Kürzlich hat ein Freund mich aufmerksam gemacht, dass auf den Bildern innerhalb meines Reviews zu „Flashback“ auf der Switch auf der Packung ein kleines Nintendo Gütesiegel zu finden ist. Wir sind im Grunde erst davon ausgegangen, dass es sich um ein Gimmick handelte, da die Edition eine Jubiläumsauflage war, aber weit gefehlt. Das „Nintendo Seal of Quality“ ist immer noch fester Bestandteil aller offiziellen Nintendo-Releases. Grund genug dieser kleinen Button mal ein Special zu widmen, oder meint ihr nicht?

Um den Hintergrund dieses unscheinbaren Buttons, der ein Gütesiegels darstellt, nachvollziehen zu können, muss man bis ins Jahr 1983 zurückgehen, wo der Ursprung dafür liegt. Jedem ist wahrscheinlich der berühmte Video Game Crash und das Spiel „E.T. – The Extra-Terrestrial“ für den Atari 2600 ein Begriff. Der Crash an sich und das Spiel, das als Sinnbild dafür steht, waren schon Thema vieler Abhandlungen, weswegen ich diesbezüglich nicht zu tief einsteigen werde, um niemanden zu langweilen. Es reichen diesbezüglich schon die rudimentären Infos: Der Atari 2600 war die verbreiteteste Konsole zu diesem Zeitpunkt und auch wenn die Konsole sehr populär und bis dato auch lukrativ für Atari war, so hatte sie einen gravierenden Fehler: Ihr fehle ein Lockout-Chip. – Und nein, ich bin nicht für übermäßige Restriktionen oder gar Zensur bei den Sachen, die auf einer Konsole veröffentlicht werden, aber sehe die Konsolenhersteller, wie Nintendo, Sony oder Microsoft, aber auch Plattformen, wie Steam als Instanz der Qualitätssicherung, dass nicht einfach alles auf der Konsole herausgebracht werden kann. Was an sich vom Grundprinzip eine schöne Sache sein kann, hat leider auch zur Folge, dass viele minderwertige Spiele, die unfertig, als Freizeitprojekte von Hobbyentwickler gebastelt werden um auf die schnelle ein paar Euros abzustauben. Zwar mögen nun einige entgegnen, dass es auch so genug unfertige und mangelhafte Spiele auf dem Markt gibt, wenn man zum Beispiel an das grottenschlechte „Orc Slayer“ denkt, doch das lässt sich wenigstens spielen, selbst wenn es niemand mit gesundem Menschenverstand versuchen sollte. Zur Blütezeit des Atari wurde der Markt schlagartig von minderwertigen Spielen überschwemmt, bei denen das Spielen oft nicht möglich war. Das glorreiche Beispiel dafür ist dann immer „E.T. – The Extra-Terrestrial“. Zuvor hatte sich durch das neue Medium des Videospiels für Heimkonsolen der Irrglaube gefestigt, dass die Konsumenten einfach alles kaufen und ein Videospiel unabhängig von der Qualität quasi eine Lizenz zum Gelddrucken darstellt. Doch die Konsumenten ließen sich nicht ewig veralbern und erkannten die Minderwertigkeit der Cash-Grab-Produkte an. Das gipfelte in der Veröffentlichung von „E.T. – The Extra-Terrestrial“, das sich auf Grund des kryptischen Designs, des fehlerhaften und uninspirierten Gameplays als eins der schlechtesten Spiele aller Zeiten etablierte. Immenser Zeitdruck, damit das Spiel rechtzeitig zu Weihnachten in den Regalen steht, sorgten dafür, dass das Spiel innerhalb von 5 Wochen von einem einzigen Programmierer entwickelt wurde. Das Resultat war, dass sich das Spiel als Sargnagel für Atari und die gesamte Videospielbranche erwies. Die Konsumenten hatten genug und niemand kaufte mehr Videospiele.

Doch dann kam betrat Nintendo den Videospielmarkt und veröffentlichte 1985 das NES. Um die verunsicherten Konsumenten nicht zu sehr auf die Probe zu stellen wurde das NES nicht als Videospielkonsole, sondern als Entertainment System vermarktet und unterscheidet sich auch optisch von dem Äquivalent aus Asien. So kommt auch der Name „Nintendo Entertainment System“, bzw. kurz „NES“ zustande. Nintendo hat zwar intern durch die Implementierung des 10NES-Lockout-Chips das Problem gelöst, dass nur ihre eigenen Module auf der Konsole abgespielt werden können, aber trotzdem stand Nintendo vor dem Problem der Kredibilität. Wie konnte man den Konsumenten vermitteln, dass eine Qualitätssicherung der Veröffentlichungen stattfindet, damit sich Ereignisse, die zum Crash geführt hatten, nicht wiederholen? – Ein Gütesiegel mit dem Versprechen einer strikten Kontrolle über Qualität der Veröffentlichungen. Dieses Versprechen ließ sich dann in jedem Handbuch, sogar teilweise in recht ausschweifender Prosa, nachlesen und wurde auf alle Module und Verpackungen gedruckt. Das war ein geradezu genialer Marketingzug, der dafür sorgte, dass das Vertrauen in die Qualität zurückkam und das NES ein bahnbrechender Erfolg wurde. Leider ist über die interne Arbeit bezüglich dieser Qualitätskontrolle insgesamt sehr wenig bekannt und doch gibt es unzählige Beispiele für diese Form der Kontrolle. Zum einen durften die Publisher pro Jahr maximal fünf Spiele auf dem NES veröffentlichen, da man sich dadurch eine generell höhere Qualität der Veröffentlichungen versprach und zum anderen führte dass zu einer genauen Kontrolle der Veröffentlichungen. So gibt es einige Spiele vom Famicom, die nie auf das NES gebracht wurden (z.B. „Kid Dracula“ oder „Splatterhouse: Wanpaku Graffiti“), oder kleine Veränderungen (Entfernen von religiösen Symbole, Blut, etc., wie bei „Maniac Mansion“), aber auch größere Veränderungen (z.B. Neuanordnung der Level und Heruntersetzen des Schwierigkeitsgrades, wie bei „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“), die als notwendig erachtet wurden, um ein Spiel herausbringen zu können.

IMG_20181009_211442
Ohne Siegel: Module von Tengen und Wisdom Tree

Natürlich haben findige Hersteller, wie Tengen oder Wisdom Tree im Laufe der Jahre auch Mittel und Wege gefunden, den Lockout-Chip zu umgehen, indem sie ihn dreist kopierten, aber auch das konnte der Aussagekraft des Siegels nicht schaden. Bei der Ersteinführung des Siegels war es noch Gold auf schwarzem Grund, was ca. ab 1989 aber durch Gold auf weißem Grund geändert wurde, wie wir es auch heute noch kennen. Das Siegel ist nicht ohne Grund von Form und Aussehen an einen Orden oder ein Gütesiegel angelehnt, da man genau diese Assoziation im Kunden wecken wollte, was eine Aussage über die Qualität des Produktes treffen sollte. Dabei ist interessant, dass es das Siegel nur in Nordamerika, Australien und Europa gibt. In Asien gab es das Siegel nicht, weswegen man es auch weder auf den Hüllen oder Cartridges für NES und SNES, bzw. in Asien Famicom und Super Famicom, findet. Aber auch innerhalb der Region, in denen es das Siegel gibt, existieren Unterschiede. Am Anfang nur für Nordamerika entwickelt findet man es dennoch auf den meisten europäischen NES-Modulen und Packungen. Nur einige der ersten Veröffentlichungen, wie zum Beispiel „The Legend of Zelda“ haben noch kein Siegel auf dem Modul, alle späteren Spiele kommen dann aber mit dem Siegel. Dabei gibt es regionale Unterschiede. So ist das Siegel in Nordamerika oval geformt und in Europa und Australien rund. Ich habe meine komplette Nintendo Bibliothek durchforstet und für alles, was ich zu Hause hatte, Beispiele der Verwendung des Siegels zusammengestellt.

Lediglich für den N64 und dem DS in seinen Variationen konnte ich nichts raussuchen, da ich keine der beiden Konsolen besitze. Aber ich bin sicher, dass dort auch das Siegel auf der Packung, der Anleitung und wahrscheinlich auch auf dem Modul zu finden ist. Wer dazu was ergänzen kann, ist herzlich eingeladen diese Info in den Kommentaren zu posten oder sie mir per Mail, gerne auch mit Bildern, an Nik@NerdicReviews.net zukommen zu lassen, damit ich sie noch nachreichen kann.

Im Laufe der Jahre hat sich das Siegel nur marginal verändert und ist auch heute noch auf den Verpackungen der Nintendo-Spiele und auch von Nintendo lizensierten Produkten vertreten. Dabei unterscheidet sich die Schrift im Siegel selbst je nachdem, ob es sich um ein Produkt von Nintendo handelt, oder ob es nur von Nintendo lizensiert wurde.

Jedoch hat der Wandel der Zeit auch seine Veränderungen für das Siegel mit sich gebracht: Auf den Modulen der Switch sucht man das Siegel allerdings vergebens, was wahrscheinlich durch die kleine Größe begründet ist. Und da Nintendo seit der WiiU keine Anleitungen für die Spiele mehr beilegen, findet man auch da das Siegel nicht mehr. Bis dahin war das Siegel immer auf der ersten Seite der Anleitung enthalten und enthielt häufig auch noch eine kurze Erläuterung dazu, was sich eigentlich dahinter verbirgt:

Dennoch ist er auf den Verpackungen der Switch, wie in der Einleitung des Artikels bereits erwähnt, immer noch vorhanden und dabei handelt es sich nicht nur um ein Gimmick zum Release von „Flashback“, denn man findet das Siegel auf allen Switch-Spielen. Und sogar Online wird nach wie vor auf die Bedeutung des Gütesiegels hingewiesen, denn gerade im heutigen Zeitalter gibt es ein Überangebot an Soft- und Hardware, von denen nicht alle so reibungslos funktionieren, wie uns die Werbung manchmal Glauben lässt. Und das trifft besonders auf Sachen von Drittherstellern zu, die meist nur den schnellen Taler vor Augen haben…

Screenshot_20181010-073155
(c)2018 Nintendo

Auch wenn das Siegel heute nicht mehr die Zugwirkung von damals hat, so ist dennoch schön, dass Nintendo nach all den Jahren daran festhält und Nintendo anscheinend immer noch nicht alles und jedem freie Hand zur Veröffentlichung gibt. Nintendo scheint allerdings nicht mehr inhaltlich in die Spiele einzugreifen und hat seine strikte Veröffentlichungspolitik gelockert, denn so kommt es, dass es die aktuellen Ableger von Doom und Wolfenstein mittlerweile auf der Switch gibt. Und wer sich im eShop tümmelt stößt auch dort auf die ein oder andere Überraschung, wie einen Port von „Night Trap“ als Download, der ungeschnitten sein soll. Ich konnte es selbst kaum glauben und habe mir das Spiel deshalb schon über die Switch zugelegt, um es auf Herz und Nieren mit der PS4-Version zu vergleichen und kann das nur bestätigen: Das Spiel, das zusammen mit „Mortal Kombat“ dafür verantwortlich ist, dass es in USA überhaupt ein Ratingboad für PC- und Videospiele gibt, ist ungeschnitten auf der Switch erhältlich und somit inhaltsgleich mit der PS4-Version, über die ich schon berichtet habe. Leider gibt es davon keine Retail-Version auf der Switch, sonst wäre wirklich interessant, ob das Spiel dann auch das Gütesiegel bekommt, wovon aber in diesem Zusammenhang mehr aus auszugehen ist.

NB@15.10.2018