Es war fast nicht mehr zu glauben, dass wir jemals wieder mit einem Katana durch die Straßen Tokios wirbeln würden. Nach über dreizehn Jahren Funkstille bringt Team NINJA zusammen mit PlatinumGames endlich „Ninja Gaiden 4“ heraus – die Frage ist allerdings ob, sich das Warten gelohnt hat, oder ob man besser auf „Ninja Gaiden Sigma 4“ oder „Ninja Gaiden 4 Black“ warten sollte, da es sich mittlerweile bei der Reihe etabliert hat, dass kurze Zeit später immer eine erweiterte und verbesserte Version eines Spiels erschienen ist. Oder hat man vielleicht die extra Entwicklungszeit insofern genutzt, um sich von mehrfach-Veröffentlichungen des per se gleichen Spiels zu verabschieden?

(c) Team NINJA, Platinum Games, Xbox Game Studios

Schon in den ersten Minuten wird klar: Diese Rückkehr ist kein reiner Nostalgie-Cashgrab, sondern ein kompromissloser, wilder Tanz auf der Schneide zwischen Moderne und Tradition. Das Genre ist klar definiert – Action-Adventure trifft auf kompromissloses Hack-and-Slash – und selten wurde das so pur, so intensiv, so entschlossen durchgezogen. Die Geschichte setzt Jahre nach den Ereignissen von „Ninja Gaiden 3“ an, auch wenn auf die vorherigen Teile nicht wirklich eingegangen wird, bzw. vieles als Allgemeinwissen vorausgesetzt wird, was durchaus zu Verwirrungen führen könnte, wenn man die vorherigen Teile gar nicht, oder auch zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung gespielt hat.

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Tokio ist in der alternativen Realität des Spiels nicht mehr die leuchtende Metropole, die wir kannten. Eine düstere Energie hat sich über die Stadt gelegt, Dämonen und abtrünnige Ninja-Krieger ziehen durch die Straßen, und die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen. Der neue Protagonist Yakumo, ein junger Ninja des Raben-Clans, tritt in die gewaltigen Fußstapfen von Ryu Hayabusa, dem legendären Helden der Vorgänger. Yakumo trägt nicht nur das Vermächtnis seines Clans auf den Schultern, sondern auch eine Bürde, die das Schicksal der gesamten Menschheit bestimmen könnte. In seiner Welt herrscht keine klare Trennung zwischen Gut und Böse – alles ist getränkt in Grau, Schweiß, Blut und Nebel.

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Ryu ist nach wie vor Teil der Geschichte, diesmal als Mentor-Figur. Er taucht immer wieder in wichtigen Momenten auf, nicht nur als spielbarer Charakter, sondern als moralischer Kompass. Diese Beziehung zwischen Meister und Schüler gibt dem Spiel eine emotionale Tiefe, die man so in der Serie lange nicht gespürt hat. Während Yakumo mit seiner inneren Dunkelheit kämpft, ringt Ryu mit dem Wissen, dass selbst Helden nicht ewig standhalten können. Das ist erzählerisch erstaunlich feinfühlig umgesetzt und erinnert stellenweise an klassische japanische Samurai-Dramen oder an Filme, quasi wie „The Last Samurai“ meets „Blade Runner 2049“, nur eben mit Katanas, Dämonen und einer ordentlichen Portion Cyberpunk-Schmutz.

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Das Storytelling ist durchzogen von Rückblicken, kryptischen Visionen und klug gesetzten Zwischensequenzen. Besonders stark ist, wie das Spiel das Thema Erbe aufgreift – was es bedeutet, ein Nachfolger zu sein, und wie schwer es ist, den alten Weg in einer veränderten Welt fortzusetzen. Das Spiel schafft es, Nostalgie und Neuerfindung in Balance zu halten: Fans der alten Schule fühlen sich sofort zu Hause, während Neulinge eine intensive, filmisch erzählte Action-Erfahrung bekommen.

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Spielerisch ist das Spiel damit eine Rückkehr zu alter Stärke – und zugleich eine Evolution. Die Kämpfe sind wieder kompromisslos schnell, präzise und gnadenlos. Fehler werden bestraft, Reflexe belohnt. Wer hier einfach drauflos hämmert, hat keine Chance. Team NINJA hat den Schwierigkeitsgrad zwar leicht skalierbarer gemacht – es gibt nun verschiedene Modi, von „Schüler“ bis „Master Ninja“ – doch das Grundprinzip bleibt: Perfektion ist Pflicht. Jeder Kampf ist ein Tanz aus Timing, Bewegung und Entscheidung. Yakumo verfügt über mehrere Waffenstile, von klassischen Katanas über Doppel-Klingen bis hin zu schwereren Hybridwaffen.

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Besonders spannend ist die neue Mechanik Bloodbind Ninjutsu: Eine Technik, mit der Yakumo das Blut seiner Feinde absorbiert, um seine Waffen in dämonische Formen zu verwandeln. Das klingt nicht nur cool – es verändert auch das Kampfgefühl komplett. – Wer bereits „Bayonetta“ oder „Devil May Cry 5“ gespielt hat, wird sich über den zusätzlichen Einfluss von PlatinumGames freuen. Die Combos sind flüssiger, die Kamera dynamischer, das Trefferfeedback intensiver. Trotzdem fühlt sich alles unverkennbar nach Ninja Gaiden an – diese Mischung aus Präzision, Tempo und purer Kontrolle ist unnachahmlich. Ryu Hayabusa ist im späteren Verlauf ebenfalls spielbar, genaueres spare ich an dieser Stelle auf Grund von Spoilern aus. Doch wer dachte, seine Moves aus den alten Teilen seien perfekt gewesen, wird hier eines Besseren belehrt. Jede seiner Attacken hat mehr Wucht, jede Bewegung erzählt von Erfahrung.

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Das Leveldesign ist weitgehend linear, doch die Areale sind verwinkelter und atmosphärischer, was sie insgesamt offener wirken lässt. Man erkundet halb zerstörte Bezirke Tokios, alte Tempel, die von digitalem Nebel verschluckt werden, und Untergrundlabore, in denen menschliche Experimente schiefgelaufen sind. Es gibt immer wieder optionale Pfade mit versteckten Bossen oder Upgrades – wer alles sehen will, muss genau hinschauen. Besonders lobenswert ist die Balance zwischen ruhigen Erkundungsmomenten und rasanten Kampfszenen. Und ja, der Schwierigkeitsgrad ist wieder gnadenlos: Schon auf normalem Niveau fordern Gegner, dass man Angriffe liest, pariert, ausweicht, kontert. Jeder Fehler kann tödlich sein, und genau das ist es, was die Serie groß gemacht hat.

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Die Steuerung ist, wie man es von Team NINJA erwartet, messerscharf. Jede Eingabe sitzt, jede Bewegung fühlt sich unmittelbar an. Auf der Xbox Series X und PS5 läuft alles butterweich, die Framerate bleibt selbst in den größten Effekt-Explosionen stabil. Die präzise Steuerung ist nicht nur ein technischer Triumph, sondern das Herzstück des Spielerlebnisses. Die Kombination aus fließenden Animationen und perfektem Input-Timing sorgt für ein unvergleichlich befriedigendes Kampfsystem – man merkt, dass hier Leute am Werk waren, die ihr Handwerk verstehen. Auch optisch ist das neue Ninja Gaiden ein Fest. Die Entwickler setzen auf die neueste Unreal-Engine-Iteration, die ein beeindruckendes Spiel aus Licht, Schatten und Bewegung bietet. Tokio im Dauerregen, reflektierende Straßen, Neonlichter, die sich in Blutlachen spiegeln – selten sah ein dystopisches Setting so schön und gleichzeitig so verstörend aus.

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Wer die Vorgänger kennt, wird sofort Parallelen ziehen – und Unterschiede spüren. Satte 13 Jahre nach dem dritten Teil ist es kein Remaster oder Neuauflage eines bestehenden Serienteils, sondern eine echte Fortsetzung, aber sie trägt den Geist der Serie tief in sich. Wo Teil 3 oft wegen übertriebener QTEs und unübersichtlicher Levelkritik einstecken musste, geht der vierte Teil wieder zurück zu den Wurzeln: Klar strukturierte Kämpfe, weniger Gimmicks, mehr Kontrolle. Gleichzeitig ist das Spiel moderner – das Kampfsystem ist eleganter, die Inszenierung filmischer, die Lernkurve etwas zugänglicher. Es fühlt sich an wie eine Rehabilitierung der Marke, ein Statement: Ninja Gaiden lebt – und es hat wieder Biss.

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Entwickelt wurde das Spiel von Team NINJA, gemeinsam mit PlatinumGames. Diese Kooperation ist in vielerlei Hinsicht ein Glücksfall. Team NINJA bringt seine jahrzehntelange Erfahrung mit präzisem Combat-Design ein, PlatinumGames ergänzt das Ganze mit filmischem Flair und Animations-Perfektion. Veröffentlicht wird das Spiel von Xbox Game Studios, die mit diesem Titel ihr Action-Portfolio deutlich aufwerten. Der Entwicklungsprozess dauerte über vier Jahre, und man spürt in jeder Sekunde, wie viel Feinschliff hineingeflossen ist. Viele Veteranen des ursprünglichen Ninja Gaiden-Teams waren erneut beteiligt – ein Detail, das Fans sofort bemerken werden. Besonders im direkten Vergleich zu Teil 3, fällt die immens höhere Qualität in vielen Belangen auf.

(c) Team NINJA, Platinum Games, Xbox Game Studios

Am Ende bleibt die Frage: Lohnt sich der Ausflug nach Neo-Tokio? Absolut. „Ninja Gaiden 4“ ist nicht nur ein würdiger Nachfolger, es ist eine Wiedergeburt. Ein kompromissloses, fokussiertes Action-Spiel, das sich traut, fordernd zu sein, ohne unfair zu wirken. Es ist ein Liebesbrief an die Ära, in der Gameplay noch König war, und gleichzeitig eine technische Meisterleistung der Gegenwart. Wer auf schnelle, präzise Action steht, wer das Gefühl vermisst hat, bei einem Bosskampf wirklich schwitzen zu müssen – der bekommt hier das volle Paket. Es ist brutal, es ist wunderschön, es ist Ninja Gaiden, wie es sein sollte. Spieler, die sich mit Souls-ähnlicher Härte anfreunden können, werden sich hier sofort zuhause fühlen. Alle anderen sollten sich von der Herausforderung nicht abschrecken lassen – denn sobald man die Mechaniken verinnerlicht hat, entfaltet das Spiel ein unvergleichliches Flow-Gefühl. Das Spiel belohnt Können, Geduld und Präzision. Ein Action-Epos für Puristen, Nostalgiker und alle, die sich trauen, noch einmal wirklich gut in einem Spiel werden zu wollen.

Entwickler: Team NINJA, PlatinumGames

Publisher: Xbox Game Studios

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S

Getestet auf: Xbox Series X

NB@28.10.2025

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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