Mit „The Run“ ist gerade ein neuer FMV-Horror-Thriller von PRM Games, exklusiv für den PC, erschienen. Unter der Regie von Paul Raschid, der sich in den vergangenen Jahren als einer der produktivsten Vertreter interaktiver Filmformate etabliert hat, setzt das Spiel konsequent auf eine Mischung aus Survival-Thriller, Entscheidungsdrama und kinoreifer Inszenierung. Anders als viele Genrevertreter, die urbane Settings oder isolierte Innenräume bevorzugen, verlegt „The Run“ sein Geschehen in die offene Natur Norditaliens.

(c) PRM Games

Die zentrale Frage, die sich dabei fast automatisch stellt, lautet: Kann ein interaktiver Film, der über weite Strecken aus nichts weiter besteht als einer Frau auf der Flucht durch Wälder und Berge, über mehrere Stunden hinweg Spannung erzeugen – und trägt die Naturkulisse tatsächlich als dramaturgischer Motor?

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Im Mittelpunkt steht die weltberühmte Fitness-Influencerin Zanna Hendricks, die für ihre Community scheinbar unerschütterlich wirkt: diszipliniert, leistungsorientiert, stets unter Kontrolle. Um einen neuen Meilenstein ihrer Karriere zu feiern, reist sie in die malerischen Berge Norditaliens, wo sie einen abgelegenen Laufpfad für ein besonderes Video nutzen möchte. Was als inszenierter Triumphlauf beginnt, kippt abrupt in einen Albtraum. Maskierte Männer tauchen auf, verfolgen sie und machen aus dem morgendlichen Workout einen erbarmungslosen Überlebenskampf. Die Geschichte entfaltet sich als Hetzjagd, die weniger auf komplexe Verschwörungen als auf unmittelbare Bedrohung setzt.

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Das Spiel nimmt sich Zeit, Zanna zunächst als öffentliche Figur zu zeigen – eine Frau, die gelernt hat, vor der Kamera eine Rolle zu spielen. Erst im Angesicht der Gefahr beginnen Risse in dieser Fassade sichtbar zu werden. Andeutungen einer traumatischen Vergangenheit fließen behutsam ein und verleihen der Flucht eine zusätzliche emotionale Ebene. Die Natur wird dabei nicht romantisiert, sondern als gleichgültiger Raum inszeniert: wunderschön, weitläufig, aber auch unbarmherzig und gefährlich.

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Neben Zanna treten mehrere Figuren in Erscheinung, deren Motive nicht sofort eindeutig sind. Die maskierten Verfolger bleiben lange anonym, fast archetypisch, was die Bedrohung verstärkt. Gleichzeitig tauchen im Verlauf des Spiels bekannte Gesichter auf, darunter Darsteller wie Roxanne McKee, George Blagden und Jamie Ward, die mit nuancierten Performances dazu beitragen, dass selbst kurze Begegnungen Gewicht erhalten. Besonders bemerkenswert ist der Auftritt von Franco Nero, dessen Präsenz dem Geschehen eine fast schon ikonische Gravitas verleiht. Sogar  Dario Argento ist in einem kleinen Cameo beteiligt – eine Personalie, die Horror-Fans aufhorchen lässt, ohne dass das Spiel in stilisierte Giallo-Ästhetik abgleitet.

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Die Handlung bleibt weitgehend spoilerfrei erzählbar, da ihr Kern schlicht, aber effektiv ist: Überleben. Entscheidungen bestimmen, welchen Weg Zanna einschlägt, wem sie vertraut und welche Risiken sie eingeht. Dabei entwickelt „The Run“ eine Dynamik, die stark an klassische Backwood-Thriller erinnert. Die weiten Landschaften, die scheinbare Isolation, das Gefühl, dass Hilfe unerreichbar ist – all das erzeugt eine Atmosphäre, die an Survival-Filme der 2000er-Jahre denken lässt, ohne sich direkt auf konkrete Vorbilder zu stützen.

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Spielerisch folgt da Spiel der etablierten FMV-Formel, erweitert diese jedoch um einige interessante Nuancen. Die Interaktion erfolgt über Auswahlentscheidungen, die entweder zeitgesteuert oder auch wahlweise im pausierten Modus getroffen werden können. Der zeitgesteuerte Modus erzeugt spürbaren Druck, da nur wenige Sekunden bleiben, um zwischen Optionen zu wählen. Im pausierten Modus hingegen friert das Bild ein, was das Spiel zugänglicher macht und sich besonders für Gruppen oder Streaming-Situationen eignet. Diese Wahlmöglichkeit ist mehr als ein Komfort-Feature; sie beeinflusst das gesamte Spielgefühl.

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Die Struktur ist verzweigt und umfasst laut Spielangaben rund drei Stunden gefilmtes Material. Insgesamt existieren 20 einzigartige Todesvarianten sowie fünf unterschiedliche Enden. Das klingt zunächst nach einer klassischen „Trial-and-Error“-Einladung, doch in der Praxis fühlt sich das Experimentieren mit Alternativen organisch an. Eine grafische Story-Karte dokumentiert freigeschaltete Abzweigungen und motiviert dazu, bisher unentdeckte Pfade zu erkunden. Dadurch entsteht ein gewisser Sammeltrieb, ohne dass das Spiel in reine Checklistenarbeit abdriftet.

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Mechanisch bleibt das Spiel bewusst schlank. Es gibt keine komplexen Inventarsysteme, keine frei begehbaren Areale, keine klassischen Rätsel. Stattdessen entsteht Spannung aus der Abfolge von Entscheidungen: Versteckt man sich oder rennt man weiter? Konfrontiert man eine Figur oder sucht man das Weite? Dieser Minimalismus ist zugleich Stärke und potenzielle Schwäche. Wer FMV-Spiele wegen ihrer filmischen Verdichtung schätzt, wird die klare Fokussierung begrüßen. Wer hingegen tiefgreifende spielerische Systeme erwartet, könnte die Interaktion als zu reduziert empfinden, zumal es immer wieder Entscheidungen gibt, die statt zu neuen Handlungssträngen, zum Bildschirmtod führt, den das Spiel mit bisher im Genre unbekannter Härte zelebriert.

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Die Inszenierung ist insgesamt sehr hochwertig und filmisch. Dynamische Kamerafahrten begleiten Zanna durch Wälder, über Geröllpfade und entlang steiler Hänge. Die Naturkulisse Norditaliens wird intensiv genutzt: Sonnenlicht, das durch Baumwipfel bricht, Nebelschwaden in höheren Lagen, schroffe Felsformationen. Diese Bildsprache trägt erheblich zur Atmosphäre bei. Anders als in vielen Studio-FMV-Produktionen wirkt „The Run“ überraschend weitläufig und physisch. Man spürt förmlich die Anstrengung, das Keuchen, die Erschöpfung nach Kilometern im unwegsamen Gelände.

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Die Videoqualität ist scharf, Details bleiben auch in dunkleren Szenen gut erkennbar. Die Mindestanforderungen fallen moderat aus, was darauf hindeutet, dass das Spiel bewusst niedrigschwellig zugänglich sein soll. Mit rund 29 GB Speicherbedarf ist der Umfang für ein FMV-Projekt beachtlich. Während der Tests kam es zu keinen nennenswerten Performance-Einbrüchen, die Übergänge zwischen Szenen verlaufen flüssig. Die Integration von Steam-Features wie Errungenschaften fügt sich nahtlos ein, ohne vom Kern des Erlebnisses abzulenken.

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Der Sound spielt ebenfalls eine zentrale Rolle im Spannungsaufbau. Schritte auf Kies, das Knacken von Ästen, entfernte Rufe – all diese Geräusche werden präzise eingesetzt, um Paranoia zu erzeugen. Der Score bleibt meist zurückhaltend, steigert sich jedoch in kritischen Momenten und unterstützt die Dringlichkeit der Situation. Die schauspielerischen Leistungen sind insgesamt auf hohem Niveau. Besonders Roxanne McKee verleiht Zanna eine glaubwürdige Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit. Man nimmt ihr die körperliche Belastung ebenso ab wie die psychische Ausnahmesituation.

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Regisseur Paul Raschid bleibt seinem Stil treu, den er bereits in früheren FMV-Projekten, wie beispielsweise „The Complex„, „Five Dates“ und „The Gallery“ etabliert hat. Seine Inszenierung setzt auf Tempo, klare Konflikte und emotionale Entscheidungen. Im Vergleich zu früheren Werken wirkt „The Run“ jedoch fokussierter, fast kompromisslos in seiner Ausrichtung auf das Survival-Thema. Die Natur wird nicht bloß als Kulisse genutzt, sondern als aktiver Bestandteil der Dramaturgie. Jede Abzweigung im Wald, jeder Höhenunterschied kann über Leben und Tod entscheiden.

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PRM Games fungiert sowohl als Entwickler als auch als Publisher. Das Studio hat sich in den letzten Jahren mit narrativen Projekten im FMV-Bereich einen Namen gemacht und arbeitet regelmäßig mit internationalen Schauspielern zusammen. Mit „The Run“ scheint man den Anspruch verfolgt zu haben, das Format weiter zu professionalisieren und gleichzeitig einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die Kooperation mit erfahrenen Filmschaffenden und Produktionsfirmen unterstreicht diesen Ansatz.

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Insgesamt ist „The Run“ ein intensiver, klar strukturierter FMV-Horror-Thriller, der seine Spannung aus Einfachheit und Konsequenz bezieht. Die Geschichte mag auf den ersten Blick geradlinig erscheinen, doch die Vielzahl möglicher Entscheidungen und Enden sorgt für nachhaltige Motivation. Das Spiel richtet sich in erster Linie an Fans interaktiver Filme, an Thriller-Liebhaber und an Spielerinnen und Spieler, die sich auf eine emotionale, filmische Erfahrung einlassen möchten. Wer bereit ist, die Natur als Bühne eines existenziellen Überlebenskampfes zu akzeptieren und mechanische Komplexität zugunsten narrativer Dichte zurückzustellen, findet hier ein bemerkenswert geschlossenes Erlebnis. „The Run“ beweist, dass das FMV-Genre auch 2026 noch in der Lage ist, mit überschaubaren Mitteln große Spannung zu erzeugen – vorausgesetzt, Inszenierung, Schauspiel und Entscheidungsstruktur greifen so stimmig ineinander wie hier.

Entwickler: PRM Games

Publisher: PRM Games

Erhältlich auf: PC

Getestet auf: PC

NB@18.02.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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