„Disney’s Aladdin“ für den Sega Mega Drive war ein tolles Spiel. Es hatte damals bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1993 überall mit Bestwertungen abgeschnitten und hat eindrucksvoll präsentiert wie viel vom Film die Videospiele doch beinhalten können. Ich habe das Spiel zu Weihnachten bekommen und mein Bruder und ich waren so begeistert, dass wir die ganze Nacht das Spiel gespielt haben. In den Wochen und Monaten die folgten war das Spiel nicht mehr aus dem Mega Drive wegzudenken, was nur zum einen dadurch begründet war, dass man nicht so viele Spiele zur Auswahl, wie heute hat. Denn der zweite Punkt ist der viel größere: Das Spiel war einfach zu toll und bot zwar eine nicht unerhebliche Herausforderung, ließ sich aber meistern. Ich habe es schon unzählige Male durchgespielt und habe es in sehr guter Erinnerung. Doch wie hat sich das Spiel bis heute gehalten? Weiß es immer noch zu begeistern oder ist meine Erinnerung getrübt?

Generell haben Lizenzspiele nicht so den allerbesten Ruf und ich muss zugeben, dass das in den meisten Fällen durchaus begründet ist, auch wenn ich doch immer wieder ein Herz dafür habe. Es gibt ein paar unglaublich-schlechte Lizenzgurken, die einzig und allein herausgebracht wurden, um durch die Popularität des Films Einnahmen zu generieren. „Last Action Hero“ war so ein grauenhaftes Beispiel. Doch besonders Disney hat eigentlich immer ein Auge auf die Qualität der Spiele gehabt, die mit Ihrer Lizenz gearbeitet haben. Wie verhält es sich also mit Aladdin?

Das Spiel wurde exklusiv für Sega von Virgin Interactive entwickelt. Es gab zwar auch ein gleichnamiges Spiel auf dem Super Nintendo, das allerdings von Capcom entwickelt wurde und grafisch, spielerisch oder kommerziell nicht mit der Sega-Veröffentlichung mithalten könnte. Der Mega Drive befand sich zu dieser Zeit bereits in seinen Endzügen, die Sega zwar durch die Einführung der Add-Ons Mega-CD und 32X versuchte künstlich zu verlängern, aber kurze Zeit später aufgab, denn bereits 1994 wurde der Saturn herausgebracht. Aber es gibt auch positive Effekte, wenn Spiele gegen Ende einer Konsole erscheinen: Die Entwickler haben bereits einige Jahre an Erfahrung mit den Plattformen und kenn dann auch Mittel und Wege alles aus den Konsolen herauszuholen. Ähnlich war es auch mit dem Umstieg von PS3 auf PS4 und zum Beispiel den Spielen „The Last of Us“ oder „Beyond: Two Souls“. Auch wenn beide Spiele in der Zwischenzeit auch für die PS4 remastered wurden, so sahen sie auch schon auf der PS3 einfach nur grandios aus und lassen sich kaum mit einigen der frühen Titel für die Konsole vergleichen. So war es auch mit Aladdin, denn das was die Entwickler hier an Animationen und Abwechslung auf den Bildschirm packten lässt sich mit anderen früheren Titeln vergleichen…

Zur Geschichte muss man wahrscheinlich gar keine Worte mehr verlieren, weswegen ich mich auf einen kurzen Abriss beschränke: Der mittellose Straßenjunge Aladdin verliebt sich Hals über Kopf in Jasmin, die Tochter des Sultans, rechnet sich aber auf Grund seiner Herkunft keine Chancen aus. Diesen Sachverhalt macht sich der böse Großvisier Jafar zur Nutze, indem er ihn anheuert ihm eine Wunderlampe aus einer verwunschenen Höhle zu stehlen. Allerdings kommt es anders als Jafar sich das vorgestellt hat und der Dschinn aus der Wunderlampe dient von dort an Aladdin, der seine Wünsche dafür einsetzt, um sich zum Prinz zu machen, damit er um Jasmin werben kann. Das gefällt Jafar allerdings gar nicht, denn im Grunde möchte dieser die gesamte Sultans-Familie loswerden, um selbst regieren zu können…

Das Spiel ist, wie damals im Grunde üblich, ein 2D-Plattformer mit Actionelementen. Wir steuern Aladdin, der mit einem Säbel als Nahkampfwaffe und Äpfel als Fernwaffe im Gepäck. Beides kann er auf wirklich gebrauchen, denn ihm wollen nicht nur diverse Wachen, sondern auch tierische Gegner an den Kragen. Im späteren Spielverlauf gesellen sich zu diesen Standardgegnern auch noch diverse phantastische Gegner dazu. Die Level sind dabei aus dem Film entliehen und liefen sehr viel Abwechslung. Wir beginnen in den Straßen von Agrabah und die Wüste, bis es uns über den Umweg durch das Gefängnis in die Wunderhöhle verschlägt. Danach lernen wir den Dschinn, genannt Dschinni kennen, der uns in ein sehr surreales Level innerhalb seiner Lampe mitnimmt. Weitere Levels sind noch die Dächer der Stadt und auch unterschiedliche Versionen des Palastes. Insgesamt gibt es zehn unterschiedliche Levels im Spiel, von denen die meisten auch mit Bosskämpfen aus dem Film, oder inspiriert vom Film aufwarten. Obendrauf gibt es noch ein paar Bonuslevel, die eine arcadige Geschicklichkeitsübung darstellen, mit der man Power-Ups und zustzliche Leben erspielen kann.

Die Animationen und die Hintergrundgrafiken wurden in Zusammenarbeit mit Disney erstellt, die den Entwicklern uneingeschränkten Zugriff auf die Animationen, Hintergründe und Konzeptzeichnungen des Films gaben. Und das sieht man eindeutig, denn die kleinen Details, die eine Zeichentrickfigur lebhaft erscheinen lassen, sind hier auch vorhanden. Es verändern sich die Gesichtsanimationen, es bewegen sich Haare und  Kleidungsstücke bei Wind und es gibt subtile Zusatzanimationen, die zwar unnötig sind, aber das Gesamtbild noch schöner erscheinen lassen. Zum Beispiel das verzerrte Gesicht eines Kamels, wenn wir auf den Höcker springen, oder die schmerzverzerrte Springen auf Zehenspitzen, wenn die Wachen auf heiße Kohlen treten. All diese Elemente sind im Film vorhanden und haben in mühevoller Kleinstarbeit ihren Weg in das Spiel gefunden. Das talentierte Team um einen bis dahin noch recht unbekannten David Perry sollte dann später diese Liebe zum Detail und ihre abgedrehten Ideen in Earthworm Jim weiterentwickeln.

Wo die Grafik und das Gemplay also überzeugen können, reiht sich die Musik ebenfalls ein. Hier bekommt man liebevoll aufgearbeitete Chiptune-Versionen der bekannten Songs aus dem Kinofilm präsentiert. Der wiedererkennungswert ist riesig und die Umsetzung ist top. Der Soundchip des Mega Drive wird immer etwas belächelt, aber Aladdin ist ein Paradebeispiel, dass er viel besser ist, als sein Ruf.

Allerdings gibt es auch einen Kritikpunkt, den ich am Spiel habe und das sind die Cutscenes zwischen den Levels. Oder eher das Fehlen von Cutscenes, denn wir bekommen lediglich ein paar Bilder und eine Menge an scrollendem Text gezeigt, der uns eine Überleitung von einem bis zum anderen Level erleichtern soll (wahrscheinlich falls man den Film nicht kennt). Zwar ist das schon eine meilenweite Steigerung in Sachen Cutscenes oder Storytelling im Allgemeinen im Vergleich zum NES, wo man die Story gewöhnlicher Weise NUR in der Anleitung fand, aber ein paar kleine Animationen wäre dabei echt nicht schlecht gewesen. Das hätte man zwar mit der Mega-CD-Version, die allerdings nie fertiggestellt wurde, behoben, in dem man dort FMV-Sequenzen eingefügt hätte, aber ein klein bisschen mehr hätte man sich doch auch für die Mega Drive-Version einfallen lassen können.

Insgesamt macht das Spiel auch heute noch immens viel Spaß und ist in sogar und erwartet schwierig. Habe ich es früher mit etwas Training durchspielen können, ohne auch nur ein Leben zu verlieren, hat es mir heute doch etwas mehr Probleme bereitet. Besonders das Level in der man in rasender Geschwindelt auf dem fliegenden Teppich aus einer zusammenstürzenden Wunderhöhle entkommen muss erfordert blitzschnelle Reflexe (oder ein gewisses Maß an Auswendiglernen). Aber auch wenn das für den Moment etwas frustig sein kann, siegt dennoch der Spielspaß. Wer noch einen Mega Drive zu Hause hat für den ist das Spiel im Grunde ein Pflichtkauf. Umso schöner, dass es immer noch wirklich günstig auf eBay und Konsorten zu bekommen. Ein komplettes Exemplar mit Hülle und Anleitung hat mich gerade mal 6 Euro mit Porto gekostet. Bei so einem Preis kann man nichts falsch machen.

NB@18.10.2018