Wenn ein Spiel auf den ersten Blick an eine Mischung aus „Prince of Persia„, „Legacy of Kain“ und „Styx“ erinnert, steht es quasi nicht zur Diskussion sich das Spiel einmal genauer anzusehen. So zumindest meine ersten Eindrücke von „Ereban: Shadow Legacy“, das bereits vor zwei Jahren in den Early Access auf dem PC gestartet ist und nun auch auf Konsolen Einzug feierte. Das Debüt von Baby Robot Games ist ein Stealth-Action-Plattformer in der Third-Person-Perspektive, der klassische Schleichmechaniken mit einer klaren Science-Fiction-Identität verbindet. Die Frage ist allerdings, ob das Spiel „nur“ eine Kopie darstellt oder auch mit eigener Identität aufwartet?

(c) Baby Robot Games, SelectaPlay

Im Mittelpunkt steht Ayana, die letzte Nachfahrin der Ereban, einer fast vergessenen Spezies, deren Geschichte eng mit Dunkelheit, Technologie und den Machtstrukturen dieser Welt verwoben ist. Die Handlung bleibt spoilerarm betrachtet angenehm fokussiert: Es geht um Herkunft, Verantwortung und die Frage, wie viel Gewalt in einer Welt erlaubt ist, die selbst längst moralisch aus dem Gleichgewicht geraten ist. Besonders reizvoll ist dabei, dass das Abenteuer seine Erzählung nicht als bloße Kulisse benutzt. Die Welt wirkt fremd, aber verständlich, melancholisch, aber nie überladen. Gerade in den stilleren Momenten entsteht ein Hauch jener Sci-Fi-Nostalgie, bei der Ruinen, kaltes Licht und alte Konflikte mehr erzählen als lange Dialoge.

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Spielerisch lebt das Spiel von der Fähigkeit, mit Schatten zu verschmelzen. Ayana kann in dunkle Flächen eintauchen, sich darin bewegen, Wände erklimmen, Gegner umgehen oder aus der Deckung heraus agieren. Diese Mechanik ist der eigentliche Kern und hebt die Erfahrung deutlich von vielen anderen Genrevertretern ab. Schleichen bedeutet hier nicht nur, Sichtkegel zu meiden oder Wachen von hinten auszuschalten, sondern die Umgebung fast wie ein zweites Spielfeld zu lesen. Jede Lichtquelle, jede dunkle Kante und jede vertikale Fläche kann Teil eines Weges werden.

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Die Steuerung fühlt sich angenehm direkt an. Bewegungen, Sprünge und Schattenwechsel greifen sauber ineinander, auch wenn die Präzision gelegentlich etwas Eingewöhnung verlangt. Das Spiel belohnt geduldiges Beobachten, lässt aber zugleich genug Raum für improvisierte Lösungen. Wer lieber ungesehen bleibt, kann viele Situationen gewaltfrei lösen. Wer offensiver spielt, findet ebenfalls Möglichkeiten, muss dann aber stärker mit Konsequenzen und erhöhter Aufmerksamkeit rechnen. Gerade diese Mischung aus Planung und Flexibilität sorgt dafür, dass der Spielfluss selten starr wirkt.

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Im Genrevergleich erinnert der Titel in seiner Grundhaltung an klassische Stealth-Abenteuer, setzt aber stärker auf Beweglichkeit und Vertikalität als auf schwerfällige Infiltration. Statt großer offener Areale gibt es eher klar strukturierte Abschnitte, die genug Freiraum für unterschiedliche Routen bieten, ohne sich zu verlieren. Das Leveldesign ist dabei meist gut lesbar: Schattenzonen, Patrouillenwege und technische Barrieren ergeben ein verständliches System, das Spielerinnen und Spieler Schritt für Schritt verinnerlichen. Der Schwierigkeitsgrad bleibt fair, verlangt aber Aufmerksamkeit. Wer hastig handelt, wird schnell entdeckt; wer die Räume liest, findet fast immer eine elegante Lösung.

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Optisch setzt das Spiel auf einen stilisierten Sci-Fi-Look, der technische Kühle mit organischer Fremdartigkeit verbindet. Die Welt wirkt nicht fotorealistisch, sondern bewusst gestaltet: klare Formen, starke Kontraste und viel Spiel mit Licht und Dunkelheit. Gerade weil Schatten nicht nur atmosphärisches Element, sondern spielmechanische Ressource sind, bekommt die visuelle Gestaltung eine zusätzliche Bedeutung. Dunkle Flächen sind nicht bloß Kulisse, sondern Möglichkeiten. Auf PS5 macht das einen sauberen Eindruck, auch wenn man dem Titel seine Indie-Herkunft in manchen Animationen und Details ansieht. Der Sound unterstützt die schleichende Grundstimmung mit zurückhaltenden, futuristischen Klangflächen, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

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Interessant ist auch der Hintergrund der Entwicklung. Baby Robot Games ist ein vergleichsweise kleines Studio aus Spanien, und dieses Projekt stellt ihr Debüt dar. Das merkt man dem Spiel in einem positiven Sinne an: Es wirkt nicht wie ein austauschbarer Genrebeitrag, sondern wie ein Werk mit einer klaren Idee, auf die fast alles ausgerichtet wurde. Die Konsolenversion wurde im Umfeld der späteren Veröffentlichung unter anderem mit SelectaPlay verbunden, während die PC-Version stärker mit dem Studio selbst verknüpft ist. Diese Entwicklungsgeschichte passt gut zur gesamten Ausrichtung: kompakt, konzentriert und sichtbar aus einer starken Kernmechanik heraus gedacht.

(c) Baby Robot Games, SelectaPlay

Am Ende ist das Spiel ein angenehm eigenständiges Stealth-Abenteuer, das seine besten Momente immer dann hat, wenn Bewegung, Schatten und Raumgefühl ineinandergreifen. Nicht jede erzählerische Idee entfaltet die gleiche Tiefe, und gelegentlich wünscht man sich noch etwas mehr Feinschliff in Präsentation und Dramaturgie. Dennoch bleibt ein Titel, der mit einer klaren Identität überzeugt. Besonders geeignet ist er für Spielerinnen und Spieler, die Stealth nicht nur als Geduldsprobe verstehen, sondern Freude daran haben, Räume zu analysieren, alternative Wege zu finden und eine Spielwelt über ihre Mechaniken kennenzulernen.

Entwickler: Baby Robot Games

Publisher: Baby Robot Games, SelectaPlay

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S

Getestet auf: PS5

NB@01.05.2026

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