Da mein letztes reinrassiges Retro-Review schon eine Weile her ist habe ich eine alte Perle Mal wieder bemüht „Splatterhouse“! – Und nein ich spreche dabei nicht über das Remake von 2010 auf PS3 und Xbox360, sondern über die klassischen Teile der Reihe, und konkret „Splatterhouse 2“ für den Mega Drive. – Ein Spiel, dass eindrucksvoll gezeigt hat, dass es sich beim Mega Drive um die erwachsenere Konsole handelt. Hier ging es nicht um familienfreundliche Klempner oder knuffige rosa Kugelwesen, sondern hier spritzt das Blut, hier werden Körperteile abgerissen und so ist das Spiel eindeutig in einer komplett anderen Kategorie einzusortieren. – Oder so hat man zumindest das Spiel für die Vermarktung der Sega-Konsole im Vergleich zur Konkurrenz benutzt.

Auch wenn Nintendo heute recht freigiebig mit den Veröffentlichungen auf ihrer Konsole ist, wie man jüngst am Beispiel von „Dead or Alive Xtreme 3: Scarlet“, der erweiterten Neuauflage von „Dead or Alive Xtreme 3: Fortune“ sieht, die auf Sony’s PS4 nur zensiert, aber auf der Switch ohne Eingriffe veröffentlicht wurde, hätte das Spiel mit seiner expliziten, wenn auch unglaubwürdigen und total überzogenen Darstellung von Gewalt, wahrscheinlich keine Chance auf dem SNES gehabt…

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Obwohl das Original, da es auf dem TurboGrafx16 erschien ist und daher erst Jahre später seinen Weg in meine Sammlung finden sollte, gibt es die Teile 2 und 3 exklusiv auf Sega’s 16-Bit-Konsole und besonders der zweite Teil, über den ich euch berichten möchte, begleitete mich seit den frühen 90ern. Das von Namco herausgebrachte und von Now Production entwickelte Sequel aus dem Jahr 1992 hob sich bewusst von der Masse ab und zog mich daher gleich in seinen Bann. Das fing schon beim Cover des Spiels an, denn darauf sieht man einen muskulösen Mann mit Hockeymaske, der sich mit einem Metallrohr allerlei Monstern entgegenstellt. Und wo normale Menschen wahrscheinlich Angst hätte schaut er nur grimmig und entschlossen, während er mit dem Metallrohr, an dem bereits Blut klebt, ausholt… Wo die Cover andere Spiele oft wenig oder gar nichts mit dem Spiel zu tun haben, bringt dieses das recht simple und arcadige Spielprinzip auf den Punkt: Es geht darum Monster platt zu hauen!

Für alle, wie mich, den Erstling nicht gespielt hatte gibt es eine kurze Einführung, die aber im Grunde nicht wirklich notwendig ist, da die Spiele der damaligen Zeit in den meisten Fällen sowieso nur den Hauch einer Story zum Selbstzweck hat: Unser Protagonist Rick wird von der „Terrormaske“ aufgefordert, dass er seine Freundin mit Hilfe der Maske retten kann und dafür nur zurück zum Schauplatz des ersten Spiels gehen muss. Mehr gibt es im Grunde nicht, denn gesagt, getan setzt Rick die Maske auf und wird dadurch zum muskulösen Rächer mit übernatürlichen Kräften, der sich auf den Weg zurück macht. Auf seinem Weg durchläuft er insgesamt 8 unterschiedliche Levels, von den Ruinen des Hauses aus dem ersten Teil, über Sümpfe, Kerker bis hin zu einem Schlachthaus, Labors und Abwasserkanälen führen, wobei pro Level auch unterschiedliche Areale ineinander über gehen können. Vom Umfang her mag das erst nicht weiter spektakulär klingen, doch hier kommt der Arcade-Charakter des Spiels zum Tragen, denn das Spiel ist alles andere als leicht. Die Levels werden von allerlei Dämonen und Monstern bevölkert und obendrauf gibt es noch (teilweise ziemlich eklige) Bosse und Zwischenbisse, die sich uns in den Weg stellen und Rick von seiner Mission abhalten wollen. Die Levels wie die Gegner sind dabei sehr abwechslungsreich und bemühen unzählige Horror-Klischees von „Tanz der Teufel“ über „Basket Case“ bis hin zu Klassikern wie „Frankenstein“, auch wenn der verrückte Wissenschaftler hier nicht Dr. Frankenstein, sondern Dr. Mueller heißt, denn anscheinend sind alle verrückten Wissenschaftler Deutsche, was wir jetzt einfach mal so stehen lassen….

Vom Gameplay präsentiert sich das Spiel, analog zum ersten Teil, als 2D-Sidescroller mit Jump n Run- und Brawler-Elementen. Wir bewegen unsere Spielfigur von in der Regel von links nach rechts durch das Level, bekämpfen auf unserem Weg alles, was sich uns in den Weg stellt, besiegen am Ende des Levels einen Boss, der uns den Weg ins nächste Level versperrt. Zwar verfügt Rick durch die Maske über übermenschliche Kräfte, dennoch sind seinen Faust- und Trittangriffe, die er auf Knopfdruck ausführt nicht so effektiv, wie die Waffen, die er in den Levels aufsammeln kann. Diese reichen dabei von Dachlatten, über Metallrohe bis hin zur Schrotflinte.

Grafisch wartet das Spiel mit allerlei Ekeleffekten auf und liefert aber auch sonst einen guten Detailgrad. Gerade im Vergleich zu anderen Spielen ist die Farbpalette erwartungsgemäß dunkler und sorgt für eine gruselige Grundstimmung. Die Animationen sind dabei ziemlich explizit und untermalen die over-the-Top-Gesamtausrichtung des Spieles, denn so landen besiegte Gegner als Haufen Matsch an den Wänden und blinken nicht einfach oder lösen sich auf. Einzig bei den Plattformer-Sektionen hätte man etwas mehr mit der Grafik arbeiten können, damit man besser sieht wo man hintreten kann und wo nicht, denn das ein oder andere Ableben ging beim Spielen auf die Kappe dieses Designfehlers. Anders verhält es sich aber mit der Musik, die zwar minimalistisch daherkommt, aber dafür umso mehr Stimmung aufbaut.

Wer das Spiel und auch die beiden anderen Teile heute nochmal erleben möchte, ohne dafür hunderte Euro auszugeben, da die Spiele mittlerweile sehr selten geworden sind, dem sei übrigens das Remake von 2010 zu empfehlen, dass die Stimmung der Originale gut einfängt und die drei klassischen Teile als freispielbares Extra enthält. Ich kenne sogar ein paar Leute, die sich allein deswegen das Remake gekauft habe, denn auch wenn ich das Remake bereits mehrfach auf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden durchgespielt habe, sind die alten Teile meiner Meinung spaßiger und kurzweiliger. Ich hatte auch knapp 27 nach dem ursprünglichen Release des Spiels immer noch eine Menge Spaß damit und kann es jedem Horror- und Splatterfans ans Herz legen, der sich auch von schweren Spielen nicht abschrecken lässt. Hier macht eindeutig Übung den Meister…

NB@07.05.2019

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