„Agents of Mayhem“, das neue Spiel der „Saints Row“-Macher von Volition ist die logische Weiterentwicklung des Weges den Saints Row mit Teil 4 und „Gat out of Hell“ eingeschlagen hat und knüpft auch direkt an eines der unterschiedlichen Enden aus letzterem an. Doch warum heißt das Spiel dann nicht Saints Row 5? – Es handelt sich zwar um eine logische Weitererzählung und verwendet auch einige Elemente aus den Vorgängerspielen, weicht aber auch soweit vom Grundmaterial ab, dass eine Bezeichnung als 5. Teil der Reihe wahrscheinlich falsche Erwartungen geweckt hätte. Handelte es sich bei Saints Row per se um eine Over-the-top-Hip-Hop-Gangster-Variante von Open World Spielen à la GTA, gespickt mit anarcho-Humor und besonders in den letzten Teilen prominenten phantastischen Elementen, wie Aliens und Superkräfte, so hat es die Reihe gerade durch diese krude Mischung geschafft sich seine eigene Identität zu erarbeiten. Besonders mit Teil 4 hatte ich daher immense Probleme, da dieser Teil genaugenommen vor rein gar nichts mehr Halt gemacht hat. Hier findet man die Rezension zu Teil 4 der Reihe.

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Agents of Mayhem schlägt dabei neue Wege ein und verabschiedet sich von vielen Elementen der Vorgänger. Es gibt keinerlei zeitliche noch räumliche Verbindung mehr zu den vorherigen Teilen und der fiktiven Stadt Steelport, in der sich alles abgespielt hat und bis auf Publikumsliebling Johnny Gat, der schon fast zum Maskottchen der Reihe geworden ist, gibt es auch keine bekannte Charaktere im Spiel, denn hier stehen neue Helden, die Agents of Mayhem im Vordergrund, wobei es eigentlich M.A.Y.H.E.M. (the Multinational Agency for Hunting Evil Masterminds) heißt.

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Diese Organisation ist, wie das ganze Spiel an die Superhelden-Truppen der 80er Jahre Cartoons, wie z.B. G.I. Joe oder M.A.S.K. angelehnt und das Spiel macht daraus auch keinen Hehl, denn nicht nur läuft das Spiel aufgeteilt in Episoden ab, sondern auch die Zwischensequenzen werden im Zeichentrick im Stil der 80er erzählt, was insgesamt mit dem Grundkonzept aber wirklich gut funktioniert und einen Runden Gesamteindruck hinterlässt. Die Agents treten dabei gegen eine gegnerische Organisation mit Namen L.E.G.I.O.N. (League of Evil Gentlemen Intent on Obliterating Nations) an, deren Hauptziel des Zerstörung der Welt ist. Das können die Agents natürlich nicht hinnehmen, so treten wir als Spieler diesen bösen Machenschaften entgegen. Der Schauplatz dieses Kampfes ist dabei eine futuristische Version der Südkoreanischen Stadt Seoul.

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Ebenfalls verabschiedet sich das Spiel vom freien Charaktereditor. Konnten wir in den Saints Row Spielen, abgesehen von „Gat out of Hell“, bislang immer einen vollkommen freie-editierbaren Charakter als unsere Spielfigur erstellen gibt es dieses Feature nicht mehr. Wir greifen auf vorgefertigte Spielfiguren zurück von denen wir gleichzeitig drei Stück auswählen, die unser Squad bilden. Jeder Charakter hat dabei unterschiedliche Fähigkeiten und Attribute und wir können lediglich die Optik durch Auswahl unterschiedlicher Skins beeinflussen.

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Das klingt zwar im ersten Antritt, wie ein Rückschritt, aber die Charaktere sind so herrlich skurril überzeichnet, was schon fast an Borderlands erinnert, dass das gar nicht negativ auffällt. Zusätzlich sind sie auch von ihren Fähigkeiten so unterschiedlich, dass es wirklich nicht langweilig wird und die Spielgeschehen, je nach Auswahl der Charaktere, eine komplett unterschiedliche Erfahrung sein kann. Im Spielverlauf schaltet man von diesem Raster an verfügbaren Charakteren auch weitere frei, die dem Spieler ab diesem Zeitpunkt dann zur Auswahl für das eigene Squad zur Verfügung stehen. Wer dem Spiel mit Johnny Gat einen eher klassischen Touch geben möchte sollte zur Day-One-Edition greifen, denn dort ist liegt ein Code zur Freischaltung von Johnny Gat als DLC bei.

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Das Spielgeschehen spielt sich in einer offenen Spielwelt ab, die auch mit jeder Menge Missionen gespickt ist, wobei die Hauptmissionen echt gut durchdesignt sind und in der Regel auch mit einem coolen Bosskampf am Ende aufwarten. Die Nebenmissionen sind dagegen leider unspektakulärer. Sie machen zwar auch Spaß, wiederholen sich aber schnell. Das Spielgeschehen ist um einiges schneller als bei Saints Row und erinnert sogar etwas an Sunset Overdrive. Wir springen und schießen uns durch Horden von Gegnern und dennoch läuft das Spiel sehr flüssig. Die hier teilweise erwähnten Bugs und Abstürze konnte ich bei mir nicht feststellen. Vielleicht wurde da in der Zwischenzeit mit einem Update nachgebessert.

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Die Grafik ist gut und detailreich, auch wenn natürlich nicht mit Refenenztiteln, wie zum Beispiel „Uncharted“ vergleichbar. Aber das war noch nie der Anspruch der Reihe, denn hier steht eindeutig das Gameplay und der Humor im Vordergrund. Man kann dem Spiel zwar ankreiden, dass es zu wenige unterschiedliche Gegner gibt und dass teilweise eigene Elemente, wie bei den gegnerischen Basen, recycelt wurden, aber dafür passt der Rest einfach. Das Spiel macht Spaß und spielt sich gut. Die Steuerung ist eingängig und die unterschiedlichen Charaktere bedienen unterschiedliche Herangehensweisen und Spielarten. Und wem „langweilig“ wird, der kann sich auch auf zur Abwechslung mal auf die Nebenmissionen oder die versteckten Sammelobjekte in der offenen Welt stürzen, von denen es wieder einige zu finden gibt mit denen man Upgrades, Designs und neue Charaktere freischaltet. Ich war erst unentschlossen bezüglich des Spieles und konnte mir durch viele divergierende Reviews auch kein eindeutiges Bild von dem Spiel machen. Das interessante Design und das schnelle Spielprinzip haben mich aber dazu bewegt dem Spiel eine Chance zu geben, was sich als wahrer Glücksgriff erwiesen hat. Man muss sich eben darauf einlassen, dass es sich eben nicht um Saints Row 5, sondern um Agents of Mayhem, ein Spiel mit eigener Identität handelt. Und ich muss sagen, dass dieses Experiment der Entwickler durchaus geglückt ist. Diese Hommage an die 80er Jahre Zeichentrickserien als schnelles 3rd Person Actionspiel ist gelungen und hat mich überzeugt.

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NB@28.08.2017