Ich bin ein absoluter Fan der Resident Evil-Reihe und da ich damit bei weitem nicht alleine bin, gibt es viele Spiele, die versuchen an diese Fanliebe zu appellieren oder gar versuchen ungeschulte Spieler dazu zu verleiten, als Teil dieser Reihe wahrgenommen zu werden. Und eben in diese Kerbe schlägt auch „Ebola Village“, angefangen bei der Komposition des Titelbildes, den verwendeten Farben und Schriftarten und auch die Betitelung mit dem Zusatz „Village“ könnte man per se als direkte Anspielung an „Resident Evil Village“ deuten. Doch handelt es sich bei dem von indie_games_studio entwickelten Spiel wirklich nicht mehr als ein Rip-Off oder doch ein Spiel mit eigener Identität und man hätte dieses merkwürdig anmutende Marketing vielleicht gar nicht gebraucht?

Das Spiel führt den Spieler in ein abgelegenes Dorf, das von einem rätselhaften biologischen Vorfall erschüttert wird und natürlich ist dabei nicht so, wie es anfangs scheint… – Im Zentrum der Handlung steht Maria, die zunächst eine Fernsehsendung über einen biologischen Vorfall verfolgt. Getrieben von Sorge um ihre Familie reist Sie in das abgelegene Dorf, um die Mutter und den Ex-Mann Ruslan zu suchen. Doch schon bei der Ankunft wird klar, dass das Dorf nicht mehr so ist, wie es einst war: Unheimliche Ereignisse und bedrohliche Phänomene entfalten sich, und der Spieler muss die Welt erkunden, Hinweise sammeln und die Zusammenhänge entschlüsseln. Die narrative Ausgangslage ist bewusst schlicht gehalten, dient aber effektiv als Leitfaden durch das Abenteuer und ermöglicht dem Spieler, die Bedrohung nach und nach zu verstehen.

Das Gameplay wird überwiegend in der First-Person-Perspektive erlebt. Es verbindet klassische Survival-Horror-Mechaniken mit Erkundung, Inventarmanagement und Rätseln. Der Spieler muss die Umgebung sorgfältig untersuchen, Gegenstände kombinieren und Hinweise aus der Spielwelt gewinnen, um voranzukommen. Das Kampfsystem mit unterschiedlichen Waffen und realistisch reagierenden Gegnern sorgt für Spannung, während Bossgegner und variierende Schwierigkeitsgrade für wiederkehrende Herausforderungen sorgen.

Die grafische und akustische Präsentation des Spiels steht in deutlicher Nähe zu den neueren Resident-Evil-Teilen wenn auch nicht ganz auf dem gleichen Niveau. Dennoch: Die Gestaltung der Innenräume, die subtile Nutzung von Licht- und Schatteneffekten sowie die Soundkulisse erzeugen ein ähnlich bedrückendes Spannungsgefühl. Die Entwickler adaptieren die visuelle Sprache klassischer Survival-Horror-Titel, von der Kameraperspektive in engen Korridoren über die Gestaltung unheimlicher Räume bis hin zum gezielten Einsatz von Hintergrundgeräuschen und wissen es auch entsprechend zu inszenieren. Diese Nähe zu bekannten Vorlagen macht den Einstieg für Spieler sofort vertraut, während die verwendete Unreal Engine gleichzeitig moderne Stabilität und eine flüssige Darstellung ermöglicht. Selbst ohne Hinweis und das Hintergrundwissen zum Marketing ist die Inspiration mehr als offensichtlich, wird aber gekonnt in die eigene Welt des Dorfes übertragen, sodass das Spiel dennoch seine eigene Identität behält und gleichzeitig fast die Qualität bekannter Genrevertreter erreicht.

Das Spiel vermittelt ein Erlebnis, das stark auf Atmosphäre, Erkundung und Spannung setzt. Der Spieler wird eingeladen, die Welt vorsichtig zu erforschen, Hinweise zu kombinieren und die Interaktion mit Gegnern zu erleben. Die narrative Struktur ist bewusst zurückhaltend und eröffnet Raum für eigene Entdeckungen. Die Mechaniken bilden ein konsistentes Gerüst, das die Spielerfahrung zusammenhält, während die audiovisuelle Gestaltung die Immersion konsequent unterstützt. Die Nähe zu Resident Evil in Präsentation und Sound zeigt, dass der Titel bewusst auf bewährte Stilmittel setzt, diese aber mit eigener Identität kombiniert.

Das Spiel blickt zwar auf vorherige Ebola-Teile zurück, ist aber ist ein eigenständiges Erlebnis ohne direkten Bezug. Diese Freiheit erlaubt es dem Entwickler, klassische Horror-Elemente unverfälscht umzusetzen. Damit kann man auch ohne die vorherigen Teile gespielt zu haben in das Abenteuer starten und hat keine Nachteile dadurch, was das Spiel auch klar von Resident Evil abhebt, wo die Liste an notwendigen Hintergrundinformationen von alten Serienteilen mittlerweile heillos überladen ist. In Sachen Gameplay sieht das allerdings anders aus, denn die Entwickler versuchen keineswegs das Rad neu zu erfinden, sondern nutzen das Spiel als Chance, um Mechaniken wie Inventarmanagement, Rätsel und Kampfsystem zu verfeinern und in einen stimmigen Rahmen zu setzen.

Insgesamt handelt es sich bei „Ebola Village“ um einen durchaus gelungenen Ableger des Survival-Horror-Genres, der es im Grunde gar nicht notwendig hat sich an bekannte Marken anzubiedern. Selbstverständlich wird jedes Spiel heutzutage im Genre zwangsläufig mit Resident Evil verglichen, aber das Marketing schadet dem Spiel meiner Meinung nach. Ein passender Vergleich sind vielleicht die Rip-Offs zu bekannten Disney-Filmen, die im Fahrwasser von Kinostarts früher rausgekommen sind und als Zielgruppe zweifelsfrei unwissende Eltern und Großeltern hatten, die den Kindern „den Film, den du so magst“ mitgebracht haben, nur um dann stattdessen in schockierte oder gar weinende Kindergesichter zu schauen.

Und diese Form des Etikettenschwindels hat es bei „Ebola Village“ gar nicht nötig, denn das Spiel bietet solide und eher klassische Survival-Horror-Erlebnisse mit starkem Fokus auf Atmosphäre, Erkundung und Rätsel, wobei die Action, obgleich nicht komplett außen vor, eine untergeordnete Rolle einnimmt. Wer die Genreprinzipien liebt, erhält hier ein konsistentes, in sich stimmiges Abenteuer, das die Intensität ähnlich großer AAA-Titel vermittelt, ohne auf überflüssigen Schnickschnack zu setzen. Die Kombination aus Dorfkulisse, kontrollierter Handlung und stimmigem Gameplay sorgt für ein Horror-Erlebnis, das im Gedächtnis bleibt…
Entwickler: indie_games_studio
Publisher: Axyos Games
Erhältlich auf: PC PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch
Getestet auf: Xbox Series X
NB@09.06.2026
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