Psychologischer Horror muss nicht zwangsläufig auf blutige Konfrontationen oder eine endlose Abfolge von Schockmomenten setzen. Manchmal reicht bereits das Gefühl, dass mit der eigenen Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Genau diesen Ansatz verfolgt „BrokenLore: DON’T LIE“. Das von Serafini Productions entwickelte Horror-Abenteuer beschäftigt sich mit Isolation, verdrängten Erinnerungen und den Abgründen der menschlichen Psyche. Doch reicht eine persönliche Geschichte über Einsamkeit und psychische Belastungen aus, um eine überzeugende Horrorerfahrung zu schaffen?

(c) Serafini Productions, Wired Productions

Im Mittelpunkt steht die junge Japanerin Junko, die sich nahezu vollständig von der Außenwelt zurückgezogen hat. Sie lebt als sogenannte Hikikomori, eine Bezeichnung für Menschen, die sich über längere Zeit sozial isolieren und ihre Wohnung kaum noch verlassen. Nachdem ihre Mutter die Familie verlassen hatte, wuchs sie bei einem emotional distanzierten Vater auf. Spätere Versuche, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, endeten in Zurückweisung und Demütigung. Schließlich wurde die eigene Wohnung zu ihrem vermeintlich sicheren Rückzugsort.

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Doch diese Sicherheit beginnt zunehmend zu bröckeln. Erinnerungen vermischen sich mit der Gegenwart, vertraute Räumlichkeiten verändern sich und die Grenzen zwischen Realität und Einbildung verschwimmen. Eine wichtige Rolle spielt dabei Miki-chan, eine künstliche Begleiterin, die Junko jene Aufmerksamkeit vermittelt, die sie im wirklichen Leben vermisst. Ob diese Gesellschaft tatsächlich hilfreich ist oder ihren Rückzug zusätzlich verstärkt, bleibt zunächst offen. Die Geschichte behandelt damit Themen wie Einsamkeit, familiäre Vernachlässigung und die Sehnsucht nach menschlicher Nähe, ohne ihre Hintergründe ständig ausführlich erklären zu müssen.

(c) Serafini Productions, Wired Productions

Spielerisch präsentiert sich das Abenteuer aus der Ego-Perspektive und setzt hauptsächlich auf Erkundung und Untersuchung. Ausgangspunkt ist die Wohnung der Protagonistin, deren zunächst alltägliche Einrichtung zunehmend unheimlich wirkt. Nachrichten, Dateien und verschiedene Gegenstände liefern Hinweise, die dabei helfen, Zusammenhänge zu erkennen und die Ereignisse einzuordnen. Umfangreiche Inventarverwaltung oder komplexe Kampfsysteme sucht man dagegen vergeblich.

(c) Serafini Productions, Wired Productions

Die Spielwelt beschränkt sich allerdings nicht ausschließlich auf die vertrauten vier Wände. Immer wieder führen Veränderungen der Realität in verzerrte Umgebungen, die von Erinnerungen und Ängsten geprägt sind. Gewöhnliche Orte verlieren dadurch ihre vertraute Wirkung und entwickeln eine bedrückende Atmosphäre. Das Leveldesign dient somit weniger der spielerischen Freiheit als vielmehr der gezielten Inszenierung psychologischer Unsicherheit.

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Neben der Erkundung gibt es Situationen, in denen vorsichtiges Verhalten erforderlich ist. Eine zunächst unsichtbare Präsenz reagiert auf die Spielfigur und sorgt dafür, dass unbedachtes Vorgehen unangenehme Konsequenzen haben kann. Verstecken, Beobachten und das richtige Einschätzen der Situation gewinnen dadurch an Bedeutung. Ein umfangreiches Stealth-System sollte man allerdings nicht erwarten. Auch die Rätsel bleiben überschaubar und sind eng mit der Handlung verbunden. Insgesamt ergibt sich ein recht geradliniger Spielablauf, der eher Freunde erzählerischer Horrorspiele als Anhänger komplexer Herausforderungen ansprechen dürfte.

(c) Serafini Productions, Wired Productions

Grafisch setzt das Spiel auf eine realitätsnahe Darstellung seiner japanisch geprägten Schauplätze, die durch surreale Veränderungen immer wieder aufgebrochen wird. Besonders die engen Innenräume tragen zur bedrückenden Stimmung bei. Alltägliche Gegenstände, Lichtverhältnisse und die räumliche Gestaltung vermitteln zunächst Vertrautheit, bevor ungewöhnliche Details dieses Gefühl zunehmend infrage stellen. Die Präsentation lebt dabei weniger von spektakulären Effekten als vom Kontrast zwischen Normalität und Albtraum.

(c) Serafini Productions, Wired Productions

Eine ebenso wichtige Rolle übernimmt die akustische Untermalung. Gerade bei einem Horrorabenteuer, das stark auf Unsicherheit setzt, können Geräusche und Stille eine größere Wirkung entfalten als aufdringliche Musik. Die japanische Sprachausgabe unterstreicht den kulturellen Hintergrund, während deutsche Untertitel den Zugang zur Geschichte erleichtern. Technisch verlangt die PC-Version mindestens eine Grafikkarte auf dem Niveau einer GeForce RTX 3060. Für die empfohlenen Einstellungen wird eine GeForce RTX 4070 genannt. Konkrete Aussagen zur Performance auf unterschiedlichen Hardwarekonfigurationen lassen sich daraus allerdings nicht ableiten.

(c) Serafini Productions, Wired Productions

Innerhalb der übergeordneten Reihe erweitert der Titel das bereits bekannte Horroruniversum um eine weitere persönliche Geschichte. Schon „BrokenLore: DON’T WATCH“ beschäftigte sich mit sozialer Isolation und psychischen Belastungen, stellte dabei allerdings Shinji in den Mittelpunkt. Beide Abenteuer sind miteinander verbunden, lassen sich jedoch grundsätzlich unabhängig voneinander erleben. Kenntnisse der bisherigen Veröffentlichungen sind daher keine Voraussetzung, können aber dabei helfen, thematische Gemeinsamkeiten und Verbindungen zu erkennen.

(c) Serafini Productions, Wired Productions

Hinter der Entwicklung steht das 2022 gegründete Studio Serafini Productions, das unter der Leitung von Sebastiano Serafini an der fortlaufenden Horrorreihe arbeitet. Der Schwerpunkt liegt auf emotionalen Geschichten, die psychologische Themen mit ungewöhnlichen Horrorszenarien verbinden. Unterstützung erhält das Team vom britischen Publisher Wired Productions, der unter anderem bereits an der Veröffentlichung von „Martha Is Dead“ beteiligt war.

(c) Serafini Productions, Wired Productions

Insgesamt präsentiert sich das Abenteuer als atmosphärischer Psychothriller, der seine Wirkung vor allem aus der Verbindung einer persönlichen Geschichte mit einer zunehmend unzuverlässigen Realität bezieht. Die spielerischen Möglichkeiten bleiben überschaubar, wodurch Erkundung und Erzählung stärker gewichtet werden als Action oder komplexe Rätsel. Gerade darin liegt allerdings auch der Reiz des Konzepts. Wer psychologischen Horror schätzt, sich gerne mit ernsteren Themen auseinandersetzt und Freude daran hat, Geschichten anhand ihrer Umgebung zu entschlüsseln, findet hier einen interessanten Genrevertreter. Insbesondere Freunde japanischer Horrorerzählungen und atmosphärischer First-Person-Abenteuer sollten einen genaueren Blick riskieren.

Entwickler: Serafini Productions
Publisher: Wired Productions, Serafini Productions
Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S
Getestet auf: PC

NB@21.10.2026

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