Ich muss zugeben, so sehr ich Christopher Nolan’s Dark Knight-Trilogie mag, der für mich beste Batman-Film ist und bleibt “Batman Returns” von Tim Burton. Er baut gekonnt auf den ersten Batman-Film von Burton auf und perfektioniert die Darstellung durch die heute charakteristischen Einflüsse des Regisseurs. Zudem ist die Filmmusik von Danny Elfman einfach grandios geworden und sowohl Danny De Vito als Pinguin, wie auch Michelle Pfeiffer als Catwoman brillieren in Ihren Rollen. Der Film kam 1992 ins Kino, aber da ich zu diesem Zeitpunkt erst 10 war, durfte ich ihn leider noch nicht sehen. Ich habe ihn erst später gesehen, als er in der lokalen Videothek verfügbar war und meine Mutter ihn mir für eine Wochenende ausgeliehen hat.

Ich war dem Film unmittelbar verfallen und da ich sowieso schon immer ein Fan von Spielen war, die auf Filmen basierten war, stand für mich auch außer Frage, dass ich mir ein Spiel zu dem tollen Film zulegen würde. Ich hatte damals „nur“ einen Sega Mega Drive, auf dem es zwar auch ein Spiel zum Film gab, habe aber immer neidisch auf die SNES-Veröffentlichung bei einem Freund geschielt, die mich noch mehr in seinen Bann gezogen hat. Die Mega Drive-Version ist ein recht klassischer Sidescroller. Das Spiel ist auch heute noch gut, aber es war mir damals leider etwas zu leicht und auch zu unspektakulär, sowohl was die recht Dröge Grafik, als aber auch das Gameplay angeht. Ich habe es dennoch zig mal durchgespielt, aber die SNES-Version sollte erst mal ein unerreichter Traum bleiben. Erst Jahre später hatte ich dann ein SNES und habe mir dafür natürlich auch „Batman Returns“ besorgt, um diese Bildungslücke zu schließen.

Auch wenn das Spiel knapp ein halbes Jahr nach dem Film erst herauskam, hat das der Popularität des Spiels nicht geschadet, denn das Spiel wurde mit größtenteils positiven Kritiken überschüttet. Entgegen anderer Film-Lizenzen, die gerne mal von irgendwelchen Drittklassigen Entwicklerstudios zusammengeschustert werden, um allein durch die Popularität der Lizenz Geld zu machen, wurde dieses Spiel von Konami entwickelt, die das Spiel, als Brawler ähnlich wie „Final Fight“ oder „Streets of Rage“ konzipierten. Ähnlich wie bei „Final Fight“ besticht das Spiel durch Areale mit interaktiven Elementen und große, detaillierte Charaktersprites. Die meisten Spiele versuchten auf Grund der Speicherrestriktionen auf den 16-bit-Konsolen eher kleinere Sprites zu verwenden, um Speicherplatz zu sparen, aber hier hat sich Konami für einen schön-animierten und recht muskulösen Batman als spielbaren Charakter entschieden. Da die Areale zusätzlich durch eine Vielzahl interaktiver Elemente aufwarten können wir unter anderem unsere Gegner in Schaufenster werfen, oder andere kontextsensitive Aktionen hervorrufen.

Zur Story muss man wahrscheinlich nicht mehr viele Worte verlieren, denn das Spiel orientiert sich sehr eng an der Vorlage: Das verschneite Gotham braucht wieder Batman’s Hilfe im Kampf gegen das Böse, denn nicht wird die Stadt von der Zirkus-Gang überrannt, sondern auch der diabolische Pinguin und die gewiefte Catwoman sind in Gotham aufgetaucht. Auch wenn der Pinguin zu Anfang nach außen wie ein aufrechter und missverstandener Charakter daherkommt und sich bald zum Bürgermeister der Stadt avanciert hat er dennoch einen perfiden Plan. Er möchte alle erstgeborenen Söhne von Gotham entführen, damit die Stadt genauso leidet, wie er leiden musste, als seine Eltern ihn auf Grund seiner Deformation weggaben. Catwoman ist ein Produkt der äußeren Gewalt in der Stadt und verfolgt ihre eigene Agenda zwischen den Linien und stellt Batman und Bruce Wayne gleichermaßen vor eine Harte Probe…

In insgesamt 7 Leveln, die an Schlüsselszenen aus dem Film angelegt sind und durch digitalisierte Filmbilder eingeleitet werden prügeln wir uns als Batman durch unterschiedliche Areale und kämpfen gegen unterschiedliche Charaktere aus dem Film. Hier beweist das Spiel viel Liebe zum Detail, denn einige der markentesten Gegner aus dem Film, wie die motorradfahrenden Skelette, feuerspuckende Gegner in Teufelskostümen oder Gaukler mit eine Gatling in ihrem Leierkasten sind unter den Gegnern vertreten. Die Gegner sind ähnlich detailliert wie Batman animiert, haben jedoch weniger Bewegungsabläufe in ihrem Repertoire. Leider hat Batman, ebenso wie das einschlägigste Vorbild „Final Fight“ auch zwei der Hauptkritikpunkte ebenfalls mit im Gepäck: 1) Gegnervarianz und 2) Spieleroptionen.

  • Gegnervarianz: Die Gegner sind zwar aufwendig designed und sehr schön aus dem Film entliehen, allerdings ist die Abwechslung sehr gering. Wir bekämpfen am Ende größtenteils die gleichen Gegner, wie am Anfang. Alles was sich dabei ändert ist die Gegnerdichte und die Länge des Lebensbalken.
  • Spieleroptionen: Ich habe es schon mehrfach zum Thema Brawler angemerkt, dass diese am meisten Spaß machen, wenn man sich im Couch-Co-op mit einem Freund gemeinsam durch die Areale und Gegnerhorden prügelt. Das ist leider bei “Batman Returns” nicht möglich, da es sich um ein reines 1-Spieler-Spiel handelt. Das ist zwar analog der Vorlage, wo Batman auch alleine unterwegs ist, aber es hätte bestimmt auch Mittel und Wege gegeben das abzuändern…

Wo das Spiel allerdings wieder zu glänzen weiß ist das Moveset von Batman, das überaus differenziert ausfällt. Denn neben simplen Fausthieben hat der dunkle Ritter auch noch ein breites Arsenal an Gadgets, wie zum Beispiel Batarangs und seinen Bat-Hook im Gürtel dabei, die er für seinen Kampf einsetzen kann. Auch das Spielgeschehen per se erweist sich als Abwechslungsreich, so gibt es auch Passagen, in denen wir in bester Sidescroller-Manier unseren Weg durch ein einsturzgefährdetes Haus finden müssen, in dem uns diverse Widrigkeiten im Wege stehen, die wir mit Hilfe unseres Gadgets überwinden müssen. Zusätzlich bietet das Spiel einige „arcadige“ Passagen, in denen wir auch mal hinter das Steuer des Batmobils dürfen und hält auch einige überaus fordernde Bossfights bereit.

Auch wenn das Spiel insgesamt in knapp einer Stunde beendet werden kann, so wird es die meisten wahrscheinlich sehr viel länger beschäftigen, denn eins ist das Spiel in keiner Weise: Einfach. – Das Gegenteil ist an der Tagesordnung, denn auch wenn sich Batman an sich sehr gut steuert und er einige Tricks im Ärmel dabei hat, so wird die schiere Übermacht an Gegnern auch noch so versierte Spieler vor eine Herausforderung stellen, bis das Ende über die Bildschirm flimmert. Trotz seiner Schwächen ist das Spiel auch heute noch sehr spaßig und kann allen Brawler-Freunden, die noch ein SNES zu Hause rumstehen haben, ans Herz gelegt werden.


NB@20.09.2018