Mit „Rise of the Tomb Raider“ setzte Crystal Dynamics die Neuinterpretation der Abenteuer von Lara Croft aus „Tomb Raider“ im Jahr 2015 fort. Die ursprünglich zeitexklusiv für Xbox veröffentlichte Fortsetzung erschien später auch für PlayStation, PC und weitere Plattformen. Rund zehn Jahre später bringt Aspyr die umfangreiche „20 Year Celebration“-Version auf die Nintendo Switch 2. Die spannende Frage lautet dabei weniger, ob das Spiel auch heute noch überzeugen kann – daran bestehen kaum Zweifel –, sondern ob sich die Hybridkonsole als würdige Heimat für dieses technisch anspruchsvolle Abenteuer erweist und welche Unterschiede die neue Umsetzung gegenüber den bereits erhältlichen Versionen bietet.

Die Geschichte knüpft direkt an die Ereignisse des Vorgängers an. Gezeichnet von ihren Erlebnissen auf Yamatai folgt Lara Croft den Spuren ihres verstorbenen Vaters und sucht nach der sagenumwobenen Quelle des Lebens. Ihre Reise führt sie in die eisigen Regionen Sibiriens, wo sie nicht nur uralte Ruinen und tödliche Naturgewalten erwarten, sondern auch die skrupellose Organisation Trinity. Dabei gelingt dem Spiel eine gelungene Mischung aus klassischer Schatzsuche, persönlichen Konflikten und cineastischer Inszenierung. Vor allem die Entwicklung von Lara zur selbstbewussten Abenteurerin wird glaubwürdig weitererzählt, ohne die emotionalen Momente des Reboots aus den Augen zu verlieren.

Spielerisch baut die Fortsetzung konsequent auf den Stärken des Vorgängers auf. Erkundung, Kletterpassagen, Rätsel und Kämpfe wechseln sich in einem angenehmen Rhythmus ab. Die weitläufigeren Gebiete laden dazu ein, optionale Gräber zu erforschen, versteckte Dokumente zu entdecken oder Ressourcen für neue Ausrüstung zu sammeln. Gerade die Herausforderungsgräber gehören erneut zu den spielerischen Höhepunkten und erinnern mit ihren cleveren Rätseln und imposanten Bauwerken an die Wurzeln der Reihe. Das Crafting-System wurde sinnvoll erweitert und motiviert dazu, die Umgebung aufmerksam zu durchsuchen. Gleichzeitig bietet das Spiel mehr Freiheiten bei der Herangehensweise an Kämpfe. Schleichangriffe, improvisierte Waffen und offene Gefechte funktionieren gleichermaßen gut und sorgen dafür, dass sich das Abenteuer über die gesamte Spielzeit abwechslungsreich anfühlt.

Der eigentliche Star dieser Neuveröffentlichung ist allerdings die Umsetzung für die Nintendo Switch 2. Anders als beim ersten Teil entschied sich Aspyr diesmal nicht für einen 60-fps-Modus, sondern für eine stabile Darstellung mit 1080p und 30 Bildern pro Sekunde – sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus. Laut den Entwicklern wurden höhere Bildraten intensiv getestet, hätten jedoch deutliche grafische Einschnitte erfordert. Während des Tests erwies sich diese Entscheidung als nachvollziehbar: Die Bildrate blieb über weite Strecken angenehm stabil, selbst in größeren Arealen. Vereinzelt waren beim Wechsel zwischen Gebieten kleinere Ruckler zu beobachten, die den Spielfluss jedoch kaum beeinträchtigten. Hinzu kommen kurze Ladezeiten sowie hochwertige Beleuchtung, dichte Vegetation und die bekannten TressFX-Haareffekte, wodurch das Abenteuer auf der Hybridkonsole überraschend hochwertig wirkt. Seit der Veröffentlichung hat Aspyr die Portierung zudem mit mehreren Updates weiter optimiert, wodurch Stabilität und Performance nochmals verbessert wurden.

Inhaltlich erhalten Spieler die komplette „20 Year Celebration“-Edition. Sämtliche DLCs, darunter „Blood Ties“, „Baba Yaga“, „Cold Darkness Awakened“ sowie der Endurance-Modus, sind bereits enthalten. Dadurch bietet diese Version einen enormen Umfang und liefert weit mehr als nur die Hauptkampagne. Gerade die zusätzlichen Story-Inhalte fügen sich angenehm in das Gesamtpaket ein und wirken nicht wie nachträglich angehängte Erweiterungen.

Abseits der gelungenen Technik lebt das Abenteuer vor allem von seiner Atmosphäre. Die verschneiten Landschaften Sibiriens, uralten Tempelanlagen und weitläufigen Höhlensysteme erzeugen auch heute noch eine beeindruckende Kulisse. Der orchestrale Soundtrack begleitet ruhige Erkundungsphasen ebenso stimmungsvoll wie actionreiche Gefechte, während die deutsche Synchronisation wesentlich dazu beiträgt, die emotionale Entwicklung von Lara Croft glaubwürdig zu vermitteln.

Im Vergleich zum Reboot erweitert die Fortsetzung nahezu alle Spielsysteme sinnvoll. Größere Gebiete, kreativere Gräber und mehr spielerische Freiheiten sorgen dafür, dass viele Fans diesen Teil bis heute als Höhepunkt der modernen Trilogie betrachten.

Crystal Dynamics zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Action-Adventure-Studios der Branche und prägte die Tomb Raider-Reihe bereits seit den 2000er-Jahren maßgeblich. Mit dem Reboot gelang dem Studio eine erfolgreiche Neuausrichtung der Marke. Für die Umsetzung auf Nintendo Switch 2 zeichnet erneut Aspyr verantwortlich. Das auf Portierungen spezialisierte Studio bringt zunehmend aufwendige Titel auf moderne Plattformen und liefert hier eine insgesamt gelungene Umsetzung ab, die vor allem von den nachgereichten Optimierungen profitiert.

Auch zehn Jahre nach seiner Erstveröffentlichung gehört „Rise of the Tomb Raider“ zu den stärksten modernen Action-Adventures. Die gelungene Mischung aus Erkundung, Rätseln, Kämpfen und cineastischer Inszenierung funktioniert unverändert hervorragend. Die Switch-2-Version erweist sich dabei als technisch überzeugende Umsetzung, die das komplette Abenteuer ohne nennenswerte Kompromisse auf Nintendos Hybridkonsole bringt. Wer Lara Crofts Reise bislang verpasst hat oder sie unterwegs erneut erleben möchte, findet hier eine rundum gelungene Fassung eines bis heute beeindruckenden Abenteuers.
Entwickler: Crystal Dynamics, Aspyr
Publisher: Aspyr
Erhältlich auf: PC, Xbox One, Xbox Series X/S, PlayStation 4, Nintendo Switch 2
Getestet auf: Nintendo Switch 2
NB@28.07.2026
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