Prince of Persia ist eine Reihe mit einer mehr als bewegten Geschichte. Angefangen beim Erstling, der das zwar sehr lineare, aber durchweg faszinierende Brainchild von Ausnahmetalent Jordan Mechner darstellte, hat sie sich stetig weiterentwickelt. Die jüngste Form der Evolution ist „The Rogue Prince of Persia“, entwickelt von Evil Empire, veröffentlicht von Ubisoft. Nach dem Metroidvania „Prince of Persia: The Lost Crown“ wirkt dieser Teil wie ein bewusster Richtungswechsel: weniger feste Weltkarte, weniger klassisches Erkunden, dafür ein Roguelite, das Bewegung, Rhythmus und Wiederholung ins Zentrum stellt.

(c) Evil Empire, Ubisoft

Die Geschichte bleibt angenehm funktional. Im Mittelpunkt steht ein namenloser Prinz, der durch sein eigenes Ungestüm eine Bedrohung für Persien mit auslöst. Die Hunnen unter Nogai fallen über das Reich her, dunkle Magie verzerrt die Ordnung, und der Held erhält durch eine mystische Bola die Möglichkeit, nach dem Tod zurückzukehren. Das passt erzählerisch sauber zur Roguelite-Struktur, weil Scheitern nicht nur Spielmechanik, sondern Teil des Abenteuers ist. Figuren wie Paachi oder Sukhra geben der Handlung Halt, ohne sie zu überfrachten. Im Vergleich zu „Prince of Persia: The Lost Crown“ fällt die Erzählung weniger episch und weniger ausgearbeitet aus, besitzt aber einen eigenen, melancholischen Reiz.

(c) Evil Empire, Ubisoft

Spielerisch ist das Spiel deutlich näher an der Handschrift von Evil Empire als an einem klassischen Serienableger. Wer „Dead Cells“ kennt, erkennt den Fokus auf schnelle Läufe, flexible Waffen, Builds und stetige Verbesserung sofort wieder. Der große Unterschied liegt in der Bewegung: Wandläufe, Sprünge, Schwünge und Ausweichmanöver greifen sehr flüssig ineinander. Das Spiel fühlt sich dann am stärksten an, wenn man kaum noch stehen bleibt, Gegner überspringt, sie gegen Hindernisse tritt und direkt in den nächsten Plattformabschnitt übergeht.

(c) Evil Empire, Ubisoft

Gerade im Vergleich zu „Prince of Persia: The Lost Crown“ wird der Unterschied deutlich. Der Vorgänger setzte auf eine feste, sorgfältig verschachtelte Metroidvania-Welt, auf dauerhaft freigeschaltete Fähigkeiten und auf das Gefühl, einen Ort nach und nach zu verstehen. Dieses Spiel dagegen lebt vom Neustart, von wechselnden Wegen und davon, aus jedem Lauf ein wenig mehr Wissen und Sicherheit mitzunehmen. Das macht die Veröffentlichung weniger majestätisch im Aufbau, aber unmittelbarer im Spielgefühl. Wo „The Lost Crown“ präzise geplant wirkte, fühlt sich dieser Titel spontaner, ruppiger und stärker auf Tempo zugeschnitten an.

(c) Evil Empire, Ubisoft

Die Kämpfe sind zugänglich, aber nicht belanglos. Nahkampfwaffen, Fernangriffe, Tritte und Medaillons lassen verschiedene Spielweisen zu, ohne dass man sich in Menüs verliert. Besonders gelungen ist, dass Bewegung und Kampf nicht getrennt wirken. Der Prinz ist kein Held, der erst springt und dann kämpft, sondern einer, der beides gleichzeitig tut. Der Schwierigkeitsgrad zieht spürbar an, bleibt aber fair genug, um Niederlagen meist als Lernmoment zu begreifen. Einzelne Läufe können dennoch durch ungünstige Ausrüstung oder kleine Fehlerketten abrupt enden, was zum Genre gehört, aber nicht jedem gefallen wird.

(c) Evil Empire, Ubisoft

Optisch geht das Spiel einen klar stilisierten Weg. Die Figuren sind kantig, farbenfroh und fast comicartig überzeichnet, während die Umgebungen Persien nicht historisch nüchtern, sondern als lebendige, märchenhaft verfremdete Bühne zeigen. Das wirkt weniger edel als die Bildsprache von „Prince of Persia: The Lost Crown“, aber eigenständig. Besonders überzeugt dabei die flüssige Darstellung, die für ein Spiel dieser Art wichtiger ist als reine Detailfülle. Kleine visuelle Unruhe in hektischen Szenen kann vorkommen, doch grundsätzlich bleibt das Geschehen gut lesbar.

(c) Evil Empire, Ubisoft

Interessant ist die Rolle von Evil Empire. Das Studio ist eng mit der Weiterentwicklung von „Dead Cells“ verbunden, bringt genau diese Erfahrung in das Projekt ein und emanzipiert sich gleichzeitig damit in ihrem ersten eigenständigen Produkt. Das Spiel wirkt daher nicht wie ein Lizenzprodukt, das zufällig Roguelite-Elemente nutzt, sondern wie ein bewusstes Experiment innerhalb einer traditionsreichen Marke. Ubisoft erlaubt der Reihe damit erneut eine andere Form. Das ist bemerkenswert, weil die Spiele der Reihe alle denselben Namen tragen, aber sehr unterschiedliche Antworten darauf geben, was „Prince of Persia“ alles sein kann.

(c) Evil Empire, Ubisoft

Am Ende ist das Spiel kein Ersatz für „Prince of Persia: The Lost Crown“, sondern vielmehr ein Gegenstück. Wer die verzweigte Welt, die erzählerische Dichte und den Metroidvania-Sog des Vorgängers sucht, wird hier eine kompaktere und wiederholungsorientierte Erfahrung finden. Wer jedoch Freude an schnellen Roguelites, akrobatischem 2D-Gameplay und stetig besser werdenden Läufen hat, bekommt ein angenehm eigenständiges Abenteuer, das die DNA der Reihe vor allem über Bewegung und Timing definiert. Es ist nicht der große, epische Kronfolger, sondern eher ein wendiger Seitenpfad mit viel Tempo, Stil und spielerischer Klarheit. Eine absolute Empfehlung für Fans der Reihe und Roguelites im Allgemeinen!

Entwickler: Evil Empire

Publisher: Ubisoft

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2

Getestet auf: Nintendo Switch 2

NB@04.05.2026

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