Es gibt Spiele, die bereits mit ihrem ersten Trailer einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „MOUSE: P.I. For Hire“ gehört zweifellos dazu. Schon die ersten bewegten Bilder wirkten wie ein Fiebertraum aus längst vergangenen Cartoon-Tagen, vermischt mit dem Tempo und der Direktheit klassischer Ego-Shooter der 90er-Jahre. Das Debüt von Fumi Games, veröffentlicht im April 2026 von PlaySide, erschien für PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch sowie ältere Konsolengenerationen und bewegt sich irgendwo zwischen Noir-Detektivgeschichte, Retro-Shooter und interaktivem Cartoonfilm. Die entscheidende Frage war dabei von Anfang an: Reicht die außergewöhnliche Präsentation aus, um auch spielerisch langfristig zu überzeugen – oder bleibt das Abenteuer am Ende nur ein stilistisch beeindruckender Hingucker?

Die Antwort fällt erfreulich positiv aus, denn hinter der auffälligen Schwarz-Weiß-Optik steckt weit mehr als nur ein cleveres Gimmick. Bereits die ersten Minuten vermitteln eine bemerkenswert dichte Atmosphäre. Die fiktive Stadt Mouseburg wirkt wie ein Paralleluniversum aus amerikanischen Gangsterfilmen der 30er-Jahre, bevölkert von anthropomorphen Tieren, zwielichtigen Gestalten und korrupten Beamten. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Privatdetektivs Jack Pepper, einem ehemaligen Kriegshelden, der mittlerweile mehr Zeit mit Whiskey, schmutzigen Fällen und zynischen Kommentaren verbringt als mit heldenhaften Taten.

(c) Fumi Games, PlaySide

Der Einstieg beginnt vergleichsweise klassisch mit einem scheinbar simplen Vermisstenfall, entwickelt sich jedoch schnell zu einem größeren Netz aus Korruption, Gewalt und politischen Intrigen. Ohne zu viel vorwegzunehmen, gelingt es dem Spiel, seine Geschichte angenehm pulpig und zugleich überraschend ernst zu erzählen. Die Dialoge erinnern stellenweise an klassische Film-Noirs, während die überzeichnete Cartoonwelt immer wieder für absurde Momente sorgt. Gerade diese Mischung funktioniert erstaunlich gut. Die Welt nimmt sich ernst genug, um Spannung aufzubauen, verliert dabei aber nie ihren verspielten Charakter.

(c) Fumi Games, PlaySide

Besonders gelungen ist die Inszenierung der Figuren. Jack Pepper selbst trägt das Abenteuer mühelos über viele Stunden hinweg. Seine trockenen Kommentare und seine leicht melancholische Art verleihen der Geschichte eine nostalgische Note, ohne zu sehr in Parodie abzudriften. Auch Nebenfiguren bleiben im Gedächtnis, obwohl viele von ihnen nur kurz auftreten. Das liegt vor allem daran, dass der Titel seine Charaktere stark über Animation und Körpersprache definiert. Die überzeichneten Bewegungen erinnern konstant an alte Kinocartoons, wodurch selbst kleine Szenen ungewöhnlich lebendig wirken.

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Spielerisch orientiert sich das Werk klar an klassischen „Boomer Shootern“. Wer Titel wie „DOOM“, „Duke Nukem 3D“ oder modernere Retro-Hommagen kennt, wird sich hier schnell zurechtfinden. Das Tempo ist hoch, die Kämpfe sind direkt, Munition und Gesundheit werden aktiv eingesammelt und viele Areale laden zum Erkunden ein. Trotzdem wirkt der Shooter nie wie eine bloße Kopie alter Genregrößen.

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Die Steuerung auf der getesteten PlayStation 5-Version reagiert präzise und angenehm direkt. Besonders bemerkenswert ist dabei, wie flüssig die Bewegungen trotz der stark stilisierten Animationen wirken. Das Gunplay besitzt ein angenehmes Gewicht, während Waffenfeedback und Sounddesign den Schießereien eine überraschende Wucht verleihen. Von klassischen Maschinengewehren bis hin zu völlig absurden Cartoon-Waffen reicht das Arsenal, wobei viele Geräte alternative Feuermodi oder spezielle Effekte besitzen.

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Interessant ist außerdem die Struktur der Levels. Zwar bleibt der lineare Aufbau stets erkennbar, dennoch integriert der Titel immer wieder kleinere Erkundungselemente, optionale Räume oder versteckte Hinweise. Manche Gebiete erinnern beinahe an klassische immersive Shooter, wenn alternative Wege oder interaktive Umgebungen genutzt werden können. Besonders clever: Die Ermittler-Thematik bleibt nicht bloß Kulisse. Immer wieder untersucht man Tatorte, sammelt Hinweise oder spricht mit Figuren, bevor die nächste große Schießerei beginnt. Dadurch entsteht ein angenehmer Rhythmus zwischen ruhigen Noir-Momenten und hektischer Action.

(c) Fumi Games, PlaySide

Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich größtenteils auf einem fairen Niveau, verlangt aber Aufmerksamkeit. Gegner greifen aggressiv an, einige Bosskämpfe überraschen mit kreativen Mechaniken und das hohe Tempo zwingt den Spieler ständig in Bewegung zu bleiben. Veteranen klassischer Shooter dürften sich schnell heimisch fühlen, während Neulinge je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad etwas Eingewöhnungszeit benötigen könnten.

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Die größte Stärke des Spiels bleibt allerdings seine audiovisuelle Präsentation. Selten wirkte ein Titel so konsequent durchdesignt. Die handgezeichneten Animationen orientieren sich klar an den sogenannten Rubber-Hose-Cartoons der frühen 1930er-Jahre. Jede Bewegung, jeder Gesichtsausdruck und selbst die Waffenanimationen scheinen direkt aus einem alten Kinofilm zu stammen.

(c) Fumi Games, PlaySide

Bemerkenswert ist dabei vor allem die technische Umsetzung. Trotz der simplen Schwarz-Weiß-Ästhetik steckt enorm viel Detailarbeit in den Umgebungen. Schatten, Rauch, Lichtreflexe und Partikeleffekte erzeugen eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Gangsterfilm, Horrortrip und Cartoon-Komödie schwankt. Gerade auf PlayStation 5 läuft das Spiel größtenteils stabil und flüssig. Die Bildrate bleibt auch in hektischen Gefechten überwiegend konstant, während die hohe Auflösung dafür sorgt, dass die gezeichneten Animationen gestochen scharf wirken.

(c) Fumi Games, PlaySide

Vereinzelt kommt es zu kleineren technischen Auffälligkeiten. Manche Effekte wirken etwas unruhig und gelegentlich verlieren sich Gegneranimationen im allgemeinen Chaos der Kämpfe. Insgesamt hinterlässt die Konsolenversion jedoch einen sehr sauberen Eindruck. Andere Plattformen scheinen laut ersten Berichten teils stärkere technische Unterschiede aufzuweisen, insbesondere auf der Nintendo Switch, wo Performanceprobleme häufiger erwähnt werden. Auf PS5 dagegen passt das Gesamtbild erfreulich gut.

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Auch akustisch überzeugt das Werk nahezu durchgehend. Der Jazz-Soundtrack trägt massiv zur Atmosphäre bei und begleitet sowohl ruhige Ermittlungssequenzen als auch wilde Feuergefechte mit erstaunlicher Eleganz. Bläser, hektische Drumbeats und düstere Noir-Melodien verschmelzen zu einem Soundbild, das die Spielwelt perfekt ergänzt. Dazu kommt eine hochwertige englische Sprachausgabe, die den Figuren zusätzlich Persönlichkeit verleiht. Besonders Jack Pepper profitiert stark davon.

(c) Fumi Games, PlaySide

Obwohl das Abenteuer stilistisch extrem auffällig ist, ruht sich der Titel nie allein auf seiner Optik aus. Genau das macht den größten Unterschied zu vielen anderen Indie-Spielen mit außergewöhnlicher Präsentation. Hinter der Fassade steckt ein erstaunlich vollständiger Shooter mit klarer Identität. Die Mischung aus klassischem Retro-Gameplay, Noir-Atmosphäre und Cartoon-Ästhetik entwickelt dabei einen eigenständigen Charakter, den man in dieser Form nur selten sieht.

(c) Fumi Games, PlaySide

Gleichzeitig merkt man dem Projekt aber auch an, dass es nicht das Budget großer AAA-Produktionen besitzt. Einige Übergänge wirken etwas abrupt, bestimmte Nebenfiguren bleiben eher oberflächlich und die Story erreicht nie ganz die emotionale Tiefe, die sie manchmal anzudeuten versucht. Doch gerade diese leichte Rauheit passt letztlich erstaunlich gut zum Gesamtbild. Das Ganze fühlt sich dadurch beinahe wie ein verloren geglaubter Kultfilm an, den man zufällig spät nachts entdeckt.

(c) Fumi Games, PlaySide

Das polnische Studio Fumi Games war vor „MOUSE: P.I. For Hire“ vor allem durch kleinere Projekte und Konzeptarbeiten bekannt. Mit diesem Titel gelingt dem Team jedoch der bislang größte Aufmerksamkeitserfolg. Besonders die visuelle Handschrift sorgte bereits lange vor Release für enormes Interesse innerhalb der Indie-Szene. Unterstützt wurde das Projekt vom australischen Publisher PlaySide, der sich in den vergangenen Jahren zunehmend als Förderer auffälliger Independent-Produktionen etabliert hat.

(c) Fumi Games, PlaySide

Man merkt deutlich, dass hier ein Studio mit großer Leidenschaft an einem sehr konkreten kreativen Konzept gearbeitet hat. Statt aktuellen Trends hinterherzulaufen, verfolgt das Spiel kompromisslos seine eigene Vision. Gerade das verleiht der Produktion eine Authentizität, die vielen größeren Produktionen inzwischen fehlt.

(c) Fumi Games, PlaySide

Am Ende bleibt „MOUSE: P.I. For Hire“ vor allem wegen seiner außergewöhnlichen Atmosphäre im Gedächtnis. Das Spiel kombiniert klassische Shooter-Mechaniken mit einer visuellen Identität, die man so schnell nicht vergisst. Gleichzeitig funktioniert die Mischung aus Noir-Krimi, Cartoon-Humor und schneller Action deutlich besser, als man zunächst erwarten würde.

(c) Fumi Games, PlaySide

Wer etwas für Retro-Shooter übrig hat, klassische Cartoon-Ästhetik schätzt oder einfach nach einem ungewöhnlichen Actionspiel sucht, dürfte hier sehr viel Freude finden. Trotz kleinerer Schwächen zeigt Fumi Games eindrucksvoll, wie stark eine klare kreative Vision ein Spiel tragen kann. Der ungewöhnliche Detektiv-Shooter ist kein nostalgischer Gag und keine reine Stilübung, sondern ein überraschend stimmiges Gesamtpaket mit eigenem Charakter. Genau deshalb lohnt es sich, einen Blick auf diesen ungewöhnlichen Trip durch Mouseburg zu werfen.

Entwickler: Fumi Games

Publisher: PlaySide

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch

Getestet auf: PS5

NB@14.05.2026

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Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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