Xbox One Review: „Streets of Rage 4“ #SOR4 #StreetsOfRage4

Totgeglaubte leben länger, denn schlanke 25 Jahre nach dem Release von „Streets of Rage 3“ ist nun endlich der vierte Teil der Brawler-Reihe erschienen. Dabei gab es bereits in den Jahren mehrere Versuche die Reihe fortzusetzen, die sich aber nie, oder zumindest nicht als „Streets of Rage 4“ materialisierten. So war bereits 1997 eine Fortsetzung mit samt einem Spruch in die dritte Dimension geplant, die Core Design umsetzen sollte, was aber auf Grund kreativer Differenzen nicht zu Stande kam, worauf Core Design das Konzept mit Eidos Interactive als „Fighting Force“ veröffentlichte. Doch nun ist die Fortsetzung endlich da und ich habe sie mir als langjähriger Fan der Reihe für euch ganz genau angesehen, um darüber zu berichten.

Entwickelt wurde das Spiel allerdings nicht mehr von Sega, sondern von DotEmu, die bereits seit Jahren groß im Geschäft bei der Portierung von klassischen Spielen auf moderne Plattformen sind. „Another World“ und „Windjammers“, über die ich bereits berichtet habe, sind nur zwei Beispiele im langen Veröffentlichungskatalog des französischen Studios, die „Streets of Rage 4“ zusammen mit Guard Crush Games und Lizardcube den vierten Teil der Erfolgsreihe entwickelt haben. Dafür wurde die abgewandelte Engine von Guard Crush Games‘ „Streets of Fury“ unter Lizenz von Marke und Charakteren durch Sega verwendet.

Das Spiel setzt 10 Jahre nach dem Ende von Teil 3 wieder ein: Der Bösewicht der alten Teile, Mr. X ist schon lange Geschichte, doch plötzlich verfällt die friedliche Stadt wieder in ihre alten Muster und erstickt in einem Sumpf aus Verbrechen. Ein neues Verbrechersyndikat, unter der Leitung von Mr. X’s Kindern, den Y-Zwillingen, plant die Bevölkerung durch den Einsatz von hypnotischer Musik zu versklaven, was unsere Helden natürlich nicht so einfach hinnehmen können. So rekrutiert Protagonistin aus der alten Trilogie, Blaze Fielding, ihre Freunde Axel Stone und Adam Hunter, sowie die Neuzugänge Cherry Hunter und Floyd Iraia. Axel und Adam waren neben Blaze die spielbaren Charaktere aus dem ersten Teil, Cherry ist die Tochter von Adam und Floyd ist ein mechanisch-optimierter Lehrling von Dr. Zan, der einer der spielbaren Charaktere aus „Streets of Rage 3“ war.

Die insgesamt 5 spielbaren Charaktere, von denen aber beim Spielstart erst 4 zur Verfügung stehen, da wir Adam Hunter erst im Verlauf der Geschichte freischalten, unterscheiden sich alle voneinander, was sich sowohl in Geschwindigkeit, wie auch Stärke äußert. Der schnellste Charakter ist dabei Cherry Hunter, die zwar ziemlich schwach auf der Brust ist, aber dafür flink über den Bildschirm huscht und kurzer Zeit viele Schläge austeilen kann. Der Gegensatz dazu ist Floyd, der sich ziemlich langsam bewegt und auch wenige Schläge nach einander austeilen kann, aber dafür mit jedem Schlag sehr viel mehr Schaden austeilen kann. Bei den anderen Charakteren sind die Unterschiede zwar auch spürbar, aber weniger eklatant. Dennoch empfiehlt es sich unterschiedliche Charaktere einmal auszuprobieren, um herauszufinden welcher Charakter am besten zum persönlichen Spielstil passt.

Das Spiel ist dabei in insgesamt 12 Hauptlevel, nebst einigen versteckten Retro-Levels, aufgeteilt und folgt der klassischen Erzählstruktur, indem zwischen den Levels kurze Überleitungen zu sehen sind. Die Levels an sich sind dann ebenfalls in der bewährten 2D-Sidescroller Form, indem wir unseren Charakter in der Regel von links nach rechts durch das Level bewegen und im Grunde jeden bösen Buben aus dem Weg schlagen müssen, bevor wir weiter können. In den Levels finden wir dabei auch Waffen, die wir, aber auch die Gegner aufheben können, um sie im Kampf zu verwenden. Neben Klassikern, wie Messern, und Abflussrohren gibt es auch viele neue Waffen im Spiel, die man nun sogar auch in der Luft fangen kann, was besonders cool animiert ist. Je nach Schwierigkeitsgrad haben wir eine bestimmte Anzahl an Leben, die uns für das Level zur Verfügung stehen und wenn alle Leben aufgebraucht sind heißt es Game Over und wir müssen das Level vom Anfang an starten. Unsere Energie lässt sich im Level durch Äpfel (kleiner Energieschub) oder gebratene Truthähne (großer Energieschub) wieder auffüllen und weitere Leben können wir uns durch das Einsammeln von Punkten dazuverdienen.

Jeder Charakter hat unterschiedliche Standardattacken, sowie eine Spezialattacke, die leider einen Teil unserer Energie kostet und eine Super-Attacke, die wir nur einsetzen können, wenn wir einen Stern im Level eingesammelt haben und mehreren Gegnern im Umkreis erheblichen Schaden zufügt. Wer die alten Teile gespielt hat wird sich vom Bewegungskonzept gleich wie zu Hause fühlen, wo sich durch die Kombination der Angriffe und der Richtungstasten sogar Combos kreieren lassen, wie man sie in Ansätzen sogar von Kampfspielen kennt. Die gängigsten Kombinationen können über das Pausenmenü nachgesehen werden. Allerdings muss man in dem Zusammenhang auch erwähnen, dass leider einige Fähigkeiten im Vergleich zum dritten Teil dem Rotstift zum Opfer gefallen sind, denn so können die Charaktere nicht mehr rennen, was ich persönlich sehr schade finde, da ich das häufig und gerne verwendet habe. Abseits davon steuert sich das aber so flüssig wie nie. Die Bewegungen sind vielschichtig und die Eingaben werden sehr direkt umgesetzt, was durch die Implementierung eines neuen Combo-Counters auch zur Punktejagd einlädt.

Der einzige wirkliche Kritikpunkt, den ich nach meinem Durchspielen habe ist der Soundtrack. Bei den alten Spielen, wobei besonders Teil 2 positiv heraus gestochen ist, war der Soundtrack von Yuzo Kushiro immer ein Highlight, der den recht technoiden Soundchip des Sega Mega Drive auszunutzen wusste, wie kaum ein anderes Spiel und bis heute immer noch einer meiner liebsten Spielesoundtracks ist. Der Soundtrack des neuen Spiels wurde hauptsächlich von Olivier Deriviere und unter teilweiser Mitarbeit von Yuzo Kushiro erstellt und zündet für mich leider nicht in der gleichen Weise. Es gibt zwar einige Stellen, die als Hommage erkennbar sind, doch größtenteils ist die Musik für meinen Geschmack etwas zu zurückhaltend und stellenweise nichtssagend. Das soll zwar nicht sagen, dass der Soundtrack schlecht ist, das wäre eindeutig zu viel und er ist mir während dem Spielen zu keinem Zeitpunkt negativ aufgefallen, doch im Gegenzug ist davon auch nichts wirklich im Gedächtnis geblieben. Vielleicht legt sich das mit der Zeit, wenn ich das Spiel noch mehrfach durchgespielt habe, aber im Moment ist er leider nicht mit den alten Soundtracks vergleichbar. Alternativ kann man aber über das Optionsmenü auch einen Retro-Soundtrack einschalten, der quasi ein Best of der alten Soundtracks darstellt und für mich auf jeden Fall der Soundtrack der Wahl ist.

Weiter findet man im Optionsmenü auch noch weitere Retro-Einstellungsmöglichkeiten, wie einen Pixelfilter, der die hochauflösende Grafik des neuen Spiels, verpixelt und herunterrechnet, damit sie so ähnlich aussieht, als ob sie auf dem Mega Drive laufen könnte, was zumindest für einen Moment ein echt nettes Gimmick darstellt. Abseits davon sieht die neue Grafik wirklich schön aus und fügt sich meiner Meinung nach stimmig in die Reihe ein. Die Pixelgrafik der Vergangenheit ist einer bunten Grafik im Cellshading-Look gewichen, die mehr Details und mehr Farben bietet, als auf dem Mega Drive möglich gewesen wären, ohne dabei aber zu verspielt zu werden. Hier haben DotEmu eindeutig den richtigen Grad der Verbesserung gefunden. Und das neue Spiel bietet im Vergleich zu den alten Games mehr Abwechslung, mehr Bewegungsanimationen, mehr Waffen, mehr Gegnervarianz und sogar stellenweise zerstörbare Elemente in den Stages, ohne dabei jemals ins Schwitzen zu kommen und läuft insgesamt flüssig bei soliden 60fps. 

Insgesamt hatte ich mit dem Spiel wirklich viel Spaß mit dem Spiel und die hohen Erwartungen wurden für mich mehr als erfüllt. DotEmu scheint sich wirklich intensiv mit der Reihe auseinandergesetzt zu haben, da man an allen Ecken kleine Hinweise und Easter Eggs findet. So sieht man zum Beispiel, dass Roo, das Känguru aus dem dritten Teil nun einen Nebenjob als Barkeeper hat, oder dass die Y-Zwillinge ihrem Vater ein paar Kirchenfenster gewidmet haben. Das hat zwar keinerlei wirklichen Effekt auf die Geschichte, ist aber ein nettes Detail. Gleiches gilt für die vielschichtigen Einstellungsmöglichkeiten, die uns das Spiel bietet. Neben der Retro-Einstellung können wir über den Schwierigkeitsgrad auch unsere Leben beeinflussen, aber auch differenzierter die Anzahl der Sterne, etc. anpassen. Weiter können wir auch nach jedem Level den Charakter wechseln, was in den alten Spielen nur nach einem Game Over möglich war. So hat sich das Warten für Fans der klassischen Teile auf jeden Fall gelohnt und es drängt sich nur die Frage auf, warum es unbedingt so lange sein musste…

Entwickler: DotEmu, Guard Crush Games, Lizardcube

Publisher: DotEmu

Erhältlich auf: PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch

NB@07.05.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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