Wer hätte es für möglich gehalten, dass Schlagzeugspiel in VR richtig viel Spaß macht. Sei es „Ragnarock“ oder auch das herausragende „Drums Rock„, ich kann davon nicht genug bekommen. Aus diesem Grund habe mich auf „DrumBeats VR“ gefreut, das gerade seinen Einstand auf PSVR2 gegeben hat. Inhaltlich bewegt sich das Spiel zwischen Musikspiel, Simulation und lockerem Lernprogramm: Statt bunter Notenbahnen oder abstrakter Eingaben steht hier das unmittelbare Gefühl im Vordergrund, an einem virtuellen Schlagzeug zu sitzen und Songs aktiv mitzutragen. Im Vergleich zu anderen Spielen setzt das Spiel dabei weniger auf spektakuläre Inszenierung, zu Gunsten einer originalgetreuen körperlichen Erfahrung von Musik, Rhythmus und Timing. Eignet sich das allerdings auch für ein unterhaltsames Spiel?
Da das Spiel eher in Richtung Simulation geht, verzichtet es auf eine klassische Handlung. Das Spiel setzt stattdessen ganz auf die Vorstellung, Teil einer Band zu sein und Songs nicht bloß zu begleiten, sondern rhythmisch zu tragen. Diese Abwesenheit einer erzählten Geschichte ist hier kein Mangel, sondern fast schon Programm: Die Bühne, das Set und der Takt übernehmen jene Rolle, die in anderen Spielen Figuren und Konflikte ausfüllen würden. Gerade dadurch entsteht eine eigenartige, fast angenehm altmodische Direktheit. Man setzt das Headset auf, greift zu den Controllern und ist sofort in einer Welt, in der Timing, Körpergefühl und musikalische Präsenz wichtiger sind als Storybeats oder Progressionssysteme.

Spielerisch ruht der Reiz des Spiels auf einer Idee, die schnell verständlich ist und dennoch genug Spielraum für Ehrgeiz lässt. Gespielt wird aus der Ego-Perspektive direkt hinter dem Drumkit, wodurch jede Bewegung eine gewisse physische Glaubwürdigkeit erhält. Das Spiel bietet mehrere Modi, darunter freies Spielen, strukturierte Songdurchläufe sowie die Möglichkeit, eigene oder zusätzliche Inhalte einzubinden. Besonders hervorzuheben ist der zugängliche Aufbau: Übungsmodi, anpassbare Geschwindigkeiten und flexible Einstellungen sorgen dafür, dass sowohl Einsteiger als auch fortgeschrittene Spieler ihren Rhythmus finden können. Gerade im VR-Kontext ist das entscheidend, da das Zusammenspiel aus räumlicher Wahrnehmung und motorischer Koordination zunächst ungewohnt wirkt.

Im Spielfluss unterscheidet sich das Spiel dadurch angenehm von vielen bekannten Genrevertretern. Während klassische Rhythmusspiele oft auf das präzise Treffen vorgegebener Eingaben reduziert sind, versucht dieses Spiel stärker, das Gefühl eines echten Instrumentalparts zu vermitteln. Dadurch entsteht ein Erlebnis, das weniger nach Punktesammeln und mehr nach musikalischem Mitwirken wirkt. Diese Ausrichtung bringt allerdings auch eine gewisse Eigenwilligkeit mit sich: Die Steuerung fühlt sich nicht immer sofort so präzise an wie ein traditionelles Button-basiertes System, belohnt aber dafür mit einem intensiveren Gefühl von Kontrolle, sobald man sich eingespielt hat. Das Spiel bewegt sich damit irgendwo zwischen Musikspiel und vereinfachter Simulation – ein Hybrid, der vor allem dann überzeugt, wenn man bereit ist, sich auf seine körperliche Komponente einzulassen.

Auffällig ist außerdem die Auswahl der Umgebungen. Statt sich auf realistische Bühnen zu beschränken, setzt das Spiel auf eine bewusst abwechslungsreiche Mischung aus Studio, Bühne und fantasievollen Schauplätzen wie futuristischen oder stilisierten Szenarien. Diese visuelle Vielfalt verleiht dem Spiel eine gewisse Leichtigkeit und sorgt dafür, dass sich einzelne Sessions voneinander abheben. Gerade bei einem Spielprinzip, das stark auf Wiederholung basiert, ist das ein wichtiger Faktor für die langfristige Motivation. Die Kulissen wirken dabei weniger wie realistische Simulationen, sondern eher wie atmosphärische Rahmen, die das musikalische Erlebnis begleiten.

Grafisch konzentriert sich das Spiel vor allem auf Funktionalität und Übersichtlichkeit. Das Drumkit bleibt stets klar erkennbar, Eingaben lassen sich gut nachvollziehen, und die Umgebungen setzen eher auf stilistische Akzente als auf technische Opulenz. Für die PSVR2-Version bedeutet das vor allem ein stabiles, auf Immersion ausgelegtes Erlebnis, bei dem die Präzision der Bewegungssteuerung im Vordergrund steht. Konkrete technische Unterschiede zwischen Plattformen treten dabei in den Hintergrund; entscheidend ist vielmehr, dass das Spiel seine Kernidee – das virtuelle Schlagzeugspiel – sauber und nachvollziehbar umsetzt.

Der Sound bildet naturgemäß das Herzstück des Spiels. Die enthaltenen Tracks decken verschiedene Stilrichtungen ab und sind darauf ausgelegt, das Gefühl eines echten Drum-Parts zu vermitteln. Zusätzlich bietet das Spiel aber auch die Möglichkeit eigene Songs in das Spiel zu importieren und das Spielerlebnis damit zu personalisieren und gleichzeitig zu erweitern. Ich finde es immer schön, wenn uns Spiele diese Freiheit geben, was mich persönlich besonders bei Fitness Games motiviert.

Ein Blick auf den Entwicklungshintergrund zeigt, dass das Spiel kein klassisches Großprojekt ist. Marcel Eissens zeichnet sich als zentraler Entwickler verantwortlich, während MESHm als Publisher fungiert. Diese vergleichsweise kompakte Struktur spiegelt sich auch im Spiel selbst wider: Statt eines breit angelegten Mainstream-Erlebnisses erhält man ein fokussiertes Konzept, das über Jahre hinweg gewachsen ist und nun mit der Umsetzung für PlayStation VR2 eine neue Plattform erreicht. Gerade diese Konzentration auf eine klare Kernidee wirkt sich positiv aus, weil das Spiel genau weiß, was es sein möchte – und was eben nicht.

Am Ende ist „DrumBeats VR“ vor allem ein Spiel für eine klar umrissene Zielgruppe. Wer in VR gern Musik nicht nur beobachtet, sondern aktiv mitgestaltet, findet hier ein eigenständiges und durchaus reizvolles Erlebnis. Die Mischung aus Rhythmusspiel und körperlicher Interaktion sorgt für Momente, in denen sich Spiel und musikalisches Gefühl angenehm überschneiden. Gleichzeitig bleibt das Spiel bewusst reduziert und verzichtet auf viele Komfortelemente oder spektakuläre Inszenierungen, die man aus größeren Produktionen kennt. Genau darin liegt jedoch auch seine Stärke: „DrumBeats VR“ konzentriert sich auf das Wesentliche – den Beat, die Bewegung und das Gefühl, selbst Teil der Musik zu sein.
Entwickler: Marcel Eissens
Publisher: MESHm
Erhältlich auf: PC, PS5
Getestet auf: PSVR2
NB@13.04.2026
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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