Life is Strange: Before the Storm_20170902123510

Am 19.10.2017 wurde die langerwartete zweite Episode von „Life is Strange – Before the Storm“ veröffentlicht. Die Episode ist mit „Brave new World“ betitelt und neue Wege schlägt sie wirklich ein. War die erste Episode zwar gut, aber wirkte in Teilen etwas unausgegoren und holprig, was besonders die Verbindungen zur ersten Staffel angeht, so hat sich der Entwickler wohl in der Zwischenzeit tiefer mit der ersten Staffel als Inspiration und den Kritikpunkten aus der ersten Episode beschäftigt, denn nahezu alle Kritikpunkte wurden ausgemerzt.

Begann der der erste gemeinsame Tag von Chloe und Rachel in der ersten Episode mit dem Schwänzen der Schule und endetet mit einem ausgewachsenen Waldbrand, der von Rachel gestartet wurde, so setzt die zweite Episode fast unmittelbar an diesem Punkt auch wieder an und die beiden Protagonistinnen finden sich zusammen mit ihren Eltern im Büro vom Schuldirektor wieder, der die beiden Frauen wegen dem Schuleschwänzen ausfragt und tadelt.

Die Konfrontation endet dann, je nachdem, wie man sich bisher als Chloe verhalten hat, entweder mit einer Beurlaubung oder dem Rausschmiss von der Schule. Unabhängig vom genauen Ereignis schweißt diese Konfrontation Chloe und Rachel noch weiter zusammen, die im Verlauf der Geschichte auch beschließen die Stadt gemeinsam zu verlassen, was man als Spieler der ersten Staffel schon weiß. Jedoch kann man gespannt sein, wie sich die weitere Entwicklung dieser Staffel abzeichnen wird, denn immerhin hat die Zukunft andere Pläne mit Rachel und auch Chloe.

Das ist jedoch nicht Thema der Episode. Diese Episode fokussiert eindeutig auf der aufkeimenden Freundschaft und, abhängig von den Entscheidungen des Spielers auch Liebe zwischen den Hauptpersonen. Im Verlauf müssen wir daher nicht nur in bester Adventure-Manier ein Auto für die geplante Flucht wieder gangbar machen, sondern auch das ein oder andere weitere Problem lösen. Hierbei führt es uns wieder in Areale, die wir größtenteils bereits aus der ersten Staffel kennen und lässt uns auch mit bekannten Personen interagieren. So trifft man nicht nur auf den skurrilen Hausmeister Samuel, sondern auch den Drogendealer Frank und dessen Wachhund Pompidou. Jedoch verschlägt es uns auch in komplett neue Areale, wie das Elternhaus von Rachel mit samt Interaktionen/Konfrontationen mit ihren Eltern, die Chloe für einen schlechten Einfluss für Ihre Tochter halten.

Das Highlight der Episode stellt aber eindeutig die Theateraufführung in der Schule von William Shakespeare’s „The Tempest“, bei der Rachel die Hauptrolle spielt und wir als Chloe notgedrungen mit einsteigen müssen. Diese Sequenz ist zwar spielerisch nicht sonderlich anspruchsvoll aber sie überzeugt durch eine sehr intensive Charakterzeichnung und offenbart tiefe Einblicke in das Gefühlsleben der Charaktere. In solchen Momenten überzeugt das Spiel voll und ganz und man hat wirklich das Gefühl es mit echten Personen zu tun zu haben. Zusätzlich vergisst man im Moment auch, dass die Geschichte ein zwangsläufig düsteres Ende finden muss, damit die Ausgangssituationen zur ersten Staffel erfüllt werden.

Ich persönlich war überwältigt von der zweiten Episode und fand es wirklich schade, als die Credits über den Bildschirm gelaufen sind, denn für die Veröffentlichung der dritten und finale Episode gibt es leider noch keinen Veröffentlichungstermin. Allerdings muss erwähnt werden, dass einer der Hauptkritikpunkte, was die Umbesetzung der Sprecherin von Chloe von der ersten bis zur zweiten Staffel angeht, natürlich weiterhin besteht und auch keine Umbesetzung mehr vorsieht. Leider macht die zweite Episode die Unterschiede noch deutlicher und der Austausch ist auch für unkundige sehr offensichtlich. Die neue Sprecherin ist zwar insgesamt gut und klingt im Vergleich zur ersten Staffel wirklich sehr ähnlich, aber in gewissen Betonungen fällt der Unterschied wirklich auf. Das mag zum einen natürlich daran liegen, dass man bereits die 5 Episoden der ersten Staffel an die Sprecherin Ashley Burch, die unter anderem auch Aloy in „Horizon: Zero Dawn“, „Tiny Tina“ in „Borderlands 2“ oder „Nebula“ in „Guardians of the Galaxy: The Telltale Series“ gesprochen hat, gewöhnt hatte, aber zum anderen auch, dass sie über einiges an Erfahrung in der Synchronisation von Videospielen zurückblicken kann. Für die neue Sprecherin, Rhianna DeVries, war es der erste Job als Synchronsprecherin und wurde spontan auf Grund eines Streiks von SAG-AFTRA, der eine fristgerechte Verpflichtung von Ashley Burch verhinderte, verpflichtet, obwohl sie eigentlich nur für das Motion Capturing angestellt worden war. Damit muss man nun leider leben, denn auch wenn der Streik in der Zwischenzeit beendet ist, ist eine nachträgliche Umstellung auf Chloe’s ursprüngliche Stimme eher unwahrscheinlich.

Wenn die dritte Episode jedoch das Tempo und die Tiefe dieser Episode halten kann, kann man über diesen Makel durchaus hinweg sehen. Ich bin sehr gespannt, wie es mit der Geschichte von Chloe und Rachel weiter geht…

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NB@03.11.2017