Anno 1997 gab es angeblich Pläne eines neues Streets of Rage in 3D, das allerdings nie über die Konzeptphase hinausgekommen ist, jedoch wird das ähnlich gelagerte „Fighting Force“ in Fankreisen seither als eine Art spiritueller Nachfolger angesehen und gilt heute als eines der frühen Experimente, das klassische Beat-’em-Up-Prinzip in die dritte Dimension zu übertragen. Zugegebenermaßen fehlte dem Erstling noch etwas an eigener Identität, doch das änderte sich knapp zwei Jahre später mit der direkten Fortsetzung, die bis heute zu meinen Favoriten der PlayStation 1-Ära zählen und endlich für moderne Konsolen neu aufgelegt wurden: Die „Fighting Force Collection“ von Limited Run Games bringt damit zwei echte Klassiker der späten 90er zurück auf moderne Plattformen und richtet sich klar an Spielerinnen und Spieler, die mit der frühen 3D-Ära der PlayStation aufgewachsen sind. Die Sammlung vereint die beiden Teile „Fighting Force“ und „Fighting Force 2“ in einer technisch überarbeiteten Neuauflage mit jeder Menge Bonusmaterial.
Die Handlung von „Fighting Force“ ist so herrlich simpel, wie man es aus dieser Zeit kennt. Im Mittelpunkt stehen vier spielbare Charaktere: Hawk Manson, Mace Daniels, Alana McKendricks und der massive Ben “Smasher” Johnson. Gemeinsam stellen sie sich dem größenwahnsinnigen Superschurken Dr. Dex Zeng, der mit einer Privatarmee die Welt ins Chaos stürzen will. Die Geschichte dient vor allem als Rahmen, um von Level zu Level zu prügeln, Autos zu zerlegen und Gegnerhorden auszuschalten. Das Ganze erinnert stark an Actionfilme der 90er Jahre, irgendwo zwischen billigen VHS-Streifen, „Die Hard“-Klonen und Arcade-Krachern wie Die Hard Arcade oder frühen Final Fight-Ablegern – nur eben vollständig in 3D.

Der zweite Teil, „Fighting Force 2“, schlägt einen etwas anderen Ton an. Hier steht ausschließlich Hawk Manson im Fokus, der als Einzelkämpfer eine abgelegene Militärbasis infiltriert. Die Story ist ernster inszeniert und versucht, mit mehr Atmosphäre und einem stärkeren Fokus auf Waffen und Schusswechsel zu punkten. Erzählerisch bleibt aber auch hier alles zweckmäßig: Es geht um geheime Organisationen, dubiose Experimente und das gute alte Retten der Welt. Nostalgisch betrachtet wirkt die Handlung wie ein spielbarer Actionfilm aus der Spätphase der 90er, inklusive übertriebener Coolness und minimaler Charaktertiefe.

Spielerisch setzt „Fighting Force“ auf ein freies 3D-Areal-Design, in dem du Gegner aus allen Richtungen attackieren kannst. Schläge, Tritte, Würfe und einfache Kombos bilden das Fundament, ergänzt durch eine große Auswahl an aufhebbaren Waffen. Von Baseballschlägern über Rohre bis hin zu Schusswaffen und Raketenwerfern ist alles dabei, was ordentlich Schaden verursacht. Besonders der Koop-Modus im ersten Teil sorgt für den größten Spaßfaktor, wenn man gemeinsam durch die Levels zieht und ganze Straßenzüge kurz und klein schlägt. Die Steuerung ist funktional, aber spürbar ein Produkt ihrer Zeit: Kamerawechsel, unpräzise Zielerfassung und etwas steife Animationen gehören hier einfach dazu.

„Fighting Force 2“ verändert das Gameplay spürbar. Der Fokus liegt stärker auf Fernkampf und einem langsameren, taktischeren Vorgehen. Das Level-Design ist linearer, der Spielfluss weniger chaotisch, was nicht jedem Fan des ersten Teils gefallen dürfte. Der Schwierigkeitsgrad ist insgesamt knackig, teilweise sogar unfair, da Gegner viel Schaden verursachen und Fehler hart bestrafen. Beide Spiele verlangen Geduld und die Bereitschaft, sich auf alte Mechaniken einzulassen – moderne Komfortstandards sucht man hier vergeblich, abgesehen von den neuen Zusatzfunktionen der Collection.

Grafisch bleibt die Sammlung sehr nah an den Originalen. Klobige Polygonfiguren, einfache Texturen und kantige Umgebungen prägen das Bild. Genau das macht aber auch einen großen Teil des Charmes aus. Auf der PS5 läuft das Spiel stabil in höherer Auflösung, mit deutlich kürzeren Ladezeiten und optionalen Filtern, die das Bild entweder schärfen oder bewusst im Retro-Look belassen. Die Performance ist insgesamt solide, auch wenn man jederzeit merkt, dass hier kein modernes Actionspiel, sondern ein historisches Relikt am Werk ist. Auf anderen Plattformen wie der Nintendo Switch muss man leichte Abstriche bei Auflösung und Bildrate hinnehmen, spielbar bleibt es aber durchgehend.

Der Soundtrack passt perfekt zur Zeit, aus der die Spiele stammen. Treibende, elektronische Beats untermalen die Action, während wuchtige Soundeffekte für Treffer, Explosionen und zerstörbare Objekte sorgen. Audiovisuell ist das Ganze kein Highlight nach heutigen Maßstäben, transportiert aber sehr effektiv dieses typische 90er-Gefühl, das viele Fans sofort abholt.

Als Remaster bietet die „Fighting Force Collection“ einige sinnvolle Verbesserungen gegenüber den Originalen. Neben höherer Auflösung und stabilerer Performance gibt es moderne Komfortfunktionen wie Save States und eine Rewind-Option, die gerade bei schwierigen Passagen Gold wert sind. Inhaltlich wurde jedoch kaum etwas verändert – Level, Gegnerverhalten und Spielmechaniken bleiben weitgehend unangetastet. Genau darin liegt die Stärke, aber auch die Schwäche der Collection: Sie bewahrt das Originalgefühl kompromisslos, inklusive aller Ecken und Kanten.

Die ursprünglichen Fighting Force-Spiele stammen von Core Design, einem legendären Entwicklerstudio, das vor allem durch die Tomb Raider-Reihe weltweite Bekanntheit erlangte. Die Neuauflage wurde von Implicit Conversions, einem Studio, das sich auf die technische Aufbereitung klassischer Titel spezialisiert hat, entwickelt. Der Publisher Limited Run Games ist bekannt dafür, ältere Spiele für neue Plattformen zu erhalten und Sammlern zugänglich zu machen.

Insgesamt ist „Fighting Force Collection“ eine Liebeserklärung an eine Ära, in der Spiele noch roh, laut und experimentierfreudig waren. Die Collection richtet sich klar an Retro-Fans, Sammler und Spieler, die wissen, worauf sie sich einlassen. Wer moderne Action mit perfekter Steuerung und Hochglanzgrafik erwartet, wird hier schnell an seine Grenzen stoßen. Wer jedoch Lust auf nostalgische Prügelaction, Koop-Chaos und ein Stück Videospielgeschichte hat, sollte dieser Sammlung definitiv eine Chance geben. Gerade auf der PS5 zeigt sich, wie gut alte Spiele altern können, wenn man sie mit Respekt behandelt.
Entwickler: Core Design, Implicit Conversions
Publisher: Limited Run Games
Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Nintendo Switch
Getestet auf: PS5
NB@03.02.2026
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Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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