Ich bin seit dem ersten „Tomb Raider“ ein absoluter Fan des Franchise, man muss sich aber durchaus eingestehen, dass sie die Formel nach etlichen Teilen abgenutzt hatte. Zu ähnlich waren die Serienteile und die Konkurrenz, allen voran „Uncharted„, das anfänglich auch als „Dude Raider“ bezeichnet wurde, hatte die Reihe längst überholt. Aus diesem Grund entschied man sich für einen radikaler Schritt: einen kompletten Reboot, das sich auf die Anfänge der Reihe konzentriert und neue Mechaniken implementiert…

Das Ergebnis war „Tomb Raider“ von 2013, erschienen auf dem PC, der PS3 und Xbox360, das knapp ein Jahr später auf PS4 und Xbox One als „Definitive Edition“ nochmal veröffentlicht wurde. Und eben diese Version hat nun, ganze 11 Jahre später, ihren Weg auf Nintendo Switch und Nintendo Switch 2 gefunden. Der Titel ordnet sich klar dem Genre der cineastischen Action-Adventures zu, mit einer Mischung aus Erkundung, Rätseln, Survival-Elementen und intensiven Gefechten. Die Definitive Edition markierte damals einen Meilenstein, da sie nicht nur die junge Lara Croft in zeitgemäßer Optik präsentierte, sondern auch den Tonfall der Reihe neu definierte. Die Frage ist nur, ob das Spiel immer noch so begeistert wie 2013 oder ob es mittlerweile selbst überholt ist?

(c) Crystal Dynamics, Square Enix

Im Zentrum der Geschichte steht die noch unerfahrene Archäologin Lara Croft, die auf ihrer ersten großen Expedition das Schiff Endurance begleitet. Die Reise führt sie und ihre Crew in das rätselhafte Drachen Dreieck vor der Küste Japans, einen Ort voller Legenden und unerklärlicher Phänomene. Als der Sturm über dem Meer tobt und das Schiff zerschlägt, findet sich Lara auf der mysteriösen Insel Yamatai wieder; ein Ort, der sich schnell als gefährlicher entpuppt, als ursprünglich angenommen. Die Story entfaltet sich nostalgisch wie eine moderne Abenteurerversion klassischer Film-Serials, mit Flair, das manchmal an „Indiana Jones“ erinnert, nur deutlich düsterer und emotional geerdeter.

(c) Crystal Dynamics, Square Enix

Die Hauptfiguren, darunter Roth, der Mentor mit rauer Schale und gutem Herzen, Sam, Laras Freundin, die unfreiwillig zum Zentrum eines uralten Rituals wird, oder Mathias, ein charismatischer Antagonist, der den Wahnsinn in den Augen trägt, wirken gut skizziert und geben dem Geschehen emotionale Tiefe. Der Konflikt dreht sich um ein antikes Königinnenreich und eine Macht, die seit Jahrhunderten die Insel beherrscht. Es entsteht ein unaufhörlicher Überlebenskampf, der Lara an den Rand ihrer Belastbarkeit führt. Dass sie zu Beginn weder Kämpferin noch Heldin ist, verleiht der Geschichte eine glaubhafte Entwicklung; ihr Weg vom schockierten Mädchen zur entschlossenen Abenteurerin ist einer der erinnerungswürdigsten Charakterbögen der jüngeren Spielegeschichte. Nostalgiker fühlen sich hier an frühere Survival-Abenteuer oder atmosphärische Titel wie die ältere „Uncharted“-Reihe erinnert, wobei „Tomb Raider“ deutlich roher, körperlicher und emotionaler erzählt wird.

(c) Crystal Dynamics, Square Enix

Gameplaytechnisch setzt die Definitive Edition auf einen Mix aus Third-Person-Action und Erkundung, der sich sowohl vertraut als auch modern anfühlt. Der Kern besteht darin, Areale zu durchstreifen, Ressourcen zu sammeln, Gegnern auszuweichen oder ihnen zu begegnen, und Rätsel zu lösen, die zwischen Umgebungslogik und physikbasierten Herausforderungen wechseln. Besonders gelungen ist das Gefühl von Progression: Durch das Sammeln von Materialien verbessert man Waffen, baut Ausrüstung aus und schaltet neue Fähigkeiten frei. Dieser Mechanismus erinnert ein wenig an moderne Survival-Games, allerdings ohne die Komplexität, die das Genre mitunter unzugänglich macht. Inhaltlich ist die Veröffentlichung identisch mit den Versionen für PS4 oder Xbox One, selbst der überraschend unterhaltsame Multiplayer hat es komplett in das Release geschafft.

(c) Crystal Dynamics, Square Enix

Die Steuerung auf der Switch wirkt präzise und eingängig, es empfiehlt sich aber einen Pro-Controller oder eine Alternative zu verwenden, da die Joycons bei längeren Sessions unbequem in der Hand liegen. Bewegungen und Kamera sind flüssig, Klettern, Springen, Schleichen und Kämpfen gehen angenehm von der Hand. Das Level-Design ist abwechslungsreich: Die Insel wirkt wie ein großes, miteinander verbundenes Gebiet, das in einzelne Abschnitte unterteilt ist, die man im Verlauf der Geschichte teils erneut besucht. Kleine Grabstätten, die optional erkundet werden können, fühlen sich wie liebevolle Verweise auf die Wurzeln der Serie an. Der Schwierigkeitsgrad bleibt dabei zugänglich, aber fordernd genug, um Spannung aufzubauen. Im Vergleich zu ähnlichen Titeln wie „Uncharted“ setzt „Tomb Raider“ stärker auf Survival- und Crafting-Elemente, dafür etwas weniger auf bombastische Setpieces.

(c) Crystal Dynamics, Square Enix

Grafisch zeigt sich die Definitive Edition traditionell von ihrer besten Seite. Die Überarbeitung gegenüber dem Original von 2013 bringt detailliertere Charaktermodelle, bessere Beleuchtung und flüssigere Animationen. Besonders die Lichteffekte, die nassen Felsen, das Laub und die dynamischen Wetterwechsel gehören zu den Highlights. Auf modernen Systemen, inklusive der Switch 2, zeigt sich das Spiel erstaunlich zeitlos, auch mehr als 10 Jahre nach dem Initialen Release.

(c) Crystal Dynamics, Square Enix

Der Vergleich zwischen Switch und Switch 2 fällt dennoch zugunsten der neueren Plattform aus. Auf der Switch läuft das Spiel zwar überraschend solide, aber mit leichten Einbrüchen bei Effekten, geringerer Auflösung und weniger detaillierten Texturen. Die Performance bleibt weitgehend stabil, doch es wird schnell klar, dass die Hardware am oberen Limit operiert. Die Switch 2-Version hingegen profitiert sichtbar von ihrer stärkeren Technik: höhere Auflösung, stabilere Framerate, verbesserte Schatten und dichter bewachsene Umgebungen, was die Atmosphäre enorm aufwertet. Ladezeiten fallen spürbar kürzer aus, und die allgemeine Klarheit des Bildes bringt die filmische Präsentation stärker zur Geltung.

(c) Crystal Dynamics, Square Enix

Der Soundtrack unterstreicht die Action mit einer Mischung aus orchestraler Spannung und düsteren Klangflächen, die perfekt zum Survival-Charakter des Spiels passen. Die Soundkulisse – knackende Äste, das Heulen des Windes, einstürzende Strukturen oder das Fauchen mystischer Wächter – baut eine beeindruckende Immersion auf. Auch hier merkt man die Sorgfalt der Entwickler: Die Soundabmischung bleibt klar, kraftvoll und atmosphärisch; auf der Switch 2, besonders im Docked-Modus mit kräftiger Audioausgabe, kommt dies deutlich besser zur Geltung als auf der älteren Switch.

(c) Crystal Dynamics, Square Enix

Insgesamt lässt sich festhalten, dass „Tomb Raider: Definitive Edition“ auch Jahre nach seiner Veröffentlichung nichts von seiner Faszination verloren hat. Das Spiel verbindet fesselnde Story, exzellente Atmosphäre, zugängliche Mechaniken und technische Eleganz zu einem Abenteuer, das sowohl Neueinsteiger als auch Veteranen begeistern kann. Besonders auf der Switch 2 wirkt der Titel frischer denn je, fast wie ein moderner Blockbuster mit nostalgischer Seele. Wer cineastische Action, packende Charaktere und eine Verbindung aus Rätseln und Survival liebt, findet hier ein Erlebnis, das den Einstieg in die moderne „Tomb Raider“-Saga perfekt ermöglicht. Es lohnt sich, selbst dann, wenn man das Original bereits kennt. Ich hoffe persönlich, dass auch die anderen beiden Teile der Reboot Trilogie noch ihren Weg auf die Switch 2 finden…

Entwickler: Crystal Dynamics

Publisher: Square Enix

Erhältlich auf: PC, PS3, PS4, Xbox360, Xbox One, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2

Getestet auf: Nintendo Switch 2

NB@11.12.2025

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