Die Tomb Raider-Reihe hat seit ihrer Einführung im Jahr 1996 die Gaming-Welt nachhaltig geprägt. Und nachdem wir bereits vor einiger Zeit die Remastered-Collection der Anfänge der erfolgreichen Tomb Raider-Reihe mit den ersten drei Teilen auf modernen Plattformen begrüßen könnten, war es nur eine Frage der Zeit, bis wir weitere Remasters bekommen. Der kleine, aber feine Unterschied zur ersten Collection ist allerdings, dass die enthaltenen Teile keineswegs zu den Fan Favorites gehören, sondern maßgeblich dafür verantwortlich sind, dass die Reihe für einige Jahre auf Eis lag und durch diverse Entwicklerhände ging.

Die Collection ist als „Tomb Raider IV-VI Remastered“ betitelt und umfasst „Tomb Raider: The Last Revelation“ von 1999, „Tomb Raider: Chronicles“ aus dem Jahr 2000 und letztendlich „Tomb Raider: The Angel of Darkness“ von 2003. Jedes der drei Spiele bietet eine eigene Geschichte und einen individuellen Ton. In „The Last Revelation“ reist Lara Croft nach Ägypten und befreit versehentlich den Gott Set, wodurch sie eine uralte Prophezeiung in Gang setzt, die das Ende der Welt heraufbeschwören könnte. Diese Geschichte bringt Spieler in eine dichte, geheimnisvolle Atmosphäre, die an klassische Abenteuerfilme wie „Indiana Jones“ erinnert. Die ägyptischen Tempel, mystischen Artefakte und die Bedrohung durch einen rachsüchtigen Gott verleihen dem Spiel einen epischen Charakter. Lara ist dabei nicht nur mit gefährlichen Fallen und tödlichen Gegnern konfrontiert, sondern muss sich auch ihrer eigenen Vergangenheit und ihrem Mentor Werner Von Croy stellen, der eine tragische Wendung nimmt.

Dabei sollte dieser Titel für die Entwickler von Core Design eigentlich den Abschluss der Reihe bilden, da man der Meinung war alles über Lara erzählt zu haben und sich neuen Projekten widmen wollte, anstatt das gleiche Spiel wieder und wieder zu erschaffen. Aus diesem Grund hat man nicht nur das wahrscheinlich umfassendste Abenteuer der Reihe geschaffen, sondern entschied sich auch dafür diese Endgültigkeit mit Lara’s vermeintlichem Tod zu untermauern. Die Rechnung hatte man allerdings ohne Publisher Eidos gemacht, die ihr bestes Pferd im Stall selbstverständlich nicht einfach gehen lassen wollren, weswegen man mit „Chronicles“ ein Spiel mit einem etwas merkwürdigen Konzept ins Leben rief, das die Fans nur bedingt überzeugen konnte:

„Chronicles“ knüpft direkt an die Geschehnisse von „The Last Revelation“ an. Da Lara für Tod gehalten wird, versammeln sich ihre engsten Vertrauten, um sich an ihre vergangenen Abenteuer zu erinnern. Dieses episodische Format ermöglicht es den Spielern, verschiedene Zeitabschnitte von Laras Leben zu erleben, von ihren ersten Abenteuern als Teenager bis zu hochriskanten Missionen als etablierte Archäologin. Die Vielfalt der Umgebungen – von einem verschneiten Kloster in Russland bis zu einem High-Tech-Gebäude voller Laserfallen – sorgt für Abwechslung. Der melancholische Ton des Spiels, die Geschichte ohne wirklichen Zusammenhang und die kurze Spielzeit stürzten die Reihe in die Krise. Aus diesem Grund nahm man sich für den nächsten Teil mehr Zeit, entwickelte das Spiel in vielen Belangen massiv weiter und entschied sich für eine düstere Ausrichtung, die allerdings in die vollkommen falsche Richtung ging…

„The Angel of Darkness“ traut sich einiges, der Schuss ging aber aus mehreren Gründen nach hinten los und war maßgeblich dafür verantwortlich warum die Reihe einige Jahre auf Eis gelegt wurde. Die düstere Geschichte beginnt damit, dass Lara des Mordes an ihrem Mentor Von Croy beschuldigt wird und sich in einem Europa voller Geheimnisse wiederfindet. Hier wird das klassische „Tomb Raider“-Erlebnis mit Stealth-Elementen, Dialogentscheidungen und RPG-Mechaniken kombiniert. Die Story ist inspiriert von Verschwörungsthrillern und Filmen wie „Der Da Vinci Code“, mit einer mysteriösen Geheimorganisation, alchemistischen Experimenten und einer düsteren Stadt als Schauplatz. Doch obwohl die Idee vielversprechend war, litt das Original unter technischen Problemen, die nun in der Remaster-Version zumindest teilweise behoben wurden, worauf wir aber im Vergleich mit den Originalen genauer eingehen.

Das Gameplay bleibt insgesamt dem klassischen Stil der Serie treu. „The Last Revelation“ und „Chronicles“ setzen auf präzise Sprünge, akrobatische Klettereinlagen und das Entdecken geheimer Räume. Die Rätsel sind oft komplex und erfordern ein scharfes Auge für Umweltdetails. Besonders in den Tempeln Ägyptens in „The Last Revelation“ wird das Erkunden belohnt: Wer sich umsieht, findet geheime Artefakte, versteckte Räume oder alternative Wege durch Level. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch, aber durchdacht – jedes Hindernis kann mit der richtigen Strategie gemeistert werden. „The Angel of Darkness“ versucht, sich durch RPG-Elemente wie auflevelbare Fähigkeiten und eine freie Erkundung der Umgebung von seinen Vorgängern abzuheben. Lara kann stärker werden, neue Wege freischalten und mit NPCs interagieren. Doch die unausgereifte Steuerung des Originals führte oft zu Frustmomenten. Die Remaster-Version hat die Bewegungen von Lara verbessert, bleibt aber dennoch ein weniger geschmeidiges Erlebnis als die ersten beiden Titel, was durch das Ausgangsmaterial begründet ist, das man nur zu einem gewissen Grad verbessern konnte.

Die Steuerung wurde für moderne Plattformen angepasst, wodurch die „Tank Controls“ optional durch ein freieres Bewegungsschema ersetzt wurden, die besonders bei „Angel of Darkness“ ein Quantensprung in Sachen Bedienbarkeit darstellt. Dies erleichtert besonders Einsteigern das Spielgefühl, während Puristen weiterhin auf die klassische Steuerung setzen können. Das Level-Design bleibt einzigartig: Während „The Last Revelation“ auf labyrinthartige Tempel und große, zusammenhängende Gebiete setzt, präsentiert „Chronicles“ eher lineare, filmische Abschnitte, und „The Angel of Darkness“ experimentiert mit offenen Stadtarealen.

Grafisch bietet das Remaster eine deutliche Verbesserung gegenüber den Originalen. Die Charaktermodelle sind überarbeitet worden, Texturen sind schärfer und Licht- sowie Schatteneffekte sorgen für eine dichtere Atmosphäre. Besonders in den dunklen Katakomben von „The Last Revelation“ oder den Neon-erleuchteten Straßen von Paris in „The Angel of Darkness“ fällt die modernisierte Optik positiv auf. Dennoch bleibt die kantige Ästhetik der späten 90er und frühen 2000er erhalten, was dem Remaster einen charmanten Retro-Look verleiht. Spieler haben jederzeit die Möglichkeit, per Knopfdruck zwischen der klassischen und der überarbeiteten Grafik zu wechseln – ein Feature, das gerade für langjährige Fans reizvoll ist.

Im Vergleich zu den Originalversionen bietet das Remaster nicht nur eine bessere Optik und modernisierte Steuerung, sondern auch einen Fotomodus, der es erlaubt, Laras Posen, Ausdrücke und Outfits anzupassen. Dies ist eine nette Ergänzung für Fans, die ihre Abenteuer festhalten möchten. Ein weiteres neues Feature ist die verbesserte Speicherfunktion – während das Original oft nur an festen Punkten speichern ließ, gibt es nun eine flexiblere Option, was besonders Neueinsteigern entgegenkommt. Die größten Änderungen findet man aber in „Angel of Darkness“, indem nicht nur die ursprünglich geplanten Fähigkeiten und Bewegungen von Kurtis Trent, dem zweiten Charakter im Spiel, wieder hergestellt wurden, sondern auch zuvor entfernte und teilweise nicht fertiggestellte Bereiche komplettiert und wieder eingefügt wurden. Darunter unter anderem ein Trainingsbereich in den Pariser Hintergassen und das Pfandhaus von Daniel Rennes, in dem Spieler Gegenstände verkaufen und neue Ausrüstung erwerben können. Und dann gibt es noch zsätzliche Dialogzeilen für Lara und Kurtis, um die Handlung zu vertiefen und zusätzliche Hinweise zu bieten.

Entwickelt wurde das Remaster von Aspyr Media, die sich auf hochwertige Neuauflagen spezialisiert haben, setzen mit dieser Sammlung ihre Arbeit fort, klassische Spiele in die Moderne zu bringen. Zuvor veröffentlichten sie neben dem Remaster der ersten Teile, unter anderem die Legacy of Kain-Sammlung und eine Vielzahl an Star Wars-Spielen. Besonders interessant ist dabei, dass man nicht einfach nur portiert, sondern die Spiele auch überarbeitet. So liegt der Fokus darauf, das ursprüngliche Spielerlebnis zu bewahren, während technische Verbesserungen den Komfort für heutige Spieler erhöhen.

Zusammenfassend ist „Tomb Raider IV-VI Remastered“ eine gelungene Wiederbelebung von drei Spielen, die ihren Platz in der Gaming-Geschichte verdient haben, auch wenn nicht unbedingt wegen ihrer Qualität, sondern eher wegen ihrem Vermächtnis. Während „The Last Revelation“ als bestes Spiel der Sammlung hervorsticht, bietet „Chronicles“ nostalgische Rückblicke und „The Angel of Darkness“ eine interessante, wenn auch experimentelle Neuinterpretation der Serie. Durch die spielerischen und inhaltlichen Verbesserungen handelt es sich nicht nur um die zugänglichste Variante der Spiele, sondern auch die, zu der man greifen sollte, wenn man die Spiele heute nochmal erleben möchte. Fans der alten Tomb Raider-Spiele werden sich über die Rückkehr dieser Klassiker freuen, während neue Spieler die Möglichkeit haben, ein Stück Gaming-Geschichte in modernisierter Form zu erleben.
Entwickler: Aspyr Media
Publisher: Aspyr Media
Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch
Getestet auf: PS5
NB@18.03.2025
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.
Die verwendeten Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst auf der Review-Plattform erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt.


Hinterlasse einen Kommentar