Es gibt Spiele, die schon nach wenigen Sekunden ziemlich deutlich machen, was sie von ihrem Publikum erwarten. „Kusan: City of Wolves“ gehört definitiv dazu. Der Top-Down-Shooter des südkoreanischen Studios CIRCLEfromDOT schickt uns in eine düstere, von Gewalt und Korruption geprägte Metropole und kombiniert schnelle Schusswechsel mit einer kompromisslosen One-Hit-Kill-Mechanik. Die entscheidende Frage ist dabei weniger, ob der Titel bekannte Vorbilder hat, sondern ob er daraus genügend eigene Identität entwickelt.

(c) CIRCLEfromDOT, PQube

Die Geschichte führt in die futuristische Hafenstadt Kusan, eine dreckige und von Kriminalität beherrschte Metropole, in der anthropomorphe Tiere die Straßen bevölkern. Im Mittelpunkt steht Jin, ein ehemaliger Soldat, der inzwischen als eine Art Problemlöser arbeitet. Sein nächster Auftrag führt ihn zu Haru, einem Mädchen, das eine gefährliche Waffe in sich trägt und damit zur Zielscheibe verschiedener Gruppierungen wird. Aus einem zunächst überschaubaren Rettungseinsatz entwickelt sich schnell ein Konflikt, in dem alte Verbindungen, Verrat und unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft der Stadt eine Rolle spielen.

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Die Handlung wird dabei nicht klassisch über lange Dialogsequenzen erzählt. Stattdessen setzt die Produktion auf Zwischensequenzen im Stil eines Graphic Novels. Einzelne Panels, markante Zeichnungen und eine bewusst filmische Inszenierung verleihen der Geschichte einen angenehm rauen Noir-Charakter. Gerade dadurch entsteht eine Mischung aus Cyberpunk, Gangsterfilm und klassischem Comic. Nicht jede Wendung wird bis ins kleinste Detail erklärt, doch die Inszenierung passt hervorragend zum hohen Tempo des eigentlichen Spiels.

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Spielerisch macht das Abenteuer sehr schnell klar, warum der Begriff „Hardcore“ nicht nur Marketing sein soll. Die aus der Vogelperspektive dargestellten Levels bestehen aus handgebauten, relativ überschaubaren Arenen, die von Gegnern bevölkert sind. Ein Treffer bedeutet in der Regel den sofortigen Tod. Was zunächst brutal klingt, funktioniert allerdings erstaunlich motivierend, weil jeder Fehlschlag unmittelbar in einen neuen Versuch übergeht. Wer seine Gegner, Laufwege und Möglichkeiten kennt, wird von Durchgang zu Durchgang besser.

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Das Arsenal von Jin sorgt dafür, dass aus dem simplen Schießen ein dynamischer Tanz aus Angriff und Gegenangriff entsteht. Neben Schusswaffen stehen unter anderem das automatisch zielende Quantum Knife und die mechanische War Hand zur Verfügung. Letztere ist besonders interessant, weil sie nicht nur als mächtiges Werkzeug im Kampf dient, sondern auch verschiedene Spielweisen unterstützt. Durch Kills und das Zerstören bestimmter Elemente lassen sich Bolts sammeln, die wiederum in Verbesserungen investiert werden können.

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Dabei bleibt die zentrale Philosophie stets erhalten: Bewegung, Timing und Aggressivität. Wer zu lange zögert, wird schnell zum nächsten Opfer. Gleichzeitig belohnt das System diejenigen, die ihre Gegner geschickt vornehmen und mehrere Aktionen miteinander verbinden. Die 54 handgestalteten Level sind entsprechend weniger klassische Abschnitte als kleine Herausforderungen, die man zunehmend besser lesen und beherrschen lernt. S-Ränge und weitere Herausforderungen geben zusätzlich Anreiz, bereits bekannte Bereiche erneut zu spielen.

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Die offensichtlichen Parallelen zu „Hotline Miami“ lassen sich kaum übersehen. Auch hier treffen brutale Gewalt, schnelle Neustarts, kleine Arenen und eine markante audiovisuelle Präsentation aufeinander. Trotzdem fühlt sich das Ergebnis nicht wie eine bloße Kopie an. Die War Hand, das Upgrade-System, die comicartige Erzählweise und die eigene Welt geben dem Shooter genügend Persönlichkeit. Wer allerdings mit kompromisslosem Schwierigkeitsgrad und One-Hit-Kills wenig anfangen kann, dürfte auch hier schnell an seine Grenzen stoßen.

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Optisch setzt die Produktion auf handgezeichnet wirkende Pixel-Art und eine stark stilisierte Darstellung. Neonlichter, Regen, dunkle Straßen und die ungewöhnliche Tierwelt ergeben zusammen eine markante Kulisse. Besonders während der Kämpfe entsteht ein fast schon überzeichnetes Chaos aus Blut, Explosionen und schnellen Bewegungen. Auf der PlayStation 5 präsentiert sich das Geschehen sehr flüssig und profitiert davon, dass schnelle Reaktionen bei diesem Genre entscheidend sind.

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Auch akustisch verfolgt das Spiel eine klare Linie. Der Soundtrack des koreanischen Hip-Hop-Künstlers Loptimist begleitet die Action mit druckvollen Beats und verleiht den Kämpfen zusätzliches Tempo. Zusammen mit den Soundeffekten entsteht ein audiovisuelles Gesamtbild, das weniger auf Realismus als auf Wirkung ausgelegt ist. Gerade wenn ein perfekt getimter Angriff in eine kleine Kettenreaktion aus mehreren Eliminierungen übergeht, greifen Bild und Ton hervorragend ineinander.

(c) CIRCLEfromDOT, PQube

Für CIRCLEfromDOT ist der Titel ein bemerkenswert ambitioniertes Projekt. Über frühere veröffentlichte Spiele des Studios gibt es nur wenige belastbare Informationen, weshalb sich die Entwicklungsgeschichte abseits dieses Projekts kaum sinnvoll einordnen lässt. Mit PQube steht dem kleinen koreanischen Entwickler allerdings ein erfahrener Publisher zur Seite, der das Spiel international veröffentlicht und ihm damit eine größere Bühne verschafft.

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„Kusan: City of Wolves“ weiß letztlich ziemlich genau, was es sein möchte. Der Top-Down-Shooter verbindet kompromisslose Action mit einer eigenständigen Welt, einem ungewöhnlichen visuellen Stil und einer Geschichte, die sich angenehm anders präsentiert als viele Genrevertreter. Wirklich zugänglich ist das Abenteuer nicht, und gerade die gnadenlose One-Hit-Kill-Mechanik verlangt Geduld und Lernbereitschaft. Wer sich darauf einlässt, bekommt einen schnellen, intensiven und befriedigenden Actiontitel, der seine offensichtlichen Vorbilder nicht versteckt, ihnen aber eine eigene südkoreanische Note verpasst. Besonders Fans anspruchsvoller Arcade-Action und alle, die mit „Hotline Miami“ etwas anfangen können, sollten einen Blick auf die Stadt der Wölfe werfen.

Entwickler: CIRCLEfromDOT
Publisher: PQube
Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2
Getestet auf: PS5

NB@19.08.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———


Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!


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