Seit den Anfängen der Reihe auf der PS2 war ich ein absoluter Fan von „Mafia„. Das Spiel war zwar etwas rauer als die Genrekollegen von Rockstar, machte das aber mit einer mitreißenden Geschichte und cineastische Inszenierung wett. Mit dem neuesten Teil konzentriert man sich auf die Ursprünge des organisierten Verbrechens zurück und erzählt die Geschichte dort, wo alles begann: in Sizilien, am Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Spiel ist dabei kein klassisches Open-World-Abenteuer wie „Mafia III“, sondern vielmehr ein lineares, narrativ fokussiertes Action-Adventure, das stark auf cineastische Inszenierung, lineares Missionsdesign und dichte Atmosphäre setzt. Die Entscheidung, sich bewusst wieder auf das Erzählerische zu konzentrieren, zeigt klar, dass die Entwickler den Kern dessen in den Vordergrund stellen wollen, was die Serie einst groß gemacht hat.

Die Handlung führt uns ins sizilianische San Celeste – eine fiktive Stadt, die zwischen glühender Sonne, kargen Feldern und engen Kopfsteinpflastergassen ein Abbild der damaligen Realität entwirft. Der junge Enzo Favara wächst in dieser rauen Welt auf, als sogenannter Carusu in den Schwefelminen. Schon zu Beginn des Spiels erlebt man seine Kindheit in bedrückender Enge, das harte Schuften unter Aufsicht brutaler Vorarbeiter und die Trostlosigkeit der Perspektivlosigkeit. Ein tragisches Unglück, das Enzos Freund Gaetano das Leben kostet, führt schließlich zu einem Akt der Rebellion. Getrieben von Zorn und Verzweiflung stürzt sich Enzo in einen Konflikt, der sein Leben für immer verändern wird.

Seine Flucht führt ihn in das Machtgebiet von Don Bernardo Torrisi, einem alten Patriarchen, der den Jungen überraschend nicht nur verschont, sondern in seine Familie aufnimmt. Hier beginnt Enzos Weg in die Welt der Mafia, voller Loyalitäten, Versprechen und moralischer Abgründe. An seiner Seite treten prägende Figuren auf: Luca Trapani, ein loyaler, aber ungestümer Freund, Cesare Massaro, der kühle Stratege innerhalb der Familie, und Isabella Torrisi, Tochter des Don, deren Beziehung zu Enzo zwischen Pflicht, Zuneigung und gesellschaftlichen Zwängen oszilliert. Gemeinsam bilden sie ein Ensemble, das an die besten Mafia-Filme erinnert, von Coppolas „Der Pate“ bis hin zu Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“.

Die Erzählung von „The Old Country“ ist eine Hommage an den klassischen Mafia-Mythos. Es geht weniger um spektakuläre Action, sondern vielmehr um Schicksale, um Ehre und Verrat, um Freundschaft, die unter dem Gewicht von Macht und Gewalt zerbricht. Nostalgie schwingt in jeder Szene mit: das gedämpfte Licht der Gaslaternen, das Schimmern des Meeres bei Sonnenuntergang, die melancholische Musik, die sich mit dem Klang alter sizilianischer Instrumente vermischt. Wer die Atmosphäre von „Mafia I“ liebte, wird hier wieder dieselbe Mischung aus Tragik, Schicksal und Erhabenheit finden – nur diesmal noch intensiver und bodenständiger.

Spielerisch setzt „The Old Country“ auf eine strenge Linearität. Mission reiht sich an Mission, und obwohl man komplett frei durch die Straßen von San Celeste laufen oder auf dem Land reiten kann, bleibt der Ablauf klar vorgegeben. So gaukelt uns das Spiel zwar eine offene Spielwelt vor, es handelt sich aber im Grunde nur um eine Handvoll Setpieces, eingebettet in eine malerische und realistisch anmutende Welt, die im Grunde aber nur eine Verbreiterung des Schlauches darstellt. Das ist jedoch gar nicht schlimm, war es in den ersten beiden Teilen der Reihe auch nicht anders und etliche Ubisoft-Spiele haben uns gezeigt, das größer nicht gleichzusetzen ist, mit besser, wenn die Spielwelt trotz inflationär verwendeten Objektmarkern seelenlos bleibt.

Das Gameplay kombiniert Schleichsequenzen, in denen man als Enzo durch die Schatten alter Herrenhäuser schleichen muss, mit Nahkämpfen, in denen Dolch und Faust regieren, und klassischen Schießereien mit historischen Waffen. Besonders eindrucksvoll sind die Reit- und Fahrsequenzen: Kutschenjagden und die ersten Automobile sorgen für ein unverbrauchtes, historisch geerdetes Spielerlebnis. Die Steuerung wirkt dabei modernisiert und direkt, bleibt aber bewusst schwerfälliger als in anderen Actiontiteln, um dem historischen Setting damit entgegenzukommen. Das Gewicht von Enzos Bewegungen, das Nachladen alter Schrotflinten, das Ausweichen vor einem Messerangriff – all das wurde spürbar inszeniert, um das Gefühl von Bodenständigkeit und Gefahr zu verstärken.

Anders als bei „echten“ Open World-Spielen gibt es nur eine Handvoll Sammelobjekte, keine überfrachteten Nebenmissionen, keine Füller – stattdessen ein kontinuierlicher Erzählfluss. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich variabel anpassen: Auf „klassisch“ ist Munition knapp, Schüsse tödlich und Gegner zäh, auf niedrigeren Stufen wirkt das Spiel fast wie ein interaktiver Film, aber fast schon etwas zu leicht. Für ein authentisches Erlebnis sollte man daher direkt mit einem der höheren Schwierigkeiten einsteigen. So wird sowohl Kennern der Serie als auch Neulingen ein Zugang ermöglicht.

Leveldesign und Rhythmus folgen dabei klaren dramaturgischen Bögen. Auf ruhige, erzählerische Sequenzen folgen explosive Höhepunkte: ein Scharmützel in einer Mine, eine Verfolgungsjagd durch Olivenhaine, ein Attentat während eines Dorffestes. Diese Wechsel aus Spannung und Ruhe erzeugen eine packende Dynamik, die über die gesamte Spielzeit hinweg trägt.

Leicht kritisch muss man allerdings zumindest erwähnen, dass manche Stealth-Passagen nicht ganz so ausgereift wirken. So findet man sich trotz unentdeckt geblieben zu sein, plötzlich im Feuergefecht, weil es die Dramaturgie so vorgibt. Die Gegner-KI verhält sich stellenweise unlogisch, und Wiederholungen können den Spielfluss stören. Hier hätte ich mir mehr Dynamik und Möglichkeiten erhofft, die das Spiel nicht immer berücksichtigt. Nichts desto trotz bietet das Spiel aber Abseits davon ein mehr als solides und traditionelles Fundament,  das besonders durch seine filmische Präsentation gewinnt.

Technisch spielt „The Old Country“ seine Karten gekonnt aus. Mit der Unreal Engine 5 erstrahlen die Landschaften Siziliens in beinahe malerischer Schönheit. Staub weht über trockene Felder, der Schatten einer verfallenen Kapelle fällt realistisch auf die Pflastersteine, und die Gesichter der Charaktere sind von einer Feinheit, die Emotionen unmittelbar transportiert. Besonders beeindruckend ist die Beleuchtung: Sonnenuntergänge, die ganze Szenen in goldene Töne tauchen, oder nächtliche Gassen, die nur von schwankenden Laternen erhellt werden, machen deutlich, wie sehr Atmosphäre im Mittelpunkt steht. Auf der PS5 läuft das Spiel stabil in 60 fps bei 4K-Auflösung, wobei die HDR-Darstellung für zusätzliche Tiefe sorgt. Auf dem PC berichten einige Spieler zwar von Optimierungsproblemen, insgesamt überzeugt die Präsentation jedoch auf allen Plattformen.

Die musikalische Untermalung ist ein weiteres Highlight. Der Soundtrack stammt von BT, dessen Kompositionen von einem tschechischen Sinfonieorchester eingespielt wurden. Diese Verbindung aus modernen Arrangements und klassischer Instrumentierung erzeugt eine emotionale Tiefe, die sich nahtlos in die Handlung fügt. Streicher begleiten tragische Momente, düstere Bläser betonen Bedrohung, während traditionelle sizilianische Klänge Szenen des Alltags färben. Besonders die Sprachoptionen unterstreichen die Authentizität: Neben den gängigen Lokalisierungen gibt es eine spezielle sizilianische Fassung, die zwar nicht italienisch ersetzt, dafür aber ein noch immersiveres Erlebnis schafft.

Entwickelt wurde das Spiel von Hangar 13, unterstützt vom italienischen Studio Stormind Games, um die kulturelle Authentizität sicherzustellen. Für Hangar 13 war dieses Projekt nicht nur ein neuer Teil, sondern auch eine Gelegenheit, sich nach der eher gemischten Aufnahme von „Mafia III“ wieder zu beweisen. Zwar hatte man schon mit dem Remake des ersten Teils unter Beweis gestellt, das man technisch versiert ist, jedoch ein komplett neues Abenteuer, quasi ohne „Stützräder“, stand noch aus. Die Entscheidung, mit einem Prequel zurückzukehren, das den Kern der Serie – eine starke, tragische Geschichte – in den Mittelpunkt stellt, war daher absolut folgerichtig und klug.

Am Ende bleibt die Frage nach dem Gesamteindruck. „Mafia: The Old Country“ ist kein gigantisches Blockbuster-Spiel, das hunderte Stunden Spielzeit beansprucht. Mit rund zwölf Stunden ist die Geschichte vergleichsweise kurz, dafür aber umso dichter erzählt. Wer ein Abenteuer sucht, das weniger durch spielerische Vielfalt als vielmehr durch Atmosphäre, Emotion und filmische Qualität besticht, wird hier ein kleines Meisterwerk finden. Die Inszenierung, die Schauspielkunst der Charaktere, die detailverliebte Gestaltung der Welt – all das macht das Spiel zu einem Erlebnis, das in Erinnerung bleibt. Sicher, manche mechanischen Schwächen und technische Stolperer trüben den Gesamteindruck, doch sie schmälern nicht die erzählerische Wucht. Wer offene Welten, endlose Missionen oder Sammelaufgaben erwartet, wird hier enttäuscht sein. Wer jedoch bereit ist, sich auf ein intensives, in sich geschlossenes Drama einzulassen, der wird mit „The Old Country“ ein Spiel finden, das den Geist der Reihe neu belebt und gleichzeitig etwas Eigenes hinzufügt. Es ist eine Einladung, sich von der Vergangenheit einholen zu lassen – und vielleicht auch ein Vorgeschmack auf die Zukunft der Serie?

Entwickler: Hangar 13

Publisher: 2K Games

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X

Getestet auf: PS5

NB@15.10.2025

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