Mit „GUILTY GEAR -STRIVE-“ veröffentlichte Arc System Works bereits 2021 einen Fighting-Game-Titel, der nicht nur die traditionsreiche Reihe modernisieren, sondern gleichzeitig auch neue Spieler ansprechen sollte. Seitdem ist nicht nur einige Zeit vergangen, sondern in Retrospektive kann man festhalten, dass sich das Spiel über die letzten Jahre kontinuierlich weiterentwickelt hat. Mit dem inzwischen erschienenen Season Pass 5 bekommt der Titel nun erneut umfangreiche Inhalte spendiert – darunter neue Kämpfer, kosmetische Erweiterungen und größere Gameplay-Anpassungen. Die spannende Frage lautet deshalb weniger, ob das Spiel weiterhin funktioniert, das hat es über die Jahre schon eindrucksvoll bewiesen, sondern vielmehr, wie lange ein modernes Fighting Game seine Dynamik und Relevanz aufrechterhalten kann, ohne sich selbst zu verlieren. Oder anders gesagt, bietet das Spiel auch heute noch genug Neues, um sowohl alte, wie auch neue Spieler anzusprechen?

Die Reihe selbst gehört seit Jahrzehnten zu den stilprägendsten Vertretern des Genres. Während andere Fighting Games häufig auf realistische Martial-Arts-Ansätze oder klassische Turnierstrukturen setzen, verfolgt die GUILTY GEAR-Reihe seit jeher einen deutlich exzentrischeren Weg. Das zeigt sich auch hier wieder sofort. Die Welt ist eine Mischung aus futuristischer Science-Fiction, Heavy-Metal-Ästhetik, Anime-Inszenierung und bewusst überzeichneter Fantasy. Trotz des hohen Tempos und der oft explosiven Kämpfe besitzt die Geschichte überraschend viele emotionale Momente.

Im Mittelpunkt stehen Figuren mit abgefahrenen Namen wie Sol Badguy, Ky Kiske, I-No, Happy Chaos oder Ramlethal Valentine, deren Beziehungen untereinander oft ebenso wichtig sind wie die eigentlichen Konflikte. Die Handlung setzt den komplexen Lore-Faden der Serie fort und führt zahlreiche Ereignisse früherer Spiele zu Ende, lässt aber auch neue Spieler nicht komplett im Regen stehen. Wer die Vorgänger kennt, wird hier viele bekannte Gesichter und Anspielungen entdecken, alle anderen bekommen dennoch genug Hintergrundinformation, um auch Neueinsteiger nicht völlig zu verlieren. Zwar dürfte ein Teil der Geschichte ohne Vorwissen etwas kryptisch wirken, doch das Spiel bemüht sich sichtbar darum, seine Charaktere verständlich und emotional greifbar zu inszenieren.

Gerade die cineastische Inszenierung der Story-Sequenzen erinnert stellenweise eher an eine Anime-Serie als an ein klassisches Fighting Game. Viele Zwischensequenzen verzichten sogar vollständig auf Kämpfe und setzen stattdessen auf Dialoge, politische Konflikte und persönliche Entwicklungen. Das mag nicht jedem gefallen, passt aber hervorragend zur Identität der Reihe. Die Welt wirkt dadurch ungewöhnlich lebendig und eigenständig.

Spielerisch bleibt der Titel hingegen kompromisslos ein Fighting Game. Die Kämpfe laufen schnell, aggressiv und technisch anspruchsvoll ab. Gleichzeitig gelingt es Arc System Works, die grundlegenden Mechaniken deutlich zugänglicher zu gestalten als noch in früheren Teilen der Serie. Das Kampfsystem setzt weiterhin auf spektakuläre Kombos, Luftmanöver, Roman Cancels und offensive Drucksituationen, doch viele Eingaben fühlen sich intuitiver an als früher.

Besonders beeindruckend ist dabei die enorme Vielfalt der Charaktere. Kaum ein anderer Genrevertreter schafft es, jedem Kämpfer ein derart eigenes Spielgefühl zu verleihen. Potemkin spielt sich wie ein massiver Grappler mit enormer Wucht, während Chipp Zanuff extrem schnell agiert und Fehler sofort bestraft. Andere Figuren wiederum arbeiten mit Projektilen, Fallen oder ungewöhnlichen Spezialmechaniken. Selbst nach vielen Stunden entdeckt man ständig neue Möglichkeiten.

Dabei bleibt das Abenteuer allerdings fordernd. Zwar erleichtert das vereinfachte System den Einstieg spürbar, doch gerade im kompetitiven Bereich entfaltet sich eine enorme spielerische Tiefe. Frame-Daten, Timing und Matchup-Wissen spielen weiterhin eine zentrale Rolle. Genau hier zeigt sich auch die Stärke der Entwickler: Das Spiel fühlt sich gleichzeitig zugänglich und anspruchsvoll an, ohne seine Identität als Hardcore-Fighter aufzugeben.

Das Online-Erlebnis wurde über die Jahre ebenfalls deutlich verbessert. Das Rollback-Netcode-System zählt noch immer zu den größten Stärken des Spiels und sorgt auch über größere Distanzen hinweg für erstaunlich stabile Matches. Gerade im Fighting-Game-Genre ist das ein enorm wichtiger Faktor. Ranglisten, Trainingsmodi und Matchmaking bieten genügend Möglichkeiten, um langfristig motiviert zu bleiben.

Interessant wird es nun allerdings vor allem durch Season Pass 5. Während frühere DLC-Phasen primär neue Charaktere nachlieferten, wirkt diese neue Saison stärker wie ein weiterer Evolutionsschritt für das Gesamtspiel. Bereits bestätigt sind die Rückkehr von Serienveteranen Jam Kuradoberi sowie Robo-Ky, während zwei weitere Figuren bislang noch geheim gehalten werden. Zusätzlich bringt die Erweiterung neue Farbvarianten, eine weitere Arena sowie alternative Interface-Designs mit sich. Vor allem die Rückkehr von Jam dürfte viele langjährige Fans freuen. Die Figur gehört seit Jahren zu den beliebtesten Charakteren der Reihe und bringt ihren aggressiven Nahkampfstil auch hier wieder hervorragend zur Geltung. Gleichzeitig zeigen die neuen Animationen eindrucksvoll, wie stark sich die technische Qualität seit früheren Serienteilen weiterentwickelt hat.

Noch spannender wirkt jedoch die größere Version-2.0-Überarbeitung, die parallel zur neuen Saison eingeführt wurde. Diese bringt umfangreiche Balance-Anpassungen, neue Spezialfähigkeiten für einzelne Figuren sowie zusätzliche Mechaniken ins Spiel. Besonders die neue „Counter Blitz“-Funktion verändert das Matchtempo spürbar und eröffnet neue defensive Möglichkeiten. Damit beweist der Entwickler, dass der Titel auch Jahre nach Veröffentlichung nicht einfach nur kosmetisch erweitert wird, sondern aktiv weiterentwickelt bleibt.

Optisch gehört das Spiel noch immer zu den beeindruckendsten Fighting Games überhaupt. Der Cel-Shading-Stil kombiniert handgezeichnete Anime-Optik mit aufwendigen 3D-Modellen und erzeugt dadurch einen nahezu einzigartigen Look. Viele Szenen wirken tatsächlich wie hochwertige Anime-Frames in Bewegung. Explosionen, Spezialattacken und Kamerafahrten sind spektakulär inszeniert, ohne dabei unübersichtlich zu werden.

Gerade auf der getesteten PlayStation 5 läuft das Gesamtpaket ausgesprochen sauber. Die Bildrate bleibt durchweg stabil, Ladezeiten fallen angenehm kurz aus und auch in hektischen Kämpfen bleibt die Darstellung klar. Die technische Optimierung wirkt insgesamt sehr ausgereift. Unterschiede zu anderen Plattformen betreffen vor allem Auflösung und Ladezeiten, spielerisch bleibt die Erfahrung jedoch weitgehend identisch.

Interessant ist zudem, wie konsequent Arc System Works die Reihe über Jahrzehnte weiterentwickelt hat. Bereits mit Serien wie BlazBlue oder früheren Guilty Gear-Ablegern bewies das Studio ein außergewöhnliches Gespür für stilisierte Fighting Games. Während viele Konkurrenten zunehmend auf realistische Präsentationen setzen, bleibt das japanische Entwicklerstudio seiner kreativen Handschrift treu. Genau das macht diesen Titel so unverwechselbar. Dabei zeigt sich auch, wie stark sich die Reihe insgesamt verändert hat. Frühere Teile galten häufig als extrem komplex und schwer zugänglich. Das aktuelle Werk reduziert viele Systeme bewusst, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Veteranen diskutieren zwar bis heute darüber, ob einige Vereinfachungen zu weit gehen, doch gerade der langfristige Erfolg spricht dafür, dass diese Modernisierung funktioniert hat.

Insgesamt bleibt „GUILTY GEAR -STRIVE-“ unumstritten eines der stärksten Fighting Games der letzten Jahre. Die Mischung aus spektakulärer Präsentation, technisch anspruchsvollem Gameplay und enormer stilistischer Eigenständigkeit funktioniert auch Jahre nach dem ursprünglichen Release noch hervorragend. Gerade die aktuelle Weiterentwicklung durch Season Pass 5 zeigt, dass Arc System Works weiterhin große Ambitionen mit dem Titel verfolgt.

Wer Fighting Games liebt, bekommt hier einen außergewöhnlich stilvollen Vertreter des Genres mit enormer spielerischer Tiefe. Neueinsteiger profitieren gleichzeitig von einem deutlich zugänglicheren Einstieg als in älteren Serienablegern. Trotz der hohen Lernkurve belohnt das Spiel jede investierte Stunde und schafft es, langfristig motivierend zu bleiben. Genau darin liegt letztlich auch die größte Stärke dieses ungewöhnlichen Prüglers: Hinter der überdrehten Anime-Optik steckt ein bemerkenswert präzises und durchdachtes Kampfsystem, das selbst Jahre nach Veröffentlichung kaum an Faszination verloren hat.
Entwickler: Arc System Works
Publisher: Arc System Works, Bandai Namco
Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S
Getestet auf: PS5
NB@26.05.2026
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Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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