Mit „ChainStaff“ erscheint ein Titel, der auf den ersten Blick wie eine Hommage an klassische Arcade-Action wirkt, gleichzeitig jedoch moderne Designideen integriert und dennoch komplett eigene Wege geht. Entwickelt und auch selbst veröffentlicht von Mommy’s Best Games, einem Studio, das sich bereits mit mechanisch fokussierten und eigenwilligen Projekten einen Namen gemacht hat, wurde das Spiel jüngst veröffentlicht und ist unter anderem für PlayStation sowie PC erhältlich. Genretechnisch bewegt sich das Ganze im Bereich der Actionspiele mit einem klaren Fokus auf Geschicklichkeit, Timing und physikbasierte Mechaniken. Die zentrale Frage lautet dabei: Reicht ein bewusst reduziertes Konzept aus, um langfristig zu fesseln?

Die Handlung bleibt klar im Hintergrund und fungiert eher als lose Klammer für das eigentliche Spielerlebnis. Im Mittelpunkt steht eine namenlose Figur, die mit einem Kettenstab ausgerüstet ist – einer Waffe, die zugleich Werkzeug und Fortbewegungsmittel darstellt. Die Spielwelt wirkt abstrakt und reduziert, beinahe wie eine Abfolge stilisierter Prüfkammern, die sich nach und nach entfalten. Klassische narrative Elemente wie ausgearbeitete Nebenfiguren oder Dialoge sind kaum vorhanden; stattdessen entsteht eine indirekte Form des Erzählens über Fortschritt und Herausforderung.

Gerade diese Zurückhaltung erzeugt eine eigene, schwer greifbare Atmosphäre. Die Umgebungen wirken wie Fragmente einer größeren Welt, deren Details bewusst im Verborgenen bleiben. Das erinnert stellenweise an eine Symbiose aus „Shadow of the Beast“ und „Turrican“, bei denen Inszenierung, Stimmung und Atmosphäre wichtiger waren als eine klar erzählte Geschichte. Auch hier entsteht der Reiz weniger aus konkreten Informationen als aus Andeutungen und dem, was zwischen den Zeilen mitschwingt.

Im Zentrum steht das Gameplay, das sich vollständig um den Einsatz des titelgebenden „Kettenstabs“ dreht. Gespielt wird aus einer seitlichen Perspektive, wobei Bewegung und Interaktion eng miteinander verzahnt sind. Das Werkzeug dient nicht nur dem Angriff, sondern ermöglicht es auch, sich an Objekten festzuhaken oder Schwung für größere Distanzen zu holen. Diese Mechanik verleiht der Fortbewegung eine Dynamik, die sich deutlich vom klassischen Plattforming abhebt.

Die Steuerung wirkt zu Beginn zugegebenermaßen ungewohnt, entwickelt jedoch schnell eine eigene Logik. Besonders das Zusammenspiel aus Timing, Positionierung und Schwung erfordert Eingewöhnung. Fehler werden konsequent bestraft, wirken jedoch selten unfair. Stattdessen entsteht ein stetiger Lernprozess, bei dem jede gescheiterte Passage dazu beiträgt, die Systeme besser zu verstehen.

Das Leveldesign setzt auf klare Strukturen und eine schrittweise Erweiterung der Anforderungen. Neue Elemente werden behutsam eingeführt und anschließend variiert, sodass sich ein konstanter Spielfluss ergibt. Statt auf spektakuläre Abwechslung zu setzen, überzeugt das Spiel durch Feinjustierung: Schon kleine Veränderungen in der Anordnung von Hindernissen oder Gegnern reichen aus, um bekannte Situationen neu zu denken.

Der Schwierigkeitsgrad zieht unmittelbar spürbar an, bleibt jedoch in der Regel nachvollziehbar. Präzision ist der Schlüssel zum Erfolg – jeder Sprung, jeder Schwung und jeder Angriff muss sitzen. Das kann in manchen Momenten fordernd sein, sorgt aber gleichzeitig für ein intensives Erfolgserlebnis, sobald eine Passage gemeistert ist. Gerade Fans anspruchsvoller Geschicklichkeitsspiele dürften hier auf ihre Kosten kommen.

Technisch präsentiert sich das Spiel auf der PlayStation in einem stimmigen Gesamtbild. Die grafische Darstellung setzt auf einen stilisierten Look mit klaren Formen und gut lesbaren Umgebungen. Dieser Ansatz unterstützt das Gameplay, da er die Übersichtlichkeit erhöht und den Fokus auf die Mechaniken lenkt. Die Animationen wirken flüssig und vermitteln ein gutes Gefühl für Kontrolle und Timing. Auch die Performance bleibt stabil. Während der Testphase traten keine nennenswerten Einbrüche oder technischen Auffälligkeiten auf – ein entscheidender Punkt für einen präzisionsbasierten Titel. Die saubere Umsetzung sorgt dafür, dass Fehler klar beim Spieler liegen und nicht auf technische Unzulänglichkeiten zurückgeführt werden können.

Akustisch ist das Spiel ein wahres Brett. Der Soundtrack begleitet das Geschehen mit tollen Kompositionen aus der Welt des Metal und passen sich perfekt der Action an. Die sonstige Soundeffekte hingegen ist eher klar und funktional gestaltet, liefert aber durchweg ein sattes Feedback und unterstützen das Spielgefühl spürbar. Den Soundtrack kann man auch losgelöst vom Spiel auf Steam kaufen, einen kleinen Vorgeschmack findet ihr hier:
Ein Blick auf Mommy’s Best Games zeigt, dass sich dieser Titel nahtlos in das Portfolio des Studios einfügt. Bereits in früheren Projekten, wie „Shoot 1Up DX“ oder auch „Explosionade DX“, lag der Fokus häufig auf ungewöhnlichen Mechaniken und einem klar definierten Spielkern. Auch hier bleibt sich das Team treu und setzt auf ein Konzept, das weniger durch Umfang als durch Konsequenz überzeugt.

Unterm Strich präsentiert sich „ChainStaff“ als fokussierte und bewusst reduzierte, aber nicht minder faszinierende Erfahrung. Statt mit Umfang oder erzählerischer Tiefe zu punkten, liegt die Stärke klar im ausgearbeiteten Gameplay, der kreativen Ideen in grellen Farben und der stetigen Herausforderung.Wer Freude an präzisen, fordernden Mechaniken hat und sich gerne in ein System einarbeitet, wird hier viel entdecken können. Gerade durch seine klare Linie und den Verzicht auf unnötigen Ballast bleibt das Spiel im Gedächtnis. Es fordert, ohne zu überfordern, und belohnt Geduld ebenso wie Lernbereitschaft. Wer sich darauf einlässt, findet hier eine intensive und konzentrierte Spielerfahrung, die sich bewusst von vielen aktuellen Veröffentlichungen abhebt und das ist auch gut so…
Entwickler: Mommy’s Best Games
Publisher: Mommy’s Best Games
Erhältlich auf: PC, PS4, PS5
Getestet auf: PS5
NB@07.05.2026
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