Mit „The Walking Dead: Streets of Survival“ kehrt eine der bekanntesten Zombie-Marken der vergangenen Jahre in ein Genre zurück, das geradezu nach Untoten schreit, aber dennoch massiv unterrepräsentiert ist: den klassischen Beat ’em up, einem meiner persönlich liebsten Genres. Entwickelt wurde das Spiel von Odaclick Game Studio, als Publisher tritt Trailmark Games auf. Inhaltlich orientiert sich das Abenteuer an der „All Out War“-Handlung (8. Staffel der Serie) und stellt damit die Auseinandersetzung mit den Saviors in den Mittelpunkt. Die spannende Frage lautet dabei: Kann eine Marke, die vor allem für ihre dramatischen Überlebensgeschichten bekannt ist, auch als klassischer Arcade-Brawler funktionieren?

Die Antwort beginnt mit einer angenehm vertrauten Ausgangssituation. Die Welt ist längst im Griff der Beißer, während sich die überlebenden Gruppen zusätzlich untereinander bekämpfen. Im Mittelpunkt stehen Rick Grimes, Daryl Dixon und Michonne, die sich durch von Untoten bevölkerte Tunnel, zerstörte Siedlungen und feindliche Stützpunkte kämpfen. Auf der Gegenseite stehen die Saviors unter Führung von Negan, der später ebenfalls als spielbarer Charakter freigeschaltet werden kann. Die Handlung greift damit bekannte Schauplätze wie das Sanctuary, Hilltop und Alexandria auf und verbindet die Ereignisse der Serie mit einer deutlich stärker auf Action ausgelegten Neuinterpretation.

Wer die frühen Arcade-Brawler kennt, dürfte sich schnell heimisch fühlen. Die Perspektive bleibt seitlich und die einzelnen Abschnitte funktionieren als klassische Prügelpassagen, in denen sich immer wieder Gruppen von Beißern und menschlichen Gegnern entgegenstellen. Dabei beschränkt sich das Spiel nicht auf simples Knöpfchendrücken. Die unterschiedlichen Figuren besitzen eigene Waffen, Angriffe und Fähigkeiten, wodurch sich ihre Spielweise voneinander unterscheidet. Rick bringt beispielsweise seinen Revolver mit, Daryl vertraut auf seine Armbrust und Michonne auf ihr Katana.

Gerade die Mischung aus Nah- und Fernkampf sorgt dafür, dass die Auseinandersetzungen etwas mehr verlangen als das bloße Abarbeiten einer Gegnerwelle. Kombos, Spezialangriffe und Finisher sorgen für das typische Arcade-Gefühl, während die zunehmende Zahl an Gegnern dazu zwingt, die Situation im Blick zu behalten. Zwischen den Kämpfen gibt es außerdem Erkundungs- und Sammelabschnitte. Ressourcen lassen sich finden, Gegner können geplündert werden und kleinere Rätsel lockern den ansonsten sehr kampflastigen Ablauf auf.

Auch beim Fortschritt geht der Titel einen Schritt über die klassische Vorlage hinaus. Die Charaktere lassen sich im Verlauf verbessern und verfügen über eigene Entwicklungswege. Dadurch entsteht ein kleiner Rollenspielanteil, der insbesondere dann interessant wird, wenn man die einzelnen Figuren intensiver ausprobieren möchte. Mehrere Schwierigkeitsgrade und ein Game+-Modus richten sich zudem an Spieler, die nach dem ersten Durchlauf noch nicht genug von der Zombie-Apokalypse haben. Wer es entspannter angehen möchte, kann auf einen optionalen einfachen Schwierigkeitsgrad zurückgreifen.

Optisch setzt der Brawler konsequent auf eine stilisierte 2D-Präsentation, die ihre Wurzeln im klassischen Arcade-Bereich nicht verleugnet. Die bekannten Schauplätze und Figuren werden dabei in einer deutlich comicartigen Interpretation dargestellt. Das passt gut zum Spielprinzip, denn die teilweise drastischen Kämpfe wirken dadurch weniger wie eine Simulation der Serienvorlage und stärker wie eine moderne Interpretation klassischer Prügelspiele. Auf der Xbox Series X läuft die technische Umsetzung mit mindestens 60 Bildern pro Sekunde und präsentiert sich entsprechend flüssig. Die Darstellung profitiert dabei vor allem von der klaren Lesbarkeit der Figuren und Gegner, was bei den teilweise hektischen Gefechten wichtig ist.

Auch akustisch orientiert sich die Umsetzung am actionreichen Ansatz. Treffer, Schusswaffen und die Angriffe der Beißer sorgen für die erwartete Geräuschkulisse, während bekannte Figuren und Schauplätze zusätzlichen Wiedererkennungswert schaffen. Einen Schwerpunkt auf die erzählerische Dramatik der Serie sollte man allerdings nicht erwarten. Hier steht eindeutig das unmittelbare Spielerlebnis im Vordergrund.

Hinter dem Projekt steht Odaclick Game Studio, ein 2019 in Argentinien gegründetes unabhängiges Entwicklerstudio. Zu den bisherigen Veröffentlichungen gehört unter anderem „The Karate Kid: Street Rumble“, ebenfalls ein Beat ’em up mit deutlicher Retro-Ausrichtung. Mit dem Zombie-Abenteuer bleibt das Studio seinem Interesse an klassischer Arcade-Action treu, verbindet diese aber mit einer deutlich größeren bekannten Lizenz. Als Publisher fungiert Trailmark Games, das sich mit dem Projekt ebenfalls stark auf den Ausbau eigener Spieleveröffentlichungen konzentriert.

Am Ende erweist sich „The Walking Dead: Streets of Survival“ vor allem als Liebeserklärung an eine etwas andere Seite des Zombie-Genres. Statt sich lange mit moralischen Entscheidungen, zwischenmenschlichen Konflikten oder dem nächsten dramatischen Schicksalsschlag zu beschäftigen, wird hier geprügelt, geschossen und gesammelt. Das funktioniert besonders dann gut, wenn man Spaß an klassischen Beat ’em ups hat und gleichzeitig mit der Welt von The Walking Dead etwas anfangen kann.

Für Fans der Serie ist vor allem die Möglichkeit interessant, mit bekannten Figuren durch vertraute Schauplätze zu ziehen und dabei Charaktere wie Rick, Daryl, Michonne oder später Negan selbst zu steuern. Wer dagegen mit Beat ’em ups grundsätzlich wenig anfangen kann, dürfte auch die zusätzlichen Survival- und RPG-Elemente nur bedingt als Grund sehen, sich länger mit dem Spiel zu beschäftigen. Für Freunde klassischer Arcade-Action bietet der Titel hingegen eine angenehm unkomplizierte Möglichkeit, noch einmal in die Zombie-Apokalypse einzutauchen – nur diesmal mit deutlich mehr Prügeleien.
Entwickler: Odaclick Game Studio
Publisher: Trailmark Games
Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2
Getestet auf: Xbox Series X
NB@06.10.2026
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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