibt es einfach zu viele Alternativen, besonders wenn es um Metroidvanias geht…

Entwickler: Phobia Game Studio

Publisher: Devolver Digital

Erhältlich auf: PC, Xbox One, Nintendo Switch

NB@28.10.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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