“City Hunter“ war eins dieser Spiele, das nie offiziell den Weg in den Westen gefunden hat, obwohl es auf einer, auch hierzulange recht populären, Manga- und Anime-Reihe basiert. Aber diesen Malus hat der französische Publisher Red Art Games nun korrigiert und bringt das Spiel, satte 35 Jahre nach seinem eigentlichen Debut, neu heraus. Doch im Zentrum steht auf jeden Fall die Frage, ob es vielleicht gute Gründe gibt, warum man sich seinerzeit gegen eine Veröffentlichung im Westen entschieden hat und ob das Spiel anspruchsvolle Spieler mit einem Überangebot an Spielen überhaupt noch begeistern kann?

Im Spiel schlüpft man in die Rolle des berühmten Ryo Saeba, bekannt aus Hojo Tsukasas gleichnamigem Manga und der darauf basierenden Anime‑Serie. Ryo ist ein sogenannter „Cleaner“ – ein Profi, der Aufträge annimmt, die von Aufklärungsarbeiten über Schutz bis hin zu härteren Einsätzen reichen, immer mit dem Ziel, die zwielichtigen Ecken Tokios zu säubern. Ihm zur Seite steht Kaori, die jüngere Schwester seines verstorbenen besten Freundes und Partnerin in zahlreichen Fällen. Das Spiel erzählt dabei eine eigenständige, aber an die erste Staffel der Anime‑Serie angelehnte Nebenhandlung, in der Ryo gegen die Machenschaften einer mächtigen Megacorporation kämpft, deren Verschwörung weitreichende Folgen für die Stadt hat. Die Geschichte ist bewusst offen gehalten und setzt stärker auf episodische Einsätze und stimmungsvolle Szenen als auf aufwendige erzählerische Bögen, für die damalige Zeit nichts ungewöhnliches ist und dennoch genug nachvollziehbaren roten Faden bietet.

Gameplay‑technisch bleibt das Spiel seiner Wurzel treu: Es handelt sich um ein seitlich scrollendes 2D‑Actionspiel, optisch wie spielerisch am ehesten mit „E-Swat“, „Rolling Thunder“ oder auch der Shinobi-Reihe vergleichbar, in dem das direkte Eingreifen und das präzise Navigieren durch die Level im Vordergrund stehen. Die Steuerung folgt klassischen Mustern – mit klarer Trennung zwischen Bewegung, Angriff und Ausweichen – und fühlt sich ebenso vertraut an wie die Levelstruktur, die sich an traditionellen Plattform‑Actionspielen orientiert. Gegnerbegegnungen und kleinere Rätselsequenzen wechseln sich ab, während der Spieler durch urbane Kulissen gesteuert wird. Die Steuerung reagiert unmittelbar und vermittelt ein solides Gefühl für das Tempo der Auseinandersetzungen, auch wenn man schon ziemlich gute Reflexe braucht, um sich die Horden von Gegnern vom Leib zu halten, ohne Schaden zu nehmen.

Grafisch sieht man natürlich, dass es sich im Kern um ein 35 Jahre altes Spiel handelt. Für die damalige Zeit war die Grafik aber schon echt gelungen und kann ich  sich auch heute noch absolut sehen lassen. Besonders die Sprites und Zwischensequenzen sind auf dem Niveau der Vorlage und sehen absolut schick aus. Die Levels fallen im Gegensatz etwas ab und bestehen vielerorts aus wieder verwendeten Versatzstücken. Ähnlich verhält es sich mit den Horden von Klongegnern. Akustisch begleitet ein Sounddesign, das klassische Effekte mit zeitgemäßen Audiosamples verbindet, und als Hommage an die Serie wurde der ikonische Song „Get Wild“ von TM Network in das Spiel eingebaut – ein stilistischer Ankerpunkt, der die nostalgische Atmosphäre verstärkt.

Dass es sich bei dieser Version um eine Neuauflage des Originals aus dem Jahr 1990 handelt, ist zentral für jede Einordnung. Das damalige „City Hunter“ für die PC Engine war eine seltene und lokal begrenzte Adaption der beliebten Franchise, die nie global große Verbreitung fand. Die heutige Version ist vielmehr als eine Remastered‑Interpretation zu verstehen, die den Charme und das Gameplay‑Fundament des Originals bewahrt, zugleich aber mit modernen Lokalisierungen, Qualitäts‑ und Komfortverbesserungen ergänzt wurde, um einem internationalen Publikum gerecht zu werden. So ist diese Version nunmeht komplett übersetzt und bietet unterschiedliche Grafikoptionen und beispielsweise die Möglichkeit jederzeit zu speichern.

Ursprünglich entwickelt von niemand geringerem als Sunsoft, den Machern unter anderem von „Batman“ oder „Blaster Master“, wurde das Spiel liebevoll von Red Art Games überarbeitet und auf moderne Plattformen portiert. Red Art Games ist ein französischer Publisher und Entwickler, der seit seiner Gründung 2018 über 200 physische Titel veröffentlicht und zahlreiche Spiele auf aktuelle Systeme gebracht hat. Diese Erfahrung im Umgang mit klassischem Material spiegelt sich in der Herangehensweise an „City Hunter“ wider: Es ist kein bloßes technisches Remaster, sondern ein Projekt, das auf Respekt vor der Quelle basiert und sich gleichzeitig den Erwartungen heutiger Spieler öffnet.

Im Gesamtergebnis zeichnet „City Hunter“ das Portrait einer interessanten Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Spieler, die mit dem Original vertraut sind oder eine Affinität für klassische 2D‑Action haben, werden die sorgfältigen Remaster‑Anstrengungen und die atmosphärische Umsetzung zu schätzen wissen. Zugleich bietet das Spiel genug Zugänglichkeit für Neulinge, die den Flair einer urbanen Action‑Szenerie erleben möchten, ohne dabei in übermäßig komplexe Mechaniken oder moderne Open‑World‑Ansprüche verstrickt zu werden. Es ist ein Spiel, das nicht mit großen Innovationen protzt, sondern durch seine stimmige Präsentation und die spürbare Liebe zum Ausgangsmaterial lebt. Die Zielgruppe liegt – trotz seiner Nostalgie‑Wurzeln – deshalb nicht nur bei Sammlern und Retro‑Fans, sondern bei allen, die eine klare, handwerklich solide Action‑Erfahrung suchen.

Entwickler: Sunsoft, Red Art Games

Publisher: Sunsoft, Red Art Games

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch

Getestet auf: PS5

NB@01.04.2026

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