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Neben Mario hat Nintendo noch einige weitere tolle Charaktere in petto, die meist aber im übergroßen Schatten des Klempners etwas untergehen. Zu einem der Hauptvertreter dieses B-Teams gehört zweifelsfrei auch Kirby, die knuddelige rosa Kugel, die seit der NES-Ära auch ein regelmäßiger Dauergast ist. Jetzt ist Kirby auf der Switch zurück. Und da das gemeinsame Spielen mit Freunden seither bei Nintendo großgeschrieben wird, ist er nicht alleine unterwegs. Er hat diesmal Freunde, die titelgebenden Star Allies im Gepäck dabei.

Eine dunkle Kraft bedroht das Universum und möchte es unterjochen. Wie stellt man das am besten an? – Genau, man verschießt in alle Himmelsrichtungen dunkle Herzen, um alles und jeden der davon getroffen wird, böse zu machen. Aus unerfindlichem Grund funktioniert dieses „böse-mach-Herz“ allerdings nicht bei Kirby. Wahrscheinlich auf Grund seiner Fähigkeit zur Absorption von fremden Kräften, aber genauer wird das nicht ausgeführt. Einen Nebeneffekt hat das allerdings dennoch, denn Kirby dann jetzt seinerseits auch Herzen auf Feinde werfen, um sie zu verbündeten, seinen Star Allies, machen. Zusammen mit seiner Crew macht sich Kirby dann auf eine Reise durch insgesamt 5 unterschiedliche Welten mit einer unterschiedlichen Anzahl von Levels, um den bösen Machenschaften ein Ende zu setzen… Viel mehr Story gibt es nicht, was aber auch gar nicht negativ ins Gewicht fällt, da sie ohnehin nur eine Legitimation zu Start der Geschichte darstellt. Viel anders war es in den vorherigen Kirby-Teilen dann auch nicht.

Die unterschiedlichen Welten wählt man über die Navigation in einer Oberweltkarte aus, die quasi eine isometrische 3D-Version der Oberwelt-Karte von „Super Mario Bros. 3“ darstellt. Komplett mit unterschiedlichen Abzweigungen, die als alternative Routen fungieren und Sprungpunkte in die jeweiligen Levels. Das Spiel beginnt typisch in Kirby’s Heimat, dem Traumland und führt unseren Helden im Verlauf des Spiels durch allerlei unterschiedliche Areale, wie gruselige Schlösser, dunkle Festungen, Unterwasserwelten und sogar das Weltall. Die Levels sind dann in liebevoller 2,5D-Grafik gebaute Sidescroller-Areale mit leichten Plattformer Elementen. Das Ziel eines jeden Levels ist dann sich, in der Regel von links nach rechts, bzw. bis zum Ausgang zu bewegen. Insoweit bekommt man nichts wirklich neues geboten, doch inhaltlich warten die Levels mit Versteckten Bonussielen, Sammelobjekten und unterschiedlichen kleineren Rätzeln auf, die man nur mit speziellen Fähigkeiten (Eis, Feuer, Stein, Strom, etc.) überwinden kann. Dazu ist eine Möglichkeit, dass Kirby diese Fähigkeit von einem Feind absorbiert haben muss, was er typischerweise durch das Einsaugen macht. Das ist zwar bisher noch nichts neues, aber es gibt nun noch eine zweite Option: Wir können einen besagten Feind einfach zum Freund machen und haben ihn (und in Folge seine Fähigkeit) dann in unsere Gruppe dabei. Wir steuern dabei Kirby und unsere drei Mitstreiter werden dann entweder von der CPU oder von Freunden im Couch-Co-op gespielt. Zusätzlich lassen sich die Fähigkeiten durch Kirby auch noch Kombinieren. Ich hatte so zum Beispiel einen Ritter in meinem Gespann, Kirby war mit einer Eiskraft ausgestattet und ich habe die Kraft an den Ritter weitergebeben, denn von dort an mit einem Eisschwert durch die Gegend gezogen ist und so sowohl die seine Fähigkeiten, wie auch die der Eiskraft inne hatte. Davon gibt es zig unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten, die wir sowohl auf die Freunde, aber auch auf Kirby umsetzen können. Hier macht es wirklich Spaß zu experimentieren.

Da wir aber die ganze Zeit zu viert unterwegs sind ist das teilweise schon sehr viel Gewusel auf dem Bildschirm, was mitunter sehr unübersichtlich werden kann, wenn dann noch Gegner auftauchen, die nahezu identisch zu unseren Freunden aussehen (unsere Freunde waren ja auch mal Gegner). Es gibt zwar noch weitere freischaltbare Charaktere, die man in den Levels finden kann, aber der Standard sieht halt eher so aus, dass wir Gegner in Freunde umwandeln. Dabei können wir immer drei weitere Freunde in der Party haben. Wenn wir einen vierten auswählen müssen wir dafür einen anderen herauswerfen. Einzige Ausnahme davon ist das Ableben eines Freundes. Dann ist der Platz sofort wieder frei und wir können einen neuen „Freund rekrutieren“. Abseits von dem Gewusel hat das, besonders im Solo-Spiel, den Nebeneffekt, dass das Spiel viel zu leicht ist, da die Freunde umgehend wenn ein Gegner auf dem Bildschirm erscheint, drauf lösstürmen und ihn platt machen. Als Solo-Kirby gibt es demnach, abseits von kleineren Plattformer-Einlagen oder einem Bosskampf kaum eine Möglichkeit zu sterben, da die Freunde die Arbeit für einen machen. Zwar ist es schön, dass die Freunde gott-sei-dank keine Idioten sind und wir diese nicht ständig dirigieren müssen, doch die Herausforderung fehlt dabei leider. Das überträgt sich sogar auf die Rätzel, denn auch da agieren sie selbstständig und wenn für ein Rätzel mehrere Kräfte gebraucht werden, reicht es wenn wir als Kirby den ersten Schritt ausführen und dann fühlt sich der Freund mit der nächsten gebrauchten Kraft intuitiv angesprochen und führt das Rätzel für uns weiter aus. Zu viert mit echten Menschen sieht das wahrscheinlich anders aus, aber das konnte ich bisher noch nicht ausprobieren.

Von der technischen Seite wird hier einiges geboten, aber Nintendo ist auf Performance und Artstyle auch sehr bedacht. Die Grafik ist einfach nur toll und präsentiert sich farbenfroh und lebendig. Die 2,5D Areale sind gut durchdacht, warten mit allerhand Verstecktem auf und wirken sehr plastisch. Das Spiel läuft dabei flüssig bei 60 FPS, die bei meinem Durchspielen lediglich in einer Szene nach unten gegangen sind und das Spiel sehr ruckeln ließen. Man muss allerdings zugeben, dass in der Szene verdammt viel los war auf dem Bildschirm, weswegen man sowas als Ausnahme durchaus verzeihen kann.

Wo das Spiel auf jeden Fall punkten kann sind Bosskämpfe. Davon gibt es viele mit unterschiedlicher Intensität und diese beinhalten auch einige Cameos aus vergangenen Abenteuern. Diese sind zwar insgesamt auch nicht wirklich schwer, da sich die Freunde auch hier auf die Gegner draufstürzen, als ob es kein Morgen gäbe, aber sind eine willkommene Abwechslung im sonst teilweise recht repetitiven Spielverlauf.

Versteht mich nicht falsch, das Spiel macht wirklich Spaß und liefert bekannte Qualität von Nintendo und Kirby-Entwickler Hal Laboratory ab, ist aber repetitiv und leider auch sehr kurz. Innerhalb von 5-6 Stunden hatte ich das Spiel durch und hatte auch nahezu alle Sammelobjekte eingesammelt und auch die unterschiedlichen Welten halten wenig Abwechslung, abseits von kosmetischen Änderungen und pro Welt ca. eine neue Spielmechanik, die dann aber immer wieder verwendet wird, bereit. Zusätzlich ist Spiel ist auch abseits der Freunde, die alles für den Spieler tun, sehr leicht und man bekommt ungelogen alle paar Minuten irgendwelche Bonusleben geschenkt. Ich hatte am Ende des Spiels 59 Leben angehäuft und bin im gesamten Spielverlauf 1 Mal gestorben, weil ich bei einer Plattformer-Sektion nicht aufgepasst habe und in einen Abgrund gestützt bin, was zu einem instant-death führt. Ich hätte wahrscheinlich auch alle Sammelobjekte bekommen können und noch mehr Leben anhäufen, aber ich habe irgendwann aufgehört jedes Fitzelchen einzusammeln, da man es auf Grund des soooooo niedrigen Schwierigkeitsgrad wirklich nicht gebraucht hat. Es gibt zwar auch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, die aber irgendwie kaum einen Unterschied zu machen scheinen. Wahrscheinlich wurde da nur an der Energie-Schraube der Gegner geschraubt, aber ich konnte keine fühlbare Veränderung ausmachen.

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Nach der Story kann man sich zwar noch durch einen Boss-Rush-Mode kämpfen, was aber auch nichts neues bietet, da man dort lediglich die Bosse aus dem Spiel nochmal spielt. Darüber hinaus gibt es auch wieder ein paar Minispiele obendrauf, die zwar für eine Runde mal ganz witzig sind, aber keinesfalls länger begeistern. Freunde von Kirby oder Nintendo-Plattformern im allgemeinen können zugreifen. Wer allerdings eine Herausforderung sucht, sollte zu was anderem greifen. Für junge Spieler (am besten im Co-op) ist das Spiel aber auf jeden Fall zu empfehlen.

NB@11.10.2018