Kaum eine Kinderserie hat in den vergangenen Jahren einen derart großen Erfolg gefeiert wie Bluey. Seit ihrem Debüt im Jahr 2018 begeistert die australische Animationsserie nicht nur Kinder, sondern auch deren Eltern. Das liegt vor allem daran, dass die Abenteuer der kleinen Blue Heeler-Hündin Bluey, ihrer Schwester Bingo und ihrer Eltern Bandit und Chilli weit mehr sind als gewöhnliche Kindergeschichten. Hinter den oftmals herrlich chaotischen Alltagssituationen verbergen sich liebevolle Botschaften über Familie, Freundschaft, Fantasie und das gemeinsame Aufwachsen. Gerade deshalb funktioniert Bluey generationsübergreifend und hat sich längst zu einem weltweiten Phänomen entwickelt. Dass eine derart erfolgreiche Marke früher oder später auch die Videospielwelt erobern würde, war praktisch unvermeidlich. Mit Bluey’s Happy Snaps liefert Gameloft nun ein weiteres Abenteuer rund um die beliebte Hundefamilie. Anders als bei klassischen Jump’n’Runs oder Minispielsammlungen steht diesmal allerdings eine Kamera im Mittelpunkt. Statt Gegner zu besiegen oder schwierige Rätsel zu lösen, sollen Kinder gemeinsam mit Bluey ihre Umgebung erkunden, besondere Momente fotografieren und ein persönliches Erinnerungsalbum gestalten.

Das Konzept erinnert stellenweise an Pokémon Snap, verzichtet jedoch weitgehend auf dessen spielerische Herausforderungen. Stattdessen konzentriert sich Happy Snaps auf eine möglichst zugängliche Erfahrung für jüngere Spieler. Das funktioniert über weite Strecken erstaunlich gut und fängt den Charme der Serie hervorragend ein. Gleichzeitig verschenkt Gameloft insbesondere beim lokalen Mehrspielermodus einiges an Potenzial. Denn ausgerechnet Bingo, die für viele Fans mindestens genauso wichtig ist wie ihre große Schwester, muss sich im gemeinsamen Abenteuer mit einer überraschend kleinen Nebenrolle zufriedengeben. Die Geschichte von Bluey’s Happy Snaps könnte problemlos aus einer gewöhnlichen Folge der Animationsserie stammen. Eines Tages entdeckt Bluey eine alte Kamera ihres Vaters Bandit und beschließt kurzerhand, damit die Welt um sich herum festzuhalten. Was zunächst als kleiner Ausflug in den Park beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Reihe gemeinsamer Familienabenteuer, bei denen es überall etwas Neues zu entdecken gibt. Dabei besucht Bluey verschiedene Schauplätze, darunter einen Park, einen Strand und ein Geschäft. Überall warten kleine Überraschungen, interessante Gegenstände und zahlreiche Gelegenheiten, die Kamera auszupacken. Eine große, zusammenhängende Handlung sollte man allerdings nicht erwarten. Vielmehr besteht das Abenteuer aus mehreren kleinen Episoden, die durch das gemeinsame Fotografieren miteinander verbunden werden.

Genau darin liegt eine der größten Stärken des Spiels. Gameloft versteht offensichtlich, dass Bluey nicht durch spektakuläre Geschichten oder besonders aufwendige Abenteuer erfolgreich geworden ist. Vielmehr lebt die Serie von den alltäglichen Situationen, in denen die Fantasie der Kinder selbst die einfachsten Aktivitäten in aufregende Erlebnisse verwandelt. Diese Philosophie überträgt Happy Snaps überraschend überzeugend auf das Videospiel. Besonders die kleinen Zwischensequenzen fühlen sich regelmäßig wie interaktive Folgen der Serie an. Die Figuren verhalten sich so, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, und die vertraute Mischung aus Humor, kindlicher Begeisterung und liebevollen Familienmomenten funktioniert auch auf dem Bildschirm hervorragend. Gerade für jüngere Fans dürfte es ein besonderes Erlebnis sein, plötzlich selbst Teil dieser vertrauten Welt zu werden. Nicht jede Szene erreicht allerdings das Niveau der Vorlage. Gelegentlich wirken die Animationen etwas steif und manche Dialoge fallen kürzer aus, als man es sich wünschen würde. Das sind jedoch eher kleinere Schönheitsfehler, die den insgesamt gelungenen Eindruck kaum beeinträchtigen. Schon beim ersten Blick auf Bluey’s Happy Snaps fällt auf, wie viel Mühe sich Gameloft mit der visuellen Umsetzung gegeben hat. Die Animationsserie besitzt einen unverwechselbaren Stil, der durch warme Farben, einfache Formen und liebevoll gestaltete Hintergründe geprägt wird. Gerade das Haus der Heeler-Familie ist mit seiner farbenfrohen Einrichtung und den zahlreichen kleinen Details längst zu einem der bekanntesten Schauplätze moderner Kinderserien geworden.

Happy Snaps übernimmt diese Ästhetik nahezu vollständig. Die Umgebungen sind bunt, freundlich und voller kleiner Details, die sofort an die Fernsehvorlage erinnern. Besonders die Außenbereiche profitieren von der kräftigen Farbpalette. Grüne Wiesen, sonnige Strände und liebevoll gestaltete Spielplätze vermitteln genau jene unbeschwerte Atmosphäre, für die Bluey bekannt ist. Auch die Figuren wurden überzeugend umgesetzt. Bluey, Bingo und die übrigen Familienmitglieder sehen ihren animierten Vorbildern ausgesprochen ähnlich. Ihre Bewegungen, Gesichtsausdrücke und kleinen Reaktionen sorgen dafür, dass man sich schnell wie innerhalb einer Folge der Serie fühlt. Die flüssige Darstellung mit 60 Bildern pro Sekunde unterstützt diesen Eindruck zusätzlich. Gerade bei den kleinen Bewegungen und Animationen wirkt das Geschehen angenehm geschmeidig, ohne den charakteristischen Zeichentrickstil zu verlieren. Natürlich darf man keine technischen Höchstleistungen erwarten. Die Spielwelt ist vergleichsweise simpel aufgebaut und viele Objekte besitzen nur wenige Interaktionsmöglichkeiten. Für die angestrebte Zielgruppe ist das allerdings kaum ein Problem. Viel wichtiger ist, dass die bekannte Welt glaubwürdig eingefangen wird, und genau das gelingt Gameloft hervorragend.

Spielerisch verfolgt Bluey’s Happy Snaps einen ausgesprochen einfachen Ansatz. Die meiste Zeit verbringt man damit, verschiedene Umgebungen zu erkunden und interessante Motive zu fotografieren. Dafür wird die Kamera auf einen Gegenstand oder ein Lebewesen gerichtet, der Bildausschnitt angepasst und anschließend der Auslöser betätigt. Komplizierter wird es praktisch nie. Das mag für erfahrene Spieler zunächst etwas ernüchternd klingen, ist für die eigentliche Zielgruppe aber eine durchaus sinnvolle Entscheidung. Gerade jüngere Kinder können das grundlegende Spielprinzip innerhalb weniger Minuten verstehen und anschließend weitgehend selbstständig auf Entdeckungstour gehen. Die aufgenommenen Bilder werden in einem Sammelalbum festgehalten, das im Verlauf des Abenteuers immer weiter gefüllt wird. Bestimmte Motive müssen fotografiert werden, um neue Bereiche oder Abschnitte freizuschalten. Die Anforderungen bleiben dabei angenehm überschaubar und verlangen weder besonders präzises Timing noch komplizierte Kameraperspektiven. Das sorgt für einen entspannten Spielfluss. Statt unter Zeitdruck nach dem perfekten Foto suchen zu müssen, dürfen Kinder ihre Umgebung in Ruhe erkunden und selbst entscheiden, welche Motive sie besonders interessant finden. Wer einen Abschnitt nicht vollständig abschließt, kann später zurückkehren und nach fehlenden Bildern suchen. Dadurch entsteht zumindest ein kleiner Anreiz, bereits besuchte Gebiete erneut zu erkunden und das Sammelalbum vollständig zu füllen.

Interessanterweise wird das Fotografieren trotz seiner Einfachheit nicht so schnell langweilig, wie man zunächst vermuten könnte. Das liegt vor allem an der liebevollen Gestaltung der Schauplätze und dem angenehmen Rhythmus, mit dem neue Motive und kleine Ereignisse eingeführt werden. Allerdings sollte man keine spielerische Tiefe erwarten. Wer sich anspruchsvolle Fotoaufgaben, komplexere Rätsel oder zahlreiche unterschiedliche Aktivitäten erhofft, wird hier relativ schnell an die Grenzen des Konzepts stoßen. Neben dem eigentlichen Fotografieren bietet Bluey’s Happy Snaps einige zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten. Besonders schön ist die Möglichkeit, das eigene Sammelalbum mit verschiedenen Stickern zu dekorieren, die während des Abenteuers gefunden werden können. Dadurch entsteht eine kleine kreative Komponente, die hervorragend zur Vorlage passt. Schließlich lebt Bluey davon, dass Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen und aus alltäglichen Dingen etwas Besonderes machen. Das Sammelalbum wird so zu mehr als einer bloßen Übersicht bereits fotografierter Gegenstände. Es entwickelt sich zu einer persönlichen Sammlung kleiner Erinnerungen, die nach eigenen Vorstellungen gestaltet werden kann. Noch interessanter sind allerdings die zusätzlichen Aktivitätsseiten, die im Laufe des Spiels freigeschaltet werden können. Diese enthalten Vorschläge für Beschäftigungen außerhalb des Videospiels, die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern ausprobieren können.

Manche Ideen orientieren sich direkt an den fantasievollen Spielen aus der Serie, während andere bewusst einfach gehalten sind. Ein Beispiel ist der Vorschlag, gemeinsam eine Sandburg zu bauen. Gerade diese Verbindung zwischen digitalem Spiel und echten Familienaktivitäten gefällt mir ausgesprochen gut. Bluey vermittelt schließlich seit Jahren die Botschaft, dass gemeinsame Zeit und Fantasie wichtiger sind als aufwendige Unterhaltung. Happy Snaps greift diesen Gedanken auf und versucht, Kinder auch abseits des Bildschirms zu kleinen Abenteuern zu inspirieren. Das ist eine sympathische Idee, die dem Spiel eine zusätzliche pädagogische Qualität verleiht, ohne dabei belehrend zu wirken. Zwischen den größeren Abschnitten warten außerdem einige zusätzliche Aktivitäten. Dazu gehört unter anderem ein kleines Fotografie-Minispiel, bei dem sich die Kamera entlang einer festgelegten Strecke bewegt und möglichst viele auftauchende Lebewesen fotografiert werden müssen. Diese Passagen erinnern noch stärker an Pokémon Snap, da die Bewegung automatisch erfolgt und man sich vollständig auf das richtige Timing beim Fotografieren konzentrieren kann. Grundsätzlich funktioniert das gut und sorgt für eine willkommene Abwechslung zum freien Erkunden der übrigen Gebiete. Allerdings bleibt auch dieses Minispiel vergleichsweise simpel und wird nicht umfangreich genug ausgebaut, um langfristig für zusätzliche Motivation zu sorgen.

Gerade hier hätte Gameloft etwas mehr experimentieren dürfen. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, zusätzliche Herausforderungen oder ein kleiner Wettbewerb zwischen mehreren Spielern hätten das Konzept deutlich interessanter gemacht. Stattdessen bleibt es bei einer netten Ergänzung, die zwar für einige Minuten unterhält, aber kaum über den eigentlichen Spielverlauf hinaus beschäftigt. Das verdeutlicht gleichzeitig eine der grundlegenden Schwächen von Bluey’s Happy Snaps. Die vorhandenen Mechaniken funktionieren, werden aber selten über ihre einfachste Form hinaus entwickelt. Für kleinere Kinder mag das vollkommen ausreichend sein, doch gerade Familien, die gemeinsam spielen möchten, hätten von etwas mehr Abwechslung profitiert. Die größte Enttäuschung wartet allerdings im lokalen Koop-Modus. Auf den ersten Blick klingt die Möglichkeit, gemeinsam mit Bluey und Bingo auf Entdeckungstour zu gehen, nach einer fantastischen Idee. Schließlich gehört die Beziehung zwischen den beiden Schwestern zu den wichtigsten Bestandteilen der Serie. Ihre gemeinsamen Spiele, kleinen Streitigkeiten und fantasievollen Abenteuer machen einen großen Teil des Charmes aus. Entsprechend naheliegend wäre es gewesen, beiden Figuren auch innerhalb des Videospiels gleichwertige Rollen zu geben. Leider entscheidet sich Gameloft für einen anderen Ansatz. Während Spieler eins Bluey steuert und praktisch sämtliche wichtigen Aktionen übernimmt, wird Bingo zur deutlich eingeschränkten Begleitfigur. Zwar kann sich der zweite Spieler frei bewegen, einige Gegenstände aufheben und für Fotos posieren, doch die eigentliche Kontrolle über das Spielgeschehen bleibt fast vollständig bei Bluey. Das ist ausgesprochen schade.

Gerade wenn zwei Kinder gemeinsam spielen möchten, entsteht dadurch schnell ein Ungleichgewicht. Während eines die Kamera bedient, neue Motive entdeckt und den Fortschritt vorantreibt, bleibt dem anderen häufig nur die Rolle des Zuschauers mit eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten. Natürlich können die Controller jederzeit getauscht werden. Dadurch erhält zumindest jeder einmal die Gelegenheit, Bluey zu steuern. Das ändert allerdings nichts daran, dass der Mehrspielermodus sein eigentliches Potenzial verschenkt. Eine eigene Kamera für Bingo hätte hier bereits einen enormen Unterschied gemacht. Beide Kinder hätten gemeinsam nach Motiven suchen, unterschiedliche Bilder aufnehmen und vielleicht sogar kleine Fotoaufgaben zusammen lösen können. Stattdessen wirkt der Koop-Modus wie eine Funktion, die zwar grundsätzlich vorhanden sein sollte, aber nicht konsequent zu Ende gedacht wurde. Gerade bei einer Marke wie Bluey, die so stark von gemeinsamen Familienaktivitäten lebt, ist das eine besonders ärgerliche Entscheidung. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Verteilung zusätzlicher Spielinhalte. Ausgerechnet die beliebten Grannies, also jene herrlich chaotischen Oma-Rollen, in die Bluey und Bingo in mehreren Folgen schlüpfen, sind an die Deluxe Edition gebunden. Fans der Serie wissen, wie unterhaltsam diese wiederkehrenden Szenen sind. Entsprechend schade ist es, dass ein derart beliebtes Element nicht zum regulären Umfang gehört. Gerade bei einem vergleichsweise überschaubaren Familienspiel wäre es wünschenswert gewesen, sämtliche wichtigen Aktivitäten direkt allen Spielern zugänglich zu machen.

Bluey’s Happy Snaps ist ein liebevoll gestaltetes Familienabenteuer, das den Charme der beliebten Animationsserie hervorragend einfängt, spielerisch allerdings einige Chancen ungenutzt lässt. Gameloft gelingt es besonders gut, die farbenfrohe Welt von Bluey auf den Bildschirm zu übertragen. Die Schauplätze wirken vertraut, die Figuren sehen ihren Vorbildern ausgesprochen ähnlich und zahlreiche kleine Zwischensequenzen könnten beinahe direkt aus einer echten Folge stammen. Das einfache Fotografieren funktioniert erstaunlich gut und eignet sich hervorragend für jüngere Kinder. Motive entdecken, Bilder aufnehmen und anschließend das eigene Sammelalbum mit Stickern gestalten, ergibt eine entspannte Spielschleife, die ohne unnötigen Frust auskommt. Besonders gelungen sind außerdem die zusätzlichen Aktivitätsseiten, die Familien zu gemeinsamen Beschäftigungen außerhalb des Videospiels inspirieren.

Allerdings bleibt das Gameplay insgesamt sehr überschaubar. Wer sich mehr Abwechslung oder anspruchsvollere Aufgaben wünscht, wird schnell feststellen, dass Happy Snaps nur wenige zusätzliche Ideen besitzt. Die kleinen Fotografie-Minispiele lockern das Geschehen zwar auf, hätten aber deutlich umfangreicher ausfallen dürfen. Die größte verpasste Chance ist jedoch der lokale Koop-Modus und die bisher fehlende deutsche Sprachausgabe, welche wohl noch per Patch kommen soll. Ausgerechnet Bingo wird auf eine stark eingeschränkte Nebenrolle reduziert, während Bluey praktisch sämtliche wichtigen Aktionen übernimmt. Gerade bei einer Serie, deren Herzstück das gemeinsame Spielen zweier Schwestern ist, wirkt diese Entscheidung unverständlich. Ein gleichberechtigter Mehrspielermodus mit einer eigenen Kamera für beide Figuren hätte aus Happy Snaps ein deutlich stärkeres Familienerlebnis machen können.

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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