Es gibt Horrorspiele, die mit großen Geschichten, aufwendigen Figuren und komplexen Spielsystemen um Aufmerksamkeit kämpfen. Und dann gibt es Titel wie „Yellowcreek Stories: The Cabin Watcher“, die sich auf eine wesentlich ältere Formel besinnen: eine abgelegene Hütte, ein Sturm, ein maskierter Killer und die unangenehme Gewissheit, dass man besser nicht entdeckt werden sollte. Das von Carlos Azuaga entwickelte und von JanduSoft veröffentlichte First-Person-Stealth-Horrorspiel ist am 6. August 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC erschienen. Die zentrale Frage ist dabei weniger, ob das Spiel das Rad neu erfindet, sondern ob aus der bewusst klassischen Slasher-Idee ein spannendes interaktives Horrorerlebnis entsteht.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Die Geschichte führt uns als Schriftsteller Terry in eine abgelegene Berghütte, in der eigentlich Ruhe und Inspiration für das nächste Buch gefunden werden sollen. Die Ausgangslage könnte kaum typischer für einen 80er-Jahre-Slasher sein: schlechtes Wetter, Einsamkeit und eine Umgebung, in der man sich plötzlich ziemlich alleine mit seinen Entscheidungen fühlt. Schon bald taucht eine maskierte Gestalt auf, die deutlich macht, dass der Aufenthalt in der Natur nicht ganz so friedlich verlaufen wird wie geplant. Der Killer trägt eine Machete und verfolgt seine Beute, während Terry versucht, die Nacht zu überstehen und einen Weg aus der Situation zu finden.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Die Handlung bleibt bewusst überschaubar und setzt stärker auf das bekannte Gefühl klassischer Horrorfilme als auf eine besonders komplexe Erzählung. Gerade dadurch entsteht ein gewisser nostalgischer Charme. Wer mit alten Slasher-Filmen aufgewachsen ist, erkennt viele vertraute Zutaten wieder: die einsame Unterkunft, das Unwetter, die bedrohliche Gestalt vor dem Fenster und natürlich die Frage, warum man eigentlich nicht längst das Weite gesucht hat. Auch ein auftauchender Polizist sorgt für etwas Abwechslung im Ablauf. Das Abenteuer versteht sich dabei als Auftakt einer neuen „Yellowcreek Stories“-Reihe, funktioniert zunächst aber auch als eigenständige Geschichte.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Spielerisch konzentriert sich das Erlebnis vollständig auf Vermeidung statt Konfrontation. Eine Waffe gibt es nicht, und damit fällt die klassische Möglichkeit weg, sich den Weg freizuschießen. Stattdessen müssen Geräusche, Licht und Bewegung möglichst geschickt eingesetzt werden. Die Taschenlampe erleichtert zwar die Orientierung in der Dunkelheit, kann aber gleichzeitig die eigene Position verraten. Rennen ist schneller, macht jedoch mehr Lärm. Vorsichtiges Bewegen ist sicherer, kostet dafür Zeit. Genau aus diesem einfachen Dreieck entsteht die Spannung.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Die Perspektive aus der ersten Person verstärkt dabei das Gefühl, tatsächlich in der Hütte und der umliegenden Landschaft unterwegs zu sein. Aufgaben bestehen unter anderem darin, Gegenstände zu finden, bestimmte Orte aufzusuchen oder benötigte Dinge an ihren vorgesehenen Platz zu bringen. Das HUD bleibt angenehm reduziert und liefert dennoch Hinweise auf Geräuschentwicklung und Sichtbarkeit. Dadurch bleibt die Umgebung weitgehend im Mittelpunkt.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Die Idee funktioniert besonders gut bei den ersten Begegnungen mit dem Killer. Wenn draußen der Regen gegen die Fenster prasselt und man weiß, dass irgendwo eine maskierte Gestalt unterwegs ist, können selbst kurze Wege plötzlich unangenehm werden. Allerdings verliert die Mechanik im weiteren Verlauf etwas von ihrer Wirkung. Die künstliche Intelligenz des Verfolgers ist nicht immer so unberechenbar, wie es die Grundidee vermuten lässt. Teilweise lassen sich Bewegungsmuster erkennen und Situationen dadurch eher taktisch abarbeiten, anstatt wirklich auf die Reaktion des Gegners reagieren zu müssen.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Auch beim Level-Design zeigt sich die überschaubare Größe der Produktion. Die Umgebung erfüllt ihren Zweck, bietet aber nur begrenzt Möglichkeiten, das Spielsystem wirklich auszureizen. Dadurch entsteht ein bewusst kompakter Ablauf, der nicht mit unnötigen Mechaniken aufgebläht wird, gleichzeitig aber auch den Eindruck hinterlässt, dass aus der Grundidee noch mehr hätte herausgeholt werden können. Der Schwierigkeitsgrad bleibt insgesamt zugänglich, wobei einzelne Fehler durchaus tödlich enden können.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Optisch versucht das Abenteuer gar nicht erst, seine Wurzeln zu verstecken. Die Präsentation orientiert sich klar am Look klassischer Horrorfilme und greift mit Filtern, Lichtstimmung und einer bewusst etwas rauen Darstellung den Charakter alter VHS-Produktionen auf. Das passt hervorragend zur Grundidee und verleiht der Hütte sowie den nächtlichen Außenbereichen eine passende Horroratmosphäre. Gleichzeitig wirkt die technische Umsetzung sichtbar wie die Arbeit eines kleinen Indie-Projekts. Animationen und Umgebungsdetails erreichen nicht das Niveau größerer Produktionen, und gerade der Killer wirkt in manchen Situationen weniger bedrohlich, als es die Inszenierung eigentlich beabsichtigt.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Der Sound unterstützt die Atmosphäre dagegen deutlich besser. Regen, Umgebungsgeräusche und bewusst eingesetzte Stille sorgen dafür, dass man sich gerade in den ruhigen Momenten beobachtet fühlt. Musik wird eher unterstützend eingesetzt, wodurch Geräusche eine größere Bedeutung bekommen. Auf PlayStation 5 präsentiert sich das Spiel technisch solide, ohne mit spektakulären Effekten oder einer besonders aufwendigen grafischen Präsentation auf sich aufmerksam zu machen.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Hinter dem Projekt steht der spanische Solo-Entwickler Carlos Azuaga. Dass hier im Wesentlichen die Arbeit eines einzelnen Entwicklers hinter dem Spiel steckt, sollte bei der Einordnung berücksichtigt werden. Die Produktion ist kein aufwendig produzierter AAA-Horror, sondern ein bewusst kompakt gehaltenes Indie-Projekt, das seine Ressourcen auf eine klar umrissene Idee konzentriert. Für Carlos Azuaga stellt das Abenteuer zugleich den Auftakt zu einer neuen Horror-Reihe dar.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Als Publisher fungiert JanduSoft, ein spanisches Unternehmen, das sich auf die Veröffentlichung und Entwicklung unterschiedlichster Indie-Spiele konzentriert. Im Gegensatz zu großen Publishern steht dabei nicht ein einzelnes Genre im Mittelpunkt. Die Zusammenarbeit mit Carlos Azuaga passt deshalb gut in das Konzept, kleineren Produktionen eine Plattform auf PC und Konsolen zu geben.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

„Yellowcreek Stories: The Cabin Watcher“ ist vor allem eine Liebeserklärung an eine bestimmte Ära des Horrors. Das Spiel möchte kein neues Horrorgenre begründen, sondern erinnert daran, wie effektiv ein einfacher Grundgedanke sein kann: Ein Mensch ist alleine, draußen wartet ein Killer und die einzige Möglichkeit zu überleben besteht darin, nicht gefunden zu werden. Besonders Fans klassischer 80er-Slasher dürften sich schnell heimisch fühlen.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Die begrenzten Möglichkeiten beim Gameplay, die teilweise vorhersehbare Gegner-KI und die technisch etwas raue Präsentation verhindern allerdings, dass aus der guten Grundidee ein wirklich herausragendes Horrorerlebnis wird. Dafür ist das Konzept angenehm fokussiert und verzichtet auf unnötige Systeme, Waffenarsenale oder künstlich verlängerte Spielzeit.

(c) Carlos Azuaga, Jandusoft

Wer kurze, atmosphärische Horror-Erlebnisse bevorzugt und mit der Ästhetik klassischer Slasher-Filme etwas anfangen kann, sollte sich das Spiel durchaus einmal ansehen. Wer dagegen eine besonders komplexe Stealth-KI, umfangreiche Level oder eine tiefgreifende Geschichte erwartet, dürfte mit der bewusst kleinen Ausrichtung weniger anfangen können. Gerade als kompakter Ausflug in eine digitale 80er-Jahre-Horrornacht funktioniert das Abenteuer aber gut und zeigt, dass manchmal bereits eine einsame Hütte und ein Schatten vor dem Fenster ausreichen, um ein ungutes Gefühl entstehen zu lassen.

Entwickler: Carlos Azuaga
Publisher: JanduSoft
Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S
Getestet auf: PS5

NB@25.08.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———


Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!


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