Die Looney Tunes von Warner um die beliebten Charaktere, wie Bugs Bunny, Daffy Duck oder den Roadrunner sind seit Jahrzehnten einfach Kult und erfreuen sich nach wie vor einer immensen Popularität. Nichts desto trotz empfand diese klassischen Charaktere Anfang der 90er etwas zu „angestaubt“ entschied sich für eine umfassende Frischzellenkur, die in der Kreation der Tiny Toons mündete. Dabei sollte es sich um die nächste Generation der Cartoons handeln, die unter Anleitung der Erwachsenen Looney Tunes an der Acme-Looneyversität die Aufgaben eines Cartoon-Charakters erlernen. Dabei gibt es von fast allen klassischen Charakteren eine jüngere Version, sowie einige neue Figuren. Die jüngere Ausrichtung sollte dafür sorgen, dass die Zielgruppe sich noch besser mit den Charakteren und deren Problemen identifizieren kann.

Die Serie lief für 3 Staffeln und umfasste 98 Episoden, zwei Sondersendungen, sowie einen Film, was für die damalige Zeit eine immense Popularität nach sich zog. Es ist daher nicht besonders verwunderlich, dass es zur Serie auch eine ganze Reihe von Videospielen für alle gängigen Plattformen gab. So gab es von 1991 bis 2002 insgesamt 20 unterschiedliche Spiele für Tiger Electronics, NES, SNES, Mega Drive, diverse Gameboy-Ausführungen, PC und PlayStation. Also auf jeder Plattform hatte man die Möglichkeit ein Spiel der Reihe zu spielen, wobei die Spiele sich, obwohl ein Großteil davon von Konami entwickelt wurde, stark unterscheiden. Konkret habe ich mich mit dem Mega Drive Spiel „Tiny Toon Adventures: Buster’s hidden Treasure“ beschäftigt.

Das Spiel ist, typisch für die damalige Zeit, ein 2D-Plattformer, der Anleihen bei Mario und Sonic hat. Wir spielen dabei aber keinen Igel oder Klempner, sondern die Hauptfigur des Serie, Buster Bunny. Montana Max, der Mitschüler und immer wiederkehrende Antagonist der Serie ist auch in der Versoftung einer der Haupt-Gegenspieler, hat einen Schatz gestohlen und versteckt, den Buster wiederfinden muss. Doch, als ob das nicht genug wäre hat er auch noch vielen von Buster’s Freunden mit Hilfe von Gene Splicer einer Gedankenkontrolle unterzogen und lässt diese für sich arbeiten und letztendlich auch noch Babs Bunny entführt. Zugegeben besonders originell ist die Story wirklich nicht, aber ähnliches kann man auch über die bereits erwähnten Igel und Klempner der Videospielewelt sagen. Die Grundgeschichte stellt nicht mehr als einen groben Aufhänger und einer Legimitation dar, warum der Charakter tut, was er tut.

Die Spielewelt wird dabei von einer Karte der Oberwelt verdeutlicht, die sich eindeutige Anleihen bei Super Mario Bros. 3 bedient, denn die Karten sehen nicht nur sehr identisch aus, sondern folgen auch dem gleichen Prinzip der Verdeutlichung, wo wir uns befinden und erlauben es uns auch bereits besuchte Level wieder zu besuchen, wenn wir auf der Karte zurückspringen. Und dieses Wiederbesuchen kann sogar sinnvoll sein, denn es gibt innerhalb der Level manchmal mehrere Ausgänge, die uns auf der Oberwelt ein andere Abzweigung und somit einen Zugang zu anderen Leveln nehmen lassen. Auch wenn sich die Level inhaltlich wenig unterscheiden gibt es zumindest optisch einiges geboten, denn es gibt einige sehr unterschiedliche Setpieces innerhalb der Levels und nicht alle Levels folgen dem gleichen Prinzip. Zum einen gibt es Standard-Levels, von denen man den Charakter mehr oder weniger von links nach rechts bewegt, um den Ausgang zu finden, aber zum anderen gibt es auch Labyrinth-artige Levels, bei denen es nicht so einfach ist den Weg zum Ausgang zu finden. Und zu guter Letzt gibt es auch noch Bosslevel, die nur einen Bosskampf enthalten. Dabei handelt es sich in der Regel um einen von Busters gehirngewaschenen Freunden, den wir von der Gedankenkontrolle befreien müssen.

Insgesamt umfasst das Spiel 33 teilweise recht umfangreiche Levels, die sich von Level zu Level auch unterscheiden. Neben Wald und Ebene gibt es auch Unterwasser-Level, Eiswelten, Höhlen, eine Lavawelt, ein Piratenschiff, Industiehallen und Acme-Bürogebäude. Die Komplexität der Level steigt mit der Zeit und auch die Gegner variieren von Welt zu Welt. Die Gegner und Bosse werden in der Regel Mario-ähnlich durch draufhüpfen besiegt. Zusätzlich lässt sich durch eingesammelte Karotten, die das Äquivalenz zu Münzen bei Mario und Ringen bei Sonic sind auch eine Superattacke freischalten, die beim Auslösen alle Gegner auf dem Screen ausschaltet. Diese Attacken sind zwar relativ begrenzt, aber erlauben dem Spieler den einen oder anderen Ausweg aus Gegnerhorden. Das Spiel bietet insgesamt einen anspruchsvollen, aber sehr gut handelbaren Schwierigkeitsgrad und mit der Zeit lassen sich in den Levels auch Upgrades zur Erweiterung des Lebensbalken finden. Lediglich ein Bosskampf gegen Ende des Spiels, der wirklich unfair und anstrengend ist. Dabei wird man von Elmira durch einen langen Gang verfolgt und darf sich von ihr nicht erwischen lassen, der der Kontakt ist ein instant-Death. Zusätzlich muss man auch noch diversen Hindernissen ausweichen, was die Sache natürlich ungemein erschwert. Als wäre das nicht genug gibt es keine Rücksetzpunkte in dieser Verfolgungsjagd, sondern man muss immer wieder vom Beginn des Levels anfangen.

Ist also alles Gold, was glänzt? – Auch heute kann man das Spiel noch gut spielen und es macht auch wirklich Spaß. Jeder Retro-Spieler, der Mario und Sonic etwas abgewinnen kann, wird sich mit diesem Spiel wahrscheinlich gleich „zu Hause“ fühlen. Das Spiel sieht schick aus, hat einen angemessenen Schwierigkeitsgrad, ist ziemlich umfangreich und bietet auch Varianz in Leveldesign, Bossen und Gegner. Doch eins muss man dem Spiel wirklich vorhalten, was bei anderen Tiny Toon spielen nicht der Fall ist: Es hat eigentlich nichts mit der Serie gemein. Es gibt keinerlei Wiedererkennungswert bei den Levels, die geradezu generisch wirken. Abgesehen vom zugegeben recht aufwändigen Charakterdesign könnte man das Grundgerüst auch für jedes andere Jump n Run verwenden. Gerade wenn man die Super Nintendo-Version dagegen hält, auf die ich in der Zukunft auch noch gesondert eingehen werde, so fällt das Spiel in diesem Punkt wirklich ab, was schade ist, denn sonst ist das Spiel gegenüber anderen Versionen klar im Vorteil. Die Super Nintendo-Version bietet bekannte Schauplätze, spielt sich aber insgesamt um einiges langsamer und verfügt über eine unnötig-komplizierte Steuerung, da man nicht mehr einfach auf die Gegner draufhüpfen kann, sondern einen umständlichen Tritt ausführen muss.

Natürlich ist keins der beiden Spiele als „schlecht“ zu bezeichnen, Konami hat bei beiden Spielen gute Arbeit geleistet, jedoch wäre eine Kombination der beiden Spiele wahrscheinlich die beste Lösung gewesen…

NB@22.03.2017