Unser Lieblings-Goblin Styx ist endlich zurück. Nach dem epischen Finale von „Styx: Shards of Darkness“ setzt das neue Abenteuer direkt in diesem Finale an und zeigt uns als Spieler sogar neue Facetten davon. Allerdings keine Angst, auch als Neuling bekommt man genug Kontext zum Einstieg, kann aber wahrscheinlich nicht allen Anspielungen und Easter Eggs folgen. „Styx: Blades of Greed“ führt die Schleichreihe von Cyanide Studio nach mehreren Jahren Pause fort. Als Stealth-Action-Adventure bleibt das Spiel seiner Linie treu: Es geht weniger um offene Konfrontation als um Beobachtung, Geduld und die Freude daran, ein Ziel auf möglichst elegante Weise zu erreichen, im Grunde vergleichbar mit Hitman oder ahnlichen Spielen.

(c) Cyanide Studio, Nacon

Im Mittelpunkt steht erneut Styx, ein diebischer, bissiger Goblin, der sich auf die Jagd nach Quartz begibt, einer ebenso wertvollen wie gefährlichen Ressource. Die Welt steht dabei am Rand größerer Konflikte zwischen Elfen, Menschen und Orks, doch das Spiel erzählt diese Ausgangslage nicht als großes Heldenepos, sondern aus der Perspektive eines kleinen, zynischen Überlebenskünstlers. Gerade diese Verschiebung macht den Reiz aus: Styx ist kein strahlender Retter, sondern ein Opportunist, der Lücken erkennt, Schwächen ausnutzt und moralisch selten dort steht, wo klassische Fantasy ihre Helden platzieren würde. Die Geschichte wirkt zunächst eher simpel, gewinnt aber durch die raue Tonalität, den trockenen Humor und die leicht nostalgische Erinnerung an eine Ära, in der Stealth noch stärker aus Planung, Timing und Improvisation bestand.

(c) Cyanide Studio, Nacon

Spielerisch bleibt das Abenteuer konsequent in der Third-Person-Perspektive und setzt auf Schleichen, Klettern, Ablenkungen, lautlose Angriffe und das Ausnutzen verwinkelter Umgebungen. Besonders gelungen ist die vertikale Struktur vieler Areale. Dächer, Vorsprünge, Seile, Abgründe und versteckte Wege sorgen dafür, dass ein Ziel selten nur einen Zugang besitzt. Das Spiel lädt dazu ein, Wachen zunächst zu beobachten, Routen zu lesen und dann einen eigenen Plan zu entwickeln. – Direkte Kämpfe fühlen sich bewusst riskant an, wodurch die eigene Verwundbarkeit Teil der Spannung wird. Neue Quartz-Fähigkeiten erweitern die Möglichkeiten spürbar, ohne den Kern zu verwässern. Statt aus Styx eine übermächtige Figur zu machen, geben sie dem Spieler zusätzliche Werkzeuge an die Hand, um noch flexibler, frecher und manchmal auch riskanter zu agieren.

(c) Cyanide Studio, Nacon

Das Leveldesign ist dabei die eigentliche Stärke des Spiels. Die Schauplätze wirken wie kompakte Schleichsandkästen, in denen jede Wache, jede erhöhte Position und jeder Nebengang Teil eines größeren Systems ist. Wer geduldig spielt, wird belohnt; wer unachtsam wird, merkt schnell, dass Fehler Konsequenzen haben. Der Schwierigkeitsgrad entsteht weniger durch übermächtige Gegner als durch Situationen, in denen mehrere Blickfelder, Patrouillen und Höhenunterschiede zusammenspielen. Im Genrevergleich erinnert das an klassische Immersive-Sim- und Stealth-Tugenden, ohne deren Komplexität vollständig zu übernehmen. Es ist kein glattgebügeltes Actionspiel mit Schleichoption, sondern ein Titel, der seine Identität aus dem Vermeiden, Täuschen und Ausmanövrieren zieht.

(c) Cyanide Studio, Nacon

Optisch profitiert das Spiel stark von seiner düsteren Fantasy-Ausrichtung. Die Welt ist schmutzig, kantig und vertikal, mit einem Stil, der eher Charakter als reine Hochglanzästhetik sucht. Die Präsentation ist durchweg atmosphärisch dicht, vor allem dann, wenn Licht, Schatten und Architektur zusammenarbeiten und die Umgebung selbst zum Werkzeug wird. Kleinere technische Unsauberkeiten, sie Pop Ins oder den ein oder anderen Hänger in der KI, können vorkommen, sie nehmen dem Gesamteindruck aber nicht grundsätzlich die Wirkung. Der Sound unterstützt die Schleichspannung solide: Schritte, Stimmen und Umgebungsgeräusche helfen dabei, Räume zu lesen, während die Musik eher zurückhaltend bleibt und dem vorsichtigen Vorgehen Platz lässt. Gerade weil die Inszenierung nicht ständig akustisch überdramatisiert, entsteht in gelungenen Momenten ein angenehm konzentrierter Spielfluss.

(c) Cyanide Studio, Nacon

Als Fortsetzung steht das Spiel sichtbar in der Tradition von „Styx: Master of Shadows“ und „Styx: Shards of Darkness“. Es übernimmt den Kern der Reihe, öffnet ihn aber stärker über größere, freiere Areale und zusätzliche Bewegungsoptionen. Dadurch fühlt es sich weniger wie eine bloße Wiederholung an, sondern eher wie eine Weiterentwicklung für Spielerinnen und Spieler, die an der Figur und am Stealth-Prinzip hängen. Gleichzeitig bleibt der Zugang speziell: Wer mit Styx’ ruppigem Humor, seiner Hässlichkeit im besten Sinne und dem bewussten Verzicht auf Heldenglanz nichts anfangen kann, wird auch hier nicht bekehrt. Wer die Reihe mochte, findet jedoch viele Gründe, sich wieder heimisch zu fühlen.

(c) Cyanide Studio, Nacon

Hinter dem Spiel steht Cyanide Studio, ein französisches Entwicklerstudio, das seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Genres arbeitet und unter anderem für Spiele aus den Bereichen Rollenspiel, Sportmanagement und düstere Fantasy bekannt ist. Die Reihe rund um Styx gehört dabei zu den markanteren Projekten des Studios, weil sie eine klar erkennbare Nische besetzt. Nacon übernimmt als Publisher den Rahmen für eine Veröffentlichung, die nicht versucht, jedes moderne Actionspiel zu imitieren, sondern ihre spezielle Identität vergleichsweise selbstbewusst trägt. Gerade in einer Zeit, in der viele Spiele ihre Systeme vereinfachen, wirkt diese Rückkehr zum geduldigen Schleichen fast altmodisch, aber auf eine sympathische Weise.

(c) Cyanide Studio, Nacon

Insgesamt ist das Spiel ein charakterstarkes Stealth-Abenteuer für Spieler, die Freude daran haben, Räume zu analysieren, Wege zu suchen und Probleme lieber aus dem Schatten heraus zu lösen. Es ist nicht makellos und bleibt in Tonfall wie Spielstruktur bewusst kantig, doch genau darin liegt ein großer Teil seiner Eigenständigkeit. Es richtet sich klar an Fans klassischer Schleichmechaniken, an Liebhaber düsterer Fantasy und an alle, die lieber einen unperfekten, aber markanten Goblin durch gefährliche Festungen führen als den nächsten austauschbaren Helden zu spielen. Als Rückkehr der Reihe funktioniert es vor allem deshalb, weil es versteht, was Styx ausmacht: Heimlichkeit, Bosheit, Beweglichkeit und ein sehr eigenes Gespür für schmutzige kleine Siege…

Entwickler: Cyanide Studio

Publisher: Nacon

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S

Getestet auf: Xbox Series X

NB@28.04.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.

Die verwendeten Bilder und/oder Screensshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst auf der Review-Plattform erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..