Als ich seit langem mal wieder durch meine Steam-Bibliothek gehüpft bin und überlegt habe mal wieder einen alten Klassiker zu spielen, die ich dort besitze, ist mein Blick zufällig auf einen interessanten Eintrag unter „Aktuelle News“ zu „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ gefallen.

„Lucasfilm issues informal cease and desist order to fan-made Indiana Jones remake“ lautete die Neuigkeit, kommt von „PC Gamer“ und ist vom 01.03.2017. – Zugegeben ist dieser Eintrag bereits 1,5 Jahre her, aber ich hatte bislang noch nicht davon gehört und beschloss dennoch mal dem Link zu folgen.  Fan-Remakes oder Fortsetzungen sind besonders im Adventure-Umfeld keine Seltenheit und da diese von Fans für Fans gemacht werden, werden diese nach Fertigstellung fast ausschließlich komplett unentgeltlich zum kostenlosen Download angeboten. Und da diese Spiele meist reine Feierabend- und Wochenende-Projekte sind gibt es auch nicht wenige, die niemals fertiggestellt werden. Ich habe schon unzählige Projekte von Fans über Jahre verfolgt, von denen leider ein Großteil ohne nennenswerte Updates verlief. Und nur, um irgendwann traurig feststellen zu müssen, dass das Projekt eingestellt wurde, oder die Homepage plötzlich tot ist. Besonders bei diesem Remake von „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ schien aber besonderer Elan mit im Spiel zu sein, denn das 2009 gegründete Studio, Went2Play um Patrik Spacek hat mit frühen Screenshots, Trailern und einer Demo anscheinend für so viel Furore gesorgt, dass Lucasfilm, bzw. Disney darauf aufmerksam geworden ist.

Viele Rechteinhaber erkennen bei den Fanprojekten an, dass es sich dabei um eine nicht-kommerzielle Hommage handelt und dulden die Verwendung ihres Eigentums. In diesem Fall verhielt es sich allerdings anders, denn Disney als Rechteinhaber an Lucasfilm und damit auch Indiana Jones generell hat die Entwickler aufgefordert das Projekt unverzüglich einzustellen und hat die Löschung der verfügbaren Demo verlangt. Das geschah auch unverzüglich, doch kurz darauf war die Demo wieder verfügbar. Zwar hat man die Website nun unter einer anderen Domain gehostet und auch explizit darauf hingewiesen, dass es sich um ein reines Fanprojekt handelt, doch dennoch sollte Disney das Vorgehen wohl nicht gefallen, denn immerhin wird trotz der Unterlassungsklage am Projekt weitergearbeitet.

Auf der Homepage des Projekts ist vor knapp einem Monat die massiv erweiterte Demo als Version 2.0 erschienen, die neben der Unterstützung in 8 Sprachen sogar über eine Sprachausgabe verfügt. Die Demo umfasst happige 1,8GB und kann komplett gratis heruntergeladen werden. Laut Went2Play sollen auch weitere Veröffentlichungen in dieser Form folgen.

Bei dem Spiel handelt es sich um ein grafisches Update des gleichnamigen Adventures von 1992. Entgegen der Pixelgrafik hat man nun auf hochauflösende Grafiken und Charakteranimationen gewechselt. Ich erinnere mich noch gerne an das Originalspiel zurück. „Indy 4“, wie wir es damals in meinem Freundeskreis alle nannten, was nur logisch ist, da der Vorgänger „Indiana Jones and the Last Crusade“, der zum dritten Kinofilm erschienen ist und daher „Indy 3“ war, war ein grandioses Spiel. Mein Vater hat das Spiel eines Abends mit nach Hause gebracht und in den kommenden Wochen haben wir es gemeinsam durchgespielt. Es hat die Formel des Vorgängers konsequent weiterentwickelt und in vielen Punkten verbessert und durch die unterschiedlichen Lösungswege bot es auch einen unwahrscheinlichen Wiederspielwert. Leider hatte das Spiel um Indy’s Suche nach Atlantis aus heutiger Sicht nur einen gravierenden Fehler und das ist das Fehlen einer Sprachausgabe. Wer das Spiel heute über Steam spielt bekommt bei englischer Spracheinstellung zwar ein in Englisch vertontes Spiel, aber diese Option fehlte damals. Die deutsche Lokalisierung ist leider ohne Sprache. Aber wenn man davon absieht ist es immer noch ein perfektes Spiel, dass eigentlich gar kein Remake braucht. Doch da nun diese Demo mit der sehr interessanten Entstehungsgeschichte existiert habe ich sie mir mal genauer angesehen und präsentiere euch hier meine Eindrücke:

Bevor wir tiefer ins Spiel einsteigen muss ich den Umfang dieser Demo mal loben, denn umfassen andere Demos meist nur ein paar Minuten des Spiels so bekommt man hier das komplette erste Drittel des Spiels spendiert. Komplett mit Synchronisation, animierten Zwischensequenzen und allem an Inhalt, was es auch im ursprünglichen Spiel gab. Das betrifft auch die unterschiedlichen Lösungswege und den zufallsgenerierten Fundort eines Keyitems des Spiels.

Was viele nicht wissen ist, dass sich bei einem der ersten Rätzel im Spiel, bei dem man sich in ein Theater reinschleichen muss, der Spielverlauf des späteren Spiels entscheidet. Denn zur Lösung des Rätzels gibt es drei unterschiedliche Lösungswege. Wir können uns auf einen Faustkampf mit dem Türsteher einlassen, wir können den Türsteher überreden uns durch zu lassen und wir können uns durch einen versteckten weiteren Eingang hereinschleichen. Entsprechend dieser Entscheidung schlägt uns das Spiel nach dem Ende des ersten Drittels einen von drei Wegen für das weitere Spiel vor: Actionweg, Rätzelweg oder Teamweg. Entsprechend unserer Auswahl, die in einer Diskussion relativ versteckt getroffen wird, verläuft das Spiel ab diesem Zeitpunkt in veränderter Form weiter und wir bekommen komplett unterschiedlicher Weise weiter und läuft erst zum Beginn des dritten Drittels wieder zusammen.

Ebenfalls wurde auch der Fundort eines Keyitems, des Buches Platos verlorener Dialog, ebenso wie im Original zufallsgeneriert. Denn hier kann das besagte Buch an mehreren Stellen versteckt sein und jeweils muss dafür ein anderes Rätzel gelöst werden. Hier haben die Entwickler also besonders viel Treue zum Original bewiesen.

Abseits davon wurde die Grafik umfassend überarbeitet. Die Hintergründe sind nun hochauflösend und detailliert. Die Licht- und Schatteneffekte sind gut, wenn auch für meinen Geschmack teilweise zu dunkel. Leider habe ich in den Einstellungen keine Anpassungsmöglichkeit dafür gefunden, was aber bestimmt in einer etwaigen Vollversion wird. In der momentanen Fassung verschlucken die Schatten leider zu viele Details und selbst die Figuren sind schlecht zu erkennen. Die Charaktersprites sind ebenfalls schön und detailliert animiert, allerdings konnte man sich hier meiner Meinung nach nicht entscheiden, ob man realistisch oder comichaft animieren wollte und hat sich dann auf eine etwas merkwürdige Zwischenlösung festgelegt. Denn die Charaktere an sich weisen zu wenig Schattierungen auf und sind von ihrer Farbgebung zu farbenfroh um als realistisch animiert zu gelten und im Gegenzug sind sie nicht comichaft genug um als Comic-Grafik durchzugehen. Zusätzlich gefällt mir leider der Charaktersprite von Indy in seinem Anzug nicht so recht, da er irgendwie merkwürdig „buckelig“ läuft. Die weibliche Protagonisten Sophia und die meisten anderen Charaktere sind da von ihren Animationen her besser geworden, was schade ist, da Indy ja unsere Hauptfigur ist.

Das heutzutage etwas antiquierte Scumm-System wurde durch ein Kontextsensitives Actions-Menü ersetzt, das über die rechte Maustaste aufgerufen wird. Hier haben wir die Möglichkeit eine Action durch Symbole auszuwählen: „Mund“ zum Reden, „Hand“ zum Nehmen, Geben und Benutzen und „Lupe“ zum Schauen, bzw. Anschauen. Unser Inventar ist durch einen Klick auf unsere Tasche unten rechts in der Bildschirmecke zu öffnen. Besonders schön ist dabei die Verlagerung des Inventars in ein sekundäres Menü, denn der Inventarplatz im Original war leider besonders im späteren Spielverlauf sehr unübersichtlich. Weiter hat auch ein mittlerweile verbreitetes System Einzug erhalten, das auf Knopfdruck verfügbare Hotspots auf dem Bild markiert. Vorbei sind die Zeiten, wo man Ewig an einem wichtigen Gegenstand vorbeigelaufen ist und ihn einfach auf Grund der ungenauen Darstellung nicht als Interaktionspunkt identifizieren konnte…

In der Originalversion gab es eine Handvoll Zwischensequenzen, die durch Phasenanimationen dargestellt wurden, z.B. Indy öffnet das im Prolog gefundene Artefakt und findet darin eine Oricalcum-Perle oder später im Spiel steckt Sophia ebenso eine Oricalcum-Perle in ihr Medaillon. Diese und ein paar weitere Unterstützende Zwischensequenzen gibt es in der Neuauflage auch, doch diesmal wurden diese als kurze Render-Sequenzen animiert, die wirklich toll geworden sind. Hier können die Animationen durchaus mit professionell entwickelten Spielen mithalten. Wie die Zwischensequenzen hat auch die Synchronisation ein Update erfahren:

Sieht man von diesen Optimierungen ab spielt sich das Remake 1:1 wie das Original. Die Rätzel und die Dialoge sind absolut identisch. Die Demo endet mit dem Finden des Buches „Platos verlorener Dialog“ und der Entscheidung, welchen der drei unterschiedlichen Wege man im zweiten Drittel des Spiels verfolgen möchte. Ich habe für die Demo knapp 2,5 Stunden gebraucht, hatte aber auch noch eine grobe Erinnerung an einige der Rätzel. Da die Demo, wie das Originalspiel auch, einen Score in der linken oberen Bildschirmecke erfasst, bei dem ich am Ende der Demo 210 von 460 möglichen Punkten erreicht habe, gibt es aber wahrscheinlich noch einiges an Verstecktem in der Demo, was noch erkundet werden kann.

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Auch wenn das Original von 1992 immer noch ein tolles Spiel und herausragender Vertreter der Pixel-Kunst ist, ist auch das Update wirklich schön geworden. Es gibt zwar noch ein paar Bugs in Form von Lücken in der Vertonung (ein paar Mal sind waren einzelne Sätze in Gesprächen komischerweise nicht mit Sprachausgabe unterstützt), aber es handelt sich ja auch (erst) um eine Demo und nicht ein fertiges Spiel. Weiter könnten die Charaktermodelle, wie bereits erwähnt, nach meinem Geschmack noch eine Optimierung vertragen, aber prinzipiell handelt es sich bei „Indiana Jones and the Fate of Atlantis – Special Edition“ um ein wirklich gelungenes Remake auf einem sehr hohen Niveau. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie Disney weiter auf das Projekt reagiert. Die Entwickler haben dazu auch eine Unterschriftensammlung gestartet mit der sie Disney überzeugen wollen, weiter an dem Projekt arbeiten zu dürfen.

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Wer neugierig geworden ist kann sich die Demo über die Seite der Entwickler gerne mal selbst ansehen, solang sie dort verfügbar ist. Es kann nämlich jeden Tag sein, dass das Projekt gestoppt wird…

NB@22.08.2018