„Hotel Mario“ auf dem Philips CD-i…, – ja richtig, Mario auf einer Konsole die nicht von Nintendo stammt. Wie kann das sein? Handelt es sich wirklich um DEN Mario oder gar wieder um einen Rom-Hack, von denen ich ja auch schon berichtet habe?

– Diesmal kann die Antwort nur eindeutig „Ja, es geht um DEN Mario, das Maskottchen von Nintendo und nein, es handelt sich nicht um einen Hack oder ähnliches, sondern um ein offizielles Spiel, das unter Lizensierung von Nintendo produziert und herausgebracht wurde. Doch wie kann das sein?

 

Um diese Frage zu beantworten muss man sich kurz mit der Konsole auf der das Spiel herauskam beschäftigen. Das Philips CD-i sollte Anfang der 90er, ursprünglich als Erweiterung für das Super Nintendo, ähnlich wie es bereits 1988 mit dem Deal mit Sony geplant war, erscheinen. Wie wahrscheinlich alle wissen ist aus dem Deal mit Sony und einem darauf folgenden Streit, die PlayStation hervorgegangen. Ähnlich verhält es sich mit dem CD-i. Nach dem Fallout mit Sony hat sich Nintendo an die direkte Konkurrenz von Sony, Philips, mit der gleichen Aufgabe gewandt. Dieses Unterfangen war ebenso wenig von Erfolg gekrönt und so erschien auch hier eine eigene Konsole, die auf der neuen CD-ROM-Technik basierte. Allerdings hat Philips sich bei den Verhandlungen mit Sony die Lizensierung für mehrere Nintendo-Charaktere gesichert, die auch erhalten blieb, obwohl die Konsole für Nintendo selbst nie erschien.

 

Das CD-i war damals eine recht revolutionäre Konsole, denn sie war nicht ausschließlich als Konsole, sondern eher als Multimediacenter konzipiert und konnte neben den dafür erschienen Spielen auf CD-ROM auch Musik-CDs und Filme auf CD abspielen und war so Vorreiter in der Ablösung von VHS. So zumindest die Theorie, denn wie wir alle wissen kam die Ablösung der VHS erst einige Jahre später mit der DVD stattfand.

 

Aber zurück zu den Nintendo-Spielen, die nicht von Nintendo sind und für das CD-i erschienen sind. Es gibt auf der Konsole sage und schreibe 3 Zelda-Spiele und 1 Mario-Spiel, mit dem wir uns nun genauer beschäftigen wollen.

 

„Hotel Mario“ auf dem Philips CD-i wurde von “Royal Philips Electronics” produziert und herausgebracht und erschien 1994. Es handelt sich um ein Puzzle-Spiel für 1-2 Spieler mit Mario-Charakteren. Wir steuern dabei Mario, oder im 2-Spieler Modus (abwechselnd) auch Luigi, deren Aufgabe es ist Prinzessin Toadstool zu retten. Denn diese wurde (mal wieder) von Bowser entführt und wird in einem der 7 Koppa-Hotels festgehalten. Das Spielprinzip ist dabei denkbar einfach, aber teilweise auch recht fordernd. Es ist ein sehr arcadiges Spiel, bei dem jedes Level aus einem einzigen Screen besteht. Jeder Screen ist ein Stockwerk eines der Hotels und unser Ziel ist es alle Türen auf allen Ebenen zu schließen. Dabei gibt es jede Menge Gegner, die Türen wieder öffnen und uns auch sonst das Leben um einiges schwerer machen. Ein Taktisches Vorgehen ist gefragt, denn wenn wir die Gegner töten respawnen sie schnell wieder. Wir sind also besser beraten, wenn die ihnen ausweichen und uns in Türen verstecken oder mit dem Fahrstuhl auf einen andere Ebene gehen. Die Mario-typischen Power-ups sind ebenso vorhanden, wie ein Großteil der bekannten Gegnertypen. Das Spiel ist dabei ziemlich lang, denn es bieten sich stolze 75 deren Schwierigkeitsgrad kontinuierlich ansteigt: Die ersten 6 Hotels bestehen jeweils aus 10 Levels und das 7. sogar aus 15 Levels.

Zu Beginn des Spieles haben wir es noch mit einer sehr übersichtlichen Anzahl von Gegnern zu tun, was sich später allerdings ändert und als ob das nicht genug wäre bieten die Levels dann auch noch weitere „Stolpersteine“, wie plötzlich Dunkelheit, versperrte Wege und das allgegenwärtige Zeitlimit.

Das Spiel ist ein wirklich spaßiges Puzzler, der die teilweise unterirdischen Kritiken, wie z.B. vom „Angry Video Game Nerd“ in seiner CD-i-Folge nicht verdient. Die Animationen sind gut und das Spielprinzip wird nicht langweilig. Einzig von der technischen Seite der Konsole muss man wirklich erheblich Punkte abziehen, denn die Eingaben des Controllers werden im Spiel zeitverzögert umgesetzt, was für das ein oder andere unfreiwillige Ableben sorgte und was mir leider auch öfters passiert ist, dass der Sound im einem Level sich bei bestimmten Einspielungen plötzlich aufgehängt hat und man dann nur dieses eine Geräusch in endlosschleife gehört hat. Das normalisierte sich zwar immer mit dem nächsten Level wieder, ist aber dennoch nervig und reißt den Spieler aus dem Spiel heraus.

K640_8 (1).png

Hier hätte also etwas Finetuning und Balancing noch gut getan. Aber davon abgesehen handelt es sich bei „Hotel Mario“ keinesfalls um ein schlechtes Spiel und wäre es auf einer Nintendo-Konsole erschienen und somit einem breiteren Publikum zugänglich gewesen, so würde man es heute eventuell auch als Klassiker ansehen, wie die meisten anderen Mario-Spiele der damaligen Zeit.

NB@23.07.2018