Als der Disney-Zeichentrickfilm Die Schöne und das Biest im Jahr 1991 die Kinoleinwände eroberte, war es nur eine Frage der Zeit, bis die große Liebe zwischen der klugen Belle und dem grimmigen Biest auch in digitaler Form nacherzählt werden würde. Etwas über ein Jahr später, Anfang des Jahres 1993, veröffentlichte Sunsoft nicht eins, sondern gleich zwei Spiele mit der erfolgreichen Lizenz auf dem Sega Mega Drive. Doch warum zwei Spiele? – Sunsoft entschied sich jedem der beiden Protagonisten ein eigens Spiel zu widmen und den Film aus der jeweiligen Perspektive zu erzählen. In „Belle’s Quest“ spielt man daher ausschließlich Belle und in „Roar of the Beast“ das titelgebende Biest. Ich habe mir für dieses Review die Biest-Version angesehen, die damals den Ruf hatte, die Version für Jungs zu sein. Die Frage ist nur, ob das Spiel an den hohen Standard anderer Disney-Spiele, wie beispielsweise „Aladdin“, sowohl auf dem Mega Drive, aber auch auf dem SNES herausragende Spiele, herankommt oder eher in die Schublade Lizenzgurken fällt…

Wie bei den meisten Lizenzspielen der damaligen Zeit handelt es sich um ein Side-Scrolling-Abenteuer, das versucht, die märchenhafte Atmosphäre des Films mit klassischen Plattform-Elementen zu kombinieren. Im Mittelpunkt des Spiels steht das Biest, dessen düstere Schlosswelt durch eine Vielzahl von Gegnern und Hindernissen bedroht wird. Die Geschichte orientiert sich grob an der Filmvorlage, nimmt sich jedoch gewisse Freiheiten, indem sie stärker auf Action setzt als auf emotionale Tiefe. Während Belle zwar eine Rolle spielt, dreht sich das Gameplay fast ausschließlich um das Biest, das sich durch verschiedene Schauplätze seines verwunschenen Schlosses kämpfen muss.

Bekannte Figuren wie Lumière, Von Unruh und Mme Pottine tauchen zwar auf, bleiben aber eher Randerscheinungen. Stattdessen stehen mystische Kreaturen, verwunschene Objekte und düstere Schlosskulissen im Mittelpunkt. Der Konflikt zwischen der menschlichen Seite des Biests und seiner animalischen Wut wird dabei nur angedeutet, bleibt aber ein stimmungsgebender Unterton im Spiel. Man fühlt sich unweigerlich an ähnliche Film nahe Umsetzungen erinnert, wobei „Roar of the Beast“ einen deutlich dunkleren und bedächtigeren Ton anschlägt und gleichzeitig auch anspruchsvoller ist.

Spielerisch präsentiert sich „Beauty and the Beast: Roar of the Beast“ als klassischer 2D-Plattformer mit Fokus auf Nahkampfangriffe, Erkundung und einfache Puzzle-Elemente. Man steuert das Biest durch acht thematisch unterschiedliche Level, darunter der düstere Schlossgarten, das Bibliothekszimmer und der Ballsaal. Gekämpft wird mit Prankenhieben und Brüll-Angriffen, wobei letztere eher selten zum Einsatz kommen. Die Steuerung ist grundsätzlich solide, jedoch etwas träge – das Biest bewegt sich mit spürbarer Masse, was zur Figur passt, aber das Gameplay streckenweise zäh wirken lässt. Im Vergleich zu Genre-Perlen wie „Lion King“ oder „Castle of Illusion“ fehlt es dem Spiel an Dynamik und flüssigem Leveldesign.

Viele Abschnitte sind absolut linear und manchmal überraschend leer. Zudem ist der Schwierigkeitsgrad unausgewogen: Einige Level sind kinderleicht, während andere mit plötzlichen Gegnerwellen oder schlecht platzierten Plattformen frustrieren können. Unverständlicherweise sind die schwereren Levels am Anfang des Spiels und gegen Ende wird es spürbar leichter. So ist es im ersten Level, als Tiere aus dem Wald ins Schloss eindringen, eine Szene, die im Film gar nicht vorkommt, eine wahre Geduldsprobe das Ende zu erreichen, hingehen das vorletzte Level, wenn die Dorfbewohner das Biest holen wollen, gerade zu Lachhaft leicht ist. In diesem Zusammenhang sollte man bedenken, dass Spiele sich damals eigentlich ausschließlich an ein jüngeres Publikum richteten und Frust mit diesen merkwürdigen Spitzen in der Schwierigkeit vorprogrammiert war.

Optisch ist das Spiel ohne Frage eines der stimmungsvolleren Disney-Spiele auf dem Mega Drive. Die grafische Präsentation setzt auf große Sprites und detaillierte Hintergründe, die die gotische Atmosphäre des Schlosses gut einfangen. Die Farbauswahl ist gedeckt, manchmal fast zu düster, was zwar zur Thematik passt, aber auf Dauer etwas monoton wirkt. Animationen sind flüssig, wenngleich nicht auf dem Niveau von Virgin Interactives „Aladdin“. Besonders lobenswert ist jedoch die Gestaltung der Bossgegner – von riesigen Fledermäusen bis zu mechanischen Rüstungen wird viel visuelle Abwechslung geboten. Der Soundtrack orientiert sich an den Melodien des Films, ist jedoch technisch bedingt stark vereinfacht.

Sunsoft, bekannt durch herausragende NES-Titel wie „Batman“ oder „Blaster Master“, war in den frühen 90ern ein häufiger Name, wenn es um Lizenzspiele ging. Die Entwicklung von „Roar of the Beast“ fällt in eine Phase, in der viele Filmumsetzungen ihren Weg auf Heimkonsolen fanden – nicht selten mit schwankender Qualität. Während sich Sunsoft redlich bemüht, dem Disney-Flair gerecht zu werden, merkt man dem Spiel eine gewisse Eile an. Vermutlich stand die Deadline zur Veröffentlichung nahe des Films im Vordergrund, was sich in einigen unfertigen Mechaniken und der nicht immer ausbalancierten Levelstruktur zeigt. Dennoch ist „Roar of the Beast“ im Kontext seiner Zeit ein solides Produkt, das sich zwischen pädagogischem Anspruch eine konsistente Geschichte zu erzählen und Action-Gameplay bewegt.

Insgesamt lässt sich daher sagen, dass „Beauty and the Beast: Roar of the Beast“ ein charmantes, wenn auch nicht überragendes Lizenzspiel ist, das vor allem Fans des Films ansprechen dürfte. Wer als Kind den Film geliebt hat und das Biest nicht nur als tragische Figur, sondern auch als Helden erleben möchte, findet hier eine nostalgische Reise in 16-Bit-Form. Spielerisch mögen heutige Titel raffinierter sein, doch das Spiel bewahrt einen rauen Charme, der sich besonders durch seine visuelle Gestaltung und die Atmosphäre auszeichnet. Es gibt zwar durchaus bessere Lizenzspiele, man ist dennoch meilenweit entfernt von Stigma der Lizenzgurke und kann mit dem Spiel durchaus ein paar Stunden Spaß haben. Film- und insbesondere Retro-Fans bietet sich ein Blick in dieses eher unbekannte Kapitel der Disney-Gaming-Geschichte definitiv an.

Entwickler: Sunsoft

Publisher: Sunsoft

Erhältlich auf: Sega Mega Drive

Getestet auf: Sega Mega Drive

NB@12.06.2025

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