Mit „Indiana Jones und der große Kreis“ hat MachineGames eine der traditionsreichsten Abenteuer-Marken der Popkultur zurück ins Rampenlicht geführt. Nach Jahren, in denen Indiana Jones vor allem über ältere Spiele, Film-Neuveröffentlichungen und gelegentliche Nostalgiewellen präsent blieb, wagt sich das schwedische Studio an eine moderne Neuinterpretation der legendären Archäologen-Abenteuer – und setzt dabei überraschend konsequent auf Atmosphäre, Entschleunigung und klassische Abenteuerfilm-DNA statt auf reine Action.
Veröffentlicht wurde das Spiel zunächst für Xbox Series X/S und PC, ein Jahr später folgte die Umsetzung für PlayStation 5 und nun schließlich die Version für die Nintendo Switch 2. Genre-technisch bewegt sich der Titel zwischen Action-Adventure, Stealth, Rätselspiel und cineastischer Schatzsuche. Die große Frage war dabei von Anfang an, ob es MachineGames gelingt, die typische Mischung aus Abenteuerromantik, Humor und Gefahr einzufangen, die die Filme rund um Indiana Jones über Jahrzehnte geprägt hat – ohne dabei lediglich eine spielbare Hommage zu bleiben. – Erfreulicherweise gelingt genau das erstaunlich gut.
Auf Schatzsuche zwischen Tempeln und Legenden
Die Handlung spielt zeitlich zwischen den klassischen Filmabenteuern und beginnt mit einem Einbruch in das renommierte Marshall College. Ein scheinbar isolierter Diebstahl entwickelt sich schnell zu einer weltumspannenden Spurensuche rund um den sogenannten „Großen Kreis“, ein geheimnisvolles Netzwerk antiker Stätten, das sich quer über den Globus erstreckt. Dabei verschlägt es Indiana Jones unter anderem nach Rom, Ägypten, Thailand und in verschneite Gebiete des Himalayas.

Besonders gelungen ist dabei die Art, wie die Geschichte erzählt wird. Statt permanent auf gigantische Eskalationen zu setzen, nimmt sich das Abenteuer Zeit für kleinere Momente. Gespräche in staubigen Bibliotheken, improvisierte Ausgrabungen oder nächtliche Erkundungstouren durch halb verfallene Tempelanlagen erzeugen jene Abenteuerstimmung, die viele moderne Blockbuster-Spiele oft zugunsten permanenter Spektakel verlieren.

Die Figuren wirken dabei angenehm klassisch geschrieben. Indiana Jones selbst ist nicht der unfehlbare Actionheld, sondern vielmehr ein erschöpfter, manchmal überforderter Archäologe mit trockenem Humor und einem gewissen Hang zur Improvisation. Gerade dadurch erinnert die Darstellung stark an die frühen Filmauftritte. Auch die Begleiterinnen und Gegenspieler bleiben überwiegend glaubwürdig geerdet. Besonders Gina Lombardi entwickelt sich im Verlauf der Handlung zu mehr als nur einer typischen Sidekick-Figur.

Der Ton erinnert stark an klassische Abenteuerfilme der 1980er-Jahre, vornehmlich selbstverständlich „Jäger des verlorenen Schatzes“, dessen Intro auch als Tutorial im Spiel fungiert, liebenswert inszeniert mit einer Mischung aus Rätseln, exotischen Schauplätzen und einem leicht pulpigen Unterton. Gleichzeitig vermeidet das Spiel übertriebene Selbstironie. Stattdessen vertraut MachineGames darauf, dass die Welt und ihre Atmosphäre stark genug sind, um die Spieler durch das Abenteuer zu tragen.
Ruhiger als viele moderne Action-Adventures
Spielerisch unterscheidet sich der Titel überraschend deutlich von vielen modernen Action-Adventures. Obwohl das Studio zuvor vor allem durch die modernen Wolfenstein-Titel bekannt wurde, steht hier nicht das Schießen im Mittelpunkt. Kämpfe existieren zwar, fühlen sich aber eher wie unangenehme Zwischenfälle an als wie das eigentliche Ziel des Spiels.

Der Fokus liegt klar auf Erkundung, Rätseln und improvisierten Lösungen. Viele Abschnitte lassen sich schleichend absolvieren, andere setzen auf das genaue Beobachten der Umgebung. Das berühmte Peitschensystem wird dabei clever eingesetzt: Mal dient die Peitsche zum Überqueren von Abgründen, mal zum Entwaffnen von Gegnern oder zum Aktivieren bestimmter Mechanismen.

Besonders interessant ist die Struktur der Spielwelt. Zwar bleibt das Abenteuer grundsätzlich linear erzählt, doch viele Gebiete sind überraschend offen aufgebaut. Statt enger Korridore entstehen größere Areale mit versteckten Dokumenten, optionalen Geheimnissen und alternativen Wegen. Dadurch entsteht ein angenehmes Gefühl von Entdeckung, das hervorragend zur Marke passt.

Die Rätsel bewegen sich meist auf einem zugänglichen Niveau, verlangen aber dennoch Aufmerksamkeit. Häufig geht es darum, historische Hinweise zu kombinieren, Symbole richtig zu deuten oder Mechanismen innerhalb alter Tempelanlagen zu verstehen. Das Spiel vermeidet dabei die übermäßig abstrakten Puzzle-Konstruktionen vieler klassischer Adventure-Spiele und bleibt stärker in seiner glaubwürdigen Abenteuerwelt verankert.

Die Ego-Perspektive wirkt zunächst ungewöhnlich, gerade weil viele Spieler vermutlich ein Third-Person-Abenteuer erwartet hätten. Nach kurzer Eingewöhnung entfaltet sie jedoch ihre eigene Stärke. Tempel wirken enger, Fallen unmittelbarer und Begegnungen persönlicher. Gleichzeitig setzt das Spiel in bestimmten Kletter- oder Inszenierungsmomenten bewusst auf externe Kameraperspektiven, wodurch der ikonische Look von Indiana Jones trotzdem regelmäßig präsent bleibt.

Auch der Spielfluss profitiert davon, dass das Abenteuer bewusst ruhiger bleibt als viele aktuelle Genrevertreter. Es gibt keine permanente Reizüberflutung, keine endlosen Skilltrees und keinen überladenen Open-World-Ansatz. Stattdessen vertraut der Titel auf seine Atmosphäre und sein Pacing. Gerade Fans klassischer Abenteuer dürften genau darin einen der größten Reize sehen.
Überraschend stark auf der Nintendo Switch 2
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Version für die Nintendo Switch 2. Schon im Vorfeld stellte sich die Frage, wie gut sich ein technisch ambitioniertes Abenteuer dieser Größenordnung auf Nintendos neuer Hardware umsetzen lässt – insbesondere im Vergleich zu den bereits verfügbaren Fassungen auf leistungsstärkeren Plattformen.

Die erfreuliche Nachricht zuerst: Die Grundatmosphäre bleibt vollständig erhalten. Auch auf der Nintendo Switch 2 wirkt das Abenteuer wie eine große, cineastische Schatzsuche und verliert kaum etwas von seiner dichten Stimmung. Beleuchtung, Schauplätze und Inszenierung transportieren weiterhin genau jene Mischung aus Entdeckungslust und Gefahr, die das Erlebnis ausmacht.

Natürlich gibt es Unterschiede zu den Versionen auf PlayStation 5, Xbox Series X oder leistungsstarken PCs. Die Bildschärfe fällt auf der Nintendo Switch 2 etwas weicher aus, manche Texturen wirken weniger detailliert und die Framerate erreicht nicht immer die gleiche Stabilität wie auf den stärkeren Konsolen. Dennoch bleibt die Darstellung insgesamt erstaunlich sauber und angenehm spielbar, weit entfernt von einem spürbaren Downgrade.

Viel wichtiger ist jedoch, dass sich das Abenteuergefühl kaum verändert. Gerade im Handheld-Modus entsteht sogar eine gewisse Nähe zum klassischen Abenteuerroman-Gefühl: Tempelrätsel unterwegs lösen, Dokumente durchstöbern oder versteckte Kammern entdecken funktioniert hervorragend auf dem mobilen Bildschirm. Statt sich ausschließlich auf technische Vergleiche zu konzentrieren, zeigt die Umsetzung vor allem, wie flexibel sich das Erlebnis an unterschiedliche Spielweisen anpassen kann.

Auch die Steuerung wurde sinnvoll angepasst. Die Bewegungen wirken präzise, Menüs bleiben übersichtlich und selbst hektischere Momente lassen sich zuverlässig kontrollieren. Einzelne Ladezeiten fallen zwar etwas länger aus als auf anderen Plattformen, im Gesamtbild beeinträchtigt das den Spielfluss jedoch nur selten.

Wer maximale technische Perfektion sucht, wird auf High-End-PCs oder den stärkeren Heimkonsolen weiterhin die beeindruckendste Version finden. Doch gerade für Spieler, die das Abenteuer flexibel erleben möchten, liefert die Umsetzung auf Nintendo Switch 2 eine bemerkenswert starke Alternative.
Atmosphäre statt reiner Technikshow
Grafisch setzt das Spiel weniger auf sterile Hochglanzoptik als auf Atmosphäre. Tempel wirken alt und gefährlich, Bibliotheken verstaubt und glaubwürdig genutzt, während Wüstenlandschaften oder verschneite Bergregionen häufig an klassische Matte-Paintings alter Abenteuerfilme erinnern.

Die Gesichtsanimationen gehören zu den stärkeren Aspekten der Präsentation. Vor allem Indiana Jones transportiert durch kleine Mimiken und Blicke viel Persönlichkeit. Gleichzeitig bleibt die Inszenierung stilistisch angenehm bodenständig und verliert sich nicht in übertriebener Hollywood-Dramatik.

Akustisch gelingt dem Titel ebenfalls viel. Der orchestrale Soundtrack orientiert sich hörbar an den klassischen Filmkompositionen, ohne diese permanent direkt zu kopieren. Gerade ruhigere Musikstücke tragen stark zur Atmosphäre bei. Hinzu kommt eine hochwertige Vertonung, die den Figuren Glaubwürdigkeit verleiht. Auch die Umgebungsgeräusche verdienen Lob. Tropfendes Wasser in alten Ruinen, entfernte Gespräche in Ausgrabungsstätten oder das Knarzen alter Mechanismen sorgen dafür, dass sich viele Orte greifbar anfühlen. Besonderes Lob verdient die phänomenale Synchronisation, besonders im Original, bei der zwischen Harrison Ford als Vorlage und Troy Baker als Sprecher nur kleinste Nuancen Unterschied bestehen.
Der Orden der Riesen erweitert die Mythologie
Mit „Der Orden der Riesen“ erhielt das Hauptspiel zudem eine größere Erweiterung, die den Fokus noch stärker auf Mythologie und Erkundung legt. Inhaltlich fügt sich der DLC angenehm in die bestehende Handlung ein und wirkt weniger wie ein isolierter Nachschlag, sondern eher wie ein zusätzliches Kapitel innerhalb derselben Abenteuerwelt.

Besonders interessant ist dabei die neue Region, die erneut stark von historischen Geheimnissen und alten Legenden geprägt ist. Die Erweiterung setzt stärker auf rätsellastige Passagen und atmosphärische Erkundung als auf große Actionsequenzen. Gerade Spieler, die den ruhigeren Abenteueransatz mochten, dürften hier auf ihre Kosten kommen.

Auch erzählerisch bleibt der DLC angenehm zurückhaltend. Statt zwanghaft größer oder spektakulärer werden zu wollen, konzentriert sich „Der Orden der Riesen“ auf zusätzliche Mysterien und kleinere Charaktermomente. Dadurch bleibt die Erweiterung tonal sehr nah am Hauptspiel.
Ein Abenteuer mit klassischem Filmgefühl
Für MachineGames markiert das Abenteuer einen interessanten Wendepunkt. Das Studio machte sich zuvor vor allem mit den modernen Wolfenstein-Titeln seit „The New Order“ aus 2014 einen Namen, die deutlich actionorientierter ausfielen. Dass gerade dieses Team nun ein vergleichsweise entschleunigtes Abenteuer entwickelt hat, wirkt zunächst überraschend, zeigt aber gleichzeitig die Vielseitigkeit des Studios.

Als Publisher fungiert erneut Bethesda Softworks, das seit Jahren unter dem Dach von Microsoft operiert. Die Produktion entstand sichtbar mit großem Aufwand und dem Anspruch, Indiana Jones nicht nur als nostalgische Marke zu verwerten, sondern als modernes Abenteuererlebnis neu zu interpretieren.

Gerade diese Balance gelingt bemerkenswert gut. Das Spiel verlässt sich nicht ausschließlich auf bekannte Symbole wie Hut, Peitsche und Nazis als Gegenspieler, sondern versucht tatsächlich, das Gefühl klassischer Abenteuerfilme spielerisch einzufangen. In einer Zeit, in der viele große Produktionen entweder auf offene Welten oder permanente Action setzen, wirkt dieser Ansatz fast schon ungewöhnlich mutig.

Insgesamt ist und bleibt „Indiana Jones und der große Kreis“ weniger ein typischer Action-Blockbuster als vielmehr eine interaktive Abenteuerreise. Das Erlebnis lebt von Atmosphäre, Tempo, Entdeckung und dem Gefühl, Schritt für Schritt ein großes Geheimnis aufzudecken. Besonders Fans klassischer Abenteuerfilme oder narrativ geprägter Action-Adventures dürften hier viel Freude finden. Wer dagegen ein dauerhaft explosives Actionfeuerwerk erwartet, könnte vom ruhigeren Tempo überrascht werden. Genau diese Zurückhaltung macht jedoch einen großen Teil des Reizes aus.

Die Version für die Nintendo Switch 2 zeigt zudem eindrucksvoll, dass cineastische Abenteuer nicht zwangsläufig an stationäre High-End-Hardware gebunden sein müssen. Trotz technischer Abstriche bleibt das Erlebnis bemerkenswert vollständig und atmosphärisch dicht. Das Spiel versteht vor allem, warum die Figur über Jahrzehnte hinweg faszinierend geblieben ist: Nicht wegen der Kämpfe oder Explosionen, sondern wegen des Gefühls, irgendwo hinter der nächsten Tür ein uraltes Geheimnis entdecken zu können.
Entwickler: MachineGames
Publisher: Bethesda Softworks
Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch 2
Getestet auf: Nintendo Switch 2
NB@13.05.2026
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.
Die verwendeten Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst auf der Review-Plattform erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt.


Hinterlasse einen Kommentar