Eigentlich wollte ich zur Erholung von meinem letzten Throwback Thursday mit dem echt schlechten „Cutthroat Island“ diese Woche keinen Lizenztitel besprechen, doch wie so oft ergeben sich manchmal äußere Impulse, die uns dann doch umschwenken lassen. Dieses Mal hat mein Review maßgeblich die für mich wirklich überraschende Veröffentlichung der „Disney Classic Games: Aladdin & The Lion King“ für PS4, Xbox One, PC und Nintendo Switch zu tun, denn bislang hatte ich zwar über „Aladdin“, aber noch nicht über „The Lion King“, bzw. hierzulande „König der Löwen“ berichtet. Allerdings nehme ich mir dazu nicht die Wiederveröffentlichung innerhalb der Sammlung vor, sondern erst einmal das Originalspiel auf dem Modul für den Sega Mega Drive. Die Collection besitze ich bislang noch nicht und werde ein Review nachreichen, wenn ich sie mir zugelegt habe.

Das Spiel zum gleichnamigen Film von Disney erschien 1994 und versuchte sowohl von der Popularität des Films zur profitieren, wie auch an den Erfolg von „Aladdin“, was einer erfolgreichsten Titel für Sega’s 16Bit-Konsole war, anzuknüpfen. Dieses Mal wurde das Spiel allerdings nicht von Virgin Interactive entwickelt, sondern von Westwood Studios als Produktion von Virgin Interactive in Zusammenarbeit mit Disney Studios erstellt und letztendlich von Virgin gepublished. Und da Sega dieses Mal nicht in der Produktion involviert war es einer der wenigen Multiplattformtitel der damaligen Zeit und wurde in fast identischer Form auf Mega Drive und SNES, sowie mit (abgespeckten) Portierungen auch auf dem Amiga, dem NES und auf dem Gameboy veröffentlicht. Ob die Rechnung dabei aufging und wie sich das Spiel bis heute gehalten hat wollen wir in diesem Review gemeinsam erörtern.

Als Kind war das Spiel eines meiner Lieblingsspiele auf der Konsole, was natürlich auch damit zusammenhängen kann, dass ich den Film wirklich sehr mag. Und für Fans des Films bietet das Spiel einiges, denn nicht nur orientiert sich die Handlung sehr nah an der Vorlage, sondern es wurden, wie schon bei „Aladdin“ die Zeichner von Disney zur Unterstützung bei den Animationen zu Rate gezogen. Zusätzlich verfügt das Spiel über einige Voice-Samples aus dem Film, die an bestimmten Stellen als Zwischensequenz die Geschichte transportieren, denn von klassischem Text zur Vermittlung des Kontextes hat man sich verabschiedet. Dabei sind die Sprachsamples und Zwischensequenzen für die damalige Zeit wirklich gelungen, obgleich sie die Geschichte mehr schlecht als recht transportieren und diese im Grunde mehr Fanservice als Vermittlung von Kontext sind. Wenn man den Film nicht gesehen hat wird es wahrscheinlich schwer der Handlung zu folgen, auch wenn ich nicht glaube, dass jemand der den Film nicht kennt zum Spiel greifen würde.

Da ich davon ausgehe, dass es niemanden mehr gibt, der den Film, sei es in seiner Originalfassung oder im aktuellen Live-Action-Remake, noch nicht gesehen hat, gehe ich nur kurz auf die Geschichte ein und werde mich dabei auch nicht mit spoilern zurückhalten, die für das Verständnis notwendig sind. Wenn ihr also bisher keine Fassung des Films kennt und diesen in Zukunft aber noch unvoreingenommen sehen wollt, lest besser nicht weiter. – Wie beim Film ist die Hauptfigur der junge Löwe Simba, der Thronfolger in der Herrschaft über Pride Rock und das umliegende Land, angesiedelt an einem Wasserloch in der afrikanischen Savanne. Simba ist am Anfang des Films nur bedingt liebenswert, denn er ist etwas eingebildet, überheblich und setzt sich nur zu gerne über Vorgaben hinweg. Auch wenn das sein Vater Mufasa nicht gutheißt, war es jedoch als Junge sehr ähnlich, was Simba’s Onkel Scar besonders übel aufstößt. Scar beschließt daher, dass er Simba und am besten gleich Mufasa loswerden muss, um selbst zu regieren. Er strickt mit seinen Unterstützern, den Hyänen einen Plan Simba als Köder zu verwenden und so auch Mufasa in eine tödliche Falle zu locken, was ihm größtenteils auch gelingt, wenn da nicht eine kleine Abweichung wäre. Diese ist Simba, der zwar überlebt, aber denkt, dass er für den Tod seines Vaters verantwortlich ist, was dazu führt, dass Simba davonläuft und vor hat nie wieder zurückzukehren. Doch Jahre später, wenn Simba erwachsen ist, ruft ihn das Schicksal, um der Terrorherrschaft seines Onkels ein Ende zu bereiten und seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron einzunehmen, wodurch ein Kampf auf Leben und Tod beginnt…

Das Spiel orientiert sich dabei sehr stark an der Handlung des Filmes und interpretiert in insgesamt 10 Levels markante Szenen, wie den Elefantenfriedhof, das Exil-Reich mit Timon und Pumba, den Kampf um Pride Rock, oder auch die wahrscheinlich dramatischste Szene mit der Stampede für das Spiel. Besonders die letzterwähnte sticht dabei heraus, da es sich um eine selbstscrollende Verfolgungsszene in 3D handelt, die von einem technischen Standpunkt vorher als unmöglich umzusetzen galt. Die anderen Levels verlaufen im Gegensatz eher auf dem Niveau der Konsolen und sind klassischen Sidescroller-Areale mit vielen teilweise sehr anspruchsvollen Sprungpassagen und Gegner unterschiedlichster Art. Untermalt wird jedes Level von einem sympathischen Chiptune, das Songs aus dem Film, die jeweils zur Szene passt, die im Level als Vorlage diente, aufgreift. So bekommen wir bereits im zweiten Level, das auf der Szene im Film, als Simba darüber singt, dass er umgehend König sein möchte, eine überaus gelungene Chiptune-Version des entsprechenden Songs präsentiert und dürfen uns mit samt der abgedrehten Farbeneffekte während dem Song durch einige wirklich interessante Geschicklichkeitspassagen kämpfen. Im Gegensatz zu „Aladdin“ muss man aber auf jeden Fall erwähnen, dass sowohl die Gegnervariation in den Levels, wie auch die Levellänge seht unterschiedlich ausfällt und sich stellenweise nicht ganz aus einem Guss anfühlt. So bekämpfen wir zum Beispiel bereits im ersten Level eine der Hyänen als Boss, obwohl nahezu alle anderen Levels ohne Boss auskommen. Das bereits erwähnte 2. Level ist im Grunde nur ein Hindernisparcours, dann gibt es das Verfolgungslevel mit der Stampede und dann die normalen Levels wo man den Ausgang des Levels erreichen muss, um es zu beenden. Das soll ich keiner Weise heißen, dass die Levels an sich nicht Spaß machen oder nicht zur Vorlage passen, aber wenn man nicht den gleichen Charakter spielen würde und nicht die gleichen Gegner auftreten würden. Da wir Simba sowohl als Kind, wie auch als ausgewachsenen Löwen spielen gibt den gleichen Charakter mit zwei unterschiedlichen Sprites und unterschiedlichen Fähigkeiten. Der junge Simba kann rennen, springen, brüllen um kleine Gegner kurzzeitig zu lähmen und damit enden seine Fähigkeiten auch schon. Über einen Angriff verfügt er nur indirekt, wenn man mit ihm auf Gegner draufspringt. Anders sieht das beim erwachsenen Simba aus, denn hier kann er zusätzlich mit unterschiedlichen Combos angreifen, zugeschlagen oder sogar Gegner packen und werfen, was unter anderem beim letzten Endgegner sogar gefordert ist. Ebenso Variantenreich sind die einzelnen Levels. Die Levels sind alle sehr lebendig und farbenfroh gestaltet Abweichungen von dieser Formel, wie der Elefantenfriedhof, sind bewusst getroffen. Die Charakteranimationen sind, durch die Zusammenarbeit mit Disney, von aller erster Güte, obwohl man anmerken muss, dass es weniger Charaktere aus dem Film ins Spiel geschafft haben. Neben Simba gibt es als Sprite lediglich eine der Hyänen, Rafiki, Scar und letztendlich Timon und Pumba, die allerdings nur im Rahmen von versteckten Zusatzlevels auftreten. Aufgefüllt wird das Raster dann mit generischen Gegnern, wie zwei unterschiedlichen Käfern, einem Stachelschweinen, Adlern, Fledermäusen, Affen und Leoparden mit denen man stellenweise zugespamt wird. Hier hätte ich mit meiner heutigen Erfahrung eher Klasse statt Masse vorgezogen.

Was dem Spiel an Umfang fehlt versucht man mit einem ziemlich brachialen Schwierigkeitsgrad und einer etwas zickigen Steuerung wieder wett zu machen. Liefert das erste Level, trotz der Implementierung eines Bosskampfes noch einen sehr moderaten Anstieg der Schwierigkeit, so zeigt das zweite Level als schier unendlicher Hindernisparcours, bei dem fast jeder Fehler zum sofortigen Ableben führt, wo der Hammer hängt und so sind unsere Leben und Continues schnell aufgebraucht, wenn man nicht aufpasst. Und spätere Levels legen mit fiesen Sprungpassagen erst noch nichtig los, denn dabei kommt die verzögerte Steuerung ins Spiel: Wenn wir die Sprungtaste drücken, gibt es eine Verzögerung bis zur Aktion, was man beim Spielen berücksichtigen muss. Heute würde man wahrscheinlich aus diesem Grund Amok laufen und nach Patches verlangen, doch damals haben wir sowas einfach akzeptiert und uns damit abgefunden, was aber zugegebenermaßen auch heute nach einer kurzen Eingewöhnung noch funktioniert. Nach den ersten paar Levels hatte ich die Steuerung wieder komplett verinnerlicht. Bei diesem Punkt bin ich auf jeden Fall mal gespannt, ob es bei der Neuauflage eine Veränderung gibt, denn laut Informationen der Entwickler von Digital Eclipse hat man die Spiele auch in Hinsicht auf solche Unzulänglichkeiten und unter Einbezug der damaligen Entwickler überarbeitet, um so quasi einen Jahrzehnte-überfälligen Day-One-Patch nachzuholen, zumal zusätzlich auch eine Rückspulfunktion den Weg in das Spiel gefunden hat. Ich habe es zwar mit einigen Anläufen auch nochmal geschafft die Originalversion für mein Review durchzuspielen, doch das ist mir zugegebenermaßen um einiges schwerer gefallen, als damals als Jugendlicher, wo ich im Grunde wochenlang nur das eine Spiel gespielt habe.

Insgesamt hatte ich auch heute, knapp 25 Jahre nach dem Release des Spieles noch eine Menge Spaß damit, muss aber auch zugeben, dass das Spiel gerade im Direktvergleich zu dem immer noch wirklich grandiosen „Aladdin“ den Kürzeren zieht. „Der König der Löwen“ geht spielerisch eher auf Nummer sicher und liefert solide Standardkost ab, die stellenweise versucht über Unzulänglichkeiten mit einem hohen Schwierigkeitsgrad hinwegzutäuschen. Gerade in Sachen Abwechslung hat das Spiel schon durch die Implementierung der „Ich will jetzt gleich König sein“-Levels oder auch der technisch beeindruckenden Stampede gezeigt, was möglich ist, hat das aber nicht zu Ende gedacht. So bekommen wir aus unerfindlichem Grund nur im ersten und im letzten Level einen Bosskampf vorgesetzt und kämpfen im letzten Level sogar drei Mal in einem komplett identisch ablaufenden Kampf gegen den bösen Onkel, bis wir die Credits über den Bildschirm flimmern sehen, was damals vielleicht Spannung aufgebaut hat, aber heute für mich eher nervend war. Zwar gibt es viele Spiele, in denen man mehrfach gegen den gleichen Boss kämpft, aber dann ist auch immer etwas neues dabei, um uns als Spieler bei der Stange zu halten und das fehlt hier leider etwas. Versteht mich bitte nicht falsch, es handelt sich immer noch um ein gutes Spiel, aber eben um kein Herausragendes, was auch den allgemeinen Tonus zum Spiel in der Presse von damals wiederspiegelt, wo das Spiel im Schnitt eher mit Wertungen zwischen 70 und 80% angesiedelt war und „Aladdin“ im Vergleich fast ausschließlich > 90%. Es gibt viele schlechtere, aber halt auch bessere Spiele für Sega’s 16Bit-Maschine und ich bin persönlich sehr gespannt, wie das Remaster im Vergleich abschneidet und was dort genau geändert wurde.

NB@07.11.2019

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