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Was macht man, wenn man als ehemaliger Mitarbeiter der englischen Software-Schmiede Rare gerne nochmal ein Banjo-Kazooie machen würde, die Lizenz dafür aber nicht besitzt? – Stimmt genau, man gründet einfach sein eigenes Entwicklerstudio namens Playtonic, sammelt Geld über Kickstarter und macht sein eigenes Spiel, das im Grunde ein Banjo-Kazooie ohne die Lizenz ist. – Gesagt, getan: Im Mai 2015 wurde die Kickstarter-Kampagne mit dem Ziel von 175.000 Pfund gestartet, was innerhalb von nur 38 Minuten geknackt wurde. Am Ende sind so über 2 Millionen Pfund zusammengekommen, die Playtonic dann zur Verfügung hatte ihr Spiel umzusetzen.

Das Spiel wurde unter dem Titel „Yooka-Laylee“ auf PC, Xbox One und PS4 veröffentlicht und ist ein toller 3DPlattformer geworden, der zum einen eine Reminiszenz an vergangene Zeiten ist und gleichzeitig aber daherkommt wie ein legitimer Banjo-Kazooie-Teil, bei dem wir lediglich mit zwei anderen tierischen Charakteren durch die Welten hüpfen. Entgegen der „Vorgänger“ ist unser tierisches Gespann nicht mehr ein Bär und ein Vogel, sondern ein Chamäleon und eine Fledermaus, aber davon abgesehen ist alles beim Alten geblieben. Fledermaus Laylee sitzt auf Chamäleon Yooka’s Schultern und kann von ihm genutzt werden, um kurzzeitig zu gleiten, was besonders bei einigen kniffligen Plattformer-Sequenzen im Spiel mehr als nützlich ist. Auch wenn die beiden Charaktere spieltechnisch miteinander verbunden sind und von nur einem Spieler gesteuert werden, so bringen doch beide ihre eigenen Fähigkeiten mit. Mit Yooka können wir uns Rollen, um so sehr steile Rampen hochzukommen und Projektile verschießen, um uns den ein oder anderen Gegner vom Leib zu halten. Laylee kann neben dem bereits erwähnten Gleiten auch noch ihr Fledermaus-typisches Sonar einsetzen, um versteckte Bereiche und Plattformen sichtbar zu machen und so bisher unerreichbare Areale zu erreichen oder versteckte Schätze zu finden.

Aber worum geht es eigentlich in „Yooka-Laylee“? – Die beiden haben es sich in einem alten, gestrandeten Segelschiff bequem gemacht und denken an nichts Böses als plötzlich der böse Capital B und sein Handlanger Dr. Quack mit einem überdimensionalen Staubsauger alle Bücher der Welt einsaugen. Eins dieser Bücher gehört allerdings dem tierischen Duo und scheint besonders zu sein. Beim Einsaugen reißt es auseinander und die einzelnen Seiten werden über das Land verteilt. Sowas kann man doch nicht durchgehen lassen, weswegen sie das Gespann kurzentschlossen auf die Reise macht den Machenschaften von Capital B und Dr. Quack einen Riegel vorzuschieben und ihre Buchseiten wieder einzusammeln…

Das zu Hause von Yooka und Laylee fungiert dabei als Hubwelt von der insgesamt 5 weitere und ziemlich umfangreiche Welten abgehen. Wir schalten dabei in bester Metroidvania-Manier im Spielverlauf neue Fähigkeiten frei, die uns nach und nach erlauben in neue Bereiche der Hubwelt vorzudringen, von denen wir dann in die weiteren Welten gelangen. Die Welten sind dabei sehr unterschiedlich und sind meist auch Klassiker des Gamedesigns, wie unter anderem eine Dschungel- und eine Eiswelt, aber auch andere, wie eine Welt in einem riesigen Casino. Dabei wartet jede Welt mit seinen ganz eigenen Eigenarten und Spielmechaniken, Gegnertypen, Rätzeln und Bossen auf. Insgesamt sind alle Charaktere herrlich abgedreht und die Dialoge sprudeln nur gerade so vor Wortwitz und abgedrehten Ideen, wie Bosskämpfe mit Dr. Quack, der dann aus Quizfragen zu unseren bisherigen Abenteuern besteht. Das ist echt teilweise super lustig, wenn da nicht ein massiver Designfehler wäre: Die Charaktere unterhalten sich alle nur in komischen Quietsch- und Grunzlauten, die dann untertitelt werden. Das ist am Anfang noch ganz witzig, nervt aber nach kurzer Zeit schon ungemein. Eine Synchronisation hätte man hier ruhig anfertigen können, denn alles andere ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß. Wir spielen „Yooka-Laylee“ immerhin auf einer modernen Konsole und nicht mehr „Banjo-Kazooie“ auf dem N64. Leider wird das Spiel von einem Problem geplagt, was seither allen 3D-Plattformern anheftet: Kameraprobleme. Wenn wir rennen, springen und von einer Plattform zu anderen gleiten hat die Kamera des Öfteren Probleme uns richtig zu folgen, was meist zur Folge hat, dass wir abstürzen und die gesamte Sprungpassage nochmal machen „dürfen“. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit schafft man es zwar das Spiel der Kamera anzupassen und berechnet einige der Ungenauigkeiten in die Manöver ein, doch eigentlich sollte das gerade andersherum sein: Die Kamera soll sich unserem Spiel anpassen und nicht umgekehrt.

Wo das Spiel hingegen aber punkten kann ist die Langzeitbeschäftigung, denn die Hubwelt und die 5 Unterwelten sind ziemlich umfangreich und lassen sich durch eingesammelte eine bestimmte Anzahl eingesammelter Buchseiten sogar noch durch weitere vorher unzugängliche Bereiche erweitern. Gerade deswegen und dadurch, dass wir im Spielverlauf auch Fähigkeiten dazubekommen, die wir wiederrum brauchen, um vorher abgesperrte Bereiche für uns zu öffnen macht es Sinn die Welten mehrfach zu besuchen, um am Ende auch alle Bereiche des Spiels gesehen und alle Sammelobjekte gefunden zu haben. Jedem der mit Metroid und dem mittlerweile schon fast überstrapazierten Begriff des Metroidvania vertraut ist kann sich genau vorstellen, was unter diesem nichtlinearen Spielprinzip der Erkundung zu verstehen ist. Und es gibt in den Welten auch einiges zu entdecken: Neben den Buchseiten gibt es auch diverse weitere Sammelobjekte, Rätzel, Zusatzbosse, Arcadeautomaten zum Spielen, sowie sonstige Nebenaufgaben und Herausforderungen in den Welten zu finden. Von der technischen Seite gib es abseits der Kamera und der fehlenden Synchronisation eigentlich nichts zu meckern. Das Spiel präsentiert sich in schicker, bunter Comicgrafik und läuft flüssig. Diese hat zwar nicht die Klasse eines „Ratchet & Clank“, was aber in Anbetracht, dass es sich um ein kleines Projekt, das rein über Kickstarter ohne Unterstützung eines großen Publishers ins Leben gerufen wurde, nicht negativ ins Gewicht fällt. Die Soundkulisse und die Musik passen gut ins Gesamtbild und könnten durchaus aus einem Spiel der N64-Ära entnommen sein.

Insgesamt hat Playtonic mit ihrem „Yooka-Laylee“, als quasi-Nachfolger von „Banjo-Kazooie“ durchaus den Charme der Vorlage eingefangen. Hier merkt man durchaus, dass die Macher, als ehemalige Mitarbeiter von Rare, diesbezüglich kein unbeschriebenes Blatt waren. Dennoch gibt es natürlich einige nicht von der Hand zu weisende Kritikpunkte, wie die bereits angesprochenen Unzulänglichkeiten in Sachen Kamera und Synchronisation. Darüber hinaus variiert der Schwierigkeitsgrad mitunter stark: Einige Passagen sind super einfach und dann gibt es plötzlich ziemlich heftige Herausforderungen oder Rätzel. Das passt nicht so ganz zusammen und gerade jüngere Spieler könnten sich davon doch schnell entmutigen lassen. Hier hätte etwas mehr Playtesting und Finetuning wahrscheinlich noch etwas besser getan. Dennoch kann die sehr abwechslungsreiche Spielwelt und das nichtlineare Spielprinzip wiederrum punkten. Freunde von Banjo-Kazooie im allgemeinen oder Fans von 3D-Plattformern mit einem N64-Retro-Vibe können bedenkenlos zugreifen und werden allemal ihre helle Freude mit dem Spiel haben. Andere und besonders jüngere Spieler sollten das Spiel allerdings vielleicht erst mal testen, um Frust zu vermeiden.

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NB@09.10.2018