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“Hitman: Absolution” war der erste Teil der Hitman-Reihe, den ich durchgespielt habe. Er hat einiges anders gemacht, als andere Teile der Reihe, was vielen Fans übel aufgestoßen ist, aber dennoch liebe ich den Teil der Reihe. Nun ist er zusammen mit „Blood Money“ in einer 2-Spiele-umfassenden „HD Collection“ für PS4 und Xbox One neu aufgelegt worden und ich konnte nicht wiederstehen mir das Spiel nochmal auf der aktuellen Konsolengeneration anzusehen.

 

Die Sammlung wurde vom ursprünglichen Entwickler IO Interactive im Aufrtrag des neuen Publishers Warner Bros. Interactive Entertainment, nachdem der vorherige Publisher Square Enix sowohl die Marke, wie auch die Rechte veräußert hat. Die Sammlung wurde bereits im Januar diesen Jahres veröffentlich und wurde komplett in HD remastered, damit die Spiele in 4K und konstanten 60 fps ausgegeben werden.

 

Absolution ist wahrscheinlich neben “Hitman 2: Silent Assassin” auf der PS2 der Teil mit der meisten Narrative, denn entgegen heute vorherrschender Konventionen um die Reihe wird hier einiges an Story reingepackt. Das beginnt mit einer ziemlich umfangreichen Tutorial-Mission, in der Agent 47 niemand geringeren als seine langjährige Partnerin Diana Burnwood ausschalten soll, da diese mit der Agency gebrochen hat. Doch irgendetwas stimmt hier nicht merkt Agent 47, als Diana konfrontiert. Diana hatte ihre Gründe für den Verrat, denn die Agency führt erneut Genexperimente durch, um den perfekten Killer zu kreieren, ein schmerzhafte Erfahrung die Agent 47 ebenfalls hautnah erlebt hat. Dieses Mal ist das Opfer die junge Victoria, die sowohl Diana, als nun auch Agent 47 nicht diesem Schicksal überlassen wollen. So bricht Agent 47 mit seinem Arbeitgeber und flieht zusammen mit Victoria. Agent 47 ist von dort an auf der Flucht nicht nur seinem ehemaligen Arbeitgeber, die alles daransetzen ihr neuestes Versuchskaninchen wieder zu bekommen. Und da die Agency nicht so einfach ausgibt dreht Agent 47 kurzerhand den Spieß um, forscht auf eigene Faust nach, was die Hintergründe von der Experimenten an Victoria sind und macht Jagd auf seine ehemaligen Arbeitgeber und die Schar an Killern, die auf ihn angesetzt sind…

 

Was folgt ist ein recht zwar lineares, aber in keiner Weise eintöniges Spiel. Das Spiel folgt zwar einer klaren Struktur und Dramaturgie, doch es gibt dennoch genug Freiräume für angehende Meuchelmörder, denn die aus den anderen Teilen der Reihe bekannten Sandboxen, wo man mindestens eine Zielperson ausschalten muss, gibt es auch hier. Lediglich werden diese Bereiche durch Zwischensequenzen und kürzere weitere Level verbunden, wo wir uns beispielsweise unentdeckt von der Polizei durch einen Bahnhof schleichen müssen. So gibt es nicht nur die klassischen Tötungsziele, sondern auch Level-spezifische Ziele, die notwendig sind, um weiter zu kommen, wie man es eben auch aus anderen Spielen kennt. Das haben viele dem Spiel vorgeworfen, doch ich finde das persönlich sogar interessanter, als die im Grunde zusammenhanglosen Sandboxen der aktuellen Teile. Hier hat Agent 47 stattdessen eine klare Motivation, abseits von Punkten und Geld, und der Spieler somit mehr Varianz. Dennoch bleibt das Spiel im Kern natürlich ein Hitman-Spiel und das Spiel glänzt am meisten in den Sandboxen, denn dort lässt IO Interactive wirklich die Muskeln spielen. So finden wir uns bereits in der zweiten Mission in einem von Menschen schier überfluteten Markplatz in Chinatown, wo wir eine Zielperson ausschalten müssen, um an Informationen über Victoria zu kommen. Hier tummeln sich hunderte NPCs, die alle ihrem eigenen Geschäft nachgehen. Die Zielperson ist so im Grunde nie alleine und da zusätzlich noch jede Menge an Bodyguards und Polizisten im Areal sind, müssen wir das Geschehen genau observieren, Möglichkeiten ausloten und dann am besten unerkannt zuschlagen. Denn sobald wir zu viel Aufsehen erregen oder gar in Flagranti erwischt werden haben wir im Grunde keine Chance mehr lebendig aus der Sache herauszukommen.

 

Zurück sind daher die Markenzeichen der Reihe: Unterschiedliche Verkleidungen, unterschiedliche Waffen und auch die Möglichkeit den Tod wie einen Unfall aussehen zu lassen. Entgegen der aktuellen Spiele der Reihe stehen uns dabei allerdings keine Hilfen zur Verfügung, sondern wir müssen selbst den perfekten Weg finden. Zur Unterstützung hat Agent 47 allerdings seinen Fokus-Meter, eine Möglichkeit der totalen Konzentration, die in der Welt nicht nur die Zielperson und Gegner, sondern auch Laufwege und Points-of-Interest markiert. Jedoch ist der Fokus auf den meisten Schwierigkeitsgraden endlich oder gar nicht erst verfügbar, daher sollte man ihn nur im Notfall verwenden. Insgesamt stehen 6 unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, die neben dem Fokus auch die Anzahl der Gegner und die KI beeinflussen, um jedem Spieler das für ihn beste Erlebnis zu liefern.

 

Unser Hitman hat im Vergleich zu den Vorgängern etwas dazugelernt und kann nun auch Gegner zum Beispiel mit einer geworfenen Flasche ablenken oder durch Einsatz von Fokus an ihnen vorbeischleichen, ohne dass sie den Auftragsmörder erkennen. Denn die Levels sind in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt und nicht in jedem Bereich darf sich jeder aufhalten. Ohne Verkleidung erregen wir beispielsweise viel Aufsehen, wenn wir uns durch eine Gebäude, das gerade von der Polizei gestürmt wird, schleichen. Verwenden wir stattdessen eine Polizeiuniform sind unsere Chancen schon besser wäre da nicht eine neue Mechanik, dass andere NPCs, die die gleiche Verkleidung tragen, den Hochstapler erkennen. Das kann man allerdings durch Einsatz von Fokus umgehen, denn dann wendet sich Agent 47 bewusst ab oder zieht sich die Mütze etwas mehr ins Gesicht, bevor er erkannt wird. Das ist zwar stellenweise nicht besonders logisch, dass jeder Polizist in Chicago anscheinend jeden anderen Polizisten zu kennen scheint, ist aber eine willkommene Anpassung, damit das Spiel nicht zu einfach wird. So muss man immer wieder abwägen mit welcher Verkleidung man am besten weitergeht.

 

Von der technischen Seite gibt es meiner Meinung nach nichts zu meckern. Das Spiel sah auf der PS3 bereits toll aus und das gleiche trifft auch auf das Remaster zu. Die Details wurden hochgeschraubt und die Licht- und Schatteneffekte haben ein Upgrade erfahren, damit das Spiel auch auf aktuellen TV-Geräten in 4K auch noch eine gute Figur macht. Zusätzlich läuft das Spiel mit konstanten 60 fps und wirkt insgesamt so frisch, dass man es kaum glaubt, dass es sich um ein mittlerweile 7 Jahre altes Spiel handelt. Lediglich in manchen in Spielgrafik ablaufenden Cutscenes die stellenweise näher an die Personen ranzoomen sieht man, dass das Spiel in diesen Detailaufnahmen mit aktuellen Games, wie „Uncharted 4“ oder jüngst auch „A Plague Tale: Innocence“ nicht mithalten kann. Davon gibt es aber wirklich weniger ausgewählte Momente, da die meisten Zwischensequenzen gerendert wurden, wo diese Defizite nicht zum Tragen kommen, bzw. nicht existieren.

 

Jedoch muss man der Vollständigkeit auch einen dicken Negativpunkt erwähnen, wenn man das Spiel mit seiner Last-Gen-Version vergleicht, denn der komplette Onlinemodus, mit dem man eigene Hits in den Level-Bereichen kreieren konnte, um diese Online zu teilen und die Levels anderer Nutzer auszuprobieren wurde komplett gestrichen. Das hat einige Käufer des Spiels sehr verärgert, da es vor dem Kauf nicht ersichtlich ist, dass diese Inhalte nicht mehr Bestandteil des Spiels sind. IO rechtfertigt diese Einschnitt mit Datenschutzrechten, was aber etwas merkwürdig klingt, wenn es in den aktuellen Teilen der Reihe ein ähnliches Feature gibt. Jedoch möchte IO prüfen, ob es Wege gibt das Feature oder zumindest einen adäquaten Ersatz wieder in das Spiel zu integrieren, was bisher aber noch nicht geschehen ist. Ich brauche das Feature persönlich zwar nicht unbedingt, aber kann verstehen, wenn es Leute verärgert, weswegen ich auch darauf hinweise. Wer jetzt überlegt sich stattdessen vielleicht einfach die Last-Gen-Version zuzulegen, dem muss ich aber leider den Zahn direkt ziehen, denn obwohl das Spiel dann selbstverständlich die Funktionalität mitbringt sind die Server mittlerweile abgeschaltet worden und vom Umfang her kann man so ebenfalls nur die Story spielen.

 

Wer das Spiel bisher verpasst hat dem kann ich es sehr ans Herz legen. Gerade durch aktualisierte Mechaniken, wie den Fokus, mehr Story und den Wechsel von schlauchigeren Levels und Sandboxen ist das Spiel sehr viel einsteigerfreundlicher als frühere Teile der Reihe. Gleiches gilt für die, denen bei den aktuellen Spielen der Reihe die Story etwas zu kurz kommt. Hier präsentiert sich der perfekte Mix und ein paar wirklich bombastische Setpieces, wie man sie aus der Uncharted-Reihe kennt. Ich hatte eigentlich nur vor gehabt mal kurz in das Remaster reinzuschauen und habe dann doch innerhalb von mehreren Tagen die knapp 15-20 Stunden lange Kampagne noch einmal komplett durchgespielt und dabei auch noch einige Levels mehrfach neu gestartet, um so gut wie möglich abzuschneiden…

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NB@13.06.2019

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