Hardware Review: „The A500 Mini“ #TheA500Mini #Amiga500

Retro Games, die Macher des C64 Mini und Maxi melden sich endlich mit der nächsten Remake eines klassischen Heimcomputers im Miniformat zurück, dem „A500 Mini“ angelehnt an den erfolgreichen Amiga 500 von Commodore, der wahrscheinlich auf Grund von Problemen mit den Namensrechten nach der Insolvenz und Aufspaltung von Commodore nicht den exakten Namen tragen darf, auch wenn er sonst eine überaus detailgetreue Nachbildung ist.

Ich habe eine tiefe persönliche Bindung zum Amiga, es war mein erster Computer und die erste eigene Plattform, auf der ich Videospiele spielen konnte. Ich hatte damals schon fast eine Profi-Version des Computers mit eine 1MB Speichererweiterung und einem zweiten Diskettenlaufwerk und es war auf dem Amiga, wo ich beispielsweise „The Secret of Monkey Island„, „Indiana Jones and the Fate of Atlantis„, „Flashback„, oder auch „Another World“ zum ersten Mal gespielt habe. Und auch wenn ich mich irgendwann zu Gunsten eines 486er Windows PCs vom Amiga getrennt habe, was ich heute immens bereue, konnte ich die Neuauflage kaum erwarten und freue mich sie nun endlich in den Händen zu halten.

Schon die Verpackung macht einen überaus hochwertigen Eindruck, bedruckt mit glänzenden und matten Elementen wird die Konsole, das Zubehör und das bunte Potpourri an Spielen, die enthalten sind, präsentiert. Öffnet man die Umverpackung zeigt sich erst die Konsole nebst einer gedruckten Kurzanleitung, beides in einer Pappeinlage mit Plastikhaube. Darunter findet man zwei kleine Kartons mit den weiteren Accessoires. Dabei handelt es sich um ein USB-C-Stromkabel, ein HDMI-Kabel, ein Gamepad, das dem Amiga CD32 nachempfunden ist und eine für die Plattform charakteristische Tank Mouse, die entgegen dem Original aber einen Tick kleiner ist und keine Kugel mehr zur Erfassung der Bewegung, sondern moderne Lasertechnik enthält. Das Pad und die Maus sind mit USB ausgestattet, man kann sie dadurch sogar am PC verwenden, auch es dafür selbstverständlich bessere Alternativen gibt. Einzig ein Steckdosenadapter liegt leider nicht bei, doch jedes handelsübliche Handy-Netzteil, oder auch der USB-Anschluss des Fernsehers sollte genug Strom liefern. Einen Joystick bekommt man dieses Mal auch nicht, doch die für die Vorgänger erhältlichen Competition Pro-Nachbauten funktionieren auch am A500 Mini.

Die Konsole sieht ihrem Vorbild wirklich zum Verwechseln ähnlich, auch wenn sie in etwa nur geschätzt 25-30% der Größe des Originals misst. Doch abseits davon hat man wirklich auf alle Details geachtet und sogar die zwei unterschiedlichen Leuchten, einmal für Strom und einmal für Lesezugriff geachtet, auch wenn die Tastatur und der Diskettenschacht selbstverständlich offenbart, dass es sich lediglich um eine in diesem Bezug nicht funktionale Attrappe handelt. Auf der Rückseite findet man einen An- und Ausschalter, den HDMI- und Netzanschluss, sowie drei USB-Anschlüsse, die zum Anschluss der Peripherie dienen. Um den Malus der nicht-funktionalen Tastatur auszugleichen kann man übrigens auch jede handelsübliche USB-Tastatur anschließen.

Der Bootvorgang erlaubt uns die Sprache des UI, sowie zwischen einer 50hz- und 60hz-Ausgabe zu wählen, wobei die empfohlene 50hz-Ausgabe auch die native ist. Danach findet man sich direkt im Spiele-Karussell wieder, vom dem man auf die vorinstallierten Spiele zugreifen kann. Entgehen des Vorgängers, der mit 64 Spielen im Gepäck kam, gibt es beim Amiga keine 500 Titel, was im Grunde folgerichtig wäre, sondern lediglich 25. Doch dabei hat man wirklich versucht einen guten Querschnitt durch die Bibliothek des Amiga zu liefern, auch wenn selbstverständlich nicht alle Spiele für jeden etwas sind und persönliche Favoriten fehlen (können), wofür man aber direkt von Haus aus die Möglichkeit eigene Spiele einzuspielen mitliefert, die beim Vorgänger erst per Firmware-Update nachgeliefert wurde. Doch dieser Funktion widmen wir uns nachdem wir die Liste der Spiele betrachtet haben.

  1. Alien Breed 3D
  2. Alien Breed: Special Edition ’92
  3. Another World
  4. Arcade Pool
  5. ATR: All Terrain Racing
  6. Battle Chess
  7. Cadaver
  8. California Games
  9. The Chaos Engine
  10. Dragons Breath
  11. F-16 Combat Pilot
  12. Kick-Off 2
  13. The Lost Patrol
  14. Paradroid 90
  15. Pinball Dreams
  16. Project X: Special Edition ’93
  17. Qwak
  18. The Sentinal
  19. Simon the Sorcerer
  20. Speedball 2: Brutal Deluxe
  21. Stunt Car Racer
  22. Super Cars II
  23. Titus the Fox
  24. Worms: The Director’s Cut
  25. Zool: Ninja of the ‚Nth‘ Dimension

Die Spieleauswahl geht dabei schon durchaus in Ordnung, es handelt sich um viele Spiele, die ich damals selbst gespielt und meist als „Sicherheitskopie“ besessen hatte. Besonders schön finde ich, dass Spiele wie „Simon the Sorcerer“, „The Chaos Engine“, „Speedball 2“ und „Titus the Fox“ enthalten sind, auch wenn ich persönlich „The Great Giana Sisters“, „Lemmings“, „North and South“ und einige Lizenzspiele vermisse. Doch hier kommt die Erweiterungsoption ins Spiel. Dazu braucht man lediglich einen mit FAT32 formatieren USB-Stick, das Programm WHDLoad, das seit Jahren auch bei echten Amigas mit Festplattenerweiterung verwendet wird und über die Seite des Herstellers (Link) bezogen werden kann. Dort findet man auch eine ausführliche Anleitung für die komplette Konsole und sogar ein kostenfreies Download-Spiel, dem mit der Zeit weitere folgen sollen. Die Spiele müssen dabei zur Zeit im JHD-Format vorliegen, wobei in Zukunft auch herkömmliche Roms unterstützt werden sollen, was per Firmware-Update nachgeliefert wird, wenn es soweit ist.

Der USB-Stick wird an der Konsole als neuer Eintrag im. Karussell angezeigt und erlaubt uns die Ordnerstruktur des Sticks zu erforschen und auf die Spiele zuzugreifen. Für diese Spiele stehen, wie für alle Stock-Games, vier separate Speicherslots und unterschiedliche Auflösungs- und Grafikfilter zur Verfügung, wie man es von derartigen Emulations-Systemen mittlerweile gewohnt ist. Die Tastenbelegung lässt sich ebenfalls pro Spiel anpassen und per Knopfdruck kann man auch eine Bildschirmtastatur ein- und ausblenden, die aber insgesamt weniger notwendig ist, als noch beim C64. Wer allerdings gehofft hat, dass eine Form der Workbench enthalten wäre, den muss ich leider enttäuschen, das ist leider nicht der Fall, was ich überaus schade finde, immerhin war das damals für viele Kinder gegenüber den Eltern DAS Hauptargument, dass man damit ja auch „etwas für die Schule“ machen kann, was aber wahrscheinlich die wenigsten je getan haben.

Es steht außer Frage, dass sich die Neuauflage der Konsole an Leute richten, die in der Vergangenheit zumindest Berührungspunkte mit dem Amiga hatten, was sich auch in der Spieleauswahl widerspiegelt, die auf den ersten Blick weniger auf Systemseller an sich setzt, sondern eher an die Nostalgie der Spieler appelliert. Sonst hätte man bestimmt alles daran gesetzt einige der „fehlenden“ Spiele mit drauf zu packen, ähnlich wie man es bei anderen Mini-Konsolen getan hat. Der einzige wirkliche Kritikpunkt an der Veröffentlichung muss leider der Preis sein, denn mit einer UVP von satten 130 Euro (!!!) und der überschaubaren Liste an Spielen, wo hingegen der C64 Mini, sowie viele andere Minis für ganze 50 Euro weniger herausgebracht wurde. Selbst die Maxi-Version hat beim Release noch 20 Euro weniger gekostet, was im Direktvergleich schon unwirklich wirkt. Aus diesem Grund kann ich die Veröffentlichung momentan nur den Hardcore-Fans empfehlen, alle anderen warten besser bis der Preis runter geht…

Entwickler: Retro Games

Publisher: Retro Games / Koch Media

NB@15.04.2022

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