Es gibt Spiele, die bereits mit ihrer ersten Spielminute eine völlig eigene Identität entwickeln. Und dann gibt es Titel wie The Adventures of Elliot: The Millennium Tales, die zunächst wie eine Hommage an große Klassiker wirken, bevor sie nach und nach ihren eigenen Weg finden. Square Enix orientiert sich hier unverkennbar an Reihen wie The Legend of Zelda, Secret of Mana oder klassischen Action-RPGs der 90er-Jahre, verbindet diese Einflüsse jedoch mit der mittlerweile etablierten HD-2D-Optik und modernen Komfortfunktionen. Nach dem vollständigen Durchspielen auf der PlayStation 5 bleibt vor allem ein Eindruck hängen: The Adventures of Elliot erfindet das Genre zwar nicht neu, liefert aber ein ausgesprochen rundes und durchgehend unterhaltsames Abenteuer ab. Gerade seine sympathischen Figuren, das gelungene Kampfsystem und die spannende Zeitreise-Mechanik sorgen dafür, dass man immer wieder gerne zum Controller greift.
Im Mittelpunkt steht der titelgebende Abenteurer Elliot. In einer Welt, in der die Menschheit nur noch hinter einer magischen Schutzbarriere überlebt und außerhalb gefährliche Monster das Land beherrschen, verdienen sich Entdecker ihren Lebensunterhalt damit, unbekannte Regionen zu erforschen und Relikte zu bergen. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Auftrag beginnt, entwickelt sich schon nach kurzer Zeit zu einer deutlich größeren Geschichte. Schon früh führt das Spiel seine zentrale Mechanik ein: Zeitreisen. Elliot bereist dieselbe Welt in insgesamt vier verschiedenen Zeitepochen, wodurch sich Orte, Landschaften und sogar komplette Dungeons grundlegend verändern. Genau dieses Konzept trägt das gesamte Abenteuer. Alte Ruinen verwandeln sich plötzlich in hochentwickelte Anlagen vergangener Zivilisationen, während bekannte Wege in einer anderen Epoche völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Dadurch entsteht ein ständiges Gefühl von Entdeckung, weil bekannte Gebiete immer wieder aus einer neuen Perspektive erlebt werden.

Die Geschichte selbst startet zwar recht klassisch und setzt zunächst auf bekannte Fantasy-Klischees, gewinnt jedoch mit zunehmender Spielzeit deutlich an Tiefe. Die Charaktere entwickeln sich glaubwürdig weiter und einige unerwartete Wendungen verleihen der Handlung überraschend viel Spannung. Gerade gegen Ende entfaltet das Zeitreise-Thema sein volles Potenzial und sorgt dafür, dass man unbedingt wissen möchte, wie sich die Ereignisse auflösen. Der Aufbau erinnert bewusst an klassische Zelda-Abenteuer. Die Spielwelt wird nach und nach durch neue Ausrüstung, Waffen und Fähigkeiten erschlossen. Immer wieder stößt man auf Hindernisse, die sich erst viele Stunden später überwinden lassen. Dadurch entsteht eine angenehm motivierende Form des Backtrackings. Besonders clever ist dabei die Verknüpfung mit den verschiedenen Zeitebenen. Nicht nur neue Fähigkeiten eröffnen zusätzliche Wege, sondern auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Was in einer Epoche zerstört ist, existiert in einer anderen möglicherweise noch vollständig oder umgekehrt.

Das Fast-Travel-System funktioniert erfreulich komfortabel und erlaubt sogar den direkten Wechsel zwischen den Zeitperioden. Trotzdem schleichen sich im späteren Spielverlauf einige Längen ein. Vor allem gegen Ende müssen bereits bekannte Gebiete mehrfach besucht werden, wodurch sich einzelne Abschnitte etwas in die Länge ziehen. Zwar helfen Markierungen auf der Karte dabei, den Überblick zu behalten, dennoch wirkt das ständige Wechseln zwischen den vier Zeitebenen irgendwann leicht ermüdend. Dennoch überwiegt klar die Motivation, weiterzuerkunden. Überall warten sinnvolle Belohnungen wie Waffenverbesserungen, neue Accessoires oder dauerhafte Gesundheitsboni. Kaum eine Abzweigung fühlt sich überflüssig an. Die größte Überraschung des Spiels ist jedoch das Kampfsystem. Es setzt zwar auf vergleichsweise einfache Grundlagen, entwickelt daraus aber erstaunlich abwechslungsreiche Gefechte. Elliot kann jederzeit zwei Waffen gleichzeitig ausrüsten und über ein praktisches Radialmenü blitzschnell zwischen seinem gesamten Arsenal wechseln. Jede Waffe besitzt eigene Stärken und eignet sich gegen unterschiedliche Gegnertypen oder Situationen.

Ebenso wichtig ist der Schild. Fast jeder Angriff lässt sich blocken, allerdings besitzt dieser nur eine begrenzte Belastbarkeit. Wer unüberlegt permanent blockt, riskiert einen Schildbruch und steht anschließend für kurze Zeit vollkommen schutzlos da. Dadurch entsteht ein angenehmer Rhythmus aus Angriff, Verteidigung und Ausweichen. Besonders im späteren Spielverlauf zeigt sich, wie gut dieses vergleichsweise einfache System funktioniert. Neue Waffen, zusätzliche Fähigkeiten und anspruchsvollere Gegnertypen sorgen dafür, dass die Kämpfe ständig abwechslungsreich bleiben. Einige Bosskämpfe verlangen sogar ein komplettes Umdenken und zwingen dazu, das gesamte Arsenal sinnvoll einzusetzen. Auch die Gegner selbst überzeugen größtenteils. Zwar begegnet man im letzten Spieldrittel einigen bekannten Feinden in leicht veränderter Form erneut, insgesamt bietet das Abenteuer jedoch genügend unterschiedliche Monster und Bossgegner, damit die Kämpfe bis zum Ende motivieren. Ein weiterer Pluspunkt ist das hervorragende Spieltempo. Ständig erhält Elliot neue Ausrüstung, zusätzliche Fähigkeiten oder sinnvolle Verbesserungen. Das Spiel versteht es hervorragend, den Spieler permanent mit kleinen Fortschritten zu belohnen. Dadurch entsteht nie das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Selbst nach über zwanzig Stunden gibt es regelmäßig neue Möglichkeiten, bekannte Orte erneut zu besuchen oder bislang unerreichbare Bereiche endlich zu erkunden. Lediglich das bereits erwähnte Backtracking bremst den ansonsten hervorragend abgestimmten Spielfluss gelegentlich etwas aus.

Technisch hinterlässt die PS5-Version einen ausgezeichneten Eindruck. Die mittlerweile bekannte HD-2D-Grafik mag inzwischen zwar ihren Überraschungseffekt verloren haben, doch The Adventures of Elliot nutzt den Stil hervorragend. Die Umgebungen wirken äußerst detailreich, farbenfroh und lebendig. Zahlreiche Lichteffekte, Animationen und liebevolle Details sorgen dafür, dass jede Region ihren ganz eigenen Charakter besitzt. Besonders die unterschiedlichen Zeitepochen unterscheiden sich optisch deutlich voneinander und unterstreichen das zentrale Spielkonzept hervorragend. Auch die Performance gibt keinen Anlass zur Kritik. Während des gesamten Tests lief das Spiel auf der PlayStation 5 durchweg flüssig und ohne nennenswerte technische Probleme. Kurze Ladezeiten und eine saubere Bildrate sorgen dafür, dass man sich vollständig auf das Abenteuer konzentrieren kann. Abgerundet wird die Präsentation durch einen stimmungsvollen Soundtrack, der sowohl ruhige Erkundungsphasen als auch actionreiche Bosskämpfe hervorragend begleitet. Die Musik zählt ohne Zweifel zu den großen Stärken des Spiels.
The Adventures of Elliot: The Millennium Tales ist vielleicht nicht das innovativste Action-RPG der letzten Jahre, überzeugt aber mit einer bemerkenswert hohen Gesamtqualität. Die Zeitreise-Mechanik bringt frischen Wind in die Erkundung, das Kampfsystem entwickelt trotz einfacher Grundlagen überraschend viel Tiefe und die sympathischen Figuren sorgen dafür, dass man der Geschichte bis zum Ende gerne folgt. Zwar ziehen sich einige Backtracking-Passagen etwas in die Länge und manche Dungeons orientieren sich sehr stark an bekannten Genreklassikern, insgesamt schmälert das den positiven Gesamteindruck jedoch kaum. Wer klassische Action-RPGs liebt und sich nach einem modernen Abenteuer im Stil der großen Genre-Vorbilder sehnt, bekommt mit The Adventures of Elliot: The Millennium Tales genau das, was der Titel verspricht: ein charmantes, hervorragend spielbares und rund 30 Stunden lang durchgehend motivierendes Abenteuer.
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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