„Hitman: Absolution“ ist ein prägendes Stealth-Action-Spiel, das ursprünglich bereits 2012 erschien und bis heute einen besonderen Platz innerhalb der traditionsreichen Reihe und persönlich bei mir einnimmt. Entwickelt von IO Interactive und nun frisch für Nintendo-Hardware umgesetzt, bringt diese Version die Geschichte von Agent 47 erstmals vollständig und lokal spielbar auf die Nintendo-Plattform. Dabei ist das Spiel selbst auf der ersten Switch als klassischer Download-Titel verfügbar und verzichtet vollständig auf Cloud-Streaming, was gerade für unterwegs ein entscheidender Vorteil ist. Die Frage ist nur, ob sich die Version mit den anderen Veröffentlichungen messen kann oder ob es sich um ein spürbares Downgrade handelt?

Genretypisch verbindet das Spiel taktische Schleichpassagen mit Third-Person-Action und einer stark inszenierten, filmischen Präsentation, die sich bewusst von den offeneren Sandbox-Ablegern der Serie unterscheidet. Im Zentrum der Handlung steht erneut der genetisch optimierte Auftragskiller Agent 47, der dieses Mal in einen Konflikt gerät, der weit über einen gewöhnlichen Auftrag hinausgeht. Nach einem Verrat durch seine eigene Organisation, die ICA, wird er zum Gejagten und muss nicht nur um sein eigenes Überleben kämpfen, sondern auch das eines mysteriösen Mädchens namens Victoria. Sie ist das Ergebnis zwielichtiger Experimente und der Schlüssel zu einem Machtkampf, der verschiedene Fraktionen auf den Plan ruft.

Die Geschichte spielt in einer düsteren, von Korruption und Gewalt gezeichneten Welt, die stark an Neo-Noir-Filme und Thriller der frühen 2000er erinnert. Man fühlt sich an Werke wie klassische Agentenfilme wie „Mission: Impossible“, bevor die Reihe zur Selbstinszenierung von Tom Cruise mutiert ist, oder Spiele wie „Splinter Cell“ und „Max Payne“ erinnert, in denen Einsamkeit, Schuld und Loyalität zentrale Themen sind. Der nostalgische Ton entsteht vor allem durch diese bewusst melancholische Erzählweise, die dem sonst so stoischen Protagonisten ungewohnte Tiefe verleiht.

Spielerisch bleibt das Spiel der DNA der Serie treu, setzt jedoch stärkere Akzente auf Inszenierung und geführte Abläufe. Der Spieler bewegt sich aus der Third-Person-Perspektive durch unterschiedlichste Schauplätze und nutzt Verkleidungen, Ablenkungen und die Umgebung, um Ziele möglichst unauffällig auszuschalten. Das sogenannte Instinct-System hebt Gegner, Routen und relevante Objekte hervor und erleichtert insbesondere Neueinsteigern den Überblick. Gleichzeitig bleibt genug Raum für kreative Lösungsansätze, auch wenn die Levelstruktur insgesamt linearer ausfällt als in früheren oder späteren Serienteilen. Verglichen mit offenen Sandbox-Titeln der „World of Assassination“ wirkt „Hitman: Absolution“ fokussierter, fast episodisch, was jedoch gut zur dichten Story passt. Der Schwierigkeitsgrad ist ausgewogen, belohnt geduldiges Vorgehen und bestraft unüberlegte Gewalt, ohne dabei unfair zu wirken.

Die Steuerung auf der Nintendo-Hardware ist präzise und gut angepasst. Bewegungen, Interaktionen und das Zielen gehen flüssig von der Hand, sowohl im Docked- als auch im Handheld-Modus. Besonders positiv fällt die optionale Bewegungssteuerung auf, die feinere Korrekturen beim Zielen erlaubt. Das Level-Design bietet trotz der stärkeren Führung zahlreiche alternative Wege, Geheimnisse und Möglichkeiten, Missionen mehrfach zu spielen und zu perfektionieren. Spieler, die Wert auf Bewertungssysteme, lautlose Durchläufe und das Ausreizen der Mechaniken legen, finden hier genügend Motivation, einzelne Kapitel immer wieder neu anzugehen.

Grafisch präsentiert sich das Spiel auf der Nintendo Switch erstaunlich stimmig. Die düstere Beleuchtung, detaillierte Innenräume und markanten Charaktermodelle transportieren die bedrückende Atmosphäre des Originals überzeugend. Im direkten Vergleich zu früheren Konsolenversionen zeigt sich eine weitgehende Parität: Inhalte, Missionen und Präsentation entsprechen den bekannten Fassungen, ohne nennenswerte Kürzungen. Die Performance ist stabil, die Bildrate konsistent, und auch längere Spielsessions bleiben angenehm spielbar. Der Soundtrack unterstützt das Geschehen mit zurückhaltenden, spannungsgeladenen Kompositionen, während Umgebungsgeräusche und Dialoge die Welt lebendig wirken lassen. Technisch steht diese Version den anderen Fassungen kaum nach und bietet ein rundes Gesamtbild.

Die Switch‑Umsetzung des Spiels erweitert das Original um eine Reihe moderner Komfortfunktionen, die das Spielerlebnis spürbar flexibler machen. Neben zwei unterschiedlichen Zielhilfen – automatisches Anvisieren oder eine reduzierte Kamerasensitivität für präziseres Zielen – lässt sich auch Gyro‑Aiming zuschalten, das beide Varianten ergänzt. Die Steuerung wurde zudem um Optionen wie eine anpassbare Deckungsverlass‑Logik, ein dauerhaft sichtbares Fadenkreuz sowie die Möglichkeit erweitert, die Funktionen der Analogsticks zu tauschen oder ein alternatives Button‑Layout zu nutzen. Für bessere Übersicht markieren auf Wunsch leuchtende Rahmen interaktive Objekte, und eine dyslexiefreundliche Schriftart erleichtert das Lesen von Menüs und Untertiteln. Insgesamt bietet die Version deutlich mehr Feineinstellungen, um das Spielgefühl an persönliche Vorlieben anzupassen.

Besonders hervorzuheben ist, dass diese Umsetzung langfristig weiter ausgebaut werden soll. Der beliebte Contracts-Modus, der es Spielern ermöglicht, eigene Aufträge zu erstellen und weltweit zu teilen, ist als Erweiterung geplant und wird den Wiederspielwert erheblich steigern. Zusätzlich ist eine native Version für die Nintendo Switch 2 angekündigt, die Besitzern der aktuellen Fassung ein Upgrade bieten soll. Erwartet werden hier unter anderem höhere Auflösungen, verbesserte Performance und eine noch stabilere technische Basis. Damit zeigt sich, dass diese Veröffentlichung nicht als bloßer Port gedacht ist, sondern als langfristige Plattform für diesen Serienteil.

Hinter dem Spiel steht IO Interactive, ein Studio, das seit Jahren als feste Größe im Stealth-Genre gilt. Mit früheren Titeln wie „Hitman: Blood Money“ und der modernen „World of Assassination“-Trilogie hat das Team bewiesen, wie wandelbar und zeitlos das Konzept des perfekten Auftragskillers sein kann. „Hitman: Absolution“ entstand in einer Phase des Umbruchs für die Serie und ist bis heute eines der experimentellsten Kapitel, das bewusst neue Wege ging, ohne seine Wurzeln zu verleugnen.

Insgesamt ist „Hitman: Absolution“ auf Nintendo-Hardware ein atmosphärisch dichtes, in sich geschlossenes Stealth-Erlebnis, das sich bewusst von anderen Serienteilen abhebt. Die lokale Umsetzung, die inhaltliche Gleichwertigkeit zu anderen Versionen und die Aussicht auf zukünftige Erweiterungen machen diese Fassung besonders attraktiv. Angesprochen werden vor allem Spieler, die eine starke Geschichte, methodisches Vorgehen und stilvolle Präsentation schätzen. Doch auch Neulinge finden hier einen zugänglichen Einstieg in die Welt von Agent 47. Wer sich für taktische Schleichaction mit cineastischem Flair interessiert, sollte diesem Spiel definitiv eine Chance geben.
Entwickler: IO Interactive
Publisher: Feral Interactive
Erhältlich auf: Nintendo Switch
Getestet auf: Nintendo Switch 2
NB@08.01.2025
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