Mit Tales of Xillia Remastered bringt Bandai Namco einen der beliebtesten PS3-Klassiker der Reihe auf moderne Plattformen zurück. Schon bei seiner ursprünglichen Veröffentlichung 2011 galt das Spiel als Wendepunkt für die Serie – technisch wie erzählerisch. Es war ambitioniert genug, um in zwei Teile gesplittet zu werden, und viele Fans sahen darin einen unvollendeten, aber wichtigen Meilenstein. Nun, in überarbeiteter Form, erhält dieser Klassiker eine zweite Chance, zu zeigen, warum er bis heute als eines der prägendsten Tales-Erlebnisse gilt.
Im Zentrum stehen zwei ungleiche Protagonisten: Jude Mathis, ein idealistischer Medizinstudent, und Milla Maxwell, die irdische Verkörperung des Herrn der Geister. Zwei Figuren, die aus völlig unterschiedlichen Welten stammen, aber durch ein gemeinsames Schicksal verbunden werden. Ihr Abenteuer beginnt mit einer Verschwörung, die das fragile Gleichgewicht zwischen den Reichen Rashugal und Auj Oule bedroht und sich bald zu einer epischen Reise entwickelt, die das Schicksal von Rieze Maxia bestimmt. Spieler entscheiden sich zu Beginn, ob sie Judes oder Millas Perspektive erleben möchten, und dieser eine Entschluss verändert den gesamten Erzählverlauf.

Die doppelte Perspektive ist auch über ein Jahrzehnt später noch ein faszinierendes Konzept. Judes Geschichte wirkt bodenständiger, da er als Beobachter in eine politische Intrige hineingezogen wird, während Milla von Anfang an mit einem höheren Ziel handelt und mehr Wissen über die drohenden Gefahren besitzt. Wer Tales of Xillia zum ersten Mal spielt, sollte mit Jude beginnen, während Millas Sichtweise beim zweiten Durchlauf für ein erweitertes Verständnis sorgt. Beide Wege verweben sich geschickt, ohne dass man das Gefühl hat, Entscheidendes zu verpassen. Es ist ein erzählerisches Experiment, das die Serie nie wieder in dieser Form aufgegriffen hat, und gerade deshalb so spannend bleibt.
Auch nach all den Jahren beeindrucken die Produktionswerte. Tales of Xillia war das erste Spiel der Reihe, das in enger Zusammenarbeit mit dem renommierten Animationsstudio ufotable entstand, und schon damals setzte die Zusammenarbeit neue Maßstäbe. Die überarbeitete Version profitiert spürbar davon: Die Farbgebung wirkt kräftiger, die Kontraste sind schärfer, und bekannte Orte wie die schimmernde Stadt Fennmont oder die weiten Ebenen von Nia Khera wirken lebendiger denn je. Zwar merkt man den Modellen ihr Alter an, doch die liebevolle Überarbeitung und die klareren Texturen verleihen der Welt einen frischen Glanz.

Im Kampf zeigt sich, warum Tales of Xillia so hoch geschätzt wird. Das damals neue Dual Raid Linear Motion Battle System erlaubt es, zwei Charaktere zu verknüpfen, um Angriffe zu koordinieren und mächtige Kombos auszuführen. Durch diese Verbindung erhalten Figuren passive Boni, und wer die Leiste für die sogenannten Linked Artes füllt, entfesselt besonders kraftvolle Teamattacken. Das System ist leicht zu verstehen, aber tief genug, um stundenlang zu experimentieren. Jeder Charakter spielt sich einzigartig, und selbst wer normalerweise nur mit dem Protagonisten kämpft, wird hier dazu ermutigt, das gesamte Team auszuprobieren. Besonders Jude glänzt mit seiner Fähigkeit Snap Pivot, einer der geschmeidigsten Ausweichaktionen der Reihe.
Anders als frühere Tales-Spiele begrenzt Xillia die Länge von Combos, da Bosse nach einer bestimmten Trefferanzahl ausbrechen können. Dadurch entsteht ein natürlicherer Kampfverlauf, der weniger auf Exploits setzt und taktisches Denken belohnt. Der Wechsel zwischen den Figuren funktioniert nahtlos, und durch die Verknüpfung der Charaktere fühlt sich jedes Gefecht dynamischer an.

Das Remaster sorgt dafür, dass all das nun flüssiger und technisch sauberer wirkt. Auf PlayStation 5 läuft das Spiel in hoher Auflösung und unterstützt bis zu 4K, ohne Einbrüche in der Bildrate. Kämpfe sind butterweich, Ladezeiten minimal, und nur selten treten kleine visuelle Ungenauigkeiten auf. Die stärkeren Farben und Kontraste beseitigen das leicht verwaschene Erscheinungsbild der PS3-Version, und insgesamt präsentiert sich Tales of Xillia Remastered als sehr gepflegte Neuauflage, die dem Original gerecht wird, ohne es zu verfälschen.
Zu den willkommenen Neuerungen zählen moderne Komfortfunktionen wie automatisches Speichern und der frühzeitige Zugriff auf den Grade Shop, der Boni wie doppelte Erfahrungspunkte, höhere Beutechancen oder reduzierte Kosten für Artes bietet. Wer die Herausforderung sucht, kann diese Vorteile jederzeit deaktivieren. Außerdem enthält das Remaster über vierzig der ursprünglichen DLCs, darunter viele beliebte Kostüme, ohne Zusatzkosten. Einige wenige Inhalte fehlen jedoch aufgrund abgelaufener Lizenzen.

Kritisch bleibt, dass sich der Umfang der Überarbeitung in Grenzen hält. Da das Original bereits erstaunlich modern wirkte, fehlen große Überraschungen. Vor allem das Fehlen von Tales of Xillia 2 im Paket dürfte Fans enttäuschen, denn gemeinsam hätten beide Spiele eine perfekte Duologie gebildet. Es ist zu erwarten, dass der zweite Teil separat folgt, aber als Komplettedition hätte diese Veröffentlichung deutlich mehr Gewicht gehabt.
Am Ende bleibt Tales of Xillia Remastered eine gelungene Wiederentdeckung, die zeigt, wie zeitlos gutes Spieldesign sein kann. Die Charaktere, die Dynamik des Kampfsystems und die emotionale Tiefe der Geschichte funktionieren auch heute noch ausgezeichnet. Für Fans der Reihe ist es eine willkommene Rückkehr, für Neueinsteiger eine hervorragende Gelegenheit, einen modernen Klassiker nachzuholen.
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