Es empfiehlt sich immer mal wieder einen Blick auf PC Only-Releases zu werfen, denn dort versteckt sich oft die ein oder andere Perle. So gerade wieder geschehen mit „Altheia: The Wrath of Aferi“, einem zauberhaft gestalteten Action-Adventure mit Rollenspiel- und Puzzle-Elementen, das klassische Erkundung, Charakterentwicklung und emotionale Erzählkunst miteinander verbindet. Eine Konsolenumsetzung ist zwar geplant, bisher aber bisher nicht terminiert. – Schon beim Einstieg spürt man, dass „Altheia“ mehr ist als nur ein weiteres Fantasy-Abenteuer. Es erzählt eine Geschichte über Verantwortung, Freundschaft und die innere Zerrissenheit zwischen Pflicht und persönlichem Wunsch…

Die Hauptfigur Lili ist eine junge Wächterin, die mit ihrer eigenen Vergangenheit ringt. Nach dem Tod ihrer Mutter, einer legendären Beschützerin, weigert sie sich, deren Rolle zu übernehmen. Doch als sie den Mönch-Lehrling Sadi rettet, wird sie unweigerlich in ein größeres Schicksal hineingezogen. Gemeinsam müssen die beiden das Land Atarassia vor dem „Void“, einer leeren, alles verschlingenden Macht, beschützen, die durch die göttliche Entität Aferi entfesselt wurde. Die Welt von Atarassia ist in verschiedene Regionen unterteilt, von sonnendurchfluteten Feldern über nebelige Ruinen bis hin zu uralten Tempeln, die vom Void korrumpiert wurden. Überall finden sich Spuren vergangener Kulturen, und jedes Areal erzählt eine kleine Geschichte – nicht durch Worte, sondern durch visuelles Erzählen. Diese Atmosphäre weckt Erinnerungen an die 3D-Zelda-Ära: eine Welt voller Magie, Mysterien und vergessener Legenden, in der jeder Stein und jedes Symbol eine Bedeutung zu haben scheint. Der Ton bleibt dabei stets nostalgisch – märchenhaft und doch mit einer melancholischen Schwere, die an Filme von Studio Ghibli erinnert.

Das Herz des Spiels liegt im Zusammenspiel zwischen Lili und Sadi. Im Gameplay kontrolliert man beide Figuren, entweder direkt oder in bestimmten Sequenzen wechselseitig. Lili ist die Nahkämpferin, stark, standhaft und mit physischer Präsenz ausgestattet. Sadi hingegen ist wendig, arbeitet mit Magie und nutzt seine Verbindung zu den Elementen, um Rätsel zu lösen oder Gegner auf Distanz zu halten. Das Zusammenspiel dieser beiden Figuren ist nicht nur mechanisch, sondern auch emotional relevant – man spürt, dass ihre Beziehung sich im Verlauf der Geschichte verändert.

Die Steuerung ist intuitiv und präzise. Mit Gamepad oder Maus & Tastatur lässt sich das Spiel geschmeidig bedienen. Bewegungen fühlen sich direkt an, Schläge und Sprünge sind punktgenau, und das Zusammenspiel zwischen beiden Charakteren wird mit der Zeit immer natürlicher. Besonders die Rätsel profitieren davon: Häufig müssen Fähigkeiten kombiniert werden – etwa wenn Lili schwere Objekte verschiebt, während Sadi über Abgründe gleitet, um entfernte Schalter zu aktivieren. Diese Art von „Kooperationsrätseln“ erinnert an Spiele wie Ico oder Brothers: A Tale of Two Sons, jedoch mit mehr Action und Struktur. Auf dem Steam Deck ist das Spiel ebenfalls spielbar, kann aber ein paar manuelle Anpassungen in Bezug auf die Steuerung gebrauchen. Ich gehe aber davon aus, dass in Kürze auch eine native Steam Deck Unterstützung vorliegen wird.

Der Schwierigkeitsgrad ist angenehm ausbalanciert. Die ersten Abschnitte dienen als sanfte Einführung, doch später fordern komplexe Dungeons, Bosskämpfe und Geheimnisse mehr Geschick und Timing. Besonders in Kämpfen verlangt das Spiel strategisches Denken, da Ausweichen und Blocken ebenso wichtig sind wie das clevere Einsetzen von Fähigkeiten. Nur selten wird es frustrierend – vielmehr motiviert es, weiterzumachen und die Welt vollständig zu erkunden.

Grafisch ist das Spiel ein kleines Kunstwerk. Statt auf fotorealistische Optik setzt das Spiel auf einen handgezeichnet wirkenden Stil mit weichen Farbverläufen und liebevollen Details, wie man es beispielsweise aus den letzten Zelda-Teilen kennt. Licht- und Schatteneffekte sind beeindruckend, besonders in den Tempeln, wo magische Partikel die Luft durchziehen. Die Animationen wirken fließend, und die Figuren bewegen sich mit einer Natürlichkeit, die man von großen Produktionen kennt. Auf technischer Ebene läuft das Spiel stabil, selbst auf mittleren Systemen. Kleinere Textur-Nachlader oder Framerate-Einbrüche kommen vor, beeinträchtigen das Erlebnis aber kaum.

Der Soundtrack ist ein echtes Highlight. Die Musik begleitet die Handlung sensibel und unterstreicht jede Szene mit passender Stimmung – ruhige Streicher in Momenten der Besinnung, mächtige Bläser während Bosskämpfen, sphärische Klänge beim Erkunden. Der Sound ist nie aufdringlich, sondern trägt zur Immersion bei. Stimmen werden sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzt. Besonders Lilis Synchronsprecherin vermittelt Emotionen glaubhaft und mit Nuancen.

Ein direkter Vergleich mit anderen Spielen drängt sich auf – insbesondere mit den Klassikern der The Legend of Zelda-Reihe. Wie in Zelda steht die Kombination aus Erkundung, Rätsellösen und Kampf im Mittelpunkt. Die Struktur mit Dörfern, Dungeons und Zwischenbossen erinnert an Ocarina of Time oder Twilight Princess, während die ruhigen, naturverbundenen Abschnitte fast schon an Breath of the Wild denken lassen. Doch „Altheia“ kopiert diese Elemente nicht, sondern interpretiert sie eigenständig. Es fühlt sich vertraut an, ohne episch zu überfrachten – eine konzentrierte, lineare Erfahrung mit emotionaler Tiefe. Wer Zelda mochte, wird sich in „Altheia“ sofort heimisch fühlen, aber zugleich bemerken, dass hier ein eigenständiger Ton getroffen wird: persönlicher, leiser, beinahe poetisch.

Entwickelt wurde das Spiel vom italienischen Indie-Studio MarsLit Games und veröffentlicht von Neon Doctrine in Zusammenarbeit mit Game Seer Publishing. Das Studio war zuvor vor allem für kleinere narrative Projekte bekannt, etwa „Unknown Fate“ aus dem Jahr 2019. Mit „Altheia“ zeigt MarsLit Games, dass auch ein kleines Team eine eindrucksvolle Welt erschaffen kann, die künstlerischen Anspruch und spielerische Substanz miteinander vereint. Besonders bemerkenswert ist, dass das Projekt mit einem kleinen Budget und großem Idealismus entstand – ein echter Herzensakt, spürbar in jeder Szene.

Insgesamt bleibt „Altheia: The Wrath of Aferi“ auch nach etlichen Spielstunden ein besonderes Erlebnis. Es ist zwar nicht perfekt – einige Animationen wirken noch etwas steif, und das Kampfsystem könnte an Tiefe gewinnen –, doch das Gesamtpaket überzeugt durch Herzblut, Atmosphäre und Storytelling. Dieses Spiel ist kein lauter Blockbuster, sondern ein stilles, emotionales Abenteuer, das lange nachhallt. Es richtet sich an Spielerinnen und Spieler, die klassische Abenteuer mit moderner Erzählweise schätzen, die lieber entdecken statt hetzen, und die Geschichten mit Seele suchen. Wer nostalgische 3D-Adventures liebt, wer in Tempeln Rätsel lösen und gleichzeitig in die Abgründe einer magischen Welt eintauchen möchte, sollte sich „Altheia: The Wrath of Aferi“ unbedingt ansehen. Es ist eines jener Spiele, die zeigen, dass Fantasie und Herz oft stärker sind als jedes große Budget.
Entwickler: MarsLit Games
Publisher: Neon Doctrine, Game Seer Publishing
Erhältlich auf: PC
Getestet auf: PC
NB@22.10.2025
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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