Wer sich mit Retrogaming beschäftigt fällt zwangsläufig auf kurz oder lang im Internet über die Schlagworte Raspberry Pi, Retropie oder RecalboxOS. Zumindest ging es mir in der Vergangenheit öfters so und ich war teilweise sehr beeindruckt, was man dabei so alles anstellen kann. Ein Raspberry Pi ist ein Mini-Computer, bzw. Einplatinencomputer der sich mit wenigen Handgriffen in eine Multi-Retrokonsole umwandeln lässt, die neben der Emulation von bekannten Konsolen (NES, SNES, Mega Drive, Gameboy) auch weniger bekannte (Virtual Boy, PC Engine, NeoGeo) und sogar Spiele aus der Arcade (Mame) beinhaltet.

Das klang viel zu verführerisch als Retrospieler, um es nicht mal zumindest auszuprobieren…

Bevor man beginnen kann braucht man einige Bauteile für die Retrokonsole, die es aber im Handel sogar schon in unterschiedlich umfangreichen Komplettpaketen gibt.

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Zwingend erforderlich ist dabei folgendes:

–       Raspberry Pi                                     ->  Das aktuellste Modell ist der Pi 3 Modell B und dieser ist auch bestens geeignet

–       Netzteil mit Micro USB-Anschluss    -> Alternativ geht auch ein Handyladekabel mit Steckdosenadapter

–       HDMI-Kabel                                      -> Keine besonderen Anforderungen

–       Micro SD-Karte                                 -> Mindestens 8GB, maximal 32GB

–       Gamepad                                          -> Ich benutze einen PS3 USB-Controller

–       USB Tastatur/Maus                           -> Zum Einrichten und z.B. zur Eingabe des WLAN-Schlüssels

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–       PC/Laptop                                        -> Zur Vor- und Nachbereitung

 

Das ist die recht überschaubare Grundausstattung. Nach oben sind dann keine Grenzen gesetzt und man kann auch Unmengen weitere Sachen an den Pi anschließen (Touchpad, Knöpfe, Schalter, etc.), aber für den Start ist das erst mal alles. Es empfiehlt sich allerdings noch ein Gehäuse dazu zu besorgen oder eins selbst zu bauen. Im Internet findet man dazu eine ganze Menge an Inspiration vom Gehäuse des NES Mini bis zum vollwertigen Arcade Automaten.

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Wenn man die notwenigen Teile vorliegen hat kann es auch schon losgehen. Ich habe mich für das Betriebssystem RecalboxOS entschieden, weil es die nahezu identischen Funktionen wie Retropie bietet, aber von der Einrichtung und dem allgemeinen Handling etwas Benutzerfreundlicher ist. Bevor wir uns aber mit unserem Pi beschäftigen können, müssen einige Schritte der Vorbereitung an einem PC oder Laptop durchgeführt werden.

Vorbereitung:

1)    Herunterladen der aktuellsten Version von RecalboxOS

2)    Herunterladen des Programms SD Formatter

3)    Einlegen der Micro SD Karte in den PC

4)    Installation und Ausführen des Programms SD Formatter, das wir bei 2) heruntergeladen haben

  • Auswahl der SD-Karte unter „Drive“
  • Auswahl „Option“
  • Auswahl „Format Size Adjustment = On“
  • (Optional) Vergabe eines Namens für die Micro-SD-Karte unter „Volume Label“
  • Auswahl „Format“ zum Beginn der Formatierung

5)    Die SD Karte ist damit für den Einsatz bereit und kann mit RecalboxOS beladen werden

  • Öffnen des Zip-Archivs „recalboxOS-4.0.0.zip“, bzw. der aktuellsten Version, die wir bei 1) heruntergeladen haben
  • Entpacken des gesamten Archivs auf die SD-Karte

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Damit ist unsere Vorbereitung abgeschlossen. Wir brauchen den PC aber später zum beladen des Systems mit Roms nochmal. Aber zunächst wenden wir uns jetzt dem Herzstück unserer neuen Retrokonsole zu, dem Pi. Dieser Minicomputer verfügt in Version 3 B über 4 USB-Anschlüsse, 1 HDMI-Anschluss zum Anschluss an den TV, einen Micro-USB-Anschluss zum Anschluss des Stromkabels, sowie einige weitere Anschlüsse, die für uns aber zu diesem Zeitpunkt erst mal nicht relevant sind. Erwähnenswert ist nur noch, dass diese Version des Pi gegenüber früheren Versionen auch über Wifi und Bluetooth verfügt.

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Installation:

1)    Einstecken der Mirco-SD in den dafür vorgesehenen Slot an der Unterseite (seitlich) des Pi

2)    Einstecken des HDMI-Kabels an Pi und TV/Monitor

3)    Einstecken des Stromkabels

  • Der Pi startet selbstständig
  • Die Installation des OS läuft selbstständig ab
  • Nach Beendigung startet er neu

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Die Hauptarbeit ist damit getan und wir können mit den letzten Schritten der grundsätzlichen Einrichtung abseits der Ausstattung mit Spielen beginnen. Dazu brauchen wir nun unserer Tastatur/Maus und den USB-Controller.

Einrichtung:

1)    Einstecken von Tastatur/Maus und Controller

2)    Öffnen des Hauptmenüs (Controller = Start ; Tastatur = Enter)

3)    (Optional) ändern der Systemsprache

  • Auswahl im Hauptmenü unter „Sprache“
  • Auswahl der Sprache (entspricht auf dem Tastaturlayout)
  • Bestätigung der Auswahl
  • System startet automatisch neu

4)    Auswahl im Hauptmenü „Eingabe konfigurieren“

  • Butten-Mapping des Systems mit dem Controller und dessen Tasten
  • Dazu steht links immer eine systemseitige Aktion und man muss dann die entsprechende Taster am Controller drücken
  • Nachdem die Liste fertig durchlaufen wurde bestätigt man das und speichert damit diese Einstellungen

5)    Auswahl im Hauptmenü „Netzwerk-Einstellungen“

  • Eingabe der SSID (manuell mittels Tastatur, dabei muss man auf korrekte Zeichenfolge, sowie Groß- und Kleinschreibung achten)
  • Eingabe des Passwort
  • Speichern und sofern alles korrekt war erscheint eine Hinweisbox mit der Info, dass die Verbindung jetzt eingerichtet wurde

Herzlichen Glückwunsch! Nun können wir damit unsere eigene Retrostation unser eigen nennen. Damit es auch sofort losgehen kann sind bereits einige Spiele im OS vorinstalliert, die durchaus mal einen Blick wert sind. Prinzipiell funktioniert das System so, dass es pro Konsole einen Eintrag gibt, sofern Spiele für diese Konsole hinterlegt sind. Kein Eintrag bedeutet somit auch keine Spiele.

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Natürlich lässt sich diese Liste von Spielen durch das manuelle Hinzufügen von Roms erweitern. Ich kann euch nicht sagen, wo ihr diese Spiele findet, aber das Internet hält dafür unzählige Quellen bereit. Achtet nur darauf, dass ihr nicht durch Zufall irgendwelche Viren auf den Rechner bekommt. Einige Seiten machen es wirklich schwer den richtigen Downloadlink zu finden und versuchen euch stattdessen irgendwelche Downloadmanager oder sonstige Programme anzudrehen. Wenn ihr also eine *.exe heruntergeladen habt, löscht diese unmittelbar, denn die Roms sind nie in diesem Format. Üblicherweise bekommt man die Roms in einem Zip-Archiv geliefert. Das Archiv wird nur wegen der Platzersparnis verwendet und muss nach dem Download in den meisten Fällen entpackt werden, da wir die Rom-Datei innerhalb des Archivs zur weiteren Verarbeitung brauchen. Gängige Endungen für Rom-Dateien sind zum Beispiel *.bin oder *.iso für CD-Spiele oder *.smd (Sega Mega Drive) oder auch *.nes (NES). Aber Achtung, aus rechtlicher Sicht dürft ihr nur Spiele als Rom herunterladen und über die Konsole abspielen, die ihr auch im Original besitzt.

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Setzen wir voraus, dass ihr Roms habt, die ihr auf eurer Konsole abspielen wollt so könnt ihr die jederzeit über den PC/Laptop, der sich im gleichen Netzwerk wie der Pi befinden muss über Wifi hinzufügen. Ihr geht dazu wie folgt beschrieben vor.

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Hinzufügen von Spielen:

1)    Öffnen eines Explorer-Fensters (Shortcut: Win+e)

2)    Zugriff auf den Pi herstellen:

  • Überschreiben der Adresszeile mit „Recalbox“
  • (Oder alternativ) Überschreiben der Adresszeile mit der IP des Pi, sofern euch diese bekannt ist*

3)    Es öffnet sich eine grafische Verwaltungsoberfläche, die neben dem Zugriff auf die Konsolen- und Rom-Struktur auch diverse Einstellungen, sowie statistische Auswertungen zulässt

4)    Über die Karteikarte „Roms“ gelangt man zu einer umfassenden Ordnerstruktur, die für jede potentiell mit dem OS emulierbare Konsole einen eigenen Ordner enthält

  1. Auswahl der Konsole mittels Doppelklick
  2. Hinzufügen der Rom-Datei durch Drag&Drop in den Eingabebereich in der oberen Bildschirmhälfte
  3. Die Rom-Datei wird verarbeitet und in die Rom-Liste in der unteren Bildschirmhälfte eingetragen

5)    Am Pi muss man nun nur noch die Spieleliste über das Hauptmenü aktualisieren und schon stehen die hinzugefügten Spiele unter der jeweiligen Konsole zur Verfügung

*Die IP kann über das Hauptmenü des Pi oder auch über euren Router eingesehen werden

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So sieht der Standardfall aus und auf diese Weise funktioniert es für einen Großteil der Konsolen. Einzige Ausnahme davon bilden Konsolen für die noch kein BIOS im OS hinterlegt ist. Die BIOS-Datei wird zur Verarbeitung der Roms zwingend benötigt. Ohne diese kann das OS die Konsole nicht emulieren. Das Internet hilft in diesem Fall bei der Suche. Hat man die gesuchte Datei gefunden muss man diese noch so umbenennen, wie es vom System gefordert ist (muss die exakt gleiche Zeichenfolge sein!) und kann diese unter der Karteikarte BIOS anstatt Roms hinzufügen.

Soviel kann ich zum Start mit dem RecalboxOS am Raspberry Pi 3 b sagen. Natürlich handelt es sich dabei nur um die ersten Schritte und ich werde das System, sowie auch den Pi zukünftig noch erweitern und ausbauen. Das ist nämlich das Schöne an diese Mini-Computer und dem OS, es ist beliebig erweiterbar und auch wenn man keine fungierten Kenntnisse von Programmieren oder Verkabelung hat, gibt es im Internet unzählige Anleitungen und Tutorials, die einem auf dem Weg zum Ziel unterstützen und mal mehr und mal weniger stark an die Hand nehmen.

NB@10.02.2017